Apenrade, Aabenraa, Åbenrå – wie auch immer: einfach eine nette kleine Hafenstadt an der Ostsee
Oft sind wir in der süddänischen Kommune Aabenraa (alte Schreibweise Åbenrå) unterwegs. Doch wollten wir einmal wissen, wie das Zentrum des Verwaltungsgebietes, die kleine Stadt Apenrade, wie wir sie in Deutschland nennen, aussieht. Kurzentschlossen sind wir heute hier und sind mehr als angetan.
Hatten wir diese übersichtliche alte Seefahrerstadt Apenrade / Aabenraa, Åbenrå doch als langweiliges graues und unscheinbares Provinznest abgespeichert. Doch zum wiederholten Male mussten wir feststellen: Dänemark kann einfach nicht in häßlich.
Von Flensburg aus sind es über den kleinen Grenzort Krusau gerade einmal 25 Kilometer in den Norden nach Apenrade. So liegt Apenrade dichter an Flensburg als beispielsweise Husum oder Schleswig. Entspannt geht es den Flensborgvej durch die sanft hügelige Landschaft, bis man auf einer Anhöhe bereits im Tal den breiten Aabenraa-Fjord erkennt. Markant liegt das riesige Kohlekraftwerk an dessen südlichen Ufern. Ein großer Frachter entlädt gerade neues Brennmaterial. Weiter führt die breite Straße an der Stirnseite des Fjordes entlang, der hier in Apenrade endet.
Idealer Platz also für die Seefahrer und Fischer, sich hier in Apenrade niederzulassen und von hier aus zu handeln. Und das haben sie nicht erst seit gestern getan. Bereits irgendwann zwischen 1284 und 1335 bekam Apenrade die begehrten Stadtrechte, stand aber in der Wahrnehmung lange hinter Flensburg und dem etwa 25 Kilometer nördlich gelegenen Hadersleben / Haderslev zurück.
Bildete zunächst der Fischfang die Grundlage der Stadtentwicklung von Apenrade, so kamen bis zum 19. Jahrhundert Schiffbau und Handel dazu. Ab Mitte des 19. Jahrhunderts gab es in Apenrade / Aabenraa sogar mehr Schiffsbewegungen als in der bedeutendsten damals dänischen Hafenstadt Flensburg. Immerhin verfügt Apenrade über den einzigen Tiefwasserhafen der Region und so gehört der Hafen auch heute zu den Haupteinnahmenquellen von Apenrade.
Lange Zeit litt Apenrade unter den dänisch-preußischen Kriegen, bis 1920 gehörte die Stadt sogar zum Deutschen Reich. Doch in der Volksabstimmung kam nach knappen Ergebnis Apenrade / Aabenraa zurück nach Dänemark. Noch heute wird deutsch und dänisch an den Schulen gleichberechtigt gelehrt.
Apenrade hat einen eigenen Bahnhof, doch seine Gleise sind seit 2003 verwaist. Da Apenrade / Aabenraa in sehr hügeligem Gebiet liegt, wäre eine sehr aufwendige Bahntrasse mit Tunnels, Rampen und Schluchten erforderlich gewesen, so baute man die Hauptstrecke von Hamburg nach Fredericia etwa acht Kilometer westlich von Apenrade im flachen Geestland. Heute dienen die hiesigen Gleise einer kleinen, betriebslosen Museumsbahn und als Strecke für Draisinen für Ausflügler. Der Bahnhof von Apenrade / Aabenraa ist das Zuhause für den Generalkonsul Österreichs, einer Kunstausstellung und einigen Geschäften.
Um entspannt in die Stadt zu gelangen, bietet Apenrade / Aabenraa einige große Parkplätze an, wir parken gleich neben dem großen Camper-Stellplatz am Segelhafen. Schnell zieht es uns an den Stadtstrand von Apenrade, frisch gereinigt und geebnet führt er zur kleinen flachen Bucht. Ein Badesteg mit Treppe und ein barrierefreier flach abfallender Steg führen direkt in den beschaulichen Meeresarm. Zur Stadt hin lädt ein riesiger Eispavillion mit Sonnensegeln ein. Unbedingt probieren sollte man hier das Original dänische Softeis in der großen Portion. So lecker kann Eis sein. Ein schmaler Weg mit grüner Hecke trennt den feinsandigen Strand vom Wohnmobil-Stellplatz.
Wir gehen weiter am Wasser entlang. Unzählige Segelboote, manchmal der ein oder andere traditionelle Fischkutter mit seiner typisch dänischen hellblauen Beplankung und in der Ferne die ansäßige Industrie, die hier die Türme für die Offshore-Windparks baut, das sind ein paar Impressionen des langgezogenen Hafens von Apenrade / Aabenraa. Alles wirkt modern, gepflegt, dabei alles andere als steril. Industrie und Freizeit harmonieren beispiellos miteinander und geben dieser Stadt ihren besonderen Charme.
