Kjølnes Fyr Berlevåg am Ishavsvejen – das warme Licht an der Eismeerstraße
Auf unserer Tour entlang der Barentssee besuchen wir in der Finnmark auf der Halbinsel Varanger einen der nördlichsten Leuchttürme Norwegens. Nur über die Eismeerstraße ist er erreichbar.
Wir kommen über die Eismeerstraße in Norwegen von dem traumhaften Kongsfjord aus und entdecken kurz vor dem Fischerort Berlevåg einen der nördlichsten Leuchttürme in Norwegen, den Leuchtturm Kjølnes Fyr, direkt am Eismeer, der Barentssee gelegen.
Stolze 22 Meter ragt dieser schneeweiße im Grundriss quadratische Turm des Leuchtturm Kølnes Fyr in den Himmel. Und das in einer Umgebung, in der es in den Wintermonaten kein Tageslicht gibt, dafür aber um so gewaltigere Stürme, wie man sie weiter im Süden als nahende Katastrophe bezeichnen würde.
Die Geschichte des Kjølnes Fyr an der Barentssee
Die Geschichte des Leuchtturm Kjølnes Fyr beginnt im Jahr 1900. Zum ersten Mal entsteht in einer Umgebung, in der es nicht einmal eine Straße ins benachbarte Berlevåg gibt, ein Leuchtturm. Alle Baumaterialien für den Leuchtturm Kjølnes Fyr mussten dazu mit dem Schiff herangebracht und in der schroffen und gefährlichen Küstenlandschaft auch entladen werden. Man baute einen recht kleinen und schlichten Leuchtturm und befeuerte ihn mit Paraffin und Kerosin. Jede Woche wurden dazu 20 Liter Kerosin in die Tanks gefüllt.
Doch die Reichweite des ersten Leuchtturm Kjølnes Fyr war sehr dürftig, die Fischer mussten schon nahe an die Küste heran kommen, um dieses schwache Licht überhaupt wahrzunehmen. So beantragten sie im Jahr 1913 ein moderneres Leuchtfeuer, dies wurde auch umgehend genehmigt und bereits im Jahr 1916 fertiggestellt und am 01.August 1916 in Betrieb genommen. Der schwarz gestrichene gußeiserne Leuchtturm Kjølnes Fyr hatte nun eine Höhe von 20,8 Meter.
In den Sommermonaten dienen Leuchttürme in Norwegen im Bereich der Mitternachtssonne lediglich als Landmarken und brauchen vor August aufgrund der durchgehenden Helligkeit kein Licht abstrahlen. Da der erste Weltkrieg in vollem Gang war, nutzte man während des Krieges nur das Sekundärfeuer. Dieses war auf der zweiten Ebene des Leuchtturm Kjølnes Fyr untergebracht. So wurden alle fünfzehn Sekunden drei Blitze abgegeben. Das Hauptfeuer wurde dann ab 1918 zugeschaltet. Der Verbrauch für die Beleuchtung lag bei neun kg Öl am Tag, insgesamt bei 1200 kg Öl im Jahr. Wie bereits erwähnt, wurde in den Sommermonaten kein Licht gezündet.
Bis 1945 dienten drei Leuchtturm-Wärter einschließlich ihrer Assistenten auf dem Leuchtturm Kjølnes Fyr, während der deutschen Besatzung allerdings unter deren Regie. Zu den Aufgaben gehörte das genaue Protokollieren des Ölverbrauchs, dies musste immer von einem Assistenten gegengezeichnet und bezeugt werden.
Kjœlnes Fyr wird Opfer der Taktik „Verbrannte Erde“
Im Jahr 1945 kam, was kommen musste. Hitler und seine Schergen hatten Europa verbrannt und jetzt wurden die Jäger selbst zu den Gejagten. Der Russlandfeldzug, bisher erfolglos aus der Finnmark heraus verlaufen, brachte die deutschen Besatzer in die Defensive, sie mussten fliehen. Aber das taten sie nur im blinden, idiotischen Gehorsam, in dem sie zuvor alles verbrannten und zerstörten, das Vieh schlachteten und die Menschen vertrieben. Die Finnmark brannte und auch der Leuchtturm Kjølnes Fyr blieb so wenig verschont wie das benachbarte Berlevåg.
Kurz vor der Evakuierung der Menschen in Berlevåg schossen blindwütige Soldaten über 100 14,5cm Granaten von einer etwa fünf Kilometer entfernten Küstenbatterie auf den Leuchtturm Kjølnes Fyr und zerstörten ihn fast vollständig.
Wiederaufbau des Kjølnes Fyr
Gleich nach dem Abzug der deutschen Wehrmacht baute man anstelle des Leuchtturm Kjølnes Fyr ein provisorisches Feuer mit einer simplen Laterne. Die Fischer kamen nach Berlevåg zurück und begannen wieder, ihren Lebensunterhalt zu verdienen. Und wer einmal im Winter an der Barentssee verweilt, wird ein Gefühl für die Herausforderung der Menschen an diesem Ort erleben. So konnten sie auch zukünftig nicht auf einen funktionierenden Leuchtturm Kjølnes Fyr verzichten.
Umgehend liefen die Planungen für den neuen Leuchtturm Kjølnes Fyr, der zugleich auf den aktuellen technischen Stand gebracht werden sollte. Ab 1947 baute ein Team von 40 Mann am heutigen Leuchtturm Kjølnes Fyr, den sie nach zwei Jahren Bauzeit fertig stellten.
Der neue Leuchtturm Kjølnes Fyr hatte nun eine Turmhöhe von 22 Meter, somit liegt das abgegebene Signal 25,7 Meter über dem Hochwasserspiegel und ist 15 Seemeilen weit zu sehen, das entspricht 27 Kilometer. Nun gehörten zur Anlage des Leuchtturm Kjølnes Fyr auch zwei Wohnhäuser, vier Außenschuppen, vier Bootshäuser und das Maschinenhaus für die mittlerweile elektrifizierte Anlage.
Ab 1957 kam der Leuchtturm Kjølnes Fyr mit einem 110 Volt-Transformator an das Stromnetz und wurde mit einem Nebelhorn, auch Nebeluhr genannt, ergänzt. Ab 1959 kam Berlevåg an das Straßennetz und war nun auch, genauso wie der Leuchtturm Kjølnes Fyr, mit dem Auto erreichbar.
Seit 1989 ist der Leuchtturm Kjølnes Fyr wie auch mittlerweile alle anderen Leuchttürme in Norwegen automatisiert und in diesem Fall mit einem energiesparenden 12 Volt Netz versehen.
Mittlerweile werden die Nebengebäude unter Beachtung von Naturschutz und Denkmalschutz durch das norwegische Schifffahrtsamt verpachtet.

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