Bulligraphie

VW Multivan T6 Test-Test | Der große ADAC Test-Test

Wir mögen den VW T6, ohne Wenn und Aber . Mit seinen Stärken und Schwächen | © weites.land
Wir mögen den VW T6, ohne Wenn und Aber . Mit seinen Stärken und Schwächen | © weites.land
Was ist das? Ein Test-Test? Ja, genau, wir haben uns im Vorfeld diverse Berichte und Reportagen über VW´s Liebling, dem T6, angeschaut und versuchen diese aus unserer echten Praxis-Erfahrung mit dem T6 zu bewerten. Immerhin fahren wir den VW Bulli im Alltag und finden es bemerkenswert, wie sich beinahe jeder in positiven wie negativen Sinne förmlich auf dieses Kultmobil stürzt. Ohne es unbedingt in jedem Fall wirklich zu verstehen.

Wir fahren seit etwa 30 Jahren Bulli und haben bis auf den T 1 wirklich jede Baureihe bewegt- und sie uns. Dazu ist uns der ADAC-Test 04/2016 in die Hände gefallen, der uns inhaltlich, um es höflich auszudrücken, doch irritiert hat. Selbst für ein eigenes Fahrzeugfoto hat es wohl nicht gereicht, hier hat man sich am Marketingpool bedient.

Gleich zu Beginn wird die Enttäuschung thematisiert, dass der T6 eigentlich nur ein modifizierter T5 ist. Lieber ADAC, ehrlich gesagt gefällt uns der T6, von einem T5 haben wir Abstand genommen. Denn der T6 gefällt uns genau so, wie er ist. Natürlich wünschen wir uns auch das ein oder andere, aber uns ist es reichlich egal, ob es sich um ein Facelift oder eine Neuentwicklung handelt, solange das Ergebnis stimmt.

Leistung

Wann brauchen entspannte Fahrer wirklich mehr als 102 PS im VW T6 ? | © weites.land

Wann brauchen entspannte Fahrer wirklich mehr als 102 PS im VW T6 ? | © weites.land

Der ADAC macht keinen Hehl aus seiner Enttäuschung über die mageren 102 PS, die selbiger sogar als Verkehrshindernis wähnt. Nun haben wir ausgiebig diese Maschine mit einem Allradantrieb kennengelernt und fragen uns, was der ADAC als Verkehrshindernis definiert. Wird er all jene Käufer und Fahrer als solche bezeichnen, die sich die Freiheit nehmen, genau diese Motorisierung zu wählen? Braucht man mehr an Leistung in den flacheren Bundesländern? Oder in der Stadt? Oder in den vielen Ländern mit Tempolimit? Dass andere Autotester dem ADAC deutlich widersprechen, zeigt sich beispielsweise in einem Test von Focus oder Autopraxistest.

Der Verbrauch von 6,9 Liter bei tiefer gelegtem Fahrwerk ist in der Tat mager, berücksichtigt man, dass die Autohersteller insgesamt bei den Verbrauchsangaben gerne um 10% und mehr schummeln. Dabei haben wir aber mit dem Vorgängermodell und seiner 102 PS Motorisierung selbst mit Höherlegung, Geländereifen und Allradantrieb einen möglichen Verbrauch von 6,4 Liter auf 100 Kilometer realisieren können und kamen entspannt und pünktlich an. Das im übrigen bei einer Monatsleistung von etwa 4.000 Kilometern.

Naiv ist, wer glaubt, dass signifikante Energieeinsparungen durch Tieferlegungen erreicht werden können, dieses Märchen hat doch schon zu Spoilerzeiten niemand ernsthaft abgenommen. Dass man bei einem strafferen Fahrwerk allerdings Komforteinbußen bemängelt, ist von automobilen Profis, die den ADAC ja auszeichnen sollen, eher lächerliche Erbsenzählerei. Denn genau aus Komfortgründen würde ich mir keine Tieferlegung bestellen. 

