Architektur in Norwegen: Petter Dass Museum in Alstahaug
Wer mit offenen Augen durch Norwegen reist, wird vielerorts aufregende und norwegisch- untypische Architektur entdecken. Wir sind heute in Alstahaug im Helgeland und nähern uns der Architektur des Petter Dass Museum.
Zur den Nicht-Norwegern oft eher unbekannten Seite des Landes gehört u.a. auch die künstlerische Vielfalt, die es in Norwegen quer über das Land zu entdecken gibt. Dass sich kulturelle Schätze wie der des norwegischen Schriftstellers Petter Dass mit moderner Architektur verbinden, erleben wir am Beispiel des Petter Dass Museum in Alstahaug an der Küste von Helgeland, dem südlichen Nordland.
Petter Dass – einer der berühmten norwegischen Lyriker
Petter Dass ist einer der bekanntesten norwegischen Dichter und Lyriker des 17. Jahrhunderts. Seien Werke befassen sich mit der rauen Natur und der Identität der Menschen, die in dieser Umgebung ihr Zuhause gefunden haben. Zudem gehört er zu den großen Verfassern von Kirchenliedern.
Seine Werke werden bis heute immer wieder in Neuauflagen veröffentlicht und sind seit jeher Inspiration für andere Künstler, in ganz unterschiedlichem Genre.
Hier in Alstahaug, einer Gemeinde, zu der heute auch 920 kleine Inseln zählen, ist Petter Dass vermutlich im Jahr 1648 zur Welt gekommen. Sein Vater war schottischer Kaufmann. Er selbst studierte in Kopenhagen Theologie und arbeitete dann in seiner Heimat bis zu seinem Tod am 17. August 1707 als Hauslehrer, Kaplan und Priester.
Petter Dass soll eine sehr selbstbewusste und ausstrahlende Persönlichkeit gewesen sein, um die sich auch so manche Legende rankt. Er sollte sich selbst als frommer Mensch noch nicht einmal durch den Teufel einschüchtern lassen. Einen Skandal verursachte er gleich zu Beginn seiner beruflichen Laufbahn: Als Hauslehrer des ansäßigen Priesters wurde er mit dessen Tochter intim, sie wurde schwanger. Das kam gar nicht gut an, aber geschadet hat es ihm auf Dauer auch nicht.
Die Heimat von Petter Dass: Alstahaug
Alstahaug, wie gesagt, ist zum einen die Heimat von Petter Dass, zum anderen aber auch eine großflächige Kommune. Etwa 7.400 Einwohner leben in Alstahaug. Doch den schönsten Platz von Alstahaug finden wir hier, direkt an der Küstenpanorama- Route durch Helgeland. Eine Steinkirche mit Zwiebelturm ist schon recht außergewöhnlich für Norwegen, die dahinter liegenden roten Häuser allerdings trifft man überall in Norwegen an und sie sind Teil dessen, was wir mit Norwegen in Verbindung bringen.
Gleich hinter dem Ensemble von Kirche und Wohnhäusern erstreckt sich quer zur Bebauung eine felsige Anhöhe. Und mittendrin in dieser historischen Umgebung befindet sich das Petter-Dass-Museum.
Die Architektur des Petter Dass Museum
Die Kommune Alstahaug wollte ihrem wohl berühmtesten Bürger ein Denkmal setzen. Und so beauftragte man das norwegisch-amerikanische Architekturbüro Snøhetta AS, ein Gebäude als Wahrzeichen der Region zu schaffen, was dem Leben und Wirken Petter Dass würdig sein sollte. Dabei wurde voraus gesetzt, dass sich das zukünftige Petter Dass Museum in die Landschaft integriert.
Der Name des Architekturbüros, Snøhetta, ist auch zugleich das Programm, an ein solches Projekt heran zu gehen. Das Gebäude sollte kein Hochhaus werden, vielmehr eines, welches sich flach in die Landschaft integriert wie eine Schneekappe.
