Hallands län

Längstwellensender Grimeton – Radiostation Grimeton und ihre Geschichte

Ob Langwellensender Grimeton oder Längstwellensender Grimeton, wir haben die Radiostation Grimeton besucht und porträtiert, die zum Unesco Welterbe in Schweden zählt. Dabei sind wir der Geschichte des Längstwellensender Grimeton auf den Grund gegangen und beschreiben hier eine weltweit einzigartige Sehenswürdigkeit, die man so nicht unbedingt in Schweden vermutet.

Längstwellensender Grimeton – das Weltkulturerbe Radiostation Grimeton

Dass es in Schweden eine so hohe Dichte an Unesco Welterbestätten gibt, hat uns überrascht. Und ebenso verwundert sind wir, wie viele der Unesco Welterbestätten Schweden wir bereits besucht haben, ohne uns ihrer Bedeutung bewusst zu sein. Nun aber sind wir zu Besuch in der Radiostation Grimeton mit ihrem Längstwellensender Grimeton und erleben, wie spannend die Geschichte der Erfindung der drahtlosen Kommunikation über den Atlantik hinweg ist.

Unfassbar, dass es weltweit nur noch eine solche und sogar funktionierende Anlage gibt wie den Längstwellensender Grimeton. Um so intensiver haben wir uns mit ihm beschäftigt und beschreiben seinen historischen Weg von der Erfindung bis in die heutige Gegenwart. Und auf einmal wird mir aus Kindertagen unsere Musiktruhe mit Langwelle, Mittelwelle und Ultra Kurzelle wieder gegenwärtig.

Aber wie funktioniert der Längstwellensender Grimeton und warum können wir nur empfehlen, ihn zu besuchen und zu erleben, das beschreiben wir hier in unserem Artikel über die Radiostation Grimeton.

Am Anfang war das Wasser – dann kam die Radiostation Grimeton

Um die Erfordernis eines Langwellensenders oder Längstwellensenders Grimeton zu verstehen, gehen wir zurück ins 19. Jahrhundert. In Småland und im Värmland herrschte teils bittere Armut. Es fehlte an Jobs, guten Einkünften und Perspektiven. Grund genug für etwa einem Viertel aller Schweden, nach Amerika auszuwandern ins Land der unbegrenzten Möglichkeiten. Wer Mitte des 19. Jahrhunderts mit dem Schiff aufbrach Amerika zu erreichen, kam in der Regel nicht mehr zurück. Familien und Freunde trennten sich und hielten maximal Kontakt mit Briefen, die eine Ewigkeit unterwegs waren. Das Wasser zwischen  Schweden und Amerika wurde zu einer unüberwindbaren Barriere, wenn es um das Aufrechterhalten von Kontakten ging.

Doch es gab Ideen der Kommunikation. Denn bereits im Jahr 1774 präsentierte Georges-Louis Le Sage in Berlin den ersten elektrischen Telegrafen. Über Leitungen zwischen zwei Räumen konnten Signale gesendet werden. Die Grundlage war also geschaffen, über ein Kabel Nachrichten zwischen Europa und Amerika zu versenden und so stand die erste kabelgebundene Verbindung zwischen ab dem 05.August 1858.

Es etablierte sich am dem 26. Juli 1866 eine regelmäßige Kabelverbindung zwischen New York und Irland, aber der erste Weltkrieg zeigte, wie anfällig eine solche Verbindung war und wie lange es doch brauchte, um die Nachrichten von Irland noch auf dem europäischem Festland zu verbreiten. 

Kabellos zwischen New York und der Radiostation Grimeton – der Längstwellensender Grimeton

Schweden hatte zu Beginn des 20. Jahrhunderts massiv unter der Auswanderung zu leiden. Überall in Europa hatte die Dampfmaschine die industrielle Revolution eingeleitet, doch in Schweden fehlte es an Menschen mit Know How und Ideen. Tatsächlich bemühte sich Schweden um Rückkehrer, tatsächlich besann sich jeder fünfte Auswanderer seiner Heimat und kam nach Hause. Viele hatten es zu gewissem Reichtum gebracht, was sie nun in ihrer Heimat investieren konnten. Zudem wurde mit besseren Wohn- und Bildungsmöglichkeiten gelockt und das allgemeine Wahlrecht eingeführt.

