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Söderköping am Götakanal

Söderköping am Götakanal – hier wurde „Madita“ gedreht

Seit meiner Kindheit verfolgen mich die Astrid Lindgren Filme. Zu den schönsten gehört sicherlich die Serie „Madita“. Doch als ich mich fragte, in welcher Stadt „Madita“ gedreht wurde, stieß ich auf Söderköping in Östergötland. War ich bereits im Film von der Schönheit dieser Kleinstadt am Götakanal angetan, wurden wir bei unserem Besuch noch einmal mehr überrascht. 

Und bemerkten, dass wir schon einige Male in den letzten Jahren auf unseren Fahrten in den Norden hier durchgefahren sind. Zugleich erinnerte ich mich, dass ich bereits bei einer abendlichen Pause auf unserer letzten Tour meinte, Söderköping einmal genauer anschauen zu müssen. Das haben wir heute getan. Und das bestimmt nicht zum letzten Mal.

Drehorte der Astrid Lindgren Filme – Söderköping

Gleich um welchen Film aus den Astrid Lindgren Erzählungen es sich handelt- ein Ort ist schöner als der andere. Viele Drehorte haben wir bereits besucht und sind bei einigen erst im Nachhinein darauf gestoßen, welche Geschichte hier auf Zelluloid gebannt wurden. In diesem Fall habe ich mich vorher informiert. Wir haben auf unserer diesjährigen Sommertour Astrid Lindgren als Thema gewählt und fahren heute in den Norden. Nach Söderköping.

Über die E22 haben wir diese Route schon manches Mal gewählt. Sind hier über die kleine Klappbrücke über den Göta-Kanal gefahren. Heute staut sich der Verkehr bereits vor der Stadt. Vorboten der kommenden Sommersaison. In Söderköping nutzen wir den zentralen Parkplatz an der Tourist-Info und schnell sind wir zu Fuß in der Einkaufsstraße. Schon jetzt beeindruckt uns die dezente Architektur und die kleine Parkanlage. Wenig spektakulär und doch schön. Aber nichts im Vergleich, was uns gleich noch erwartet.

Söderköping – die Kurstadt

Als wir am Ende des ersten Straßenzuges angekommen sind, vorbei am alten Missionshaus und dem offenen Kräutergarten, zahlreichen romantischen kleinen privaten Innenhöfen, zieht uns ein schlichtes in Bäderarchitektur gestaltetes Hotel in seinen Bann. Der Verdacht kommt auf: Söderköping muss einmal eine schwedische Kurstadt gewesen sein. Der Baedeker wird mir das gleich bestätigen. Bereits 1719 eröffnete der Kurbetrieb. Im Jahr 1842 kam die Wasserkuranstalt hinzu.

Bereits der Name des Hotels gibt einen Hinweis darauf. Heute erstrahlt das Söderköpings Brunn in hellen sandigen Farben und einer von runden Säulen getragenen Veranda. Eine große Parkanlage mit Musikpavillon und alten urigen Bäumen führt uns für einen Moment zurück in jene Zeit, als man des Sonntags noch in feinen Stoffen lustwandelte. Also in jene Zeit, in der auch die Geschichte „Madita“ spielt. Im schwedischen Originaltitel übrigens „Madiken“. Tatsächlich war das „Brunn“ einst das Heilbad von Söderköping. Das älteste Gebäude, das Slottet, entstand um 1770. Dessen Anbauten kamen 1851 hinzu. Der Heilquellen-Salon selbst  wurde 1819 gebaut.

Läuft man über die kleine Brücke auf die andere Seite des Flusses, wartet umgeben von Bäumen die kleineQuellenkirche aus dem Jahr 1898 auf ihre Besucher. Nur wenige Meter weiter stadteinwärts steht das alte Heil-Lazarett wie in einem Dornröschenschlaf. Eine gute Idee und entsprechende Restauration könnte es wieder richtig lebendig machen. Vielleicht mit einer Ausstellung zur Kurgeschichte in Kombination mit einem netten Gartencafé?

Südlich des Kurparks befindet sich eine kleine freizugängliche Anlage mit einigen ländlichen Gebäuden des 18. und 19. Jahrhunderts. Einst als Freilichtmuseum angedacht gab man den Plan aber auf, nachdem man eine Handvoll Gebäude abgetragen und hier wieder aufgebaut hat.  Von Süden kommend fällt vor allem die Bockwindmühle auf, wie sie in Schweden noch heute sehr oft anzutreffen ist.

Wir selbst aber gehen in Richtung Innenstadt und folgen dem Flusslauf des Söderköbingsån. Vielleicht erinnern sich Madita-Fans noch an die Szene, an denen die Familie von Madita zum Geburtstag der Mutter einen Ausflug mit dem Dampfboot machte?

Wir kommen vorbei an der Schule von Söderköping mit einem modernen großzügigen Spielplatz. Skandinavisch typisch ist er außerhalb der Schulzeiten übrigens frei zugänglich. Zur Freude unserer Kinder. 

