Winter an der Nordsee – St.Peter Ording im Schnee

Winter an der Nordsee, das wird immer seltener. Die Tage, an denen die wunderschöne Halbinsel Eiderstedt von Frau Holle verziert werden, sind rar. Doch heute haben wir Glück. Temperaturen liegen leicht unter dem Gefrierpunkt. Genauso selten an der Nordsee- es ist windstill. Und: es hat heute nacht geschneit. Also ein glatter Sechser im Lotto, für die Seele. Für jeden Besucher von St.Peter Ording ein Hauptgewinn. 

Wir sind heute im Ortsteil Böhl, am Strandparkplatz und genießen die entspannte Stimmung, die dramatischen Wolken am Horizont und das Vakuum zwischen vergangener und neuer Saison. St. Peter Ording im Schnee, das fühlt sich so an wie an einem Sonntag. Mit dieser Einschätzung sind wir heute nicht alleine.

Unseren Bulli parken wir an der Zufahrt zum Strandparken in Böhl. Die Zufahrt ist in den Wintermonaten gesperrt. Zu sensibel die Natur, zu aufgeweicht der Meeresboden. Und zu wenig lukrativ, die Gebühren zu kassieren.

Nur wenige Menschen sind um diese Zeit unterwegs. Und die, die wir treffen, sind gut gelaunt. Zugegeben, woanders liegt mehr Schnee. Hinein werfen kann man sich kaum. Den Schlitten mit den Kindern hinter sich her ziehen, das wäre schon mühsam. Doch eine Langlaufski-Fahrerin lässt sich von alledem nicht abschrecken. Dankbar ist sie, überhaupt Schnee zu haben und der muss jetzt ausgekostet werden.

Nordfriesland erscheint uns gerade wie die Südarktis im Sommer: Man kann innerhalb von Minuten alle Jahreszeiten erleben. Heute sagt die Wettermeldung einige Schauer voraus- aus Schnee oder Regen. An der Wasserkante der Nordsee sehen wir einen solchen, wie er über dem Meer niedergeht. Nur ein paar Tropfen aus undefinierbarem Trocken-Nass werden wir abbekommen, eh die schwere Wolke weiterzieht. Kaum ein Windhauch wird diesen Vorgang beschleunigen. Umso mehr spüren wir die Sonne, wie sie der Schnee in unsere Gesichter reflektiert.

Weit sieht die Landschaft vor dem Deich aus. Wie eine lang gestreckte Tiefebene. In der Ferne wirkt die Nordsee wie ein breiter Strom. Immer wieder werde ich gefragt, wann denn die Flut käme. Tatsächlich befinden wir uns auf dem Meeresgrund. Und tatsächlich wird dieser Meeresboden, werden diese Salzwiesen überflutet. 

Immer dichter kommen so die legendären Pfahlbauten an den Deich heran. Nach und nach werden sie abgerissen und nach vorne neu errichtet. Jahr für Jahr verliert St.Peter Ording bis zu acht Meter Strand. Die Erderwärmung macht Erlebnisse wie einen weiten Spaziergang zur Wasserkante und St.Peter Ording im Schnee immer kostbarer.

An einem solchen Tag merken wir, wie wenig es braucht, glücklich zu sein. Schon oft hat es mich hier her gezogen. Ob verliebt zu zweit, traurig allein oder wie heute glücklich mit altem Hund und den beiden Kindern. Ob in der Hitze des Sommers, in den Sturmböhen des Herbstes oder der  eisigen und sternklaren Nacht des Winters. St.Peter Ording öffnet die Seele, das Herz und den Kopf.

Die Stunden vergehen. Unbemerkt. Unvergessen. Der Duft des Salzes, die wohlige Kälte des Nordens, die Weite des Horizonts. Hier in St. Peter Ording dürfen wir sein. Entspannt und innerlich befreit. Verspielt und verträumt.

Die Kinder in ihren kleinen Gummistiefeln und Buddelhosen spielen an den kleinen Prielen- immer im Blick, dass sie nicht mit dem Gesicht ins Wasser fallen. Ihr Spielzeug sind Schnee und Eiskristalle. Schnee kann ja auch so gut schmecken, wie mir meine Tochter glaubhaft machen möchte. Ja, ganz dunkel kann ich mich noch daran erinnern. 

Sollen sie nass und kalt werden, Hauptsache glücklich. Die Thermoskanne mit heißem Kakao und Kleidung zum wechseln wartet im Bulli. Aber wir denken noch lange nicht an die Heimfahrt. Zu selten und zu kostbar sind die Momente, wenn Schnee in St.Peter Ording fällt. Genießen wir den Augenblick. Und lassen Telefon und Uhr im Auto. Diese Zeit gehört jetzt uns.

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