Jedes Jahr in Kalenderwoche 25 – Willkommen zum Wood Sculpture Symposium Sønderborg

Vom Parkplatz her kommend führt mein Weg zum Schloss Sønderborg. So geht es mir wahrscheinlich wie den meisten Touristen. Der Platz vor dem Schloss scheint zentraler Anlaufpunkt zu sein, wenn man diese kleine Stadt an der Flensburger Förde entdecken möchte. Doch heute empfängt mich bereits von weitem Lärm aus den vor dem Schloss aufgebauten Pagodenzelten. Was ist da los? Wahrscheinlich, nein ganz bestimmt das, was seit 2012 jedes Jahr im Juni in der Kalenderwoche 25 hier stattfindet: das Internationale Wood Sculpture Symposium Sønderborg. Die hier fast heiß laufenden Kettensägen sind in der Wahrnemung dieser Woche allerdings eher Musik als Lärm in den Ohren aller Anwesenden.

Nein, zugegeben- fremd ist mir das Wood Sculpture Symposium Sønderborg schon lange nicht mehr. Und doch ist es Jahr für Jahr wieder eine neue Entdeckung für mich. Mit jedem Jahr wechselt das Thema, zu welchem Holzbildhauer rund um den Globus sich um eine Teilnahme bewerben. Tatsächlich passiert es manches Mal, dass ich ein Gesicht hier zum zweiten Mal entdecke.
Am Freitag vor dem Start bringt der Lastwagen die schweren Eichenstämme, aus denen in der folgenden Woche die unterschiedlichsten Figuren entstehen. Die Freude und Ungeduld der helfenden Hände ist zu diesem Zeitpunkt nicht mehr zu verbergen.

Unsichtbar hat eine Jury in den Monaten zuvor die Künstler ausgewählt, war bei den oft komplizierten Visa-Verfahren hilfreich, hat Gastfamilien gesucht, das Fest organisiert und Gelder zusammen gesucht. Jetzt, am Start der diesjährigen Veranstaltung, fällt das alles bei den Mitwirkenden ab wie ein schwerer Stein. Das gewichtige Holz und alles, was in den kommenden Tagen damit zusammen hängt, wirkt leicht und erfüllend, wenn auch nicht weniger herausfordernd. Da wird für die Verpflegung gesorgt, die Kinder für die handwerklichen Zeltprogramme eingewiesen, Sägespäne und Holzreste entfernt und den Kettensägenhelden bei Bedarf zur Hand gegangen.

Überraschend schnell nimmt das rohe Stammholz der Eiche seine neu zugedachte Form an. Eine Form, wie in einem kleinen Modell von den Künstlern in ihrer Ideenfindung erarbeitet und nun dreidimensional dargestellt. Spannend wie die mit „echten“ Männern in Verbindung gebrachte Kettensäge in den Händen der weiblichen Holzbildhauer mit gleicher Entschlossenheit und Emotion hilft, ihren Blick auf das Jahresthema für Menschen wie mich sichtbar zu machen.

Spannend auch, wie Menschen, wie Frauen und Männer aus der ganzen Welt, den unterschiedlichsten Kulturen und Sprachregionen hier im dänischen Sønderborg zusammen kommen und ihre Gedanken- und Gefühlswelt in einem Stück Holz äußern und für uns erlebbar machen.

Dabei bin ich immer wieder überrascht, wie familiär, wie gemeinschaftlich die sich bisher Fremden begegnen und ohne Worte unterstützen. Manch bleibende Kontakte und Freundschaften entstehen genau hier. Holz hat eine warme Ausstrahlung, eine weiche Haptik. Vielleicht finden aus diesem Grunde die Menschen an diesem Ort mit diesem Material ohne Barriere zueinander.

Ebenso berührt mich immer wieder das große Interesse der Kinder. Alle Generationen treffen hier beim Wood Sculpture Symposium Sønderborg aufeinander. Aber es sind ganz klar die Kinder, die in ihrer Fröhlichkeit, in ihrer grenzenlose Neugierde Lust haben, den Bildhauern zuzuschauen oder im Kinderzelt selbst mit den Materialien zu basteln oder zu spielen. Manch ein Kind kreiert hier sein spontanes Geschenk für Mama oder Papa.

Wer weiß, vielleicht findet einer dieser kleinen Geschöpfe später seinen Weg in die Holzbildhauerschule nach Flensburg. Die ist übrigens seit vielen Jahren Partner des Wood Sculpture Symposium in Sønderborg. Die Schüler treffen hier auf ihre Idole, können sich austauschen und miteinander an diesem Ort ihre eigene Skulptur formen. Im Zelt nebenan erfahren wir über die Lehrschritte der Holzbildhauerschule vom Zeichnen, Modelieren, Drechseln, Beiteln…

Ich bin immer wieder fasziniert, wie die Fantasie, die Gedanken sich den Weg in die Hände der Schaffenden bahnen und aus Träumen, aus Gedanken etwas Greifbares, Sichtbares wird. Meine persönliche Bewunderung dafür ist schier grenzenlos. Die viele Arbeit, so werde ich am Ende der Woche bei den vielen Helfern hören, die sei egal. Auf jeden Fall möchte man im nächsten Jahr wieder dabei sein. 

Manch einer wird bis dahin den Kontakt zu den anderen halten. Und sich bereits schon auf den nächsten Termin freuen. Im nächsten Jahr, in der Woche 25.

Aktuelle Informationen finden sich unter sonderborg.dk/event/woodsculpture./

 

 

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