Vestlandet

Traumstraßen in Norwegen – Atlantikstraße / Atlanterhavsveien

Atlanterhavsveien Norge, Kodak Ektar, Leica M Elmarit 2.8 28 asph.
Atlanterhavsveien Norge, Kodak Ektar, Leica M Elmarit 2.8 28 asph. | © mare.photo

Die Atlantikstraße in Norwegen zählt als Atlanterhavveien zu den schönsten Autostraßen der Welt. Schon lange wollten wir diese Route entdecken, heute ist es soweit. Wir starten nördlich von Ålesund auf einer der beeindruckendsten Landschaftsrouten Norwegens und lassen lediglich den Zeitdruck hinter uns.

Norwegens schönste Landschaftsrouten – die Atlantikstraße / Atlanterhavsveien

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Atlanterhavsveien Norge, Kodak Ektar, Leica M Elmarit 2.8 28 asph. | © mare.photo

Norwegen hat auf dem Festland eine Küstenlänge von 25.148 Kilometern. Alleine unsere Reise entlang der Küste wird etwa 12.000 Kilometer betragen. Viele Verbindungen führen über Fähren, Tunnels oder Brücken.  Dass Norwgens Straßen aber nicht nur Verkehrswege, sondern architektonische Kunst sind, beweist die norwegische Atlantikstraße mit der ganz offiziellen Bezeichnung Atlanterhavsveien.

Die Route des Atlanterhavsveien

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Atlanterhavsveien Norge, Kodak Ektar, Leica M Elmarit 2.8 28 asph. | © mare.photo

Die Norwegische Landschaftsroute Atlanterhavsveien liegt zwischen der traumhaften Jugendstilstadt  Ålesund und dem nördlich gelegenen Kristiansund.

Schon die Anfahrt zur Atlantikstraße / Atlanterhavsveien ist ein eigenes Erlebnis. Von Ålesund aus orientieren wir uns auf Molde zu und fahren über die entlegen wirkende Landstraße durch grüne und fast einsame Landschaften über die Landstraße 664 bis zum kleinen malerischen Fischerort Bud. Der durchaus heftige Seitenwind verrät uns schon im Vorfeld unsere Nähe zum Meer. Die kleinen Symbole der Landschaftsroute bestätigen uns, in aller Abgeschiedenheit hier doch auf dem richtigen Wege zur weltberühmten Atlantikstraße / Atlanterhavsveien zu sein.

Das historische Fischerdorf Bud

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Atlanterhavsveien Norge, Kodak Ektar, Leica M Elmarit 2.8 28 asph. | © mare.photo

In Bud angekommen können wir die Begenung mit der Atlantikstraße / Atlanterhavsveien kaum erwarten, aber es wäre viel zu schade, dieses kleine historische Fischerdorf Bud links liegen zu lassen. Immerhin war Bud im 16. und 17. Jahrhundert der größte Handelsplatz zwischen Trondheim und Kristiansund. Geblieben ist der Charme dieses malerischen Dorfes Bud, was zugleich der Beginn der Entdeckung der atemberaubenden Atlantikstraße / Atlantikhavsveien ist. Es ist also durchaus eine Überlegung wert, den Campingplatz zu nutzen und eine Nacht an diesem Platz zu verweilen. Denn Bud hat schöne Cafés und Fischlokale, aber auch tolle Plätze zur Vogelbeobachtung oder Wanderung.

Uns zieht es auf den 160 Meter hohen Gulberget, der mit einem entspannten Spaziergang gut zu erreichen ist. Der Blick lässt uns Wurzeln schlagen, denn der Ort Bud selbst, aber auch der Blick auf das Meer mit den Inseln Bjørnsund und Ona ist unbeschreiblich.

Die Atlantikstraße /Atlanterhavsveien

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Atlanterhavsveien Norge, Kodak Ektar, Leica M Elmarit 2.8 28 asph. | © mare.photo

Von Bud aus folgen wir der Atlantikstraße / Atlanterhavsveien  auf ihren 36 Kilometer Länge bis nach Kårvåg. Dass die Route der Atlantikstraße / Atlanterhavsveien lediglich bis zu 30 Meter über den Meeresspiegel verläuft, untermalt die Intensität mit der Umgebung des Atlantik. Der eigentliche Teil der Atlantikstraße / Atlanterhavsveien führt auf einer Länge von 8.274 Metern durch die bizarre Küstenlandschaft Norwegens.

