Ringebu im Gudbrandstal (Gudbrandsdalen) – eine kleine Statt-Stadt
Ringebu liegt an der berühmten E6 fast 60 km nördlich von Lillehammer eingebettet im malerischen Gudbrandsdal. Tatsächlich erinnere ich mich an die Stabkirche und den Campingplatz in Ringebu stellvertretend für meine erste Tour nach Norwegen. Oft bin ich seitdem hier durchgefahren oder habe auch mal kurz gehalten. Mittlerweile verbringen wir manches Weihnachten in unmittelbarer Nähe zur Ringebu Stabkirche.
Leben und Arbeiten in Ringebu
Ringebu liegt etwa in der Mitte zwischen Oslo und Trondheim. Die Europastraße E6 schlängelt sich mitten durch den kleinen Ort. Entsprechend viele Fahrzeuge passieren täglich die Verbindung in Richtung Lillehammer oder dem herrlichen Dovrefjell. Für einen Ort mit etwa 1400 Einwohnern und insgesamt über 4000 Einwohnern zusammen mit dem Umland ist Ringebu erstaunlich gut versorgt. Drei Supermärkte und eine Tankstelle, Bibliothek, Kulturzentrum, Café, Restaurant und zahlreiche Sportgeschäfte finden sich im Kleinstadt-ähnlichen Zentrum.
Die Dovre-Bahn hält in Ringebu und verbindet Oslo mit Trondheim. Im erhaltenen Bahnhofsgebäude ist ein Wartesaal mit ein paar historischen Eisenbahnfotos und ein Imbiss untergebracht.
Ringebu ist vergleichbar mit einer deutschen Kommune. Zu ihr gehören große Natur- und Skigebiete, oder gleichnamige Zentralort und der kleine Ort Favang. Geprägt ist Ringebu zum einen durch die Land- und Forstwirtschaft, zunehmend aber auch vom Tourismus. Allem voran der Wintersport hat sich in den umliegenden Fjellen seit der Olympiade im benachbarten Lillehammer fest etabliert.
Wir selbst mögen das Wandern in die zum Teil bis zu 1.400 Meter hohen Berge. Vorbei geht es dabei an den vielen kleinen Bergbauernhöfen. Diese finden sich vor allem bis zu einer Höhe von etwa 400 Metern. Das Heu wird im Winter aus dem Tal geholt. Ebenso muss bei Wind und Wetter und somit auch bei Schnee die Milch abgeholt werden. Der norwegische Staat achtet akribisch darauf, dass seine kleinen Höfe geschützt bleiben. Landwirtschaftliche Erzeugnisse außerhalb Norwegens dürfen nicht eingeführt werden.
Geschichte über Ringebu
Ringebu hat eine Jahrhunderte alte Geschichte. Nicht ohne Grund gibt es hier eine alte Stabkirche. Zur richtigen selbstverwalteten Gemeinde wurde Ringebu dann im Jahr 1837. Tatsächlich soll die erste Nationalversammlung Norwegens in der Stabkirche Ringebu stattgefunden haben, bevor dann die offizielle verfassungsgebende Nationalversammlung im Jahr 1814 in Eidsvoll folgte.
Heute trifft man überall in Ringebu noch auf historische und damit meist alte landwirtschaftliche Gebäude. Mitunter stehen sie als Nebengebäude auf privaten Grundstücken. Nicht selten aber sind sie auf landwirtschaftlichen Betrieben immer noch in ihrer Funktion.
Am Vålebakken am Ortsrand steht noch eine Skisprungschanze aus dem Jahr 1957. Im Jahr 1977 wurde sie noch einmal umgebaut, ist aber schon lange nicht mehr in Betrieb.
Ringebu Prestegård
Kultureller Treffpunkt von Ringebu ist sicherlich der üppige Prestegård aus dem Jahr 1743. Dieser Pfarrhof entstand oberhalb der Stabkirche, nachdem zuvor an gleicher Stelle ein Bauernhof niedergebrannt war. Insgesamt soll der Prestegård Ringebu aus etwa 50 Gebäuden bestanden haben. Doch im Zuge eines Umbaus verschwanden diese bis 1921. Stattdessen entstand den aktuellen landwirtschaftlichen Entwicklungen angepasst ein neues Wirtschaftsgebäude mit einer Länge von 35m und einer Breite von 15,50m. Heute sind insgesamt sechs Gebäude erhalten.
Aktuell befindet sich neben einer Galerie eine Ausstellung sowohl über die Stabkirchen einschließlich der Stabkirche Ringebu und der Geschichte des Prestegård. Zudem finden in den Sommermonaten zahlreiche kulturelle Veranstaltungen und Angebote hier statt.
Stabkirche Ringebu
Warum heißen Stabkirchen eigentlich Stabkirchen? Weil die Wände aus dicken Stäben bestehen. Einst gab es mehr als 1000 dieser Stabkirchen in ganz Norwegen. Heute sind gerade einmal 28 dieser markanten Wikingerkirchen erhalten geblieben. Eine der ältesten ist die Stabkirche hier in Ringebu mit ihren auffälligen roten Turm. Die ältesten Bauteile dieser Kirche sollen auf das Jahr 1220 zurückgehen. Zuvor muss es bereits an diesem Ort ein Kirchengebäude gegeben haben.
Aber warum fernab der vermuteten Siedlung so hoch auf dem Berg? Hinweis gibt die Bezeichnung des Hügels als Gildesvollen. Das lässt auf eine frühe Gerichtsstätte der Wikinger schließen.
In den Anfängen hatte die Stabkirche Ringebu vermutlich einen Laubengang, um die Fassaden vor dem durchaus turbulenten Wetter zu schützen. Aber grundsätzlich soll sie ihr Erscheinungsbild bis zur Reformation 1536 erhalten haben. Der Kirchturm des kreuzförmigen Kirchengebäudes folgte ein Jahr nach der umfassenden Restauration der Kirche im Jahr 1630. Die Glocken werden immer noch von Hand geläutet. Am heiligen Abend nach dem Gottesdienst erklingen die Glocken mit Pausen fast über eine Stunde. Traumhaft und berührend, in der trockenen Kälte und Schnee unter den Füßen ihren Klängen zu lauschen.
Noch heute wird die Stabkirche Ringebu auch als Kirche genutzt. In den Sommermonaten steht sie gegen ein ordentliches Eintrittsgeld aber auch Touristen offen. Wir selbst haben den Weihnachtsgottesdienst in der vollbesetzten Kirche miterlebt und werden dies auch im nächsten Jahr wieder tun.
Die Stabkirche Ringebu ist übrigens die einzige Stabkirche entlang des norwegischen Pilgerweges zwischen Oslo und Trondheim.
Was gibt es noch in Ringebu?
Ringebu ist ein Ort um einfach zu sein. Idealerweise reist man mit der Bahn an- von Oslo sind es etwa 240 Kilometer. Und dann wandert man einfach in der Umgebung, kehrt in den Ort ein oder schlägt sein Zelt auf dem direkt an der E6 liegenden Campingplatz mit direktem Zugang zum wunderschönen Lågen auf. Unterkünfte gibt es in allen Preislagen. Es ist nicht das erste Mal, dass wir in Ringebu Halt gemacht haben- mal bewusst, mal unbewusst. Aber wir kommen bewusst wieder. Im Sommer wie im Winter. Die nächste Tour ist bereits gebucht. Und die Schlitten unserer Kinder haben in Ringebu bereits ihren festen Platz.
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