Und da ist dann auch schon die magere Ausstattung ein Thema in Kontext zum Preis. Zur Schau steht der Einstiegs-Multivan Trendline für 36.414 EUR. Eigentlich hat der Wagen alles, was man braucht, will man einen Bulli fahren. Natürlich kann man den Preis mit all erdenklichem Zubehör auf etwa 80.000 EUR bringen, aber wer braucht das wirklich? An keiner Stelle erzählt der ADAC, was er an Ausstattung denn konkret vermisst. Und er verschweigt auch, dass ein Kombi in vergleichbarer Qualität kaum günstiger zu haben ist. In Teilen geben wir dem ADAC recht, denn der Multivan sollte aus unserer Sicht auch in der Grundausführung die Möglichkeit bieten, darin schlafen zu können und sich in gewohnter Form über Tankinhalt und Motortemperatur zu informieren. Denn diese Variabilität hat den Multivan zum Erfolg geführt. Doch mutiert diese Modellreihe immer mehr zum Businessvan und verschiebt das bisherige Klientel hin zum California Beach- der ja nichts anderes ist als ein Multivan mit Aufstelldach.

Verarbeitung

 

Wir finden die Verarbeitung top und können das Lamentieren über billige Qualität und Spaltmaße nich verstehen | © weites.land

Wir finden die Verarbeitung top und können das Lamentieren über billige Qualität und Spaltmaße nicht verstehen | © weites.land

In der Verarbeitung sieht der ADAC den VW T 6 Multivan Trendline im Mittelfeld und ist bemüht, nur so wenig wie unbedingt möglich positiv zu bewerten. Verzweifelt sucht man Kritikpunkte, die wirklich keine sind. Da ist die zugegebenermaßen sehr schlichte Heckklappenverkleidung, die aber mal eben in Funktion als Kofferraum auch durchaus beansprucht wird. Im Keller der ADAC-Räume wird man auch keinen Velourteppich finden. Tatsächlich sichtbar sind bei genauem Hinschauen Metalloberflächen von Türen, die nicht flächendeckend mit Kunststoffteilen abgedeckt sind. Wenn Menschen uns im VW T3 LLE sehen, dem damals luxuriösesten Multivan aller Zeiten, dann stört niemanden ansatzweise das sichtbare Blech oder die schlichte Verkleidung. Der Gesamteindruck zählt und der ist, damals wie heute gut. Man muss als wahrer Bullifan zudem sehr darauf achten, dass einem das Bulli-Feeling in der modernen Baureihe nicht durch zu viel Komfort und Zubehör verloren geht.

In den Radkästen vermisst der ADAC Akkustikdämmstoff. Vermisst er ihn, um etwas zu vermissen? Wir vermissen ihn nicht. Ein bisschen brummen und rauschen darf es, unangenehm fallen die Geräusche allerdings nicht auf.

Und da sind wir auch gleich wieder bei dem Bulli-Feeling, von dem den ADAC-Testern augenscheinlich jegliches Gefühl fehlt. Sie vermissen Softlack und schmeichelnde warme weiche Materialien. Vielleicht so wie im Bentley oder Rolls Royce? Nein, Bullifahrer sind echte Frauen und Männer und keine Bübchen und Püppchen. Wir wollen was handfestes, alltagstaugliches, pflegeleichtes. Und vermissen im Bulli nichts dergleichen. Dass nun am Unterboden das Handbremsseil nicht gewachst ist, ist blöd- aber wird mal eben bei der ersten Inspektion nachgeholt. Aber- man muss ja was zu schreiben haben.

Zu Recht bemängelt der ADAC die schlechte Zugänglichkeit zu den Glühbirnen der Scheinwerfer. Unverständlich, dass solche Kundenfreundlichkeiten eine zu geringe Rolle in der Fahrzeugkonstruktion spielen und damit teure und arrogante Werkstattabhängigkeit schaffen. Ärgerlich ist das allemal.

Handling

Und jetzt kommt, was bei einem Test eines Kleinbusses niemand für möglich gehalten hat: Der Bulli ist dem ADAC zu groß. Und damit zu unhandlich. Das lasse ich mal so stehen, ohne gerade wirklich die Welt zu verstehen. Sicherlich: Der übersichtlichste und vom Innenraum größte Kleinbus und Multivan seiner Art war der VW T3 und ist u.a. bis heute genau dafür so beliebt. Übersichtlicher wurde keiner seiner Nachfolger mehr. Aber, man will Bewegungsfreiheit und Sicherheit. Die Türen sind massiv dicker geworden und man soll immer noch irgendwie zwischen den Vordersitzen nach hinten kommen. Ich selbst bin in meinem Leben schon die unterschiedlichsten Fahrzeuge gefahren, Kleinbusse wie Limousinen und Kombi. Einen VW-Bus, in diesem Fall einen VW T6, schiebe ich wesentlich entspannter durch den Verkehr oder in die Parkbuchten wie die gängigen PKW. Zudem hat man darauf geachtet, dass die übliche Parkhaushöhe von 2.00 Metern knapp unterschritten wurde und die Länge von 4,90 Metern knapp unter den üblichem Maßen auf Parkplätzen und Fähren liegt.

