Tondern (Tønder) – ganz schön frisch, die alte Stadt

Wir besuchen das kleine Museumsdorf Kupfermühle bei Flensburg. Ein kleiner Bach ist Schuld daran, dass Kupfermühle heute zu Deutschland gehört. Denn die Krusau fließt mitten durch die ehemalige Fabrik, dem heutigen Industriemuseum Kupfermühle.

Tondern (Tønder) – ganz schön frisch, die alte Stadt

Tondern / dän. Tønder soll eine der ältesten Städte in Dänemark sein. Wenn nicht sogar die mit den ältesten Stadtrechten. Nun gut, man sieht Tondern / Tønder ihre historische Bausubstanz durch einige Jahrhunderte an, aber alt wirkt Tondern / Tønder nun wirklich nicht. Diese Kleinstadt nahe der Grenze Dänemark – Deutschland hat sich immer weiter entwickelt und versprüht auch nach etlichen hundert Jahren jugendliche Frische. Wir sind mal wieder hier, einer unserer spontanen Ausflüge hat uns hierher geführt. Denn egal zu welcher Jahreszeit, die kleine Stadt Tondern / Tønder nahe der Nordsee hat zu jeder Jahreszeit ihren ganz eigenen Reiz.

Wo man auf jeden Fall einkehrt in Tondern / Tønder

Wer im dänischen Nordschleswig oder im deutschen Schleswig-Holstein lebt und nach Tondern / Tønder gefragt wird, nennt vor allem folgende Punkte, die er mit Tondern / Tønder verbindet. Zum Bummeln ist der erste Anlaufpunkt die Alte Apotheke, zum Möbel kaufen das Möbelhuset und zum Feiern das Tønder-Festival- ein weit über die Grenzen bekanntes und beliebtes Folk & Root Musik-Festival.

Und wahrscheinlich möchten viele der Ausflügler alles miteinander. Aber wir selbst, die wir oft nach Tondern / Tønder fahren, sind immer wieder überrascht, was diese kleine malerische Stadt noch an Überraschungen parat hält.

Natürlich gehört zu Tondern / Tønder vielmehr als nur das Stadtzentrum mit seiner entspannten und typisch dänischen Fußgängerzone. Aber wir bleiben heute in einem Bereich der vom Zentrum aus gut zu erreichen ist. Wenn man das Auto irgendwo an den umliegenden kostenfreien Parkplätzen abstellt, kommt man wunderbar zu Fuß zurecht. Abgesehen davon, dass man nicht wirklich ein Auto braucht, um nach Tondern / Tønder zu gelangen. Davon aber am Schluss mehr.

Einer der ersten Anlaufpunkte wird in Tondern / Tønder das gelbe Eckhaus in den Fußgängerzone sein, Det Gamle Apotek. Hier bekommt man heute Medizin für die Seele, also allen möglichen Kram, den man nicht unbedingt braucht, garantiert aber unbedingt haben muss. Spätestens bei Betreten der Gamle Apotek wird sich diese Einsicht an den liebevoll eingeräumten Regalen verfestigen und dafür sorgen, dass kaum jemand ohne eine Kleinigkeit heraus kommt.

Ob Weine oder Gewürze, Kerzen oder Servietten, Kochlöffel oder Holzspielzeug, dicke Hygge- Socken oder  Dekoration für das Heim, es gibt keine Argumente, hier mit geschlossener Geldbörse die Gamle Aptotek in Tondern / Tønder zu verlassen. Wer verzeweifelt und ideenlos ein Geschenk sucht, hier wird er in Tondern / Tønder auf jeden Fall fündig.

Dabei kann es gerade in der Vorweihnachtszeit durchaus mal eng werden, denn die Gamle Apotek ist schon lange kein Geheimtipp in Tondern / Tønder mehr. Aber wem es heute zu voll ist, wird garantiert beim nächsten Besuch auf den engen Treppen durch die Stockwerke pilgern.

Tradition hat auch der Besuch des Möbelhuset im weiteren Verlauf der Fußgängerzone. Da geht es durchaus gediegener zu, die Produkte sind sehr ausgewählt. Skandinavische Klassiker finden sich hier, sei es das moderne Sofa aus Schweden, die dänischen Gartenmöbel der Marke Trip Trap oder die begehrten Louis Poulsen Lampen in allen Varianten. Geliefert wird bis weit in den Süden über die deutsche Grenze, und bis weit in den Norden von Skandinavien.