Dabei geht es über sechs Brücken und zahlreiche kleine urige Inseln. Immer wieder gibt es Anhalteplätze, Aussichtspunkte und Anglerbrücken.

Am Ende geht es dann doch einmal unter Wasser, durch den mautpflichtigen Atlantiktunnel in Richtung Kristiansund.

Ob Sonne oder Wind und Wolken, der Atlanterhavsveien ist zu allen Zeiten ein unvergleichliches Erlebnis und verführt uns immer wieder zum Anhalten, Aussteigen, Verweilen. Ein besonderes Erlebnis ist diese Etappe mit den Fahrrad oder Cabrio.

Die Geschichte der Atlantikstraße / Atlanterhavsveien

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Die Umgebung zwischen Ålesund und Kristiansund ist seit jeher berühmt für ihren Fischreichtum. So hatten die Familien zum Teil ihre kleinen Häuschen und Schuppen auf den ebenso kleinen Inseln.
Die Netze waren voll und mussten nun mühsam auf die Märkte in den Städten verteilt werden. Die norwegische Küste ist aber nun einmal sehr zerklüftet und durchaus gefährlich. Die Gewässer in dieser Region zählen bis heute zu den tückischsten Norwegens.

So verwundert es wenig, dass die Menschen auf der Insel Averøy bessere Transportwege für ihren Fang benötigten und eine feste Verbindung ersehnten. Schon früh hatte man eigentlich überlegt, in diesem Bereich eine Eisenbahnlinie zu bauen. Doch legte man solche Planungen im Jahr 1935 endgültig ad acta, das Automobil schien sich unaufhaltsam durchzusetzen. Erst in den 1970er Jahren griff man die Idee einer Anbindung der Inselgruppe um Averøy wieder auf und legte nach langen Planungen am 1.August 1983 den Grundstein für eine der schönsten Landschaftsrouten der Welt, der Atlantikstraße bzw. dem Atlanterhavsveien.

Eine Straße durch den Atlantik zu bauen hört sich aber leichter an als es dann wirklich ist. Alleine während der Bauzeit gab es hier 12 Orkane. Doch nach sechs Jahren konnte der Atlanterhavvegen am 7.Juli 1989 eröffnet werden und gilt noch heute als eines der wichtigsten Bauwerke des 20. Jahrhunderts. Im Jahr 2005 wurde der Atlanterhavsveien dann auch ganz offiziell zum Bauwerk des 20.Jahrunderts gekürt. Der Guardian sieht in der  Atlantikstraße in Norwegen übrigens die schönste Autoroute der Welt.

Sehenswertes entlang der Atlantikstraße / Atlanterhavsveien

Aussichtspunkt Kjeksa

Ein weiteres und zunächst einmal unscheinbares Detail des Atlanterhavsveien ist der Aussichtspunkt Kjeksa.  Nun habe ich selbst lange Zeit im architektonischen Bereich gearbeitet und Räume gestaltet. Aber immer wieder bin ich fasziniert von der Idee, vom Schwung, von der Skizze eines Architekten, der ideenreich ganz eigenwillig und doch in Harmonie mit der umgebenden Landschaft Details schafft, auf die man erst einmal kommen muss.

Genau so wirkt der kleine Aussichtspunkt Kjeksa mit seinen Landschaftsmöbeln und seinem so alltäglichen Betonweg zum Meer hin.

So ruhig und entspannt der kleine Rastplatz und Aussichtspunkt Kjeksa an dieser Stelle auch wirkt, so anspruchsvoll und berüchtigt ist das vor ihm liegende Meer. Hier schauen wir auf eines der gefährlichsten Seegebiete Norwegens.

Aber so lange wir nicht auf dem Meer sind, können wir den Strand genießen, der über den Betonweg und einige Treppen am Fuße des Atlanterhavsveien zum kleinen Strand mit seinen verstreut liegenden Angelplätzen führt.