Reseverad + Tank

Richtigerweise stellt der ADAC das fehlende Reserverad in Abrede, wir selbst haben den bedauerlichen Aufpreis für das Reserverad in Kauf genommen und damit auf das Reifenreparaturset verzichtet, welches im Fall eines geplatzten Reifens wenig hilfreich ist.

Genauso bedauerlich ist, dass VW serienmäßig den 70 Liter Tank liefert, der 80 Liter Tank nur gegen Aufpreis geordert werden kann.

Rundumsicht

Für den ADAC ist das Auto vom Format her zu unhandlich. Vielleicht fährt der ADAC-Tester aber vielleicht im wahren Leben einen PKW? Wobei wir den VW Bus seit jeher als einen der handlichsten Fahrzeuge empfinden | © weites.land

Für den ADAC ist das Auto vom Format her zu unhandlich. Vielleicht fährt der ADAC-Tester aber  im wahren Leben einen PKW? Wobei wir den VW Bus seit jeher als einen der handlichsten Fahrzeuge empfinden | © weites.land

Der ADAC begrüßt die gute Sicht aufgrund der erhöhten Fahrzeugposition und bemängelt zugleich die schlechte Sicht nach vorne und hinten. Er kritisiert, dass sich die Kopfstützen nicht versenken lassen. Nun, das ist kein neues Phänomen bei Kleinbussen, aber ein zumindest nach hinten sehr leicht lösbares Problem. Im jedem Autozubehör gibt es Kunststofflinsen mit einem Fischaugeneffekt. Die werden mit Wasser auf die innere Heckscheibe gebracht und machen hervorragend sichtbar, wer oder was sich hinter dem Fahrzeug befindet. So können die Kopfstützen dort bleiben, wo sie sind. Zudem hat man zwei Außenspiegel, die einem geschickten Fahrer die Rücksicht vereinfachen. In der Zubehörliste gibt es zudem Rückfahrkamera und Parksensoren. Letztere gibt es auch für vorne. Aber wir müssen uns auch bewusst machen, dass wir mit jedem Hilfsmittel und Assistenzsystem das Autofahren verlernen und das tägliche Training damit verlieren. Man muss sich an ein solches Fahrzeug gewöhnen, das betrifft die Abmessungen, aber auch den toten Winkel. Mit meinem ersten Kleinbus bin ich am Wochenenden in ein Industriegebiet gefahren und habe geübt. Immer wieder. Bis ich es schaffte, auf engstem Raum einzuparken. Das war natürlich beim kantigen T3 wesentlich besser als bei den heutigen Modellen. Aber auch heute will ich das Fahrzeug weitgehend beherrschen anstatt mich auf Assistenten verlassen zu müssen, die angreifbar sein werden.

Das bearbeitete Feld der Scheibenwischer ist dem ADAC zu klein. Wir können dies so gar nicht nachvollziehen | © weites.land

Das bearbeitete Feld der Scheibenwischer ist dem ADAC zu klein. Wir können dies so gar nicht nachvollziehen | © weites.land

Der ADAC bemängelt das unvollständig von Wischern bearbeitete Sichtfeld. Diese Einschätzung scheint eher theoretischer Natur, wir selbst fühlen unsere Sicht bei Regen und Schnee nicht ansatzweise eingeschränkt. Wir haben auch heute wieder vergeblich im Regen nach einer Berechtigung für diese Kritik gesucht und nicht ansatzweise finden können.

Der ADAC bemängelt die Halogenscheinwerfer. In der Tat wird der Multivan Trendline und der California Beach mit dem mageren H4 Licht ausgeliefert, was zu hoher Unzufriedenheit führte. Es hagelte Beschwerden, denn nicht jeder will LED-Licht haben. Und das muss nicht einzig am hohen Preis liegen. VW hat reagiert und so ist beim Trendline nun auch das deutlich bessere Lichtsystem H7 gegen Aufpreis erhältlich. Beim Beach kostet das Optikpaket zusammen mit Nebelscheinwerfern und durch lackierten Türgriffen um die 400 EUR, beim Trendline wirklich unverschämte 800 EUR. Dabei würde es VW im Einkauf kaum belasten, gleich H7 standardmäßig einzubauen.

