Zu Besuch im Landwirtschaftsmuseum – Das Landbruksmuseum Tørninggård  in Vojens

Wir sind in der Nähe von Hadersleben (Haderslev) und entdecken nach einer Besichtigung der alten Wassermühle Tørning Mølle nur 400 Meter weiter das Tørninggård Landbruksmuseum, ein überraschendes Landwirtschaftsmuseum. 

Im ehemaligen Kuhstall gibt es annähernd 3000 Dinge zu entdecken, die man früher auf einem Bauernhof so brauchte.

Eigentlich haben wir eine Verabredung an der Tørning Mølle, dem traumhaften kleinen Industriemuseum in Vojens. Aber das Schild zum Tørninggård Landbrugsmuseum macht uns neugierig, auch diesem Landwirtschaftsmuseum in 400 Meter Entfernung einen spontanen Besuch abzustatten.

Zu Fuß gehen wir die Alm-artige Anhöhe hinauf, in den Senken weidet das Vieh. Schon bald folgen wir dem Abzweig und kommen auf ein großes Hofgebäude. Ein alter Radlader vor der Scheune, ein romantisches Gutshaus und gepflegte Nebengebäude zeigen das Tørningsgård Landbrugsmuseum in seiner schönsten Art. Im großen Kuhstall entdecken wir großzügig geordnet unzählige Werkzeuge, Maschinen und Haushaltsgeräte aus der Zeit, da man von einem Stromanschluss nur träumen konnte.

Nun sind wir ziemlich regelmäßig in den unterschiedlichsten Dorfmuseen oder landwirtschaftlichen Museen, aber langweilig wird uns ein solcher Besuch nie. Auch, wenn sich die alten Pferdewagen, die Butterfässer, die Dreschmaschinen immer wieder ähneln, strahlen sie auch hier, im Tørninggård Landbruksmuseum in ihrem ganz eigenen Charme. Eine komplette Melkanlage aus der Mitte des vorigen Jahrhunderts wird gezeigt.

Ein wenig erinnern uns die Ausstellungen und Sammlungen immer an den Loppis, den Scheunenflohmarkt in Schweden. Nur werden hier, im Tørniggård Landbruksmuseum die Dinge des ehemaligen Bauernhofs erhalten und gepflegt. Manche dieser Geräte kenne ich noch aus meiner Kindheit, andere wieder aus den Filmen von Astrid Lindgren. 

Man sieht die Gebrauchspuren, die Patina der ehmaligen Werkzeuge. In der Laterne  fehlt schon lange das Glas. Dafür klebt der Staub der Scheune an ihr. Das Holz der Schubkarre ist abgewetzt und ausgeblichen. Ja, wir dürfen rückwirkend den Arbeitsalltag erleben. Und  sehen die Menschen auf den Feldern oder in den Ställen und Scheunen arbeitend an unserem inneren Auge vorbei ziehen.

Eine komplette Schusterwerkstatt ist vorhanden, mit den Schleif- und Poliermaschinen, den kleinen Nägeln, den Holzformen für neue Schuhe, den unterschiedlichen vorgefertigten Absätzen. Man könnte die komplette Werkstatt wieder anwerfen, wenn es nur einen gäbe, der dieses Handwerk noch beherrscht. Wie oft habe ich als Kind bei unserem Schuhmacher gesessen und ihm einfach zugeschaut. Die Atmosphäre ist mir bis heute in Erinnerung geblieben. Hier, im Tørninggård Landbruksmuseum, werden genau solche Erinnerungen wieder wach. 

Das älteste Relikt im Landwirtschaftsmuseum Tørninggård Landbruksmuseum ist ein Pflug um das Jahr 1700. Die anderen Geräte und Maschinen stammen aus der Zeit um 1800 bis ins Jahr 1960. Dazu gehören neben den landwirtschaftlichen Gerätschaften ebenso die kleinen und großen Dinge des Haushalts. Vom Waschbrett über die handbetriebene Wäschemangel bis hin zur Personenkutsche für die Ausflüge in die Umgebung.

Das faszinerende an der Sammlung des Tørninggård Landbruksmuseum ist, dass alle Geräte zum einen ohne Strom, zum anderen aber auch in hohem Alter aufgrund ihrer Qualität immer noch funktionieren würden. Sie könnten uns ein Beispiel für Rückbesinnung und Nachhaltigkeit sein. Auch, wenn zugegebener Weise heute viele Arbeiten einfacher zu bewältigen sind.

Und doch, werden wir kurioser Weise glücklicher beim Anblick dieser schon historischen Exponate.

Aber heute würden wir, könnten wir sie irgendwo erwerben, die alten Holzfässer oder Handkarren als Blumenkübel einsetzen, die handbetriebene Mangel dekorativ ins Wohnzimmer stellen und die Milchkanne mit floralen Motiven bemalen. Hier, im Tørninggård Landbruksmuseum werden die zum Teil ausgeklügelten Unikateals das gezeigt, was sie sind: als Zeugen der durchaus entbehrenden, aber nicht unglücklichen Arbeit auf Feld und Wiese. 

Wie die Aufnahmen entstanden

Fotografiert haben wir alle hier gezeigten Aufnahmen allesamt mit einer auf Vollformat bezogenen Brennweite von 75mm. Genauer gesagt mit dem Leica SL 2.0 75mm. Je nach Abstand beträgt die Blende dabei zwischen 2.0 und 8.0. Fotografiert wurde einzig mit dem vorhandenen Tageslicht innerhalb des Kuhstalls. Alle hier gezeigten Aufnahmen sind unbearbeitete JPEG´s.

Wann und Wo?

Sicherlich gehört das Tørninggård Landbruksmuseum zu den kleinen Landwirtschaftsmuseen in Dänemark. Aber wir, einschließlich unserer beiden kleinen Kinder, haben unerwartet viele Aspekte rund im das bäuerliche Leben entdecken dürfen und werden auch beim nächsten Aufenthalt in der Umgebung wieder hier vorbei schauen. Wir können es besten Gewissens sehr empfehlen. 

Das Tørninggård Landbruksmuseum hat zwischen den Oster- und den Herbstferien ganztägig geöffnet. Auf Wunsch bekommt man eine Führung, allerdings nur in dänischer Sprache. Auch außerhalb der Saison.

Adresse:

Knagsledvej 1
6500 Vojens

Telefon: ++45 74 50 78 10

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