Nun kam der unsägliche erste Weltkrieg und es zeigte sich einmal mehr, wie fragil die Kabelverbindungen über den Transatlantik funktionierten und wie abhängig Schweden eben von diesen sehr teuren Übertragungsmöglichkeiten war, ohne direkt Einfluss darauf nehmen zu können. Es dauerte sehr lang, ein Telegramm zu empfangen, aber auch, um es zu versenden.

So stieß der Vorschlag der schwedisch-amerikanischen Stiftung, eine unabhängige und eigene drahtlose Verbindung zwischen den USA und Schweden zu schaffen, beim König auf offene Ohren. Immerhin gab es durch die vielen Schweden auf beiden Seiten des Atlantiks ein großes gemeinsames Interesse.

Das schwedische Parlament beschloss im Jahr 1921, eine eigene große Radiostation zu errichten. Mit ihrer Hilfe sollten Morse-Telegramme per Funk über den Transatlantik gesendet werden. Man forderte bei Telefunken in Berlin, The Marconi Company in London, Radio Corperation of America (RCA) in New York und der Société Francaise Radio-Electrique in Paris entsprechende Angebote an. Der schwedische Reichstag beschloss, sich fürs erste mit Zwei Mio schwedischen Kronen zu beteiligen. Der RCA, welcher die Radiostationen an der Ostküste der USA gehörten, bekamen den Zuschlag. Der schwedische Pionier und Konstrukteur auf dem Gebiet der Langwellentechnik, Ernst FW Alexanderson, war tätig für die Generell Elektric, war von Anfang an in die Verhandlungen eingebunden. Am 14. August 1922 unterzeichnete Schweden einen Vertrag über die Gesamtsumme vom 4.85 Mio SEK.

Warum die Radiostation Grimeton in Grimeton gebaut wurde

Schweden sollte eine neue Radiostation bekommen, nur von welchem Ort aus konnte man per Funk ungestört über den Atlantik nach Amerika senden. Man spannte also einen virtuellen Bogen zwischen Schweden und der Ostküste der USA und fand als ideale Region den Bereich zwischen Falkenberg und Varberg, südlich von Göteborg.  Die Landschaft hier ist flach und führt auf einer Geraden bis nach New York ungestört an Schottland vorbei. Kein Berg würde im Wege stehen. Ebenso war zu jener Zeit das Land nicht bebaut, allein Landwirtschaft sorgte für die Prägung der Umgebung.

Noch zwei Argumente sprachen letztendlich für die Umgebung von Grimeton: Hier benötigten die Menschen dringend Arbeit und. In der us-amerikanischen Sprache ließe sich Grimeton hervorragend und unverfälscht aussprechen.

Doch der Weg dorthin war anspruchsvoll. Denn den Bauern musste das Land abgekauft werden. Der Ingenieur Noren, späterer Arbeitsleiter, beschrieb die Situation so:

Anfangs habe ich alleine mit den Bauern verhandelt, aber das Ergebnis war dürftig.Ein festes Angebot war unmöglich zu bekommen, alles verlief extrem schwebend. Ein Landwirt sollte seinen Preis nicht aus Angst sagen, dass die anderen ihn für zu niedrig halten würden, und er würde sich daher mit ihnen unwohl fühlen. Um zu fordern, dass er seine Existenz verlieren würde, fürchtete er sich auch davor, uns das Land zu überlassen. Dass dies für sie nachteilig wäre, war ihnen klar. Als meine Fähigkeiten ausgeschöpft waren, sandte das Telegraph Board seinen ersten Sekretär O. Gustáv, um die Verhandlungen zu leiten. Gemeinsam konnten wir mit den Bauern eine Vereinbarung hinbekommen.

Im Winter 1922/1923 wurden die Kaufverträge unterzeichnet, die Bauarbeiten im Kungsbacka und Grimeton konnten schnell beginnen. Eine Krise mit den Stahlarbeitern verzögerte allerdings den Bau der Antennentürme um fast ein Jahr. Im Spätherbst 1924 konnte die Radiostation Grimeton dann in Betrieb gehen. Eine positive Überraschung allerdings blieb: Das Bauprojekt Radiostation Grimeton schloss mit einer halben Mio niedrigeren Kosten als veranschlagt.

Start der Radiostation Grimeton mit ihrem Längstwellensender Grimeton

Am 01. Dezember 1924 kam der große Moment. Die Schalter wurden umgelegt, die Ölpumpen gestartet, der riesige Generator angeworfen. Auf genau 2.115 Umdrehungen muss er laufen, um ein entsprechendes Magnetfeld in Wellen zu verwandeln. Mit dem Rufsignal SAQ und einer Frequenz von 16,1 KHz startete der Radiosender Grimeton mit seinen beiden Langwellen.