Der ADAC bemängelt den unverschämten Preis von 1800 EUR für LED Licht. Zum einen halte ich einen Automobilclub mit einem Versicherungsangebot für Anhänger, welches bei meiner Anfrage 300 Prozent über durchschnittlichen Tarifen lag, für unverschämt und so sollte sich der ADAC mit solchen Aussagen zurück halten. Zum anderen wird sehr unkritisch mit dem hohen Blauanteil in solchen Lichtsystemen umgegangen, die stark in Verdacht stehen, Sehzellen zu töten. Das weiße LED Licht mag für den Fahrer ein Traum sein, ist aber für den entgegenkommenden eine wahre Pest. Zugleich wirkt es (bewusst) aggressiv, wenn Fahrzeuge mit solcher Beleuchtung dann noch drängeln. Vom ADAC gibt es hierzu gar keinen Hinweis.

Dem ADAC ist der Innenspiegel zu klein, obwohl er die komplette Heckscheibe im Blick hat | © weites.land

Dem ADAC ist der Innenspiegel zu klein, obwohl er die komplette Heckscheibe im Blick hat | © weites.land

Dafür ist dem ADAC der Innenspiegel zu klein, wir können das nicht behaupten, deckt der doch den kompletten rückwertigen Fensterbereich ab. Doch um auch unser Kind sehen zu können, rüsten wir einen zusätzlichen Innenspiegel zu.

Zusteigen – Aussteigen

Der ADAC bemängelt den Einstieg vorne, wir finden ihn sehr komfortabel | © weites.land

Der ADAC bemängelt den Einstieg vorne, wir finden ihn sehr komfortabel | © weites.land

Der ADAC lobt die Schiebetür, dem ist nichts hinzuzufügen. Aber er hätte, wenn ich es recht verstehe, gerne auch vorne Schiebetüren. Die Einstiegstüren sind irgendwie zu groß und man kommt nur beschwerlich auf den Sitz, weil irgendein großer Holm im Weg sei. Nun kennen wir nicht die körperliche Fitness und die Masse des Testers, wir jedenfalls können wunderbar ein- und aussteigen, ohne sehr sportlich zu sein. Auch unter der Betrachtung des Kritikpunktes sind wir nochmals bewusst ein- und ausgestiegen. Übrigens ist diese Art des Ein- und Aussteigens sehr angenehm, fällt einem mal wieder schmerzhaft der Rücken ins Kreuz.

Kofferraum

Der ADAC vermisst Ablagen im Kofferraum, nennt aber nicht die überaus zahlreichen Ablagen im Fond | © weites.land

Der ADAC vermisst Ablagen im Kofferraum, nennt aber nicht die überaus zahlreichen Ablagen im Fond | © weites.land

Dieser ist angesichts seiner Größe und Flexibilität voll des Lobes durch den ADAC. Richtig ist auch, dass die Kofferraumklappe recht schwergängig geht. Aber es ist machbar, sie auch ohne elektrischen Antrieb zu schließen. In der Tat muss man als sehr großer Mensch aufpassen, dass man sich nicht den Kopf daran stößt, vor allem, wenn. wie beim Freestyle oder California, noch eine integrierte Tasche mit zwei Campingstühlen verbaut ist.

Doch irgendwas musste der ADAC dann doch vermissen, in diesem Fall waren es noch einmal Ablagen im Kofferraum für Kleinkram. Nun gibt es im Fahrgastraum genug Ablagen, aber im Kofferraum würden solche Ablagen einfach keinen Sinn machen. Im unteren Bereich käme man nicht heran, im oberen Bereich bietet der Multivan und der California Beach eben auch die Möglichkeit einer Liegefläche. Da würden weitere Fächer den Komfort beim Schlafen sichtlich stören.

In der Tat sind bei Bedarf Rückbank und zwei Stühle sehr leicht auszubauen, aber sie haben ihr stolzes Gewicht. Sicherlich ist der Verzicht auf leichtere Materialien wie insgesamt bei diesem Fahrzeug der Kalkulation geschuldet. Bleibt, bei Bedarf den Nachbarn zu fragen oder sich gleich einen Anhänger zu mieten. eigentlich machen die beiden zusätzlichen Sitze nur Sinn für den Wiederverkauf. Der Innenraum ist ab der Baureihe T4 im Fond leicht geschrumpft, dass es mit zwei gegenüberliegenden Sitzen im Beinbereich sehr kuschelig wird. Persönlich würden wir den VW T6 Multivan nur in der langen Komfortversion mit sieben Sitzen empfehlen.

