Unterwegs im Sylan (Sylarna) mit dem DNT und dem STF
Es ist schon lange her, da habe ich mit einem Freund eine dreiwöchige Tour mit Langlaufski und Rucksack von Hütte zu Hütte organisiert. Wir haben alle winterlichen Wetterkapriolen mitgenommen, um uns dann in den Hütten des Den Norsk Turistverening (DNT) oder dem Svensk Turist Verening (STF) von den Strapazen zu erholen oder den Tag mit den überaschenden Polarlichtern ausklingen zu lassen. Unterwegs waren wir im Sylan. So jedenfalls ist die norwegische Schreibweise. Im schwedischen wird dieses herrliche Bergparadies als Sylarna bezeichnet.
Egal wie, seitdem bin ich in dieses Gebirge verliebt. Eine kurze Wanderung zu meinem 29. Geburtstag folgte. Die Sehnsucht wurde aber nie weniger. Nun ist unser Sohn sechs Jahre alt und gewillt, Papa auf seiner diesjährigen Wanderung zu begleiten. Endlich wieder ab ins Sylan.
Kurzbeschreibung des Sylan (Sylarna)
Das Sylangebirge liegt etwa 150km südöstlich von Trondheim. Es erstreckt sich etwa 400 Quadratkilometer groß als Nationalpark im norwegischen Trønderlag und schwedischen Jämtland. Umgeben ist es von den Tälern um Selbu / Tydal und Stjørdalen / Meråker in der mittelnorwegischen Region Trønderlag. Die Südsamen halten hier beidseitig der Grenzen ihre Rentierherden.
Schnee liegt hier von September / Oktober bis in den Mai hinein. Den ganzen Sommer über sorgen die tauenden Reste für kleine und große unterschielich temperamentvolle Bäche. In den Ebenen trifft man auf große moorähnliche Feuchtgebiete. Kieferwälder und eigenartig gewachsene Birkenhaine finden sich bis zur Baumgrenze auf etwa 800 Meter Höhe. Blaubeere gibt es soweit das Auge reicht.
Eigentlich kann man sich bei klarem Wetter überall im Sylan befinden, das Sylan-Gebirgsmassiv wird uns begleiten und ist ganzjährg mit Schnee bedeckt. Der höchste Berg im Sylan Gebirge ist der Storsylen mit einer Höhe von 1762 über dem Meeresspiegel. Er befindet sich auf der Grenze von Norwegen und Schweden. Der Toppen des Storsylen, So nennt man hier den Gipfel) liegt dabei auf norwegischer Seite. Überwiegend auf schwedischer Seite dagegen liegt dessen Gletscherfeld. Storsola endet bei einer Höhe von 1702 Meter und auch der Litsylen schafft 1606 Meter.
Seit 1917 ist das Gebiet des Sylan zum grenzüberschreitenden botanischen Nationalpark erklärt. Um 1970 wurde der besondere Schutz jedoch aufgrund einer geplanten Gewässerregulierung aufgehoben. Erst im Jahr 2008 wurde auf norwegischer Seite das Landschaftsschutzgebiet Sylan eingerichtet.
Wandern und übernachten im Sylan mit dem DNT und STF
Der norwegische DNT und schwedische STF betreiben im Sylan / Sylarna etwa 30 bewirtschaftete udn unbewirtschaftete Hütten und stimmen die ausgwiesenen Waderrouten und etwa 820km Langlaufloipen aufeinander ab. So finden sich teils unterschielich markierte Sommer- und Winterrouten. Denn im Winter führen diese über die riesigen zugefrorenen Seen wie den Nesjøn.
Ich selbst kenne das Sylan (Sylarna) Gebirge sowohl im Schnee aus den Monaten März / April und als Sommervariante aus den Monaten Juni / Juli. Ebenso war ich bereits in allen norweigischen und schwedischen Hütten des DNT und STF.
Die erste dokumentierte Besteigung des Storsylen ist vom 17. Juli 1885 durch die Norweger Peder Steensaas och Albert Ravnö. Im Jahr 1901 gab es bereits 49 Gipfelstürmer und im Jahr 1920 bestiegen dann 300 Menschen den Gipfel. Heute wird in den Hütten nicht selten die Frage gestellt, ob man denn auch schon mal auf dem Storsylen war. Man sollte sich aber von diesem Zwang frei machen. Vor allem ohne alpine Erfahrung. Denn die Schönheit des gesamten und vielfältigen Sylan-Gebietes allein schon ein Glücklichmacher. Der Rest dient dann eher bestimmten Befriedigungen.