Die dreispurige Straße trennt die Uferpromenade mit ihren Baumgürteln vom gegenüberliegenden Stadtzentrum. Moderne Wohneinheiten wechseln sich mit klassischer Hafenarchitektur in wunderbarer Harmonie ab.
Im Stadtzentrum von Apenrade (Aabenraa, Åbenrå)
Viele Überwege führen ins Zentrum von Apenrade / Aabenraa, das Auto mitzunehmen, macht wenig Sinn. Auch hier wird die besondere hügelige Landschaftsform deutlich sichtbar. Es geht auf und abwärts, schnell ist die Fußgängerzone erreicht. Wohltuend wenige Filialisten prägen das Bild, dafür umso mehr kleine familiengeführte Läden mit individuellen Ansprüchen und einem wunderbaren Produktmix. Als einen der schönsten Läden haben wir den Carstensen Tehandel für uns entdeckt. Eine Mischung aus Chocolaterie, Weinhandel und Teehaus mit einer liebevollen und dekorativen Einrichtung macht Lust, seinen Liebsten oder sich selbst etwas besonderes zu schenken.
Überwiegend wechselt sich ein historisches Gebäude mit dem nächsten ab, bei aller Betriebsamkeit empfinden wir keine Spur von Hektik, vielmehr sind wir überrascht von der bunten Vielfalt. Zunehmend modernisiert Apenrade seine Innenstadt, versteht aber dabei, das Erhaltenswerte in seiner Schönheit sichtbar zu machen.
Apenrade hat ein echtes Schloss
Nun haben wir den inneren Zirkel der Stadt mit seinen Geschäften, gemütlichen Kneipen, Restaurants und Cafés kennengelernt und schauen nach dem Schloss, dessen Hinweisschild uns gleich zu Anfang aufgefallen ist. Ein kleiner Park am Ende des Zentrums führt uns entlang des Schlossweges, dem Slotgade, bis wir das etwas versteckte weiße Herrenhaus auf der gegenüberliegenden Seite entdecken. Eingewachsen in eine schöne Gartenanlage mit kleinem Fluss und einer Wassermühle erstrahlt das weiße Herrenhaus mit dem kleinen Torbogen.
Noch bis ins 20. Jahrhundert residierte der Landrat, im dänischen als Amtmand bezeichnet, in diesen Gemäuern. Heute ist hier eine sehenswerte Kunstausstellung mit kleinem idyllischen Schlosscafé eingezogen.
Die Geschichte des Schlosses Brundlund reicht zurück bis ins Jahr 1411. Es wurde unter Königin Margarethe I als Wasserburg errichtet. Erst im 16. Jahrhundert wurde die Festungsanlage dann zu einem Schloss erweitert.
Die Stadt Apenrade / Aabenraa, Åbenrå übernahm das Schloss im Jahr 1996 und restaurierte die Anlage aufwendig. So konnte zwei Jahre später das heutige Kunstmuseum einziehen. Vor allem dänische Künstler der letzen beiden Jahrhunderte zeigen hier ihre Malerei und Skulpturen.
Wie denn nun: Aabenraa, Åbenrå oder Apenrade?
Es gibt sogar noch eine vierte Variante, die südjütische. Darin schreibt sich diese schöne Hafenstadt Affenråe. Grundsätzlich begann alles mit dem Vorläufer Apenrades, dem kleinen Ort Opnør. Dessen Name bezog sich auf einen kleinen Bach.
Als im 13. Jahrhundert die hiesige Stadt entstand, passte man den Stadtnamen der damaligen Kaufmannssprache an und nannte diesen Ort zukünftig Apenrade. Die Kaufmannssprache war übrigens niederdeutsch und so verwundert es nicht, dass wir auch heute noch von Deutschland aus Apenrade als Namen bevorzugen.
Um 1850 wollte man im dänischen Gesamtstaat auch die dänische Identifikation innerhalb der Sprache unterstützen und wählte eine Schreibweise nach der dänischen Ausdrucksform für Apenrade. So kam man auf Åbenrå. Um 1840 bis 1850 entbrannte ein kultureller Kampf innerhalb Dänemarks, der auch vor dieser Hafenstadt nicht Halt machte. So folgte die heute bekannte dänische Schreibweise Aabenraa.
Um 1948 reformierte man die Schreibweise. Da ein Doppel-A wie ein offenes O ausgesprochen würde, ersetzte man diese doppelten Buchstaben wieder durch das dänischen Å. Also kam man offiziell zurück auf Åbenrå.
Bis in die jüngste Vergangenheit gab es immer wieder Diskussionen um die beste Schreibweise der Stadt. Immerhin ist das Å der letzte Buchstabe im Alphabet und die Marketingexperten wollte die Stadt nach vorne bringen. So entschied sich die Stadt 1990 vor dem Hintergrund eines Ministerialerlasses von 1984 für die Schreibweise Aabenraa, die ja auch im digitalen Zeitalter international ist. Doch bleibt die empfohlene Schreibweise Åbenrå.

