Wo die Königin Urlaub macht: Rundgang durch Gråsten (Gravenstein) bei Egernsund

Wer von Flensburg aus die benachbarte dänische Region besucht, fährt gerne die Straße in Richtung Sonderborg. Dabei passiert man Egernsund mit seiner Klappbrücke, um im weiteren Verlauf nach Sonderborg auf die Insel Als (deutsch: Alsen) zu kommen. Dabei lohnt es sich, in Egernsund nach Gråsten (Gravenstein) abzubiegen und ein beschauliches und doch wohltuend lebendiges Nest mit entspanntem maritimen Flair zu entdecken.

Gråsten liegt an einem Seitenarm der Flensburger Förde, von hier aus sind die Entfernungen nach Sønderborg, Flensburg und Aabenraa fast identisch. Eigentlich ist Gråsten so ein typisch dänisches Dorf mit knapp 4.200 Einwohnern. Dafür entdecken wir eine  beispiellose Symbiose alter und moderner Gebäude.

Schon seit einigen Jahren zieht es mich hier her, ich fahre über die Bahngleise zum zentralen Parkplatz im Hafengebiet, stelle das Auto ab und schlendere mit Kind und Hund am Wasser entlang.

Nun hat Gråsten den Tourismus entdeckt, Platz und Ambiente geschaffen für seine Gäste und all seine Schätze auf Vordermann gebracht. Neubauten lehnen sich an die schwedische Archtitektur an, romantische Holzhäuser in Reihe gesetzt umrahmen einige designte Hochhausblöcke, die so gar nicht abschrecken wollen.

Großzügig platziert mit großen grünen Zwischenräumen stehen sie in direkter Nachbarschaft mit dem alten Krankenhaus, dessen Schönheit sich nicht abgrenzt sondern verbindet.

Zum Wasser sind es aus allen Richtungen nur ein paar Meter, die Segelboote liegen genauso selbstverständlich in Appartmentnähe wie das Auto.

Wir gehen zurück über den Bahnübergang und besuchen den Bahnhof. Von reisehektischer Betriebsamkeit fehlt hier jede Spur. Der ein oder andere Bus wartet auf seinen Einsatz, das schöne Stationsgebäude strahlt gelassene Ruhe aus. Kleine Grüppchen warten verteilt auf den nächsten Zug. Hier verläuft die Zugverbindung von Sonderburg (Sønderborg) nach Kopenhagen (København).

Gefühlt ist es nicht lange her, dass dieser Ort von einem schlimmen Eisenbahnunglück verschont blieb. In der Nacht vom 20. auf den 21. August 2007 brach entlang des Banhdammes die Straße ein und auch der unterspülte Bahndamm brach vollkommen weg. Kurz zuvor hat der Intercity von Sønderborg nach Kobenhagen passiert. Extrem starker Regen hatte den Boden soweit aufgeweicht und komplett unterspült, dass dort, wo einst die Landverbindungen waren, Krater mit kleinen Seen entstanden. Aber die Dänen wissen, wie man zügig baut und schnellstmöglich wurde der Schaden beseitigt.

Nachdem wir ein paar Minuten am Bahnhof verweilt haben (ich liebe Bahnhöfe und so gehört für mich ein Besuch der Eisenbahn immer zum Programm), laufen wir ein wenig die Straße entlang. Moderne Wohngebäude wechseln sich mit kleinen Werkstattgebäuden ab, in nächster Reihe zeigen sich die Einfamilienhäuser. Am nächsten Übergang queren wir die Straße und halten uns in Richtung Zentrum.

Leider sind auch hier die Spuren des verdammten Hitlerregimes zu finden. Dänemark vergisst seine Opfer nicht und hat für einen vom braunen Dreck erschossenen Oberst der Grenzgendamerie ein Denkmal gewidmet. Solche Denkmäler finden sich vermehrt in der Region. Wir verweilen einige Zeit betreten und wollen einmal mehr nicht verstehen, dass auch heute noch Menschen solch krankhaften Gedankengut anhängen oder die damalige Zeit zu relativieren versuchen. Einmal mehr bin ich dankbar, auch heute noch daran erinnert zu werden.

Gerade in solchen Begegnungen ist es gut, zu Fuß einen Ort, eine Stadt, zu entdecken, Gedanken und Gefühle sacken zu lassen und sich behutsam dem nächsten zu nähern. So wartet ein kleiner und beschaulicher Park zum Verweilen und Rasten nur wenige Meter weiter, während auf der gegenüberliegenden Straßenseite die dörflichen Häuser mit ihren Grundstücken die Wege säumen.

Bald schon sehen wir hinter den vor uns liegenden Grundstücken den großen Schlosssee, den Slotssøen. Aber es wird noch ein wenig dauern, bis wir seine Ufer betreten dürfen.

Ein kleines Hotel, Alte, malerische Villen mit städtischem Charakter, dann folgt so etwas wie das Ortszentrum. Kleine Geschäfte, eine ruhige schmale Straße, das alte ehemalige Rathaus, kleine Flaniermöglichkeiten – es wirkt so anders als nur ein Dorf mit seinen kaum mehr als 4000 Einwohnern. Aber wie so oft im skandinavischen Raum liegt die wirkliche Größe oft im Kleinen. Es ist sicherlich kein Überangebot an Shopping und Einkehr- aber man fühlt sich sofort eingeladen, sofort wohl. Freundliche Menschen, die aus sich heraus zeigen, warum die Statistik Dänemark als eines der Länder mit den glücklichsten Menschen führt.

Immer parallel zum See erreichen wir bald das Schloss Gråsten, das einst eng verbunden mit den schleswig-h0lsteinischen Gütern war.  Ein wunderschöner Park umgibt das Schloss und führt zum Seeufer. Von hier aus hat man einen traumhafen Blick auf die Silhouette des Ortes, während im Rücken das strahlend weiße und doch irgendwie bescheidene Schloss  wartet. Regelmäßig ist die dänische Königsfamilie hier zu Gast, ich kann sie verstehen.

Aber heute dürfen wir hier ungestört unsere Runden ziehen. Wir genießen die Ruhe, die Ausstrahlung und die Entspannung, welche dieser Ort mit sich bringt, verweilen einige Zeit und verlassen dann wieder diese Anlage über den ausgeschilderten Rundweg, der uns wieder durch ein langes Waldstück an den Hafen bringt.

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