Unterwegs im Fjærland – Der Gletscher Supphellebreen
Es ist schon etwas besonderes, einen Gletscher in Norwegen hautnah zu erleben. Wir besuchen das bisher uns unbekannte Fjärland (Fjærland) im Nationalpark Jostedalsbreen und entdecken hier neben dem Bücherdorf Mundal das einzigartige Norwegische Gletschermuseum, das Norsk Bremuseum Fjärland. Dass es ein international so angesehendes Museum an diesem Ort gibt, ist den internationalen Wissenschaftlern geschuldet, die Jahr für Jahr die Entwicklung des Gletschers Jostedalsbreen untersuchen. Und so machen wir uns auf den Weg zur Gletscherzunge Supphellebreen.
Das Fjärland ist mit dem Jostedalsbreen vor allem bei Wanderern ein bevorzugtes Revier, der norwegische Alpenverein DNT (Den Norsk Turist Foreningen) unterhält hier markierte Wanderwege und einige Übernachtungshütten. Über die schmalen Straßen suchen wir uns den Weg zum Supphellebreen. Und ganz überrascht sind wir, so dicht mit unserem VW Bus an der Supphellebreen heran fahren zu können.
Es ist Mai, die Saison noch fern und das Wetter sehr wechselhaft. Am Abend zuvor hat es geregnet, heute vormittag schien die Sonne und von jetzt auf gleich hat sich der Himmel wieder zugezogen. Auch, wenn wir in diesem Jahr kaum Regentage in Norwegen haben (immerhin sind wir über 90 Tage unterwegs), das Wetter kann sich schnell ändern.
Natürlich haben wir für unsere Fotos gerne strahlend blauen Himmel. aber wir zeigen grundsätzlich die Orte wie sie sind, ohne die Bilder zu manipulieren. Denn auch ein Gletscher wie der Supphellebreen ist ein Stück lebendige Natur, immer der Veränderung ausgesetzt.
Wir parken auf dem kleinen unbefestigten Parkplatz mit großem Wendekreis. Vor uns liegt der Gletscherbach, der das Schmelzwasser des Supphellebreen aufnimmt. In kleinen und großen Rinnsalen kommt das Wasser den Berg hinunter und breitet sich im flachen Kiesbett vor uns aus. Die Steine sind geformt und gemahlen von Eis des Supphellebreen, denn es ist nicht lange her, da lag an Stelle dieses Kiesbettes vor uns sichtbar der Ausläufer des Gletschers.
Ich kann gar nicht anders, als umgehend den Trinkbecher in den Bach zu halten und dieses herrlich klare Wasser zu genießen. Gleich werden wir unsere Trinkflaschen auffüllen. In Norwegen ist es meist unnötig. Wasser zu kaufen, besseres Wasser als hier kann es nicht geben.
Dabei wandert mein Blick immer wieder hoch zum Supphellebreen, eine Absperrung warnt uns, hier weiter zu gehen. Und wir werden auch gleich merken, warum. Immer wieder entladen sich die Spannungen im Eis, es rumort und es knackt und dann wird wieder einmal Geröll freigesetzt. Nicht viel, aber wer möchte schon selbst einen kleinen Stein an den Kopf kriegen. So macht es Sinn, die Markierungen zu respektieren.
Der niedrigste Gletscher in Südnorwegen
Auch, wenn wir uns schon ziemlich wie im Norden fühlen, wir sind noch recht weit südlich in Norwegen. Und so ist es besonders, dass der Supphellebreen gerade einmal 60 Meter über dem Meeresspiegel beginnt, oder begann. Denn der Supphellebreen ist stark im Wandel. Ein ortsansässiger Motorradfahrer kommt immer wieder hier her und dokumentiert den Rückgang des Supphellebreen. Noch vor Jahren gab es hier einen Kiosk und Ausflügler hatten die Möglichkeit, auf Tuchfühlung mit dieser Gletscherzunge zu gehen. Doch immer mehr Felsen ist zu sehen und das Eis ist unterbrochen. Immer mehr schmilzt der Jostedalsbreen mit seinen Gletscherzungen wie hier der Supphellebreen ab.
Wandern im Umfeld des Gletschers
Am intensivsten kann man die Umgebung des Gletschers erwandern. Den Gletscher zu begehen ohne entsprechende Führung, Erfahrung und Ausrüstung ist allerdings lebensgefährlich. Denn ein Gletscher ist immer in Bewegung, er strahlt enorme Kälte ab und er kann tiefe Spalten mit Schneebrücken verdecken. Zudem kann durch die Bewegung Geröll freigesetzt werden, welches dann talwärts für Steinschlag sorgt. Immerhin sollen am Supphellebreen Jahr für Jahr etwa zwei bis drei Millionen Tonnen Eis abbrechen.
Also gilt auch hier Respekt vor Selbstdarstellung. Aber dann ist es eines der berührenden Naturerlebnisse, sich einem Gletscher wie dem Jostedalsbreen mit seinen kleinen zugehörigen Gletschern Supphellebreen oder Bøyabreen zu nähern.
Zwischen Mai und Oktober werden an einigen Gletscherausläufern geführte Gletschertouren angeboten. Diese sind durchaus anspruchsvoll und dauern zwischen zwei und vier Stunden. Am Supphellebreen sind Wanderungen bis auf eine Höhe von 1000 Meter über dem Meeresspiegel möglich, eh man den Gletscher betreten kann. Einfachere Alternativen bieten sich auf den Haugabreen (Jølster) oder den (Jostedalen).

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