Zur offiziellen Eröffnung am 2. Juli 1925 reiste der schwedische König Gustav V. an, in seinem Schatten und fast unbemerkt war aber auch der Erfinder der Längstwellenerzeuger, Alexanderson anwesend. Die Prominenten wurden von einer jubelnden Menge empfangen und gefeiert.

Kurz darauf wurde die Frequenz auf 17,2 KHz geändert. Vom Start weg gingen 95 Prozent der schwedischen Telegramme auf direktem Wege nach Amerika, umgekehrt war es schon schwieriger. Denn in den USA gab es mehrere Telegrafenunternehmen, die ihr Geld mit der Nutzung der Seekabel verdienten.

So kam man auf dem Weg USA nach Schweden lediglich auf einen Marktanteil von knapp unter 50 Prozent. Doch die Funktelegramme waren wesentlich schneller. Während sie per Funk innerhalb von durchschnittlich 5,6 Minuten bei Empfänger landeten, brauchten sie über das Kabel 18,2 Minuten.

Vor allem die Börsen in Schweden und Amerika profitierten von der schnellen Verbindung, blieben doch durch die Zeitverschiebung nur wenige gemeinsame Öffnungszeiten, in denen man Nachrichten austauschen konnte.

Die neue Konkurrenz der Radiostation Grimeton

Die Entwicklung schritt massiv voran und machte auch vor der Radiostation Grimeton nicht Halt. Bereits Ende der 1930 Jahre bekam die Langwellentechnik Konkurrenz, sodass die ersten Kurzwellenantennen in der Radiostation Grimeton Einzug hielten. Immer mehr wurden die Langwellenantennen abgeschaltet und der dafür vorgesehene Generator heruntergefahren. Dadurch konnte allerdings auch massiv Strom eingespart werden, was sich im Stromverteiler Yngeredsfors bemerkbar machte.

Die weltweit agierenden 17 baugleichen Langwelleneinrichtungen wurden der Reihe nach abgeschaltet und stillgelegt oder im Verlauf des Zweiten Weltkrieges zerstört. Aber bereits zu dieser Zeit wurde bereits die UltraKurzWelle zunehmend weltweit genutzt.

Nach dem Zweiten Weltkrieg nutzte vorrangig das schwedische Militär den Längstwellensender Grimeton für die Kommunikation mit seiner U-Boot-Flotte, denn die Längstwellen reichten bis einige Meter Tiefe in die Salzwasser hinein. Doch die militärische Nutzung endete im Jahr 1995.

Radiostation Grimeton heute

Geblieben und immer noch funktionsfähig ist die Radiostation Grimeton als weltweit einzige Längstwellenanlage von den zwischen 1918 und 1924 gebauten Langwellensendern. Zu besonderen Anlässen und zu UNO-Veranstaltungen, sowie regelmäßig zu Weihnachten und zum Alexanderson-Day wird der Längstwellensender Grimeton hochgefahren, um von der Radiostation Grimeton Grüße in alle Welt zu senden.

Unesco Welterbe Radiostation Grimeton

Die Radiostation Grimeton gehörte ab 1925 zu einem global umfassenden Funknetzwerk zur Kommunikation und zur Übermittlung von Radiosendungen. Der Längstwellensender war Teil eines internationalen Sendenetzes und eine von 20 Stationen rund um den Globus. Heute ist die Radiostation Grimeton die einzig  erhaltene und voll funktionsfähige Anlage, die uns an der Entwicklung der Funkübertragung teilhaben lässt. So wird sie seit dem  Jahr 2004 als Unesco Welterbe geführt.

Die Grimeton Radio Station, Varberg ist ein ebenfalls einzigartig herausragendes Denkmal, welches den Entwicklungsprozess innerhalb Kommunikationstechnik in der Zeit nach dem 
Ersten Weltkrieg darstellt.

Welterbe-Komitee Suzhou China, Juli 2004

Die regional Verantwortlichen verpflichten sich damit, sie zu erhalten und zugänglich zu machen. Da Schweden aber eine besondere Wichtigkeit der UNO erkennt und die UNO in besonderem Maße traditionell unterstützt, sieht man vor Ort auch die Möglichkeit und Chance, die Radiostation Grimeton als Botschafter der UNO einzusetzen. Dazu wird sie beispielsweise zu besonderen Veranstaltungen der UNO aktiviert. 

