Analoge Fotografie – Das umfassende Handbuch aus dem Rheinwerk Verlag: Unsere Buchvorstellung
In einer Zeit, in der Milliarden digitale Fotos entstehen, unzählige Ratgeber multimedial oder gedruckt über die digitale Fotografie erscheinen, kommt ein Ratgeber auf den Markt, der aus der Zeit gefallen zu sein scheint: „Analoge Fotografie – Das umfassende Handbuch“ aus dem Rheinwerk Verlag.
Nun stehen wir selbst der analogen Fotografie sehr nahe. Zahlreiche Artikelbilder in unseren Internetmagazinen weites.land und mare.photo sind analog entstanden. Die Serie über Norwegen sogar nahezu komplett. Aber das eine Neuerscheinung wie „Analoge Fotografie – Das umfassende Handbuch“ sehr gut in unsere Zeit passt, wird uns bewusst, als unser Nachbar mir von der analogen Fotografie seiner studierenden Tochter erzählt. So gut wie alle Familienmitglieder arbeiten im Bereich des Design für Mode oder Innenarchitektur. Eine Tischlerei, eine analoge Druckmaschine, das sind nur zwei weitere Beispiele, zu denen sich nun auch noch die analoge Fotografie gesellt. Analog zu fotografieren scheint modern zu sein.
Ich selbst komme aus der Zeit, in der man von Fotografie sprach und damit ausschließlich die analoge Fotografie meinte. Eine digitale Alternative gab es nicht. Ich habe für Zeitungen und für kleinere Ausstellungen fotografiert, noch vor wenigen Jahren mitten im digitalen Zeitalter ein Magazin über den Nord-Ostsee-Kanal und einen regionalen Bildband mit Rezepten analog fotografiert. Mit dem Siegeszug der digitalen Fotografie wurde die analoge Fotografie häufig genug tot gesagt. Zurück in der Realität suchen Kodak und Fujifilm händeringend Ausbilder und Fachkräfte, um den Bedarf an analogem Filmmaterial decken zu können. Nicht ohne Grund wird analoge Fotografie immer noch an den renommierten Fachschulen der Fotografie gelehrt.
Grund genug also, der wachsenden Anzahl von analog fotografierenden einen Ratgeber an die Hand zu geben. Und so passt „Analog fotografieren – Das umfassende Handbuch“ aus dem Rheinwerk Verlag bestens in die aktuelle Zeit. Nun gibt es natürlich auf dem Gebrauchtmarkt zahllose Fotolehrbücher aus der analogen Zeit, warum also einen aktuelle Ratgeber kaufen?
Das eine schließt das andere nicht aus. Auch wir möchten das einstige „Fotohandbuch“ von John Hedgecoe nicht missen, genauso auch nicht die zahlreichen Ausgaben aus dem damaligen Verlagshaus Laterna Magica.
Doch hat sich auch, entgegen anderslautenden Behauptungen, die analoge Fotografie weiter entwickelt, sind andere Techniken wiederentdeckt oder hinzugekommen. Bei den Filmmaterialien, den Batterien, der Fotochemie hat sich viel getan, auch zum besseren Umweltschutz. Zeit also für ein zeitgemäßes Werk, welches den Stand der heutigen Möglichkeiten spiegelt.
Und so geht „Analog fotografieren – Das umfassende Handbuch“ auf die heutige Herausforderung ein, mit teils alten und gebrauchten Kameras und deren Zubehören zu fotografieren. Das beginnt mit der Vorstellung der unterschiedlichen Kamerasysteme, geht über die verschiedenen Formate der Filme und endet noch lange nicht mit den Alternativen zu den damals produzierten Batterien.
Grundlegend und kurzweilig wird das Spiel mit dem Charakter der unterschiedlichen Filme erklärt. Ebenso erfährt man wesentliches über Auflagenmaße von Objektiven oder dem Einsatz von nützlichem Zubehör. Wer seine belichteten Filme selbst entwickeln oder gar in der eigenen Dunkelkammer seine Bilder selbst abziehen möchte, findet in „Analog fotografieren – Das umfassende Handbuch“ einen kurzen und verständlichen Leitfaden. Ebenso eingegangen wird auf die Präsentation und auf die Archivierung. Garniert mit spannenden Interviews von Menschen, die immer noch tagtäglich mit der analogen Fotografie betraut sind.
„Analog fotografieren – Das umfassende Handbuch“ ist ein für seinen Informationsgehalt erstaunlich kompakter, hochwertig verarbeitetes Lehrbuch der Fotografie, welches sich sowohl an Neueinsteiger wie auch Wiederentdecker der analogen Fotografie richtet. Wissen um Prozesse, Tipps um Umgang mit funktionierender und oft simpler Technik und gute Schritt-für-Schritt-Anleitungen machen die analoge Fotografie zu etwas greifbaren, etwas realem. Dabei geht „Analog fotografieren – Das umfassende Handbuch“ weit über die Standardfotografie hinaus. Ein großer Anteil hat die experimentelle Fotografie von Polaroid, abgelaufenen Filmen oder der ganz ursprünglichen Lochkamera.
Genauso finden sich alle relevanten Adressen in Bezug der analogen Fotografie im Anhang. Sei es um die Beschaffung gebrauchter Kameras oder aktuellem Filmmaterial, sei es um die entsprechenden Entwicklungsmöglichkeiten.
Eines aber hat uns an diesem wirklich empfehlenswerten Band aus dem Hause Rheinwerk dann schmunzelnder Weise doch gestört: Wie erwartet, trafen wir schnell auf den Begriff Entschleunigung. Warum analoge Fotografie genau mit solchem Begriff in Verbindung gebracht wird, ist uns ein Rätsel. Analoge Fotografie ist in unseren Augen keine Therapieform, vielmehr eine eigene, individuelle Ausdrucksform. Aber das bleibt Ansichtssache.
Natürlich deckt „Analoge Fotografie – Das umfassende Handbuch“ nicht alle Themenfelder ab. Aber es ist ein Baustein und Mittelpunkt für die unterschiedlichsten Themenschwerpunkte drum herum. Wer sich also mit analoger Fotografie beschäftigt, erfährt mit diesem Buch alles, was man Stand heute zur analogen Fotografie wissen sollte.
- 339 Seiten
- gebunden, in Farbe
- Rheinwerk Fotografie
- ISBN 978-3-8362-6484-6
- Preis € 39,90
Weitere Details und Bestellmöglichkeit zum Buch hier
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