Die Geschichte der SAAB Automobile

Wir sind zu Besuch im SAAB Museum Trollhättan. In dieser schwedischen Arbeiterstadt entstanden die berühmten Lokomotiven der Firma NOHAB und die Fahrzeuge der berühmten schwedischen Marke SAAB. Fahrzeuge von SAAB sind leider Geschichte. Auch, wenn die Fahrzeuge im alltäglichen Straßenverkehr immer noch eine Selbstverständlichkeit sind. Wir tauchen ein in die spannende und innovative Historie der SAAB Automobile.

Die erste SAAB-Fahrzeugserie

Saab Automobile war neben der Marke Volvo alleine schon durch seine schwedische Herkunft eine Kultmarke und ist es bis heute geblieben. Dabei fing die eigentliche Geschichte im Jahr 1937 mit der Entwicklung von Kriegsflugzeugen an. Dazu wurde die Svenska Aeroplanaktiebolaget gegründet. Aus dieser Firmenbezeichnung entstand der Markenname SAAB.

Am 10. Juni 1947 wurde der Ursaab vorgestellt. Drei Prototypen wurden für Testzwecke gebaut, eh unter der Bezeichnung SAAB 92 ab 1949 die erste Serie auf den Markt kam. Warum SAAB 92? Weil SAAB 90 und SAAB 91 bereits als Baureihen-Bezeichnungen für Flugzeuge beansprucht wurden. Im Design des SAAB 92 fand man fast folgerichtig auch die Silhouette der damaligen Flugzeug-Kabinen wieder.

Im Zusammenhang mit der Entwicklung einer Fahrzeugsparte durch das junge Luftfahrtunternehmen SAAB wird sich bis in die heutige Zeit ein Name immer wieder bemerkbar machen.Marcus „Dodde“ Wallenberg aus einer erfolgreichen schwedischen Dynastie und Bankiers-Familie war Mitbegründer der SAAB AB im Jahr 1937. Er setzte sich vehement für die Entwicklung von eigenen SAAB Fahrzeugen ein. Das heutige SAAB Car Museum wurde durch die Wallenberg-Stiftung mit einem hohen Geldbetrag unterstützt. Bis zur Übernahme durch General Motors im Jahr 2000 prägten Marcus Wallenberg und sein Sohn Peter die Fahrzeugmark SAAB.

Im Jahr 1969 übernahm SAAB den schwedischen LKW-Hersteller Scania und firmierte fortan unter SAAB-Scania. Allerdings wurden die Fusion im Jahr 1995 wieder aufgelöst und die Markennahmen SAAB und Scania wieder voneinander getrennt. In den Folgejahren wurde Scania dann Teil des VW-Konzerns.

SAAB in Finnland

Der SAAB 92 wurde kontinuierlich weiterentwickelt. Aus ihm entstanden die Baureihen SAAB 93 und SAAB 96. Ab 1968 folgte die etwas größere Baureihe unter der Bezeichnung SAAB 99. Damit handelte es sich um eine komplette Neuentwicklung und zweite Serie. Der SAAB 99 sollte im weiteren Verlauf die Grundlage für den berühmten SAAB 900 werden. 

Im gleichen Jahr gründete SAAB mit dem finnischen Unternehmen Valmet eine gemeinsame Fahrzeugproduktion- die SAAB-Valmet. In den ersten 11 Jahren wurden dort ausschließlich SAAB-Modelle produziert. Exklusiv für den finnischen Markt entstand 1977 und 1978 der SAAB FINLANDIA– eine um 20 cm verlängerte Variante des SAAB 99. Sie fanden vor allem bei finnischen Regierungsmitgliedern großen Anklang. Mit der Einführung des SAAB 900 bekam der SAAB FINLANDIA ab Sommer 1978 dann auch das neue Design. Ab 1984 war die Modellreihe dann als SAAB 900 CD auch Export-tauglich.

Kooperationen und Parallel-Entwicklungen

SAAB unternahm die ein oder andere direkte und indirekte Kooperation, um neue Modelle und neue Absätze zu generieren. In Finnland entstand bei SAAB-VALMET der auf dem Talbot Horizon basierende SAAB HORIZON, der zwischen 1979 und 1987 für den dortigen Markt produziert wurde. 