Sitze und Fußraum

Der ADAC bemüht sich, die Sitze im Text einigermaßen gut zu bewerten, aber so schlecht wie möglich im guten Bereich punkten zu lassen. Beklagt wird die mangelnde Sitzkontur und der angeblich zu geringe Seitenhalt. Offenbar ist den Testern entgangen, dass es sich beim T6 um einen Kleinbus mit einer recht hohen Sitzposition handelt. Zum einen ist solch ein Fahrzeug nicht unbedingt für sportives Fahren gedacht, zum anderen würden stärkere Seitenwülste der Sitzfläche das Einsteigen schwerer machen und die Abnutzung des Sitzbezuges enorm beschleunigen. Wir persönlich finden nach einigen tausend Kilometern die Sitze sehr bequem und sind auch noch nicht in Kurven aus selbigen gefallen. Eben, weil wir einen Bulli und keinen Golf GTI fahren.

Die linke Ablage für den Kupplungsfuß lobt der ADAC, wir können dieses Lob nicht teilen. Ist der Tester mit dem Auto wirklich gefahren? | © weites.land

Die linke Ablage für den Kupplungsfuß lobt der ADAC, wir können dieses Lob nicht teilen. Ist der Tester mit dem Auto wirklich gefahren? | © weites.land

Was uns wiederum verwundert ist die Begeisterung für die Ablage des Kupplungsfußes. Diese Möglichkeit empfinden wir als ziemlich unbequem. Bei leichten Winterschuhen ist der Raum zur Betätigung der Kupplung schon recht eng, auch kann man sein linkes Bein auf langen Strecken nicht ausstrecken. Der linke Radkasten setzt hier seine Grenzen. Verwöhnt sind wir hier vom T3, dessen Radkästen sich ja unter dem Sitz befinden und so einen großen Fußraum ermöglichen.

Innenraumgeräusche

Dem ADAC ist der Bulli zu laut. bei Tempo 130, aber auch sonst in jedem Bereich. Das können wir so nicht bestätigen und versichern, nicht schwerhörig zu sein. Geräusche sind vorhanden, aber sowohl die bemängelten Wind- wie auch Reifenabrollgeräusche nehmen wir nicht störend wahr. Auch wummert es nicht im Innenraum, wie vom ADAC behauptet und ich frage mich einmal mehr, ob der ADAC dieses Auto überhaupt gefahren ist.

Es ist eh ein Irrsinn aus ökologischer wie ökonomischer Sicht solch einen Wagen sehr schnell zu bewegen. Aber auch bei 130 km/h ist die Lautstärke immer noch akzeptabel. Ansonsten fährt sich der Wagen überraschend ruhig. Im übrigen vermitteln Geräusche immer noch so etwas wie einen gewissen Kontakt zur Straße, den man bei all zu viel Komfort doch schnell verlieren kann.

Man kann einen VW Bus einfach nicht mit einem PKW vergleichen- er ist keiner. Er soll auch keiner sein. Entsprechend hat solch ein Fahrzeug mehr Resonanz. Niemand, der gerne VW Bus fährt, wird sich daran stören. Natürlich kann man mit dickeren Scheiben aus der Aufpreisliste nochmals eine deutlich bessere Dämmung erreichen, es macht das Fahrzeug aber auch zugleich schwerer. Das geht sowohl zu Lasten der Umwelt wie auch zu Lasten der Zuladung.

Klimatisierung

Eigentlich gehören Klimaanlagen in den Bereich zusätzlicher Umweltbelastung. Dass der Spritverbrauch durch deren Betrieb steigt, ist dazu nur ein Punkt. Serienmäßig sind Multivan und California mit einer Klimaanlage ausgestattet in unterschiedlichen Ausführungen. Uns genügt die einfachste, die wir auch wirklich nur bei Bedarf einschalten, also bei deutlicher Hitze. Gerne hätten wir ganz darauf verzichtet. Dass Klimaanlagen durch das Erzeugen zu trockener Luft und zu starkem Temperaturunterschied zur Außentemperatur zu Verspannungen und Erkältungen führen kann, auch gerade bei Kleinkindern, sei nur am Rande erwähnt.