Die Radiostation Grimeton als Museum

Die Schweden hatten von Beginn an ihre Radiostation Grimeton tief ins Herz geschlossen. Dass man während der Bauphase Angst hatte, den Kühen könnten ihre Schwänze nur noch aufrecht in den Himmel weisen oder Gewitter würden durch die hohen Sendemasten magisch angezogen, hat man schnell vergessen.

Doch nun hatte der Betreiber, die schwedische Telia als Telekommunikationsunternehmen, eine Radiostation Grimeton, die sie ab 1995 einfach nicht mehr benötigte. Der Längstwellensender Grimeton war schon lange aus der Zeit und zum Betrieb der Kurzwellenantennen benötigte man keinen Maschinensender. Ein Abriss lag als Idee auf dem Tisch.

Es gab viele Menschen, auch bei Telia, für die ein solcher Schritt unvorstellbar war. In der Folge hat das schwedische Parlament per Gesetz die Radiostation Grimeton bereits im folgenden Jahr 1996 als nationales Industriemonument Schwedens anerkannt und damit auf unbestimmte Zeit die Finanzierung zur Erhaltung des Längstwellensender Grimeton gesichert.

Der Längstwellensender Grimeton gehört mittlerweile zu den wichtigsten Orten in Schweden. Die Bedeutung der Radiostation Grimeton unterstrich der schwedische König Carl XVI Gustav, als er zur Jahrtausendwende eine Neujahrsbotschaft von Grimeton aus um die Welt schickte. Sie war angelehnt an die erste Neujahrsbotschaft, die von Grimeton aus gesendet wurde.

Nach der Anerkennung als Unesco Welterbe baute man bereits im Jahr 2004 ein schlichtes modernes Empfangsgebäude mit integriertem Café und einer kleinen leichten Ausstellung. Bilder zeigen den Bau und Betrieb der Anlage, Grafiken erklären die Reichweite und Funktion. In Vitrinen entdeckt man alte Morsegeräte, Telegrafen und eine Auswahl unterschiedlicher Mobiltelefone.

Von den großen Fensterflächen schaut man auf die zwei Kilometer lange Sendeanlage. Von hier aus starten auch die regelmäßigen Führungen in schwedischer und englischer Sprache.

Zum Museum gehört auch ein Luftschutzbunker, der im Rahmen einer Führung besichtigt werden darf. 

Das Radiodorf Grimeton

Zum Unesco Welterbe Radiostation Grimeton gehört auch das Radiodorf, ein Ortsteil von Grimeton. Schaut man vom Maschinenhaus in die Richtung der Antennen, entdeckt man am rechten Waldrand ein kleines rotweißes Gebäude. Das ist die Wäscherei gewesen. Nicht sichtbar hinter dem Baumstreifen liegt eine streng nach Berufsstand geplante Siedlung. In vorderer Linie entstanden die Häuser der Arbeiter, in der Linie dahinter der leitenden Angestellten und Ingenieure. Mit etwas Abstand dahinter wiederum befindet sich die kleine Villa des Stationsleiters.

Familien bewohnten die Häuser, Junggesellen wohnten im Dachgeschoß.

Die streng geometrische Anordnung ist nur aus der Vogelperspektive zu erkennen, doch sollte man sich hüten, hier über der gesamten Anlage Drohnen einzusetzen.

Alle Häuser und Grundstücke befinden sich heute in privatem Besitz, so wirkt es für die Bewohner befremdlich, wenn die kleinen Wege von fremden Menschen besucht  und die Grundstücke fotografiert werden. Man selbst würde sich auch gestört fühlen.

Aktivitäten in der Radiostation Grimeton

Wie man es aus den meisten musealen Einrichtungen Skandinaviens kennt, sind die Sehenswürdigkeiten ziemlich lebendig. Zur Zeit entsteht ein Erlebnis-Spielplatz für die Kleinen, die Großen können die 127 Meter hohen Masten zum Teil erklettern. 

Auch kulturell gibt es Ausstellungen und Konzerte, traditionelle Weihnachtsgrüße, aktive Unterstützung für die UNO, einen Treffpunkt für die Funkamateure und immer wieder Testanläufe der Sendeanlage.

Wie aktiv die Radiostation Grimeton allerdings ist, hängt letztendlich von jedem Einzelnen ab. Sei es, als Stellplatznutzer zumindest das Café zu besuchen oder als Besucher eine Führung zu nutzen. Denn kostenlos ist leider nichts. Geben wir also den Orten ein wenig von dem zurück, was sie uns schenken.

 

 

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