Dänemark

Begegnungsstätte Fröslevlager (Frøslevlejren)

Fröslev Lager (Frøslev Lejren) bei Padborg, aufgenommen mit Leica M7 und Summilux M 1.4 50 apsh. new auf Kodak Portra 160 new | © mare.photo
Fröslev Lager (Frøslev Lejren) bei Padborg, aufgenommen mit Leica M7 und Summilux M 1.4 50 apsh. new auf Kodak Portra 160 new | © mare.photo
Schon lange weiß ich von der Existenz des ehemaligen Konzentrationslagers in Frøslev bei Padborg, gleich hinter der deutsch-dänischen Grenze. Heute bin ich mit unserer kleinen Tochter zufällig in den umliegenden Wald gefahren, spontan entschließen wir uns, dieses Lager zu besuchen.

Erster Eindruck

Fröslev Lager (Frøslev Lejren) bei Padborg, aufgenommen mit Leica M7 und Elmarit 2.8 28 apsh. new auf Kodak Portra 160 new | © mare.photo

Fröslev Lager (Frøslev Lejren) bei Padborg, aufgenommen mit Leica M7 und Elmarit 2.8 28 apsh. new auf Kodak Portra 160 new | © mare.photo

Ein kleines Schild am Straßenrand weißt auf diese Gedenkstätte und Sehenswürdigkeit hin. Wir biegen ab und parken vor dem großen hölzernen Eingangstor inmitten wunderschöner heideähnlicher bewaldeter Landschaft.

Eine Zeit bleiben wir im Bulli sitzen, wir sind die Einzigen mit deutschem Kennzeichen. Um uns herum kommen Kinder, Familien und alte Menschen aus den Autos und steuern auf das Gelände mit dem noch erhaltenen Stacheldraht und den Wachtürmen zu.

Leise ist es bei uns im VW Bus, ich atme diese unwirkliche Stimmung und bin voller zurückhaltendem Respekt vor dem, was ich gleich entdecken möchte, entdecken muss.

Wenn der Zweite Weltkrieg bis heute auf seine Art besonders sichtbar ist, dann durch seine nicht weg wischbaren Spuren in Dänemark. Schamgefühl macht sich breit, aber auch Dankbarkeit, heute freundschaftlich und mit offenen Grenzen einander zu begegnen.

Um so wütender macht mich diese rechtspopulistisch und teuflisch anmutende Rechtfertigung einiger bayrischer Politiker, wenn sie die unsägliche Maut mit dem perversen Ausspruch „Ausländer sollen zahlen“ zu erklären versuchen.

Demut gegenüber den Menschen, die uns schon lange offen begegnen und nicht für die Beseitigung der zahllosen Betonbunker an den schönsten Stränden zur Kasse bitten.

Und dann kommt eine kleine Geste, die mich in diesem Moment so besonders berührt: Ganz unvoreingenommen winkt unser 14 Monate altes Mädchen aus dem Auto den dänischen Besuchern hinterher und lächelt.

Fröslev Lager (Frøslev Lejren) bei Padborg, aufgenommen mit Leica M7 und Elmarit 2.8 28 apsh. new auf Kodak Portra 160 new | © mare.photo

Fröslev Lager (Frøslev Lejren) bei Padborg, aufgenommen mit Leica M7 und Elmarit 2.8 28 apsh. new auf Kodak Portra 160 new | © mare.photo

Langsam steigen wir aus, bedächtig gehen wir durch das Tor, am Wachturm mit seinem aufgesetzten Scheinwerfer vorbei und sehen die vielen rot angestrichenen Baracken. Ironischerweise wunderschön und von gepflegten Rasenflächen eingerahmt wartet in der Mitte der Anlage ein zentraler Wachturm mit seinem großen Appelplatz.

Etwas befremdlich ist das in der ersten Baracke eingerichtete Café, auf den Außenplätzen dekoriert mit frischen Blumen und dem Werbeschild für den Eisverkauf.

