Volvo Museum Schweden – Wie fotografiert man Oldtimer
Wir sind im Volvo Museum Schweden, genauer gesagt in der neuen Volvo Värld in Mölndal bei Göteborg. Unser Anliegen: Ausgestellte Fahrzeuge möglichst so zu fotografieren, dass sie dynamisch und aktiv wirken. Mit dabei haben wir die beiden Festbrennweiten Leica Summilux M 1.4/35mm Steel Rim New und das Leica APO Summicron M 2.0/75mm. Wir haben die Bilder in der Regel lediglich in Bezug auf Licht und Kontrast nachbearbeitet. Komm mit auf eine kleine Zeitreise durch die Volvo Welt- aus einer Zeit, als Volvo noch ein schwedisches Auto war.
Oldtimer fotografieren – den Blick trainieren
Je mehr ich darüber nachdenke, desto mehr kommt mir meine Erinnerung aus Kindertagen, wenn ich mit meiner Modelleisenbahn gespielt habe. Ich habe Szenen gebaut aus Straßenzügen und Bahnanlagen und mich mit zugekniffenen Augen davorgehockt, um Teil des Geschehens zu werden. Ich habe unterschiedlichste Perspektiven eingenommen, um in jene Szenerie einzutauchen.
Bei allem Umweltbewusstsein ist mit meine Schwäche für historische Maschinen und Fahrzeuge geblieben. Wenn ich also ein Veteranbil (Oldtimer) wie im Volvo Museum Schweden sehe, tauche ich emotional in die entsprechende Zeit ein. Aber wie kann ich fotografisch genau diese Szene so isolieren, dass ich die Emotionen oder das Zeitfenster innerhalb des Bildes transportieren kann?
Überall sind Menschen, sind Schilder oder Absperrbänder. Manchmal stehen die Fahrzeuge dicht bei einander. Geduld ist also gefragt und ein ständiges Wechseln der eigenen Perspektive oder auch das beharrliche Beobachten einer Szenerie.
Um möglichst wenig Motiv auf das Bild zu bekommen, bleibt meine weiteste Brennweite 35mm- kombiniert mit meiner favorisierten Brennweite von 75mm. Beide übrigens aufgrund ihrer geringen Größe als manuell zu fokussierende Festbrennweiten.
Motivsuche im Volvo Museum Schweden
Ich selbst laufe in der Regel erst einmal kreuz und quer durch eine Ausstellung, eh ich sie fotografiere. Bereits dabei entdecke ich spannende Perspektiven. Hier im Volvo Museum von Schweden, der Volvo Värld in Mölndal, gibt es Baustellen- oder Rettungsfahrzeuge genauso wie Sportwagen oder die klassischen Limousinen, die wir mit Schweden verbinden. Ich suche nach den Details, die ich später einfangen möchte und bekomme schon eine Vorstellung, mit welcher Brennweite ich entsprechende fotografieren werde.
Vor allem die markanten Formen und Farben, die einen klassischen Volvo zum einzigartigen Oldtimer oder Youngtimer machen, versuche ich als Ausschnitt abzubilden.
Bildwirkung verstehen
Konzentration auf das Wesentliche – der wohl einprägsamste Leitsatz von Leica sollte eigentlich ebenso der Leitsatz in der Fotografie sein. Vor allem, wenn man Oldtimer wie hier im Volvo Museum fotografiert. Da reicht es aber kaum, möglichst isoliert das Fahrzeug abzubilden. Ein Bild gewinnt deutlich an Dynamik, wenn man die Position, die Fahrzeugrichtung und auch die Schärfeebene auf das entsprechende Fahrzeug abstimmt. „Fährt“ z.B. der Volvo Roadstar P1900 nach unten links ins Bild, kommt das Fahrzeug sportlich auf mich zu.
„Fährt“ der Polizeiwagen nach oben links ins Bild, kommt er gerade am Ort des Geschehens an. Dazu nehme ich beim Fotografieren wie im Bild zuvor eine niedrige Position ein. Fotografiere ich z.B. den Volvo C 70 von hinten in Fahrtrichtung unten rechts nach obn links und zudem aus einer erhöhten Perspektive, wirkt das Fahrzeug parkend.
