Kirkenes und die zweit meisten Bombenangriffe während des Zweiten Weltkrieges
Eigentlich gingen die etwa 10.000 Menschen, die im Gebiet Sør Varanger lebten, ihrem Alltag nach. Doch schin früh wurden sie in den Zweiten Weltkrieg hineingezogen. Sør Varanger wurde Aufmarschgebiet für etwa 160.000 deutsche Soldaten mit dem Ziel, den Eismeerhafen und Flottenstützpunkt der Sowjetunion in Murmansk zu erobern und den Nachschub an Erz aus Sør Varanger zu sichern. In der Folge wurde Kirkenes zu einem der brutalsten Kriegsschauplätze in Europa.
Am 4. Mai 1940 traf die Besetzung Norwegens auch Kirkenes. Gegen 04.45 Uhr fielen die ersten Bomben der deutschen Luftwaffe auf Kirkenes. Getroffen wurde die zentrale Energieversorgung. Eigentlich war man im Deutschen Reich davon ausgegangen, Deutschland alleine durch Drohgebärden zügig zur Kapitulation zwingen zu können. Doch hatte von Anfang an der norwegische König Hakon zum aktiven Wiederstand aufgerufen. Das deutsche Reich setzte dadurch die Besetzung ganz Norwegens mit aller Härte durch. Der erste Überfall ereignete sich unter dem Deeckmantel „Weserübung“ am 9. April 1940.
Am schlimmsten betroffen waren die Gemeinden entlang des Atlantik und vor allem entlang der Barentssee in der Finnmark. Noch grenzte Norwegen auch im Pasvik an Finnland, welches im Krieg gegen Russland früh mit dem Deutschen Reich kooperierte. Ziel Finnlands war es, die Landesgrenze zu Russland zu verkürzen und weiter in den Osten zu verlegen.
Doch vor allem Russland sollte das Deutsche Reich im Osten in Schach halten und bekam zahlreiches kriegswichtiges Material der Alliierten. Damit ausgestattet begann die russische Luftwaffe schon früh, das Zentrum des deutschen Aufmarschgebietes anzugreifen. Insgesamt würde Kirkenes bis zu seiner Befreiung 328 Bombenangriffen ausgesetzt werden.
Die ersten Angriffe gab es bereits Mitte 1941. Die deutsche Front kam einfach nicht weiter. Sie saß am Fluss Litsa fest. Junge Männer aus der Finnmark ließen sich in der Sowjetunion zu Spionen und Widerstandskämpfern ausbilden. Sie kamen zurück und berichteten nun den Russen verdächtige Schiffsbewegungen oder Bombenziele. Meist lebten sie ohne Kontakt zur zivilen Bevölkerung. Wurden sie von der deutschen Wehrmacht entdeckt, wurden sie in Kirkenes hingerichtet. Hatten sie Familie, wurde diese in die verschiedenen Konzentrationslager außerhalb von Norwegen deportiert.
Ab 1943 intensivierte die Sowjetunion die Angriffe. Insgesamt gab es über Kirkenes und Sør Varanger über 1000 mal Bombenalarm. Also während der Besatzungszeit fast täglich. Mitunter wurden zielgenau Einrichtungen der deutschen Wehrmacht zerstört. Allerdings nutzten die deutschen Besatzer auch Teile der Zivilbevölkerung oder russische Gefangene für Zwangsarbeiten.
Die Menschen in der Finnmark und in Sør Varanger machten so auch ganz unterschiedliche Erfahrungen mit den deutschen Besatzern. Vor allem Soldaten aus der vordersten Front waren durch ihre Erlebnisse so abgestumpft, dass sie oft brutal und rücksichtslos reagierten. Nicht selten unter Alkoholeinfluss.
Bis zum Herbst 1944 schafften es die deutschen Soldaten nicht, die Front nach Osten hin zu durchbrechen. Im Gegenteil, die Gegenwehr wurde größer und die direkten Kampfhandlungen rund um Kirkenes wurden mehr. Heimlich hatte der Inhaber der Børnevattn-Mine in einem der Stollen ein Evakuierungslager eingerichtet. Mit Betten und mit Lebensmitteln. Zum Ende hin flüchteten etwa 3000 Menschen in die Stollen und blieben bis zu drei Monate. In dieser Zeit wurden dort 11 Kinder geboren.
Zeitgleich setzte die Sowjetarmee zum Todesstoß gegen die deutschen Besatzer ein. Diese setzten zum ersten Mal den Befehl der Verbrannten Erde in die Tat um und zerstörten alles, was in Kirkenes noch stand. Sie zündeten die Häuser an und sprengten die gesamte Infrastruktur. Am 24. Oktober 1944 wurde Kirkenes und Sør Varanger als erster Teil der Finnmark durch die russischen Soldaten befreit. In den nächsten Wochen würden die deutschen Besatzer sich nach Westen zurück ziehen und dabei alles zerstören, was es zu zerstören gab.

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