Dänemark

Haderslev

Haderslev (Hadersleben) | © weites.land
Haderslev (Hadersleben) | © weites.land
Es gibt eine Strecke in den Norden Dänemarks, die verläuft fast parallel zur Verlängerung der Europastraße E 45 (in Deutschland A7). Es ist die Landstraße 170, nur wenige Kilometer nördlich von Kruså (Krusau) beginnend. Nun wollen wir nicht zu viel Werbung für diese Strecke machen, denn sie ist viel zu angenehm und entspannt zu fahren bei entsprechend geringem Verkehr. Und das soll auch so bleiben. Wir haben diese Strecke mal wieder genutzt, um eine weitere, für uns eher unbekanntere Stadt Dänemarks zu entdecken: Haderslev.

Einst gehörte sie zum Großherzogtum Schleswig, .

Haderslev (Hadersleben) | © weites.land

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Der Himel ist dunkel verhangen, doch die Sonne im Rücken sorgt für dramatisch schönes Licht, als wir über die breite, von dichten Bäumen bewachsene Straße leicht abwärts auf die Stadt zufahren. „So schön kann uns eine Stadt empfangen“, dachte ich leise, denn wo sonst Werbetafeln, Gewerbe- und Industriebauten die Visitenkarte bilden, ist es hier eine Weite, eine Großzügigkeit, Entspanntheit und Ruhe. Irgendwann kommt der kleine Kreisverkehr, in dem wir uns zum Zentrum hin orientieren. Die ersten Mehrfamilienhäuser wecken in uns Fragezeichen, auf welchem Niveau die  Stadt wohl schwimmt. Etwas in die Jahre gekommene Fassaden aus gelb lackiertem Trapetzblech zieren die langgezogenen Gebäude, noch einmal mehr betont durch die jetzige Lichtsituation.

Und doch sieht es aufgeräumt aus, gepflegte kleine Grünanlagen umranden diese Wohnanlagen. Da richten wir unseren Blick auch schon auf den langgezogenen und bestens besuchten Segelhafen mit seinen vereinzelten Bootshäusern und der schmalen Hafenspitze.

Haderslev (Hadersleben) | © weites.land

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Wir umrunden die Hafenspitze, parken auf dem kleinen Parkplatz vor den neuen Wohngebäuden am Wasser, lassen die Szene ein wenig auf uns wirken und steigen aus. Jetzt geht es zu Fuß weiter, um die Stadt zu riechen, zu fühlen, zu hören, zu sehen und zu schmecken.

Es ist noch nicht lange her, da haben mich Kunden nach Haderslev (im deutschen:Hadersleben) eingeladen und ich habe das lebendige Innenstadtleben am späten Abend spüren dürfen. Aber heute ist es Samstag Nachmittag, entsprechend haben die Geschäfte nun zu und ungewöhnlich wenige Menschen sind unterwegs.

Haderslev (Hadersleben) | © weites.land

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Wir laufen entlang des Hafenbeckens, Fischerei und der industrielle Hafenalltag sind zurück gedrängt. Sie haben ihren Platz frei gemacht zum Wohnen und erleben. Schnell sind wir einmal mehr fasziniert von der skandinavischen Art, Architektur unterschiedlicher Art zu integrieren, ohne, dass es langweilig oder aufdringlich wirkt.

Historische Gebäude finden sich zwischen umfunktionierten Hafengebäuden und mit Motiven versehenen Silos, moderne Linienführung nimmt wiederum das Umfeld rücksichtsvoll auf. Hin und wieder findet sich auch ein alter Kutter, doch ehrlich gesagt ist solcher heure eher noch dekoratives Beiwerk für unsere maritim angehauchte romantische Ader. 

Haderslev (Hadersleben) | © weites.land

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Eine weitere, allerdings uns wohlbekannte Wahrheit wird im Zuge unseres Spazierganges einmal mehr sichtbar. Dänemark ist Kinderlieb. Etwas, was wir in den skandinavischen Ländern oft erleben und in Deutschland oft vermissen. In erster Lage wurde, anstatt teure Wohnungen mit Wasserblick zu errichten, ein Streetdom gebaut. Etwas vergleichbares habe ich noch nie gesehen. Also, Kinder, packt Eure Inliner, Roller, Skateboards und genießt die Rampen, Ledges, Grinds dieser Anlage. Oder Ihr kommt zum Klettern. Innen und außen. Übrigens- der Street-Dom ist einem Iglo nachempfunden, wie er in Grönland anzutreffen ist. Und mit Grönland gibt es ja bekanntermaßen eine ganz besondere Bindung.

Haderslev (Hadersleben) | © weites.land

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Wir folgen weiter dem Hafenbecken, eine kleine Bühne schließt sich genauso an wie weiss gestrichene und umfunktionierte Wohnanlage, mittendrin das alte Hafenbüro mit der erhaltenen Waage. Heute allerdings ist die Kunst hier eingezogen.

Langsam kehren wir an dieser Stelle um, die Altstadt wartet ja noch auf uns. Dazu lassen wir das Auto stehen und wechseln nur die Straßenseite. Ein Denkmal mit deutscher Inschrift fällt uns auf; es wurde in Erinnerung an die Erteilung der Stadtrechte gesetzt.

Haderslev (Hadersleben) | © weites.land

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Entlang der alten Häuserfassaden wandeln wir ein wenig verträumt durch die alten Gassen und Straßen, teils mit Kopfsteinpflaster belegt. Wir versuchen, zu definieren, wie wir hier empfinden. Weit weg vom sterilen, vom musealen ist die Stadt mit ihren etwa 22.000 Einwohnern, hier wird gewohnt, gearbeitet, gelebt. Die Häuser schließen nicht auf Reichtum, so etwas wie schmuddeliger Charme macht sich breit, in positiven Sinne. Manches Haus wartet dringend auf die Restauration, in einem anderen sind die Arbeiten voll im Gange, während einige Häuser dezent herausgeputzt sind und wieder andere Fassaden in Ehre ergrauen.

Fortsetzung folgt…

Jeder Artikel wird weiter entwickelt, angepasst, ergänzt. Wenn Sie Anregungen oder Erlebnisse, historische und aktuelle Bilder haben, gerne mit uns zusammenarbeiten oder sich an dieser Stelle präsentieren möchten, dann schreiben Sie an redaktion@weites.land.

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