Sylan / Sylarna das erste Mal entdecken
Das ganze autofreie Gebiet des Sylan / Sylarna ist so aufregend und vielf#ltig, dass man ganze Bücher damit füllen könnte. Egal auf welchen Spuren man hier wandelt, feste Wanderschuhe, Allwetterbekleidung, Hut, Sonnenschutz, Trinkbehälter und Mückenschutz sind in der schneefreien Sommerzeit genauso Pflicht wie ein manueller Kompass und Karte. GPS- und Telefon-Empfang können nicht garantiert werden. Wanderstöcke können sehr entlastend sein.
Abgesehen davon, dass es durch moorige Gebiete über schmale und mitunter morsche Planken geht und man ohne diese tief einsinkt, geht es durch reite Rinnsääle und kleine und große Bäche, oder trockene Ebenen und über Geröllfelder und steinige Hänge. Die Touren sind unterschiedlich herausfordernd. Wir zeigen drei Touren, die nicht nur für ungeübte Menschen herausfordernd, aber gut machbar sein dürten. Gewisse Konditionen vorrausgesetzt.
Der ideale Einstieg: Aufstieg zur Kjøli Hytta mit Übernachtung (Unbewirtschaftet)
Über eine private Mautstaße (ca 8-10 EURO) erreichen wir den Einstieg zur Kjøli Hytta. Das hiesige Gebiet war bis 1940 Bergbaugebiet. Vereinzelt findet man noch Zeugnisse. Von der Straße aus ist der Aufstieg etwa acht Kilometer lang, die Hälfte davon ist Steigung. Man kann noch etwa einen Kilometer aufwärts fahren, dort gibt es einen Parkplatz. Hinter der Schranke folgt man einer Fahrspur. Schon früh sieht man im Juli die ersten Schneereste. Und genauso früh ist de Umgebung diesem Umstand geschuldet feucht bis nass.
Hat man die Kuppe erreicht, sieht man an einem See bereits zwei kleine schwarze Hütten. Und freut sich mit jedem Näherkommen. Das aber sind nicht die DNT-Hütten. Doch vor dieser Gewissheit kommt ein vor allem nach einem Regen breiter Abfluss des Bergsees. Da kommen schon ganz konkret die Wanderstöcke ins Spiel, wenn es heißt, sich über die halbwegs hoch liegenden Steine auf die andere Seite zu balancieren. Meinen Sohn habe ich hier durchgetragen und bin ohne Schuhe und mit kurzer Hose zum Teil knietief durch das Wasser gewatet.
Hat man realsiert, daß die Kjøli Hytta noch zwei Kilometer entfernt liegt, geht es weiter durch ziemlich konstant feuchte Gebiete.
Gamaschen an den Füßen und gewachste hohe Wanderschuhe werden Gold wert sein. Bei klarem Wetter sieht man die Wintermakierungen zur Hütte und kann sich ganz gut orientieren. Denn die Wegmarkierungen können schon mal unter einem Schneefeld verdeckt bleiben. Klares Wetter ist in den Bergen aber gar keine Garantie. Immerhin sind wir hier über 1000 Meter über dem Meeresspiegel. Wenn Wolken mit dem Berg kollidieren, wird es dramatisch nebelig. Wir selbst haben beim Aufstieg Regen und Nebel erlebt und waren hier in tiefen Schnee und im Sommer.
In der Hütte angekommen, kann man Feuer machen und sich an der Gas-betriebenen Kochstelle etwas brutzeln. Am nächsten Tag geießt man die Umgebung, sieht mit Glück Rentiere und läuft zum Auto zurück.
Wichtig: Bitte unbedingt auf den markierten Wegen bleiben. Es gibt hier und da Stolleneinbrüche als schmale tiefe Löcher. Nicht alle sind verschlossen. Und die kleinen Warnschilder stehen mit Abstand vor diesen. Ich würde mich noch nicht einmal an den Rand eines solchen Einbruchs wagen.