Bereits seit 1974 vermarktete SAAB den AUTOBIANCHI A 112 aus Italien als Lancia 112 in Nordeuropa. Durch diese Kontakte entstand eine gemeinsame Entwicklung des SAAB Lancia 600, der aber in Italien gefertigt wurde. Dieses Modell erwies sich durch seine für das nordische Klima unfähige Heizungsanlage als Flop. Bis 1986 wurde er in Schweden mit teils hohen Rabatten verkauft, ab 1983 allerdings nur noch unter dem Namen Lancia.

Bereits 1979 hatte man mit der Entwicklung der gehobenen Mittelklasse begonnen und konnte im Jahr 1985 den SAAB 9000 auf den Markt bringen. Dieser wurde bis 1995 produziert. So wurden der SAAB 900 und der SAAB 9000 die Gesichter der Automarke aus Schweden.

Doch schwedische Automobile hatten schon immer ihren Preis und das hatte zur Folge, dass man für eine rentable Weiterentwicklung einen großen Partner suchte. Ford winkte ab. General Motors kam im Jahr 1989 ins Spiel. Für echte SAAB-Fans ist hier die SAAB-Geschichte zu Ende.

Übernahme durch General Motors

Tatsächlich aber begann mit dem Einstieg von General Motors der dramatischste Teil der SAAB Geschichte. SAAB Automobile schrieb Verluste und suchte nach einem Partner zur Entwicklung marktfähiger Nachfolgemodelle für die beiden Reihen SAAB 900 und SAAB 9000. Ford winkte ab. Und so kam es im Jahr 1989 zum Einstieg von General Motors. Dazu wurde 1990 eine Joint Venture als SAAB Automotive AB. Jeweils 50 Prozent lagen bei SAAB und 50 Prozent bei General Motors. Im Jahr 1995 wurde die Scania AB herausgelöst und Saab verkaufte seine restlichen Anteile im Jahr 2000 an General Motors.

Doch Saab war seit der Übernahme bis auf eine kurze Ausnahme verlustreich. Das lag vielleicht weniger an SAAB als an dem zunehmend ofensichtlicher werdenden Sanierungsfall General Motors. Im Jahr 2009 gab Genera Motors bekannt, u.a. SAAB bis 2010 abstoßen oder aufgeben zu wollen. Die schwedische Produktion bekam in diesem Zuge kein Geld mehr von seinem Mutterkonzern. Das hatte zur Folge, dass SAAB selbst die Zölle in Schweden nicht mehr bezahlen konnte. Es kam zum Produktionsstillstand und damit zum Anfang vom Ende.

Zick Zack der letzten Hoffnungen – 1. Akt: Spycker

Im Jahr 2009 lehnte die Schwedische Regierung Staatshilfen ab. Auch ein neuer Investor wurde nicht gefunden. Es gab keinen enthusiastischen Wallenberg der Gründerzeit mehr. Stattdessen verloren in einem ersten Schritt im April 2009 zunächst 701 Beschäftigte im SAAB Automobilwerk Trollhättan ihren Arbeitsplatz.

Da trat ein neuer Akteur ins Rampenlicht. Denn es gibt in Schweden noch einen Automobil-Hersteller, den meisten sicherlich unbekannt. Die Firma Koenigsegg ist eine kleine exklusive Sportwagenschmiede udn die zeigte Interesse. Am 11. Juni 2009 wurde deren Kaufinteresse öffentlich. Am 16. Juni 2009 wurde der Kauf vereinbart und sollte bis Jahresende über die Bühne gehen.  

Allerdings scheiterte ein Kredit der Europäischen Investitionsbank über etwa 450 Mio Euro. Eine niedrigschwellige Beteiligung einer der Stadt Peking gehörenden Automobilproduktion BAW (BAIC) sollte die fehlenden Finanzmittel ausgleichen. Letztlich scheiterte auch diese Übernahme. Die BAW übernahm jedoch Technologie und Fertigungsanlagen der Serien 9-3 und 9-5.