Aussichtspunkt Askevågen

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Der Aussichtspunkt Askevågen dürfte als kleinster Aussichtspunkt der Atlantikstraße / Atlanterhavsveien für das meiste Gedränge sorgen. Rollstuhlfahrer werden den Askevågen nur von außen betrachten können. Er wirkt wie eine kleine verglaste Kanzel zum Atlantik hin und vermittelt für einen Moment das Gefühl, mittendrin zu sein, im Atlantik vor der norwegischen Küste.

Nicht nur das beeindruckende Panorama des Meeres und der Schären oder der bergigen Umgebung auf dem Festland rund um den Atlanterhavsveien ist beeindruckend, einmal mehr auch der Aussichtspunkt Askevågen als eines der zahlreichen Details des Atlanterhavsveien selbst.


Myrbærholmbrua / Myrbærholmbrücke

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Die Myrbærholmbrua ist wahrscheinlich eine de meistbesuchtesten Anglerbrücken überhaupt. Sie gehört ebenso zu den sieben Straßenbrücken der Atlantikstraße /Atlanterhavsveien und war von Anfang an vor allem bei den Einheimischen sehr beliebt als hervorragendes Angelrevier. Denn durch die Strömung der Gezeiten ist die Chance groß, hier Makrele, Pollack, Seelachs oder einen Dorsch aus dem Wasser zu ziehen.

Nun war es allerdings zu gefährlich, wenn die Angler auf der vielbefahrenen Straße ihre Routen zum Meer hin auswarfen. So ergänzte man im Jahr 2005 den Atlanterhavsveien in diesem Bereich beidseitig um die Anglerbrücken.

Die Storseisundbrua / Storeisundbrücke

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Es ist wohl das eindrucksvollste und vielleicht auffälligste Bauwerk entlang der Atlantikstraße /Atlanterhavsveien. Die Storseisundbrua ist die größte der insgesamt sieben Brücken des Atlanterhavsveien und verbindet die Inseln Averøy und Eide. Sie ist zugleich das Wahrzeichen der Atlantikstraße /Atlanterhavsveien.

Rastplatz Eldhusøya

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Eldhusøya ist einer der Rastplätze, dessen Toiletten durchgehend geöffnet haben. Dazu kommt in den Sommermonaten das kleine Café mit der glitzernden Fassade und den kleinen Fenstern, die an einen Heringsschwarm erinnern.

Ein geschwungener Weg, belegt mit Gitterrosten, führt ein Stück mitten durch die Vegetation der Schären entlang der Atlantikstraße /Atlanterhavsveien.

Die Insel Geitøya

Geitøya ist barrierefrei gut zu erreichen und bietet von seinen Erhebungen ein traumhaftes Panorama auf die schier endlosen Schären entlang des Atlanterhavsveien. Unter der Geitøy-Brücke befindet sich etwa zwei bis drei Meter über dem Atlantik ein idealer Angelplatz, durch die Gezeiten sorgt die Strömung hier für einen ungeahnten Fischreichtum. Vom Parkplatz aus führt ein Angelsteg hierher.

Ein Bootsanleger bringt Gäste von hier aus  zur kleinen Fischerinsel Håholmen. In diesem kleinen, nur mit Booten erreichbaren Fischerdorf Håholmen fühlen wir uns ein wenig ins 18. Jahrhundert zurück versetzt, alles ist noch im originale Zustand erhalten.

Etwa fünf Hektar ist Håholmen groß, hat mit seinen etwa 30  historischen Gebäuden aus den typischen Boots- und Wohnhäusern fast alles, was ein idyllisches Dorf so benötigt. Eine Bäckerei versorgt uns mit einer kleinen Auswahl hiesiger Backwaren und im ebenso überschaubaren Filmvorführraum der Saga Siglar-Halle hat man einen unvergleichlichen Kino-Genuss. Zur Westseite der Insel liegt das offene Meer mit seiner Fahrrinne, die regelmäßig auch mit den Hurtigruten durchlaufen wird. Die heute so ursprünglich Insel Håholmen ist es wert, hier eine Zeit zu verweilen, das romantische Hotel auf Håholmen wird für einen unvergesslichen Aufenthalt auf Håholmen sorgen.

Jeder Artikel wird weiter entwickelt, angepasst, ergänzt. Wenn Sie Anregungen oder Erlebnisse, historische und aktuelle Bilder haben, gerne mit uns zusammenarbeiten oder sich an dieser Stelle präsentieren möchten, dann schreiben Sie an redaktion@weites.land.

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