
Spitzbergen mit dem Expeditionsschiff – Die neuen Regeln
Longyearbyen liegt auf 78 Grad Nord, hat rund 2.500 Einwohner (Stand: 1. Januar 2026) und ein Straßennetz, das nach wenigen Kilometern endet. Wer weiter will
Ich habe Esther Riegler als Newcomerin der Szene nun ein zweites Mal auf dem Wood Sculpture Symposium in Sonderborg getroffen. Während der Arbeiten war ich regelmäßig Beobachter des Enstehungsprozesses der unterschiedlichen Sculpturen. Esther Riegler zog auf besondere Art Kinder wie Erwachsene aller Lebensabschnitte in ihren Bann. Bei wiederkehrender Traubenbildung vor ihrem Stand entwickelte sich in mir der Wunsch, unbedingt mehr über diese junge Künstlerin udn Bildhauerin zu erfahren.
Guten Morgen, ich genieße meine Zeit auf dem Symposium in Dänemark sehr. Ich werde immer mit so einer Herzlichkeit und Wärme empfangen. Die Menschen hier sind sehr offen und neugierig, was sehr erfrischend ist. Für mich ist es auch sehr speziell am Meer zu sein, das verbinde ich immer mit Uhrlaub. Und zur Sommerzeit gerade ein praktisches Ambiente beim Arbeiten, denn der Wind ist angenehm kühlend und leichter zu ertragen als erdrückende Hitze. Die Landschaft finde ich generell traumhaft, wobei mir als Österreicherin auf dauer ein Berg fehlen würde. Aber da meine Aufenthalte nur sehr kurz sind, bekomme ich nur die schönsten Eindrücke zu sehen.
Das zuhause meiner Kindheit ist im Burgenland. Sehr südlich, ja, an der Grenze zu Ungarn. Es ist eine sehr ländliche, hügelige Gegend. Und wir hatten wahnsinnig schöne Sonnenuntergänge, da wir an der Hügelspitze lebten. Immer noch Bilder die fest in meinem Kopf verankert sind.
Tatsächlich bin ich bereits durch Dänemark und Schweden gereist mit Rucksack, und war auch einen Monat in Norwegen. Mich reizt es die Landschaft zu sehen. Und auch bin ich immer neugierig zu sehen wie die Sitten und Bräuche sich ähneln oder unterscheiden.
Da ich ländlich aufgewachsen bin, war ich mit meinen Freundinnen und den Nachbarskindern viel im Wald oder den umliegenden Wiesen unterwegs. Wir haben oft mit dem gespielt, was wir gefunden haben. Anstatt Barbies bastelten wir uns kleine Familieb aus Kukurutz (Maiskolben) die wir vom Feld pflückten. Oder wir haben uns Baumhäuser gebaut oder mit Farbpulvern vom Bauschutt “gekocht”. Im Flusstal haben wir kleine Krebe, Libellenlarven und Frösche gefangen und ihnen dann mit Steinen “Häuser” gebaut.
Ich habe auch schon immer gerne gezeichnet, ohne bewussten Einflüss meiner Eltern. Das war automatisch aus meiner Faszination für Pferde oder Giraffen, heraus.
Mathematik. Bis heute habe ich einen Krieg mit Zahlen. Ich kann meinen Fähigkeiten für Kopfrechnen nicht vertrauen und muss immer wieder an den Fingern abzählen. Im Unterricht konnte ich mich meistens retten, dass ich sehr schlaue Freundinnen hatte, die mich abschauen ließen.
Wenn ein Tier oder ein Fluss als passive Ressource behandelt wird ist es natürlich bedrückend. Diese Abspaltung von unserer Mitwelt erkläre mir so, dass der Mensch in sich selbst Anteile nicht annehmen kann. Also Traumatisiert ist. Und das bekommen nun mal oft jene zu spüren die sich nicht wehren können. Ich will daher, dass meine künstlerische Arbeit auch eine positive aktivistische Resonanz erzeugen. Denn als einzelne Person ist man dieser Kriese natürlich ausgesetzt, aber ich habe Vertrauen in Veränderung durch kleine Bewegungen, die den kollektiven Geist berühren.