Auch die Vårdzentral, in Schweden so etwas wie ein medizinisches Zentrum oder Minikrankenhaus, ist in einem wunderschönen Gebäude gleich gegenüber der Schule untergebracht.

Der Göta-Kanal in Söderköping

Egal, in welche Richtung man läuft, die Kamera lässt man am besten zurück oder nimmt sie gar nicht mehr aus der Hand. Überall traumhafte Perspektiven, die einfach niemanden kalt lassen können. Überall bieten Bäume den wohltuenden Schatten in den auch in Schweden immer heißer werdenden Sommern. So historisch die Häuser durch die Bank auch sind, sie wirken jung und frisch und einladend.

Gleich hinter ihnen liegt eine der schönsten und romantischsten Wasserstraßen, die man sich nur vorstellen kann: Der Göta-Kanal. Nach der nächsten Möglichkeit werden wir abbiegen und in wenigen Metern auf seinem Damm weiter laufen.

Farblich wie ein riesiger Gebirgsbach und doch ruhig wie ein fast stehendes Gewässer zieht der Göta-Kanal entlang des nördlichen Stadtrandes. Im Mai 1810 kam es zum ersten Spatenstich in Motala. Den wird vielleicht noch die Prominenz gemacht haben. Aber dann gruben 58.000 Soldaten weiter. Bis der 190 Kilometer lange Kanal 22 Jahre später, am 26. September 1832, dem Schiffsverkehr übergeben wurde. Mit insgesamt 58 Schleusen werden die 92 Höhenmeter des Göta-Kanals reguliert. Eine dieser Schleusen befindet sich hier, im Hafen von Söderköping. Diese wurde 1874 gebaut und hat zwei Schleusentore.

Zusammen mit dem Trollhättan-Kanal und dem Göta Älv kommt die Wasserstraße zwischen Ostsee und Kattegatt auf 390 Kilometer Länge. Schon lange ist der Frachtverkehr dem Tourismus gewichen. So bietet der Göta-Kanal mit seinen eigens für die schmalen Schleusen gebauten Schiffen und seinen entlang verlaufenden Rad- und Wanderwegen ein unvergessliches Erlebnis.

In Söderköping sind die Spuren des einstigen Frachthafens noch zu sehen. Doch baute man das Silo zu Eigentumswohnungen und die Schuppen zur Gastronomie um. 

Der Hafen in Söderköping

So herrscht rund um den Hafen mit den anlegenden Freizeitbooten maritimer Trubel. Wer nicht für viel Geld anonym abgefertigt werden möchte, sollte sich eines der Stadt einwärts liegenden Restaurants oder Cafés suchen. Im Hafenbereich wollte diesbezüglich keine richtige Atmosphäre aufkommen. Sowohl bei den meisten Gästen wie auch bei oft unmotivierten und unaufmerksamen Service. Das schmälert allerdings nicht die Freude an der Schönheit dieses Ortes, der sicherlich das Magnet in Söderköping schlechthin ist.

Hoch hinaus in Söderköping

Vom Stadtzentrum aus gesehen am gegenüber liegenden Ufer des Göta-Kanal lebte der Sage nach einst der Riese Rasmunder. Vom 73 Meter hohen Rasmunderberg schaute er auf die Umgebung von Söderköping hinab. Man kann es ihm gleich tun und die278 Stufen der aufwendig angelegten Holztreppe hinaufsteigen. Immer wieder bieten Sitzgelegenheiten udn Picknickbänke Möglichkeiten zur Rast. Oben angekommen hat man einen herrlichen Ausblick vom Plateau mit Pavillon und Tischgruppe weit über Söderköping hinaus.

Wem der intensive Duft des Kiefernwaldes nicht genug ist, sollte auf den schönen Wegen und Fitnesspfaden des Naturreservats verweilen. Die Zeit vergisst man an diesem Ort. Der vielleicht der ruhigste des ohnehin schon entspannten Söderköping ist.

Zurück an der Schleuse angekommen sollte man bei Überqueren des Göta-Kanals seine Kinder sehr gut festhalten. Für die Sicherheit ist jeder selbst verantwortlich. 

In wenigen Minuten jedoch ist man wieder am kleinen Fluss, über den zahlreiche bescheidene und romantische Brücken führen. In „Madita“ rannten hier die Kinder oft zur Schule oder Madita verlor ihre Tasche in diesem Gewässer. Wir warten fast darauf, dass diese Kinder uns gleich umrennen. Das die „Madita“-Filme solch ein Erfolg wurden, darf neben der Handling sicher auch der Schönheit von Söderköping geschuldet sein.

Das Zentrum von Söderköping

Zum haben wir auch fast schon das Stadtzentrum erreicht. Dort, wo Madita ihre Schuhe bekam und das Spielzeug im Schaufenster anschaute. Dort, wo ihre schwangere Mutter beim Arzt auf die arrogante Frau des Bürgermeisters stieß und wo Maditas Vater seine Zeitung heraus brachte.

Ja, die Häuser stehen immer noch. So, wie im Film. Dabei gibt es viel mehr zu entdecken, zu fühlen, als die Einstellungen der Kamera. Denn in Söderköping zu wohnen gleicht einem besonderen Lebensgefühl. 