Storeriksvollen – Blåhammaren: Über zwei Hängebrücken nach Schweden und zurück
Eine der wohl beliebtesten Wandertouren führt von der DNT Hütte Storeriksvollen in Norwegen zur STF Blåhammar Fjällstasjon in Schweden. Etwa vier bis fünf Kilometer von Storeriksvollen entfernt liegt nach einer mautpflichtigen Straße der Parkplatz. Die Straße ist schmal und man wird den Gegenverkehr verfluchen. Vor allem, wenn er über PKW-Größe hinaus geht. Umgekehrt mutmaße ich, wird die Reaktion nicht minder sein.
Es gibt zwei Alternativen zur Hütte- wir empfehlen die etwas längere. Die kürzere ist verlockend, um nach Storeriksvollen zu gelangen, aber sie ist feucht und entsprechend von Mücken bevorzugt.
Storeriksvollen ist eine bewirtschaftete Hütte, in der man begrenzt bis gar nicht sein eigenes Essen zubereiten kann. Dafür gibt es ein leckeres Frühstücksbuffet, Waffeln und Kaffee und ein regionales deftiges und leckeres Abendessen. Zum Frühstück kann man sich sein Lunchpaket dazubuchen und sich dann Brote für unterwegs schmieren.
Manche Familie aus der Umgebung kommt hier her, um mit den kleinen Kindern zwei Kilometer zur nächsten Hängebrücke zu wandern und dort den kleinen Seestrand zu nutzen. Bis dahin führt der breite und miunter leicht überschwämmte Weg durch Birken und Feuchtwiesen. Mückenabwehr ist sehr empfehlenswert.
Nach der ersten Hängebrücke geht es an einem Hang durch Birken einen schmalen Pfad schnell hoch hinaus. Bald werden wir die Baumgrenze verlassen und uns auf etwa 1000 Höhenmetern bewegen. Felsige Landschaft wechelt sich mit feuchten weitläufigen Ebenen an. Es geht immer wieder auf- und abwärts, bis man auf der Hälfte des Weges nach einer Bachquerung und einem Durchgang durch einen Rentierzaun den Grenzfluss erreicht. Fast wie in einem Lost Plave leicht zugewachsen öffnet such die nächste Hängebrücke auf die schwedische Seite. Hier steht dann auc das Grenzschild.
Durch einen weitläufigen lichten Wald von lichten Krüppelbirken erreichen wir bald wieder die Baumgrenze und gehen die nächsten Kilometer über stark mooriges Gebiet auf den schmalen Planken. Manche Bachüberquerung sollt eman vorsichtig antasten, dass sie nicht einbricht. Aber frisches Holz zur Reparatur ist überall verteilt. Nur im Moor hält so etwas nicht lange. Zeit, den vielen ehrenamtlichen, die diese Routen in Gang halten, ein riesiges Danke schön zu sagen.
Bald kommen wieder die felsigen Landschaften mit kleinen Schneefldern, Bachläufen und durch schmelzenden Schnee verursachten schlammigen Feldern. Ein bischen Klettern gehört jetzt zum Programm. Und wieder sind Wanderstöcke eine riesige Entlastung für die Kniegelenke.
Insgesamt wird man bis nach Blåhamaren etwa sieben Stunden brauchen. Mit längeren und lohnenswerten Pausen auch länger. Denn was treibt einen?
Erschöpft wird man dann von weitem die STF Blåhammar Fjällstasjon sehen und ihr mühsam und zunehmend glücklich näher kommen. Sie ist nicht bewirtschaftet, hat aber einen großzügigen Kiosk und eine große Küche. Darin holt man sich dann seinen heißen Kakao und setzt sich auf die herrliche Sonnenterrasse.
Am Abend schauen ein paar Rentiere vorbei udn dann geht es in den Schlafsaal. Am anderen Morgen führt diese Tour zurück nach Storeriksvollen und man wird Menschen treffen, die genau die gleich Tour unternommen haben.
Die wichtigsten Links zum Sylan / Sylarna
Ich habe diese Tour mit unseren sechsjährigen Sohn unternommen. Von hier aus sind wir am nächsten Tag zur Nedalshütte gefahren. Im nächsten Jahr möchte er gerne zwei Wochen wandern gehen.
Auf der gesamten Reise / Wandertour habe ich lediglich mit der Brennweite 28mm fotografiert und dazu das manuell zu fokussierende kleine Objektiv Leica Elmarit M 2.8/28mm ASPH. eingesetzt. Auch von Zeiss / Voigtländer gibt es vergleichbare Objektive.

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