Ich lebte 8 Jahre im Cohousing Projekt “Pomali” in Österreich. Die Gemeinschaftsorientierten Strukturen und der Achtsame und familäre Umgang hatte mich geprägt, da es für mich wie Balsam war, um eine schwierige Zeit durchzustehen. Ich erlebte eine Depression aufgrund des Verlusts meiner Mutter und da wir Umzogen, auch der Heimat in der ich aufgewachsen bin. Erst die Gemeinschaft, die Kinder und die empathischen Menschen erlaubten es mir mich wieder zu öffnen und anzunehmen. Es zeigte mir die Wichtigkeit der Achtsamkeit bezüglich der Wesen und Organismen in unserem Lebensraum.
Irgendwann hast Du ja beschlossen: „So, ich werd jetzt Bildhauerin“. Wie hat Deine Umgebung darauf reagiert? Und hast Du Dich in Deiner Entscheidung für diesen Weg von außen verunsichern lassen?
Ich habe das Glück, dass mein Vater sich sehr wenig in solchen Entscheidungen eingemischt hat. Er war sehr unterstützend und ist bis heute stolz, dass ich dem nachgehe, was sich für mich richtig anfühlt.
Auch hatte ich an der Bildhauerschule HTBLA Hallstatt sehr gute Lehrer. Die nicht nur Kunst vermittelten aber auch philosophische Askpekte davon vertieften. Dahingehend ist meine Liebe für die Kunst erst durch diese Tiefe gewachsen.
Verunsichert war ich nicht unbedingt. Aber natürlich erlebe ich immer wieder Rückschläge, wie Absagen von eingereichten Bewerbungen oder wenn ich ein Projekt nicht umsetzen kann aus Geldmangel, was dann erneut ein Gedankenkarussell abspielt von: Mache ich das richtige? Bin ich zu naiv? Wird das so die nächsten Jahre sein?
Wodurch lässt Du Dich inspirieren? Was ist Dein Anlass, jetzt eine Installation, eine Skulptur zu fertigen? Sind da spontane Ideen? Oder wünschst Du Dir von außen so etwas wie eine Vorgabe?
Unterschiedlich. Manchmal sind es Träume die mir Bilder vermitteln. Manchmal beobachte ich etwas in der Natur das mich zum staunen bringt. Dann finde ich vielleicht Objekte, wie Kassettentape oder eine rostige Kreissäge, die ich spannend finde. Das sind aber immer Abstrakte Eindrücke und erst im Arbeitsprozess wird die Bedeutung des Werks klarer und nimmt wortwörtlich Form an.
Symposien eignen sich, da ich natürlich gelernt habe mit Holz und Kettensäge zu arbeiten und weil ich sehr gerne in großem Format arbeite, Daher habe ich auf Onlineportalen einige Bewerbungen ausgeschickt und bin dann unter anderem eben auch in Sonderborg akzeptiert worden.
Nun bist Du 2026 erfreulicher Weise wieder hier. War es die Erfahrung der letzten Teilnahme oder war es ie Lust, sich mit dem vorgegebenem Thema „Ziegel“ auseinander zu setzen`
Es war die schöne Zeit meines letzten Aufenthalts was mir die Motivation gegeben hat mein Glück erneut zu versuchen. Die Menschen hier sind sehr besonders und auch die anderen teilnehmenden KünstlerInnen bringen so eine schöne Atmosphäre mit sich. Leider ist eine Woche fast zu kurz um sich wirklich gut kennn zu lernen. Aber ich nehem ja wieder mal teil 😉
Das war sehr schwer, da ich sehr wenig zur Geschichte von Dänemark weiß und noch weniger über Ziegeln. Aber ich habe mich Online etwas reingelesen und habe dann überlegt: Wie würde ich einen Ziegel machen? Ich würde Ton nehmen und kneten.
Warum nicht das in meine Arbeit mit einfließen lassen?
Beim Eisbaden am Teufelssee in Berlin, kam ich dann an einem Garten vorbei, dieser hatte ein spannendes Insektenhaus mit Tonkugeln und Löchern. Es war so hübsch gestaltet, dass mir das im Kopf blieb. Dann endlich hat es im Zusammenhang mit Ton und Ziegeln geklickt. Und mein Konzept hat sich zusammengefügt.