Auf Schwedens höchster Bergstation des STF – Blåhammarens Fjällstation
Unterwegs im Sylarna: Blåhammarens Fjällstation Wie lange habe ich geträumt, wieder an diesen Ort zu kommen. Einst war ich hier mit Ski und Rucksack, auf

Der Plastikwal hatte keine Wahl – Plastikmüll in Norwegen
Norwegen und sein Plastikmüll – der Wal hatte keine Chance An vielen Orten, in den Bergen und an den Stränden wird in Norwegen willkürlich Plastik

Auf den Spuren des Peer Gynt – Peer Gynt Vegen im Gudbrandsdalen
Peer Gynt Vegen im Gudbrandsdalen – Traumstraßen in Norwegen Man muss den Dingen augenscheinlich nur einen passenden Namen geben- schon lassen sie sich gut verkaufen.

Keine Kinderbilder im Internet – Warum wir Kinder besser schützen müssen
Warum poste ich Kinderbilder im Internet und warum sollte ich das unbedingt nicht tun Jeder hat das Recht auf ein eigenes Bild. Auch unsere und

Begegnung in Norwegen – Child Protection Services Norwegen ( Barnevernet )
Child Protection Services Norwegen – Barnevernet Norwegen Wir hören zum ersten Mal vom Child Protection Services Norwegen (Barnevernet) und schlagartig sind unsere Träume von diesem

Unterwegs in der Natur: Mit klarer Sicht sicher unterwegs
Abenteuer in der Natur: Mit klarer Sicht sicher unterwegs Wer sich in die Wildnis wagt, weiß: Naturabenteuer leben von Freiheit, Weitblick und dem Gefühl, eins

Paddeln auf der Treene – Die schönsten Kanutouren in Schleswig-Holstein
Paddeln auf der Treene Die Treene gehört zu dem größten zusammenhängenden Flussgebiet Schleswig-Holsteins. Verschiedene Rinnsale bilden die Quelle etwa 10 Kilometer südlich von Flensburg. Mit

Dänemark
Grenzübergänge Deutschland-Dänemark Alle Grenzübergänge zwischen Deutschland mit ihren Geschichten und örtlichen Beschreibungen selbst fotografiert und geschrieben… Status Öffnungen Grenzübergänge Deutschland-Dänemark Wir informieren an dieser Stelle

Berlevåg am Varanger an der Eismeerstraße
Über die Eismeerstraße (Ishavsvejen) nach Berlevåg Wir sind auf unserer Tour entlang der Barentssee im Zentralort Berlevåg angekommen, das Wetter zeigt uns in diesen Sommertagen

Forsøl auf Kvaløya bei Hammerfest – Endstation Sehnsucht ?
Einfach mal bleiben in Forsøl auf Kvaløya bei Hammerfest Forsøl dürfte kaum in einem Reiseführer Erwähnung finden. Forsøl ist ein kleiner Fischerort auf der Insel

Foodfotografie Rheinwerk Verlag von Maria Panzer – Rezension
Foodfotografie – Genuss und Lifestyle in Szene setzen | von Maria Panzer + Rheinwerk Verlag Vor wenigen Wochen fragten wir bei Rheinwerk das Fotohandbuch zur

Traumstraße von Skåbu nach Bygdin – Norwegens Jotunheimvegen
Skåbu – Bygdin und zurück. Auf der norwegischen Traumstraße Jotunheimvegen durch das Hochgebirge Warum der Jotunheimvegen Jontunheimvegen heißt, konnte mir noch niemand erklären. Denn er

Schreibe uns Deine Meinung