Nach 10 Kilometern in das Fahrzeug bei 0 Grad Außentemperatur warm. Optional gibt es Standheizungen | © weites.land

Nach 10 Kilometern in das Fahrzeug bei 0 Grad Außentemperatur warm. Optional gibt es Standheizungen | © weites.land

Der ADAC bemängelt die schlechte Heizleistung im hinteren Bereich. Bei minus 10 Grad reklamiert er eine zu lange Zeit zum Erreichen einer angenehmen Innentemperatur. Stellt sich zum einen die Frage: Wie oft haben wir minus 10 Grad? Zum anderen: wird hier ein PKW gestestet oder ein VW Bus mit einem riesigen Innenraum? Natürlich kann man für etwa 1800 EUR eine Luftheizung bestellen, das haben wir auch gemacht, weil wir uns häufig in Skandinavien bewegen. Auch eine Wasserzusatzheizung bietet sich an, um den Motor schneller und damit umweltschonender auf Betriebstemperatur zu bringen. Diese gibt es im Zubehör nach skandinavischem Vorbild übrigens auch elektrisch- so ziemlich alle Einsatzfahrzeuge, die sofort auf Volllast gefahren werden müssen, werden so übrigens auch in Deutschland auf diese Art vorgewärmt. Die Kosten liegen bei etwa 400 EUR und bieten optional auch eine Aufheizung des Innenraumes. Insgesamt dauert es im ländlichen Bereich bei einem Kaltstart etwa acht Kilometer, bis der Motor auf Betriebstemperatur kommt und dann wirklich gut durchheizt.

Wer will, bekommt auf einer oder zwei Seiten Schiebefenster. Der ADAC hat offensichtlich keine Ahnung von dem, was er testet | © weites.land

Wer will, bekommt auf einer oder zwei Seiten Schiebefenster. Der ADAC hat offensichtlich keine Ahnung von dem, was er testet | © weites.land

Der ADAC bemängelt ferner, dass sich die hinteren Seitenscheiben nicht öffnen lassen. Hätte man einfach mal in die Zubehörliste geschaut, wäre auch die Option von Schiebefenstern aufgefallen. Beim California ist zumindest auf einer Seite das Schiebefenster serienmäßig, das würde ich auch beim Multivan erwarten. Aber augenscheinlich gefällt vielen Kunden die bessere Optik ohne einen mittleren Fenstersteg. Wir würden Schiebefenster auf beiden Seiten allerdings nicht missen wollen.

Der ADAC hält einen Aufpreis von fast 25 EUR für einen Aktivkohlefilter für unverschämt. Vor kurzem wurde ich an einem ADAC Stand ungewollt angesprochen und fast beschimpft, weil ich kein Mitglied werden wollte. Diese Drückerei halte ich dann wirklich für unverschämt.

Fahrleistungen

Der VW T6 ist ein tolles Reisemobil, viel zu schade, um damit von A nach B zu jagen. Entspanntes Fahren ist seine Stärke | © weites.land

Der VW T6 ist ein tolles Reisemobil, viel zu schade, um damit von A nach B zu jagen. Entspanntes Fahren ist seine Stärke | © weites.land

Der ADAC liebt freie Fahrt für freie Bürger und er liebt den Motorsport. Dass Menschen, die einen Bulli fahren, durchaus auch mit wenig Leistung und gemächlich durch die Landschaft ziehen, bewertet der ADAC als Verkehrshindernis- im bergigen auch für LKW. Nun kann man über die heutigen Fahrleistungen und Beschleunigungswerte der LKW und Kleintransporter vortrefflich streiten. Dem ADAC sei indes vermeldet, dass die meisten Unfälle nicht durch zu langsames Fahren sondern schlicht durch schnelles Fahren entstehen. So sollte man dem Kunden die Freiheit lassen, den für seine Bedürfnisse entsprechenden Motor selbst auszusuchen. Wir sind lange mit 102 PS und Allradantrieb im T4 bestens zurecht gekommen, sogar mit 78 PS und Anhänger und haben niemanden aufgehalten. Und das Fahrzeug wog gerade einmal etwa 300 kg weniger. Das heutige Problem sehen wir viel eher in einer gewaltigen Übermotorisierung des Verkehrs als umgekehrt. Um entspannter im Verkehr sein zu können, wäre eher eine Verlangsamung des Verkehrs insgesamt der bessere Weg.