Natürlich gibt es mehr als diese beiden Geschäfte. Es lohnt sich, zu bummeln, diese skandinavischen Haushaltswaren-Läden zu besuchen, die zahlreiche dänische und schwedische Marken mit ihrem außergewöhnlichen Design anbieten. Aber es gibt auch die gängigen Schuh- und Bekleidungsgeschäfte, auch den ein oder anderen Ramsch-Laden und ganz gegensätzlich die liebevoll geführten heimeligen Hinterhöfe mit ihren kleinen kunsthandwerklichen Shops.

An dieser Stelle eine Bitte, die ich nicht oft genug wiederholen kann: Möchten wir uns diese Art von Innenstädte erhalten, sollten wir nicht mehr bei Amazon und Co bestellen. Wir können unsere Innenstädte mit ihren oftmals kleinen Familienbetrieben nur erhalten und weiterhin genießen, wenn wir auch direkt dort kaufen. Einem Herrn Amazon ist der Zustand einer kleinen romantischen Stadt wie Tondern / Tønder schlichtweg gleichgültig.  Er bezahlt nicht die Toilettenhäuschen und nicht die Tourist-Infos.

Genießen wir also Tondern / Tønder, wie es ist. Genießen wir diesen besonderen Charme, den Tondern / Tønder versprüht, ganz entspannt. Nein, mann muss nicht zwangsläufig etwas kaufen, auch, wenn es in solcher Umgebung wie Tondern / Tønder einfach Freude macht. Oftmals genießen wir einfach das dänische Softeis, auch wenn bereits die kleine Portion für nichtskandinavische Verhältnisse gehörig teuer ist. Oder eine dieser legendären dänischen Kuchenspezialitäten wie das kleine Wienerbröd. Wahlweise mit Vanilie- Pudding oder Schokolade und Zimt.

Ein kleiner Tipp für die Sparfüchse: Den Kuchen kaufen und irgendwo auf der Bank essen ist deutlich günstiger als sich ins Café zu setzen. Wir variieren das bei jedem unserer Besuche. Und je nach Café eine Nummer ziehen. Denn erfahrungsgemäß ist nicht jeder Däne so nett und  lässt dem Besteller ohne Nummer den Vortritt, auch, wenn er hinter Dir steht. Da hilft dann auch kein kleines blondes Mädchen an der Hand und auch nicht die Tatsache, dass die Schlange hinter Dir endlos ist.

Es ist wie in jedem Land, überall wo Menschen sind, gibt es die unterschiedlichsten Charakter. Die Dänen sind zwar eines der glücklichsten Völker der Erde, aber auch hier  haben Psychologen und Psychiater ihre Daseinsberechtigung. Aber das zuckersüße Gebäck lässt solche Begegnungen, die sehr selten sind, schnell wieder vergessen. Ich liebe Dänemark!

Dass Tondern / Tønder eine lage Geschichte hat, merkt man nicht an den durchweg alten Fassaden in unterschiedlichen Gemütszuständen. Es gibt bei genauerem Hinschauen ein paar unwiderlegbare Fakten, die aus der Vergangenheit der kleinen ehemaligen Hafenstadt Tondern / Tønder erzählen. Mittendrin im Geschehen ist das natürlich die Christkirche aus dem Jahr 1592.

Zwar ist die Christkiche zu Tondern / Kristikirke Tønder in gotischem Stil gebaut, doch fanden hier von Beginn an evangelische Gottesdienste statt. Eine Besonderheit ist der Turm, der bereits im Jahr 1520 gebaut wurde. Da stand nämlich an dieser Stelle die Nicolai-Kirche und das bereits seit dem Jahr 1350. Sie war aber so klein für das aufstrebende Tondern / Tønder geworden und zudem ziemlich baufällig, dass man sie im Jahr 1591 abriss. Der 46 Meter hohe Turm aber war ja noch recht jung und so sollte er für die nachfolgende Christkirche  Tondern / Tønder Kristikirke erhalten bleiben. Die neue Kirche konnte nach etwa 15 Monaten Bauzeit am 25. Juli 1592 der Gemeinde übergeben werden.