Snøhetta AS ist für seinen ganz eigenen Architekturstil bekannt, formal sind deren Entwürfe schlicht und möglichst niedrig und horizontal. Sie erheben sich nicht, sie integrieren sich. Dabei bilden sie einen symbolischen Kontrast zur Umgebung im Kontext zum Thema.
Das Petter Dass Museum ist ein Gebäude nahe am Boden, entsprechend der Bodenständigkeit des Dichters und Poeten Petter Dass. Es ist bescheiden in seiner Erscheinung und wuchtig in seinem Auftreten. Eben wie die Werke des Petter Dass.
Das Petter Dass Museum besteht aus einer Stahl-Beton-Konstruktion, ist eingepasst in die ausgefrästen Felsen, eben genauso als fester Bestandteil der Umgebung wie die Gedichte von Petter Dass über die Natur und das raue Leben in seiner heimatlichen Umgebung, dem südlichen Nordland.
Nach vorne ist das Petter Dass Museum weit geöffnet für Jedermann, eine weitere Metapher zu den Werken des Künstlers. Im Erdgeschoss befinden sich neben einer großzügigen Empfangshalle mit kleinem Museumsshop und einer Rezeption ein Auditorium, Garderobe, Toiletten und ein offenes, schlichtes Café.
In der Ebene darüber sind die Ausstellungsflächen des Petter Dass Museum untergebracht, in der dritten Etage die Bibliothek, Büros und Besprechungsräume.
Das Petter Dass Museum ist genau zwischen der Kirche Alstahaug und der Gebäudegruppe angeordnet, dabei tritt es zurück hinter die Linie der Bebauung. Und doch verbindet es die Kirche mit dem weltlichen Leben. So betritt man auch das Petter Dass Museum, in dem man zwischen der Kirche und den Wohngebäuden auf das Hauptportal des Museums mit seiner großen offenen Front zuläuft. Auf der Rückseite erhebt sich die Architektur des Petter Dass Museum über das Meer, mit einer dunklen Front. Dem Meer, mit dem das norwegische Volk seit jeher tief verwurzelt ist und dem Meer, dem es sich seit jeher auch entgegen stemmen muss, gleichzeitig aber von ihm profitiert, in dem es den Überblick behält.
Internationale Preise und Auszeichnungen für die Architektur des Petter Dass Museum Alstahaug
Zunächst ist es erwähnenswert, dass das Architekturbüro Snøhetta AS mit einer gleichberechtigten Struktur arbeitet und Teamarbeit an erster Stelle steht. Ebenso ist es bemerkenswert, dass die Entwürfe in enger Zusammenarbeit zwischen einem Architekten und einer Landschaftsarchitekten entstanden.
Die Architektur des Petter Dass Museum stößt seitdem national wie international auf großes Interesse. So wurden ihm folgende Auszeichnungen und Beachtung zuteil:
- Lobende Erwähnung im Zusammenhang mit der Verleihung des National Building Settlement Award 2008.
- Nominiert mit der Norwegian Opera & Ballet als norwegische Teilnehmerin am World Architecture Festival in der Kategorie Barcelona Culture, 2008.
- 2010 von der nordnorwegischen Entrepreneurs Service Organization (NESO) zum „Nordnorwegischen Bau des Jahres“ ernannt.
Veröffentlichungen:
- ArchDaily: Ihr eigener Blick auf die Architektur-Website, auf der die weltweit renommiertesten und architektonischsten Projekte vorgestellt werden.
- Taschen Verlag: „ARCHITEKTUR JETZT! MUSEEN ”, 2011. Erwähnt als einziges Museumsgebäude in den nordischen Ländern.
- Architektur N: „MADE IN NORWAY. NORWEGIAN ARCHITECTURE HEUTE ”, 2010
- Lars Müller Verlag: „SNOWHETTA WORKS“, 2009.
Ebenso ist das Gebäude in der Ausstellung „SPOR“ des Nationalmuseums vertreten. Norwegische Architektur 2005-2010 „, die im Jahr 2011 im Nationalmuseum ausgestellt wurde. Die Ausstellung ist seit 2012 international und national gereist.

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