Die Struve-Säule (Meridian-Monument) in Hammerfest – Geschichte des Meridian-Bogen

Meridian. Struve, Hammerfest, Leica M Elmarit 2.8 28 asph., Kodak Ektar
Meridian. Struve, Hammerfest, Leica M Elmarit 2.8 28 asph., Kodak Ektar | © mare.photo

Selbst in den abgeschiedensten Orten in Nordnorwegen entdecken wir Orte, die international von Bedeutung sind. Und so finden wir am Rande eines Industriegebietes sogar einen kleinen Fleck, der zum Unesco Welterbe gehört.

Die Struve-Säule (Meridian-Monument) in Hammerfest – Geschichte des Meridian-Bogen

Hammerfest ist die nördlichste Stadt Europas, zumindest offiziell. Die meisten Menschen leben hier von Erdgas- und Erdölförderung. Und Touristen zieht es in die Stadt, wenn sie mit den Hurtigruten in Hammerfest auf der Insel Kvaløya anlegen. Und doch, was viele nicht wissen, hat Hammerfest eine Besonderheit, die diese sogar zum Unesco Welterbe erhoben hat: Die Struve-Säule, oder auch Meridian-Monument genannt. Diese befindet sich etwas abseits der kleinen Stadt, dabei erzählt sie ein Stück Geschichte der Erdvermessung. Hier lernen wir etwas vom Struve-Bogen oder Meridian-Bogen.

Der StruveBogen / Meridian-Bogen

Doch was hat es mit dem Struve-Bogen oder auch Meridian-Bogen in Hammerfest auf sich? Liegt doch Hammerfest an einem der entlegenen Orten in Nordeuropa.

Der Struve-Bogen ist ein Beispiel für frühe wissenschaftliche und internationale Zusammenarbeit. Und das aus einer Zeit, in der man die Post mit dem Segelschiff oder der Pferdekutsche transportierte und so die Nachrichtenübermittlung oft viele Wochen oder gar Monate dauern konnte. Zudem in einer Umgebung, in der das Wetter in den Wintermonaten fürchterlich zuschlagen kann, mit tiefem Frost bis zu minus 40 Grad, mit tagelangen Stürmen jenseits Windstärke 10 und mit meterhohem Schnee.

Landkarten entstanden durch aufwendige Vermessungen anhand von Sternen und von Hand gesetzten Messpunkten. Nun brauchte man neue Landkarten. Und man brauchte klare Definitionen von Landesgrenzen. Der französische Feldherr Napoleon trägt dafür in diesem Fall übrigens die Schuld. Denn nach der Niederlage Napoleons folgte der berühmte Kongress in Wien, auf dem beschlossen wurde, in Europa international verbindliche Grenzen festzulegen.

Einer der wichtigsten Geldgeber für dieses Projekt war der russische Zar Alexander I.

Eine Reise nach Hammerfest glich einer gefährlichen Expedition. Genau hier in Fulgenes, einer kleinen Halbinsel der Stadt Hammerfest, setzte man den nördlichsten und ersten Messpunkt eines wissenschaftlichen Projektes der Erdvermessung.

Nachdem der Astronom und Mathematiker Friedrich Georg Wilhelm Struve im Jahr 1845 die Russische Geografische Gesellschaft maßgeblich mitbegründet hat, konnte er die Linie zwischen Nord- und Osteuropa vermessen. Und so gewann er einem weiteren Astronom und Geodät, Carl Tenner, mit dem er dieses Vorhaben ins Leben rief.

Mit Hilfe von Winkelmessungen durch das Aneinanderreihen von Dreiecken, auch Triangulation genannt, entstand ein Netz von einer Länge von 2821,833 km in NordSüd-Richtung. Insgesamt bildeten 258 Hauptdreiecke 265 Vermessungspunkte.

Diese reichen von Hammerfest in Nordnorwegen bis an das schwarze Meer. Alleine in Norwegen gibt es vier solche Messpunkte. Alle Messpunkte des Meridian-Bogen /Struve-Bogen Norwegens liegen wie auch Hammerfest in der Finnmark. Im Jahr 1855 konnte das Projekt abgeschlossen werden.

Die Messpunkte des Struve-Bogen / Meridian-Bogen in der Finnmark

  • Fuglenes (70° 40′ 12″ N, 23° 39′ 48″ O, Hammerfest)
  • Lille-Raipas (69° 56′ 19″ N, 23° 21′ 37″ O, Unna Ráipásaš; Alta)
  • Lodiken (69° 39′ 52″ N, 23° 36′ 8″ O, Luvdiidcohkka; Kautokeino)
  • Baelljasvarri (69° 1′ 43″ N, 23° 18′ 19″ O, Bealjášvárri; Kautokeino)

Der Struve-Bogen /Meridian-Bogen als Unesco Welterbe

Seit dem 15. Juli 2005 gehört der gesamte Struve-Bogen / Meridian-Bogen zum Unesco Welterbe. Stellvertretend wurden dazu 34 Messpunkte ausgesucht, in denen alle beteiligten Länder berücksichtigt sind. Als nördlichster Messpunkt gehört natürlich der in Fuglenes / Hammerfest dazu. Mit der Aufnahme des Struve-Bogens in die Liste der Unesco Welterbestätte war diese Aufnahme zugleich auch die erste eines wissenschaftlichen Projektes.

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