Taktik der verbrannten Erde: Kjøllefjord am 4. November 1944
In Kjøllefjord schauen die Menschen am 04. November 1944 verwundert auf den Kjøllefjorden. Zahlreiche deutsche Kriegsschiffe liegen vor Anker. Üblich ist so etwas nicht in diesem kleinen entlegenen Ort. Was ist passiert? Was wird passieren. Noch wissen die Menschen hier nichts von der Taktik der verbrannten Erde. Doch gleich wird sich das ändern.
Der Tag am 04. November 1944 hat gut begonnen. Alles ist friedlich und wird gleich seinen gewohnten Gang gehen. Glaubt man. Der Himmel ist strahlend blau und das Wetter ruhig. Doch die Menschen sind unruhig. Die vielen Kriegsschiffe im Hafen und kaum jemanden, der darüber etwas sagen kann.
Nur das Schild an der Ladentür mit der Aufforderung, dass sich die Bewohner von Kjøllefjord vor der Schule einfinden sollen. Dann die unfassbare Nachricht. Jeder habe sich an einem der Schiffe einzufinden, maximal drei Kilogramm Gepäck pro Person werden erlaubt. Am Abend würde jedes Haus in Kjøllefjord angezündet.
Einige vergraben ihre wichtigsten Andenken in den Bergen. Andere fliehen in die Berge und verstecken sich dort. Aber die Vorstellung, bald Weihnachten zu haben und kein Haus, keine Existenz mehr, das ist grauenhaft,
Die Erwachsenen müssen an der Reling stehen, es ist etwa 10.00 Uhr am Abend. Die Kinder sollen ins Schiffsinnere gehen. Zunächst sehen sie, wie die ersten drei Häuser brennen. Kurz darauf brannte jedes Haus. Und selbst die alte Kirche Kjøllingfjord. Keine Seebrücke, kein Boot, keine Telefonleitung würde hier noch existieren.
Unter Schock und gezwungen reisen die Menschen in das, was die deutschen Besatzer „neues Norwegen“ nennen.
Auf dem Schiff gibt es einen kleinen Teller voll Gemüsesuppe, mehr nicht. Die erste Station ist Tromsø. Die Menschen werden in der Kathedrale untergebracht. Einige hundert Menschen, verzweifelt, wirr, oder völlig planlos. Ein Kind kommt zur Welt und gleich nebenan geben sich zwei Menschen in dieser Ungewissheit das Versprechen, für immer zusammen zu gehören. Sie heiraten.
Weiter führt die Reise in den Süden, nach Mosjøn. Die Menschen sind hungrig, durch die Kälte krank und sie verlieren ihre Kraft. In kleinen Gefäßen gibt es immer diese wässrige Gemüsesuppe. Mehr nicht. Von Melhus vor den Toren von Trondheim geht es mit dem Zug weiter. Sie sind völlig überfüllt, die Menschen kauern auf dem Boden. Weiter geht es Richtung Elverum, die letzte Etappe mit dem LKW.
Bald ist Weihnachten. Köstlich, wie sich die Besatzer verpflegen. Aber für sie, die ausgehungerten und geschwächten Menschen- dünne Gemüsesuppe. Weihnachten 1944: fällt aus. Weihnachten 1944: Kjøllefjord gibt es nicht mehr. Vier Häuser sollen stehen geblieben sein. Die Finnmark gibt es nicht mehr. Alle Infrastruktur ist akribisch zerstört. Alle Rentiere weggetrieben. Es gibt nichts, was den Alliierten oder den Russen noch nützlich sein könnte.
Taktik Verbrannte Erde – Befehl ausgeführt.
Sobald der krieg vorbei ist, zieht es die meisten Menschen wieder zurück, auch nach Kjøllefjord. Sie ignorieren das Verbot der Regierung, denn die Deutsche Wehrmacht hat bei ihrem Abzug die Finnmark vermint.
Umgehend beginnen sie mit dem Aufbau, sammeln Treibholz als Baustoff und versuchen, in den Ruinen noch etwas brauchbares zu finden. Sie bekommen neue Boote und fahren raus zum Fischen. Erstaunlich schnell, im Dezember 1945, können viele in Behelfsunterkünften in Berlevåg wieder Weihnachten feiern.
Es wird noch bis 1951 dauern, dann haben sie auch wieder eine Kirche in Kjøllefjord. In Dänemark hat man dafür Geld gesammelt und Handwerker geschickt, das neue Gotteshaus zu errichten.

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