Am 18. Dezember 2009 erklärte General Motors den Verkauf von Saab für gescheitert und wollte die Fahrzeugmarke bis zum Jahresende abwickeln. Doch drei Tage später sprang der niederländische Sportwagen-Hersteller Spycker aufs Parkett und kaufte SAAB Automotive am 23.Februar 2010.

Im März 2011 stoppte Saab vorübergehend die Autofertigung in Trollhättan, weil Lieferanten aufgrund unbezahlter Rechnungen die Komponentenzulieferung einstellten. Im Mai wollte ein chinesischer Konzern als Partner einsteigen, scheiterte jedoch an fehlenden Genehmigungen. Dann trat ein anderer chinesischer Autohandelskonzern als Investor auf. Sie planten, 24 % des Mutterunternehmens Spyker Cars zu kaufen und gemeinsame Vertriebs- und Produktionsunternehmen in China zu gründen. Nach einer Vorauszahlung von 30 Millionen Euro nahm Saab die Produktion wieder auf. Doch es kam erneut zu Produktionsstopps aufgrund von Lieferengpässen.

Im Juni 2011 konnte Saab die Löhne im letzten Moment zahlen, indem sie Kredite aufnahmen und Teile ihrer Fabriken verkauften. Im August erfolgte die Gehaltsauszahlung mit Mitteln aus dem Verkauf eigener Aktien. Im September beantragte Saab Gläubigerschutz, um eine drohende Insolvenz abzuwenden. Der Antrag wurde zunächst abgelehnt, aber später von Angestelltengewerkschaften erneut gestellt. Saab kämpfte um finanzielle Unterstützung aus China, aber die Deals scheiterten, und schließlich meldete das Unternehmen im Dezember 2011 Insolvenz an, nachdem General Motors seine Rettungspläne abgelehnt hatte, da Saab noch einige Patente von GM nutzte.

Zick Zack der letzten Hoffnungen – 2. Akt: Nevs

Im Juni 2012 übernahm National Electric Vehicle Sweden (NEVS) Teile von Saab Automobile, einschließlich Anlagen, Immobilien, Fahrzeugrechten und der Plattform Phoenix. NEVS plante die Entwicklung von Elektroautos in Trollhättan ab 2014. Das erste Fahrzeug, basierend auf dem 9-3 Griffin von 2011, sollte sowohl als Verbrennungsmotor- als auch als Elektroversion produziert werden.

Zuerst erhielt NEVS die Rechte zur Nutzung des Namens SAAB von SAAB AB, aber nicht das alte Logo, das exklusiv von Scania genutzt werden sollte. 2014 musste NEVS Gläubigerschutz beantragen, woraufhin SAAB AB die Markennutzungsrechte entzog.

Ende 2014 veräußerte NEVS das Ersatzteilgeschäft an die staatliche Orio AB, die nun Ersatzteile im alten SAAB-Werk in Trollhättan herstellt und die Versorgung älterer Modelle sicherstellt.

NEVS plante 2016, ab 2017 die ersten neuen Elektroautos auszuliefern. Ursprünglich sollten sie auf dem SAAB 9-3 basieren, aber nach dem Verlust der SAAB-Markenrechte würden sie unter dem Namen NEVS vermarktet. China und Schweden waren zunächst die Hauptmärkte.
Die Marke SAAB gehört zum Rüstungskonzern SAAB AB. Früher gab es ein Logo mit einem stilisierten Flugzeug, später nur den Schriftzug. 1985 wurde ein neues Logo mit dem Wappentier der Provinz Schonen eingeführt. Als SAAB von SCANIA abgespalten wurde, übernahm Scania die Markenrechte am Logo. Ursprünglich waren alle drei Unternehmen im gleichen Konzern. 

Das neue Unternehmen NEVS nutzte den Markennamen SAAB für seine Fahrzeuge, aber nicht das bisherige Logo mit dem Greif. Am 14. Januar 2013 wurde ein neues Logo mit einem Kreis und dem Schriftzug „SAAB“ vorgestellt. Es enthält auch Versionen des Schriftzugs mit skandinavischen Jahreszeitenmotiven. Die neue Schriftart ist die Akzidenz-Grotesk. Im August 2014 entzog SAAB AB NEVS die Nutzung des Namens SAAB. SAAB Automobile sind seitdem nur noch Geschichte.

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