Geht´s hier zum Mond oder nach Hamningberg?
Hamningberg hat den zweiten Weltkrieg überlebt. Und so ist es mir als einer der Nachfahren eines Tätervolkes ein weiterer Ort in der Finnmark, der mich sehr berührt. Denn offenbar ist es nur einem glücklichen Umstand zu verdanken, dass Hamningberg das einzige Dorf der Umgebung ist, welches von den Deutschen nicht niedergebrannt wurde.
So ein wenig fühlen wir uns in der Finnmark bereits am Ende der Welt, aber kaum haben wir uns von Vardø aus auf den Weg ins etwa 40 Kilometer entfernte Hamningberg gemacht, fühlen wir uns schon der Welt entrückt- eher unterwegs auf dem Mond. Hier wächst sichtbar kaum noch etwas, das Klima hat eine bizarr- einfache und karge Landschaft geformt, mit Kälte, Schnee und starken Stürmen.
Nur in den Sommermonaten kann man diesen Weg überhaupt passieren, im Winter herrscht hier in aller Dunkelheit die weisse Hölle.
Kurz vor der Fischersiedlung Hamningberg zeigt sich die Landschaft in zerfurchten Schieferfiguren, eh sich der kleine Ort mit seinem heute touristischen Charme für uns Nostalgiker und Träumer öffnet.
Hamningberg – der letzte Zeuge
Nordöstlicher geht es nicht mehr in Norwegen, als wir Hamningberg erreicht haben. Im Winter dürfte es so gut wie unmöglich sein, an diesen Ort zu gelangen, zumindest mit dem Auto. Vor uns liegt die Barentssee, die sich bis weit nach Russland erstreckt und Heimat von Walen, Eisbären und Walrössern ist.
Hier in Hamningberg gab es ebenso deutsche Besatzer wie überall in der Finnmark. Der klare Auftrag im Fall eines Rückzuges lautete, alles zu zerstören und niederzubrennen, was man zurück ließ. So wurden hier im hohen Norden Norwegens ganze Dörfer und Siedlungen niedergebrannt, so entlegen sie auch lagen.
Doch hier in Hamningberg glaubten die deutschen Soldaten den Gerüchten, dass die Russen nahe sein und so ließen sie fluchtartig alles zurück und vergaßen dabei, die Gebäude anzuzünden. einem Gerücht zufolge haben sie die heißen Töpfe auf den Herden stehen lassen.
Und so ist es wohl dieser Umstand, dass wir auch heute noch in Hamningberg in ein Zeitfenster schauen können, welches uns Einblick in das alltägliche und kulturelle Leben der Fischer in die Zeit um 1900 gewährt.
Hamningberg – Russische Architektur gegen norwegischen Fisch
Die russische Grenze ist nicht weit, man teilt sich das Meer. Durch den engenHandel mit Russland verkaufte man den Händlern den Fisch aus der Küstenregion und bekam dafür die vorgefertigten Häuser aus russischer Produktion, die vor Ort zusammen gebaut wurden. Natürlich hat Norwegen selbst viel Holz zur Verfügung, allerdings nicht im polaren Gebiet. Und so war der Weg über Russland der deutlich wirtschaftlichere, denn es gab um 1900 weder die heutigen Straßenverbindungen noch eine Eisenbahn. Der Austausch erfolge hauptsächlich über die Barentssee.
So stammen die meisten der heute erhaltenen 65 Häuser in Hamningberg aus Russland. Neben dem Holz für die Häuser kaufte man von den russischen Händlern, den Pomoren, auch Getreide. Hamningberg entstand erst um 1900 und galt mit seinen etwa 250 Einwohnern als die größte Fischersiedlung der Region. Zur Siedlung Hamningberg gehören einige Bootshäuser mit darüber befindlicher Wohnung, einige einfache Bootshäuser, die Kirche, die kleine Villa des Besitzers von Hamningberg und auch ein kleiner Laden.
In den 1950er Jahren kam eine kleine Fischverarbeitung hinzu, deren Gebäude heute noch erhalten sind.
Als die Menschen Hamningberg verließen, blieb die Zeit stehen
Einwohner gibt es heute keine mehr. Der Regierung war es in den 1960er Jahren zu aufwendig, sich um die entlegenen Orte und Siedlungen zu kümmern. Ab 1965 wurden die Menschen mit einer Prämie motiviert, Hamningberg zu verlassen. Dabei hätten sie für ihre Boote viel lieber eine neue Mole bekommen, die aber nie bewilligt wurde.
Dabei geht die Geschichte von Hamningberg bis ins 16. Jahrhundert zurück. Der Fischreichtum war schon zu jener Zeit legendär und die Anlandemöglichkeiten an den recht flach ins Meer laufenden Strand mit den kleinen Booten ideal.
Heute ist dieser Ort ein Relikt der Erinnerung, im kleinen Laden werden Waffeln und Getränke angeboten, während wir uns den Wind der Umgebung und der Geschichte von Hamningberg um die Nase wehen lassen. Mit Glück laufen ein paar Rentiere den Strand entlang oder ein Wal schwimmt in sichtbare Nähe dieser Bucht.
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