Schaltung

Die Ganganzeige empfiehlt sehr frühe Gangwechsel und damit untertouriges Fahren | © weites.land

Die Ganganzeige empfiehlt sehr frühe Gangwechsel und damit untertouriges Fahren | © weites.land

Für den Tester des ADAC bleibt bei der Wertung der Schaltung gerade einmal ein „zufriedenstellend“ und es zeigt sich einmal mehr, dass es sich beim Tester augenscheinlich um niemanden handelt, der gern einen VW Bus fährt. In der Tat braucht es etwas Eingewöhnungszeit, mit Kupplung und Schaltung fließend klar zu kommen, aber dann wirkt sie durchaus komfortabel. Zum ersten Mal habe ich mit den T6 auch einen Diesel in der Anfangszeit abgewürgt, doch beim direkten Tritt auf die Kupplung springt er wieder an. „Schuld“ dafür ist die Start-Stop-Automatik, die sauber funktioniert und die mich neugierig macht, ob sie dies auch nich bei hohen Kilometerleistungen tut. Der ADAC bemängelt, dass diese Automatik ansonsten nur bei nicht eingelegtem Gang funktioniert. Mir ist nicht verständlich, was daran ein Problem sein soll.

Getriebeabstufung

Eigentlich lobt der ADAC die Abstufung, vermisst aber den sechsten Gang. Und widerspricht sich damit in Bezug seiner Aussage zur unbefriedigenden Leistung. Entweder gibt der Motor mit 102 PS genug Reserve für einen sechsten Gang oder er ist mit dieser Motorisierung wirklich nicht sinnhaftig.

In den höheren Motorisierungen ist das Sechsganggetriebe Standard, doch haben wir die Erfahrung gemacht, dass es entgegen der Ganganzeige komfortabel erst ab etwa 100 km/h auf ebener oder leicht gefälliger Strecke läuft.

Fahreigenschaften

Wer verrausschauend fährt, hat ein deutlich minimiertes Unfallrisiko und deutlich niedrigerer Unterhaltungskosten. So kann man mit dem VW T6 lange sicher unterwegs sein | © weites.land

Wer verrausschauend fährt, hat ein deutlich minimiertes Unfallrisiko und deutlich niedrigerer Unterhaltungskosten. So kann man mit dem VW T6 lange sicher unterwegs sein | © weites.land

Nun bringen wir kein Auto bis an die Grenze, wir nutzen es sorgsam im Alltag und bemühen uns um vorausschauende Fahrweise. Deswegen können wir nichts zu Testergebnissen in Extremsituationen sagen. Auffallend ist sicherlich, dass der ADAC dem T6 ein ordentliches Zeugnis ausstellt (danke ADAC), ihn aber dennoch nur mit befriedigend bewertet.

Einmal mehr benennt aber der ADAC den schwachen Motor. Dazu ist von uns genug gesagt. Warum der Wendekreis beim ADAC größer sein soll als die angegebenen 11,90 Meter entzieht sich unserer Kenntnis. Wir werden es nachmessen.

Bei dem beschriebenen Kraftaufwand der Lenkung bezweifeln wir einmal mehr die körperliche Fitness des Testers, in unseren Augen lässt sich das Fahrzeug recht leicht rangieren. Fast zu leicht geht die Lenkung während der Fahrt, das braucht Zeit zur Eingewöhnung. Ein Ruckeln beim Rangieren konnten wir ebenfalls nicht feststellen.

Im Gegensatz zum ADAC haben wir kein ausgeprägtes Wanken festgestellt, auch nicht die Notwendigkeit übermäßigen Korrigieren der Spur auf der Autobahn. Für uns ist das Lenkverhalten im Alltag völlig in Ordnung, sowohl beim Rangieren wie auch in engen und breiten Straßen mit unterschiedlichem Belag.

Bremsen

Wir finden die Bremsen hervorragend, der ADAC bemüht sich gerade noch um ein Gut an der Grenze zum Befriedigend. Wobei er im Text eigentlich mit der Bremsanlage auch wirklich zufrieden zu sein scheint. Die Bremsen funktionieren kraftvoll, man braucht ein wenig Eingewöhnung, um nicht gleich eine Vollbremsung hinzulegen. Das Fahrzeug bleibt dabei aber stabil.