Es ist schon ein imposantes Bauwerk und wir verlassen dieses Gotteshaus in Tondern / Tønder nie ungerührt. Es ist dieser Raum, diese Ruhe,  diese Weite und dieses Licht. Für einen Moment der persönlichen Stille, des Nachdenkens, des in sich Hinein fühlen, des Besinnen. Schön, dass es im Trubel unserer Zeit solche Räume gibt.

Die Geschichte der Kirchen zeigt es: Tondern / Tønder ist eine alte Stadt. Und manche behaupte, Tondern / Tønder sei sogar die älteste Stadt in Dänemark. Selbst Wikipedia ( eh man schnell dort nachschauen will- wir haben das bereits für Euch getan) nennt sowohl Ribe wie auch Tondern /Tønder als älteste Stadt in Dänemark. Eigentlich ist das uns ziemlich egal, aber der Vollständigkeit sei erwähnt, da0 Tondern / Tønder seit dem Jahr 1243 das begehrte Stadtrecht mit allen damit verbundenen Privilegien bekam. Details würden an dieser Stelle zu weit führen, das machen wir mal an anderer Stelle.

Auf jeden Fall aber war Tondern / Tønder eine ziemlich wichtige Hafenstadt an Dänemarks Nordsee. Das wusste man ganz offiziell schon im Jahr 1017 in der Ostsee-Hafenstadt Flensburg.

Zu dieser Zeit gab es noch keine Deiche.  Und Tondern liegt gerade einmal drei Meter über dem Meeresspiegel. Das gute war der Nordseeanschluss mit eigenem Hafen. Das kleine Packhaus und der Stadtteich geben einen Einblick, wi sich früher der Hafen befunden hat. Der Nachteil war natürlich jede dieser tödlichen Sturmfluten, die bis z 40 Kilometer ins Land kamen und mitunter erst nach einem halben Jahr restlos abgelaufen oder versickert waren. Die bestehende Ernte war mitunter futsch, neue Saat konnte man nicht aufbringen.

Im 11. + 12. Jahrhundert setzte der erste Deichbau an, Tondern / Tønder baute im 16. Jahrhundert einen schützenden Deich um seine Stadt und musste dadurch bedingt seinen eigenen Hafen im Jahr 1556 aufgeben. Der neue Hafen musste nach Hoyer / Højer verlegt werden. Dies wiederum führte zum Aufstreben dieses bis dahin unbeachteten Bauerndorfes. Fortan wurde mit Fracht vom Hafen Hoyer / Højer mit kleinen Frachtbooten nach Tondern / Tønder transportiert und auch ausgefahren. Hoyer (Højer) haben wir hier beschrieben.

Dass Tondern / Tønder eine spannende und prägende Geschichte hat, ist die eine Sache. Nicht zu unterschätzen ist die Kultur. Die findet sich fest installiert am Fuße des weithin sichtbaren Wasserturm. Das Kunstmuseum von Tondern / Tønder ist weit über seine Grenzen hinaus bekannt und geschätzt und das nicht nur bei dem museums-spezifischen Publikum. Nordische Kunst ist greifbar, selten verstaubt, emotional lebendig. Erleben kann man die gleich neben dem Rathaus von Tondern / Tønder in einer architektonisch sehr reizvollen Umgebung.

Teil des Kunstmuseum Tondern / Tønder ist der Wasserturm, der auf seinem Weg nach oben Exponate eines bekannten dänischen Möbeldesigners aus Nordschleswig zeigt: die berühmten Stühle von Hans J. Wegner. Fast schon überflüssig zu erwähnen- es gibt ein Museumscafé.

Mehr Informationen zu einem wirklich spannenden Ausflugsziel gibt es auf der offiziellen Seite des Museums hier.

Wie komme ich am besten nach Tondern / Tønder?

Am umweltfreundlichsten mit der Bahn, die regelmäßig ab Niebüll fährt und 17 Minuten benötigt.

Mit dem Auto geht es am bequemsten aus dem Süden über die deutsche Bundesstraße B5 über den Grenzübergang Böglum – Sæd zwischen Süderlügum und Tondern / Tønder gelegen.

Aus Flensburg nutzen wir gerne die deutsche Grenzstraße nach Süderlügum oder fahren die  gemütliche dänische Grenzstraße.

Von Niebüll ist Tondern / Tønder 22 Kilometer entfernt, von Flensburg 50 Kilometer. Bis Ribe benötigt man 48 Kilometer.

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