Kraft im Bild vermitteln
Wie aber vermittel ich die Kraft eines der legendären VOLVO LKW als Einsatz- oder Baustellenfahrzeug?
Jetzt kommt eine weitere Variante im Bild zur Geltung: Nehmen wir den Abschleppwagen Volvo LV 290 aus der Bauserie 1941 – 1951. In der Perspektive betonen wir die Langnase, die schon für einen großen und starken Motor spricht. Dazu neigen wir die seitliche Kameraachse leicht nach rechts oben. Im Bild wirkt das Fahrzeug kraftvoll berghoch auf uns zukommend. Wichtig, denn es hat den defekten Wagen ja schon am Haken. Würde es „zum Einsatz fahren“, müsste die Fahrzeugrichtig genau andersherum sein.
Das verdeutlicht das Bild des Volvo C 202 Laplander, hier als leichtes geländegängiges Transportfahrzeug der Seenotrettung Schweden. Von unten links nach oben rechts vermittelt die Aufnahme den Weg zum Einsatzort. Die seitlich leicht schräge Bildachse und ein niedriger nach oben gerichteter Standpunkt vermitteln die Agilität des Fahrzeuges.
Ein Fahrzeug subtil weg / vorbei fahren lassen
Geschwindigkeit bzw. Bewegung auf der Straße zu vermitteln ist zumindest theoretisch leicht lösbar. Im Volvo Museum und in jedem anderen Oldtimer-Museum aber bewegen sich die Fahrzeuge nicht.
Auch hier kann die Blickrichtung und der Bildwinkel ganz subtil ein Gefühl von Fort-Bewegung vermitteln. Bei einem kraftvollen Fahrzeug empfiehlt sich wieder ein niedriger nach oben gerichteter Standpunkt und eine Bewegungsrichtung in diesem Fall von links unten nach rechts oben. Unterbewust nehme ich die Kraft eines bergauf fahrenden schweren Fahrzeuges wahr. Nehme ich das Fahrzeug von vorne auf, fährt es gefühlt an mir vorbei. Nehme ich es von hinten auf, fährt es von mir gefühlt weg. Bei einem normalen PKW nehme ich eine normale Höhe ein und halte die Kamera weitgehend gerade. Entsprechend offene Blende sorgt für eine geringere Schärfenebene. So kommt das Fahrzeug aus dem Nichts oder fährt ins Nichts.
Aufnahme und Bildbearbeitung
Ich fotografiere eigentlich so, dass ich kaum noch nachbearbeiten muss. Hilfreich kann wirklich ein Objektiv mit ausgeprägter Vignette sein, wie man es bei älteren oder klassischen Optiken kennt. Damit werden die Ränder abgedunkelt und rücken das Motiv einmal mehr in den Fokus. Dieser Effekt kann in der Nachbearbeitung hinzugefügt oder verstärkt werden.
Ich versuche auch hier im Volvo Museum Schweden meist so zu fotografieren, als wären die Szenden im realen Alltag entstanden.
Störende Elemente wie ein Notausgangschild oder unpassende Farbe im Umfeld lösche oder ändere ich lediglich, wenn sie zu sehr auffallen.
Die lokalen Kontraste (HDR) setze ich wenn überhaupt sehr dezent ein. Wichtig für mich ist, dass das Hauptmotiv wie in diesem Fall die Volvo Oldtimer und Youngtimer im Mittelpunkt stehen und so wenig wie möglich an ablenkenden Elementen sichtbar sind.
Man darf wissen, dass ich in einem Museum wie der Volvo Värld fotografiert habe. Aber man soll beim Betrachten fühlen, wie die Fahrzeuge im aktiven Gebrauch wirken.
Wer Lust hat, das wirklich einzigartige Volvo Museum zu erleben, kann sich auf der offiziellen Website hier informieren.

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