Ach wie gut, dass die meisten Menschen weiter in den Norden wollen und vergessen hier anzuhalten. Entsprechend übersichtlich ist der Betrieb in den kleinen Gassen, den liebevoll dekorierten Eingängen. Wir gehen über die imposante wie bescheidene Rathausbrücke zum Marktplatz. Der unter ihr dahin plätschernde Stroån war vor dem Göta-Kanal eine wichtige Wasserstraße. Schon im Mittelalter bildete sie eine wichtige Handelsverbindung und sorgte für eine blühende Stadtentwicklung zwischen dem 13. und 16. Jahrhundert. Heute sind dessen Ufer ein besonderer kultureller Ort, an dem es sich in Wohnhäusern, kleinen Cafés und Läden, gutgehen lässt.

Das tolle an Söderköping ist, dass man das kline schwedische Städtchen ganz entspannt und kurzweilig zu Fuß entdecken kann. Meist barrierefrei und auch mit kleinen Kindern. Gerade abseits des Hafens am Göta-Kanal wird es deutlich ruhiger. Hier treffen dann Ausstellungsbesucher der Rathausgalerie und Spurensuchende der „Madita“-Verfilmungen aufeinander.

Der weit sichtbare Turm des alten Rathauses war übrigens einst Feuerwache der Stadt. Heute, wie gesagt, ist hier die Kunst zuhause. Wobei Kunst udn Kultur einen recht hohen Stellenwert in Söderköping haben. Sowohl für Besucher wie aber auch für die Einheimischen. Lebendige Musikfestivals ergänzen sich mit Skulpturen- oder Bilderausstellungen zu wirklich spannenden Themen.

Die eigentliche Kunst für uns Gäste ist aber sicherlich die geamte Städteplanung. So sind die Wege kurz und so kommen wir zu einem der schönsten Flecken  in Söderköping. Wobei Söderköping augenscheinlich fast nur aus schönsten Flecken besteht. 

Rund um den Storån

Vor allem der Storån mit seinen bezaubernden Ufergrundstücken und den fast südländisch wirkenden Häusern lassen Söderköping an dieser Stelle besonders luftig und leicht wirken. Dabei ist das Zentrum von Söderköping nur wenige Gehminuten entfernt. Aber endlich erreichen wir das von weitem sichtbare und riesig wirkende Gebäude- die St. Laurentie-Kirche aus dem 13. Jahrhundert.Sie brannte allerdings 1494 ab und wurde mit geretteten Teilen umgehend wieder aufgebaut.

Neben der Kirche steht der hölzerne Glockenstuhl. Diese Glockenhäuser sind recht oft im Norden anzutreffen, da die ersten Kirchen ohne Turm gebaut wurden und man die Glocken erst später ergänzte.

Auf dem Areal rund um die Kirche befindet sich das alte und erste Gymnasium von Söderköping. Heute ist hier das im Sommer geöffnete Stadtmuseum (stadhistoriske Museum) untergebracht.

Über eine der zahlreichen Brücken im Zentrum von Söderköping gelangen wir ins Drothems Kvarteren. Das ist ein mittelalterlich erhaltener Flecken, der durch niedrige und kleine Häuser und einer weißen Kirche geprägt ist. Die Häuser stehen auf kleinen Parzellen und sind mit kleinen schmalen Gassen miteinander verbunden. Maler und Fotografen können sich aus dieser Umgebung vor Verzückung kaum losreißen. Doch man sollte beachten, dass hier ganz privat Menschen leben und wie wir als Gäste zuhause ja auch ein Recht auf geschützte Intimsphäre haben.

Am Rande des Drothems Kvarn steht sie- diese wunderschöne schlichte weiße Kirche. Auch sie hat ein nachträglich errichtetes Glockengestühl. Man könnte fast annehmen, man habe den Kirchturm falsch platziert.  Die Drothems Kirche jedenfalls stammt aus dem Ende des 13. Jahrhundert / Anfang 14. Jahrhundert und gehört zur lutherischen Gemeinde in Schweden. Sie wird und wurde als „Bauernkirche“ bezeichnet, weil sie eher von der einfachen Land- und Stadtbevölkerung genutzt wurde. Die Drothem Kirche löste eine ältere Holzkirche an gleicher Stelle ab, die vermutlich Teil eines Franziskaner – Kloster war.

Gleich gegenüber der Kirche steht die alte und immer noch betriebsame Wassermühle Drothem Kvarn. Noch heute werden hier Samen und Futtermittel vermarktet. Hier wird seit jeder der Höhenunterschied des angestauten Storån genutzt. Als wir auf der E22 von Norden kommen vor wneigen Jahren auf dem Heimweg an dieser Stelle eine kurze abendliche Rast einlegten, war es genau dise Mühle, die mich neugierig auf Söderköping machte. Heute haben wir viel gesehen und gefühlt. Dass wir schon unseren nächsten Aufenthalt in genau dieser Umgebung planen.

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