Ich nehme mir einen Ziegelstein in die Hand. Er ist glatt und kantig. Klar in seiner Formensprache. Dann schaue ich mir Deine Figur an und rätsele, was daraus entsteht. Erkennbar sind jedoch weiche fließende Formen und Strukturen. So schwer Deine Figur ist, dass Du sie kaum alleine bewegt bekommst, so vermittelt sie eine gewisse Leichtigkeit. Spiegelt Deine Arbeit Dein Empfinden?
Ich liebe es sehr grob und rau zu arbeiten, oft mit morbider oder düsterer Ästhetik, aber tatsächlich will ich Weichheit, Inklusion und Gemeinschaftssinn, vermitteln. Es kann sehr gut mein innerer Zustand sein auch.
Für wen mache ich Kunst… schwierige Frage. Denn anfänglich natürlich für mich. Es ist meine Freiheit, meine Faszination und Neugierde mit Materialien und Organismmen zu Arbeiten und konzeptuell zu erforschen. Das ist der Antrieb. Aber natürlich denke ich dabei auch was für Eindrücke oder Einflüsse dies nach außen tragen kann. Somit ist es vielleicht eine Annäherung an kollektive Dynamiken. Die muss man nicht unbedingt verstehen oder erklären können. Manches wirkt auf anderen Ebenen und ist zu vielschichtig, um eine einfache Beschreibung zu finden. Ich denke Teile von mir sind in meiner Kunst, das ist schwer vermeidbar, aber eher spricht es ein kollektives Erleben an und ist daher allen zugänglich auf unterschiedliche Weise.
Bei meinen Besuchen beobachte ich immer wieder gerne das Publikum. Mir ist aufgefallen, dass gerade Scharen von Kindern bei Dir Halt machen. Gut, es gibt auch Wasser und Matsch, um daraus kleine kugelige Wesen zu formen. Aber das schien mir nicht der Antrieb. Ich schiebe es auf Deine fröhlich-ansteckende Ausstrahlung. Würdest Du sagen, Du hast einen guten Draht zu Kindern? Liegen sie Dir besonders am Herzen?
Ach das freut mich dass du das so siehst. Ja definitiv ich arbeite sehr gerne mit Kindern. Ich schätze es sehr, dass mein Workshop auch spaßig war für sie. Sie haben so eine Freiheit im kreativen Arbeiten und eine breite Fantasie. Das ist sehr inspirierend und die freude am wilden Gestalten ist ansteckend.
Die Rundumversorgung ist ein totaler Luxus an dem Symposium. Vom Werkzeug bis zum Mittagsbuffet, alles ist durchdacht und in bester Qualität vorhanden. Ich darf genießen, und muss mich auf nichts anderes als meine geliebte Arbeit konzentrieren. Dann noch die wohlwollenden Menschen und diese total süße Hafenstadt. Ich bräuchte nur mehr Zeit um mehr zu sehen.
Nein eine andere Gastfamilie, aber genau so offen und gastfreundlich. Ich fühle mich sehr wilkommen. Sogar verwöhnt!
Ich durfte den Platz, an dem die Arbeit stehen wird, sehen – und nicht nur ist es eine blühende Blumenwiese, anbei ist direkt das wogende Meer. Ein Urlaubsort! Jetzt mit Luxusresort für Bienen und Hummeln!
Mich bewegt vor allem, dass die Leute so eine Begeisterung und Wertschäthzung für die Arbeit haben. Es ist echtes Interesse an der Skulptur. und das gibt mir große Zuversicht in meine Arbeit.
Natürlich Künstlerin! Aber gerne in einem Bereich der auch Aktivismus und Gemeinschaft lebt und verbindet. Ich werde weiter meine Recherche von integrativer Kunst verfolgen und bestimmt eröffnen sich neue Wege und Möglichkeiten mit mehr Reichweite. Daher lass ich auch erst mal die Dinge auf mich zukommen.
Vielen Dank! Ich bin auch sehr froh dass wir uns kennen gelernt haben. Und Danke auch für dein echtes Interesse und den schönen Artikel und die Bilder! Ich bin immer noch mit der positiven Energie vom Symposium angespornt und nutze diese, um jetzt meine Diplomausstellung umzusetzen.
Du bist auch herzlich eingeladen – mit dem Wissen, dass du vermutlich nicht so oft in Berlin bist.
Esther Riegler im Web: estherriegler.com
mehr über das wood-sculpture-sonderborg hier…
und auch hier: wood-sculpture

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