Industriemuseen in Dänemark – Tœrning Mølle in Vøjens bei Hadersleben (Haderslev)

Wir besuchen heute eines der imposantesten Industriedenkmäler in Süddänemark- die Tørning Mølle in Vojens, nur 12 Kilometer westlich von Hadersleben (Haderslev) entfernt. Hier stoßen wir auf einer ziemlich romantischen Industriegeschichte der letzten 100 Jahre. Doch ihre Story geht weiter. Nur anders.

Über die Hauptstraße von Hadersleben nach Vojens ist etwa vier Kilometer vor Vojens die Tørning Mølle ausgeschildert. Eine schmale Straße führt durch die hügelige Landschaft hinunter durch einen kleinen Wald direkt zur Tørning Mølle.

So abgelegen wie die Tørning Mølle liegt, so ist ihr Ort doch der beste, den man für diese Anlage wählen konnte. Seit über 1000 Jahren gibt es im Bereich der Tørning Mølle reges Treiben. Die ältesten Gebäude des Gesamtkomplexes stammen aus dem Jahr 1700. Und man findet sogar noch Mauerreste aus der Zeit um 1330.

Alles begann mit einer umfangreichen Burganlage. Wir machen uns heute auf die Spurensuche der letzten Epoche der Tørning Mølle und versuchen diese große Mühlenanlage zu verstehen. Dankbar nehmen wir das Angebot an, außerhalb der Besuchszeiten die Tørning Mølle ganz ungestört zu entdecken und den Duft der Industriegeschichte zu atmen.

Wie erwähnt, stammt das älteste erhaltene Gebäude der Tørning Mølle aus dem Jahr 1700. Dabei handelt es sich um das Haus des Amtmann, heute ein romantisches und empfehlenswertes Restaurant.

Aber nun zum Hauptgebäude, der Tørning Mølle: Dieses riesige graue Gebilde mit seinen bestimmt 100 Fenstern gleicht fast einer Bauruine. Fast- denn zum einen befindet sich im Keller eine enorme Wasserturbine zur Stromerzeugung, zum anderen ist im Inneren die ganze Mühlentechnik erhalten. Heute ein bezaubernder Ort für Veranstaltungen und natürlich für Besichtigungen während der Sommermonate und ganzjährigen Führungen.

Dieses Mühlenhaus stammt allerdings erst aus dem Jahr 1911, nachdem ein verheerender Brand 1907 fast die gesamte Anlage zerstört hat. In diesem Zuge entstand das erste Wasserkraftwerk in Dänemark, welches Strom für die Hälfte der Stadt Hadersleben /Haderslev lieferte. Kernstück sind die beiden bis heute funktionierenden  Francis Wasserturbinen aus dem Jahr 1908.

Dabei geht die Geschichte der Nutzung der Wasserkraft durch die Tørning Mølle mehr als 500 Jahr zurück. Offiziell belegt ist der Erwerb der Tørning Mølle durch König Johann I im Jahr 1494.

War der Tørning Bach (Tørning Å) bisher ausreichend, die Mühle zu betreiben, steigerte man die Wasserkraft durch den Staudamm, der seit 1749 besteht. Im Jahr 1784 kaufte der Müller Hans Boysen aus Grøngrøft die Tørning Mølle. Bis 1960 blieb die Tørning Mølle im dortigen Familienbesitz.

Seit 1980 steht die gesamte Anlage unter Denkmalschutz, seit 1982 liegt ihr Besitz in öffentlichen Händen.

Die Tørning Mølle ist allerdings nur Teil eines großen Industriekomplexes, der im weiteren östlichen Verlauf des Christianental angesiedelt war und von der Wasserkraft profitierte. Dazu in weiteren Artikeln mehr. Heute öffnen wir die alte Tür zur Mühle, in der noch bis 1975 Getreide gemahlen wurde.

In ihren besten Jahren gab es hier zudem eine Papierfabrik, eine Textilproduktion, eine Stopfmühle zur Wollveredelung und selbst eine Glasgießerei. Alles Industriezweige, deren Maschinen eben über große Räder und Riemen durch die Wasserräder angetrieben wurden. In den besten Jahren arbeiteten bis zu 300 Menschen hier in der Tørning Mølle.

Das erklärt auch, warum wir heute so großzügige Räumlichkeiten vorfinden.

 

Heute ist die Tørning Mølle neben Kulturdenkmal und Industriemuseum auch ein aktiver Treffpunkt für Theater und Musik, aber auch für private Parties, Tagungen und Fortbildungen. Kann es eine schönere, eine authentischere und unvergesslichere Umgebung dafür als die Tørning Mølle geben?

So spannend und einzigartig die erhaltene Industriekultur im Inneren des Mühlenhauses der Tørning Mølle ist, so entspannend und romantisch ist die gesamte grüne Anlage außen herum. Im Park hinter dem Haus des Müllers wird man einige ganz besondere Bäume entdecken. So zum Beispiel die größte Hängebuche von Dänemark, gepflanzt im Jahr 1830 oder eine Kastanie aus dem Jahr 1800. Überall laden Sitz- und Verweil-Möglichkeiten ein, das eigene Picknick mitzubringen und die Umgebung zu fühlen. Wer die Tørning Mølle einmal entdeckt hat, den wird sie emotional nicht mehr los lassen.

Die Anlage der Tørning Mølle kann man das ganze Jahr besuchen. Das Mühlenhaus ist einzig in den Sommermonaten für Besichtigungen geöffnet. Führungen bis Gruppengrößen von 25 Personen sind ganzjährig möglich.

Informationen gibt es auf der offiziellen Seite der Tørning Mølle hier…

Jeder Artikel wird weiter entwickelt, angepasst, ergänzt. Wenn Sie Anregungen oder Erlebnisse, historische und aktuelle Bilder haben, gerne mit uns zusammenarbeiten oder sich an dieser Stelle präsentieren möchten, dann schreiben Sie an redaktion@weites.land.

Schreibe uns Deine Meinung