Sicherheit

Der ADAC ist mit der Sicherheit des Fahrzeuges ganz zufrieden, nur gefällt ihm die Platzierung des Warnblinkschalter nicht. Uns schon. Er ist schnell erreichbar, sowohl für den Fahrer wie auch für den Beifahrer. Im Notfall wüssten wir sofort, wo wir drücken müssen.

Verbrauch und Schadstoffe

Richtig ist der zu hohe Verbrauch des Fahrzeuges. Allerdings wird man ihn mit 6 Liter /100km fahren können, wenn man denn nur will. Ein Rennwagen ist der T6 mit 102 PS nicht und wer diesen Motor ordert, weiss dies auch. Erschreckend ist, dass der T6 zum T3 fast 1000kg schwerer geworden ist. Hier wurde möglicherweise an leichteren aber teureren Materialien gespart.  Aber auch der Zwang, alles verkleiden zu müssen und alles mögliche an Zubehör ordern zu können fordert seinen Tribut. Erwarten würde ich bei einer echten Innovation eine deutliche Absenkung des Eigengewichtes, vielleicht sogar als Eco-Version. Und damit eine ehrliche Reduktion des Verbrauchs um einen Liter. Man muss aber auch fairerweise sagen, dass bessere Schadstoffwerte derzeit nur mit höherem Verbrauch einher gehen.

Fazit

Wir fragen uns, wie praxistauglich dieser ADAC Test für den VW T6 wirklich ist. In Teilen haben wir ganz andere Empfindungen, sind allerdings auch dem VW Bus gegenüber durchaus positiv aufgeschlossen. 

Vieles im Test durch den ADAC wirkt uns konstruiert, aus einer möglicherweise negativen Grundhaltung heraus. Der ADAC kritisiert, ohne aber konkret Alternativen zu zeigen oder beispielsweise zu benennen, was er wirklich vermisst. Zum Teil widersprechen sich seine Forderungen. Etliche Aussagen sind vage und laufen ins Leere. Hat er den Wagen wirklich real gestestet oder eher nach „Aktenlage“?

Uns gefällt dieses Auto und auch andere, die solch ein Fahrzeug fahren und mit denen wir gesprochen haben, berichten zufrieden über ihre Erfahrungen.

Wir dürfen nicht der Versuchung erlegen, die Mercedes S- oder E-Klasse als Standard zu nehmen, es geht hier um einen Kleinbus mit einen vielfältigen Klientel. Vom Fensterputzer über die Familienfee bis zum Vorstandsvorsitzenden soll sich jeder mit diesem Auto identifizieren können. Das ist sicherlich nicht leicht. Dennoch bietet die Angebotsliste genug Varianten,  dass der T3-Fan seinen Bulli findet, die Eltern ihren Familienvan und der Geschäftsführer sein Chickomobil.

In diesem Artikel geht es mehr um die Art der Bewertung durch den ADAC als um einen eigenen Fahrzeugtest. Unsere Erfahrungen werden wir gesondert verfassen, auch, wenn es hier sicherlich zu Überschneidungen kommt. Wir wollen anregen, Berichte nicht einfach hinzunehmen, sondern immer wieder selbst zu hinterfragen.

Weitere Testberichte, welche dem ADAC-Test zum Teil in eklatanter Weise widersprechen

www.logistra.de

ACE Automobilclub und Mitbewerber des ADAC

Autozeitung.de

Auto-News.de

dvz.de

1300ccm.de

Medienhaus Nord

autobild.de

Wir versichern, dass dieser Artikel unbeeinflusst verfasst und von niemanden gesponsert wurde. Dieser Artikel war sehr aufwendig und hat viele Stunden beansprucht. Uns geht es nicht um die Verherrlichung einer Marke, sondern um einen kritischem Umgang mit Testberichten. Denn bei unserer Recherche alleine zum VW T6 sind wir auf etliche Berichte gestoßen, bei denen Unabhängigkeit in jede Richtung stark bezweifelt werden darf.

Jeder Artikel wird weiter entwickelt, angepasst, ergänzt. Wenn Sie Anregungen oder Erlebnisse, historische und aktuelle Bilder haben, gerne mit uns zusammenarbeiten oder sich an dieser Stelle präsentieren möchten, dann schreiben Sie an redaktion@weites.land.

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