Aber vielleicht ist es genau das, was symbolisiert, dass die Hoffnung nach einem Morgen durch die Blumen transportiert wird und das Eis die Fröhlichkeit spiegelt, die an diesem ehemals tragischen und traurigen Ort zurück gekehrt ist.

Die Geschichte bis 1945

Fröslev Lager (Frøslev Lejren) bei Padborg, aufgenommen mit Leica M7 und Elmarit 2.8 28 apsh. new auf Kodak Portra 160 new | © mare.photo

Fröslev Lager (Frøslev Lejren) bei Padborg, aufgenommen mit Leica M7 und Elmarit 2.8 28 apsh. new auf Kodak Portra 160 new | © mare.photo

Eigentlich war Dänemark zu Beginn des Zweiten Weltkrieges neutral. Man hatte sogar einen Nichtangriffspakt geschlossen. Aber das hinderte das deutsche Regime nicht, bereits ab 1940 Dänemark zu besetzen.

Zwar protestierten die Dänen, aber blieben zunächst als Königshaus, Verwaltung, Polizei und Justiz in dänischer Hand. Doch schon zu Anfang bildete sich Widerstand gegen die Besatzer und gegen alle, die mit ihnen zusammen arbeiteten.

Die Situation verschlechterte sich zunehmend für die dänische Bevölkerung. Die Regierung sah sich nicht mehr imstande und trat am 29. August 1943 geschlossen zurück. Damit endete auch die Bereitschaft, sich mit den Besatzern einigermaßen zu arrangieren.

Im Gegenteil- immer mehr Dänen zog es in den Widerstand. Sie störten die Besatzer mit all ihren Möglichkeiten. Unterstützung bekamen sie durch die Engländer, die Waffen, Sprengstoff und logistische Hilfen von den Flugzeugen abwarfen.

Während man bislang nur in seltenen Fällen gefangene Dänen deportierte, wuchs nun die Zahl der Gefangenen und damit die Sorge, sie könnten nach Deutschland verschleppt werden. Juden gab es schon lange nicht mehr in diesem Land, sie konnten rechtzeitig ins neutrale Schweden fliehen.

Die dänische Administration bot den Besatzern an, ein eigenes Lager zu errichten, um so die Widerstandskämpfer einigermaßen gesichert zu wissen. Darauf ließ sich die Gestapo ein und stimmte dem Bau des Lagers in Fröslev zu, welches als Polizeigefangenenlager Fröslee geführt wurde.

Ein Jahr vor Kriegsende ging es unfertig am 13. August 1944 in Betrieb. Eigentlich für 1500 Gefangene ausgelegt, wurden hier noch im letzten Monat des Krieges 5500 Inhaftierte gezählt.

Die Dänen nahmen die Versorgung in ihre Verantwortung, konnten aber nicht verhindern, dass die Besatzer Zwangsarbeit auferlegten.

Mehr als 12.000 Gefangene durchliefen dieses Lager, alleine 1.625 Menschen wurden in deutsche Konzentrationslager verschleppt. Davon fielen 220 Menschen, die zunächst in Fröslev untergebracht wurden, dem mörderischen Regime zum Opfer.

Die Geschichte ab 1945

Fröslev Lager (Frøslev Lejren) bei Padborg, aufgenommen mit Leica M7 und Elmarit 2.8 28 apsh. new auf Ilford Delta 400 mit Orange-Filter | © mare.photo

Fröslev Lager (Frøslev Lejren) bei Padborg, aufgenommen mit Leica M7 und Elmarit 2.8 28 apsh. new auf Ilford Delta 400 mit Orange-Filter | © mare.photo

Mit der Kapitulation am 05.Mai 1945 kehrte sich das Blatt. Die Widerstandskämper übernahmen nun das Lager und verhafteten Angehörige der deutschen Minderheit und solche, die mit den Deutschen während der Besatzung zusammen gearbeitet haben. Doch Dänemark als Staat handelte schnell und übernahm das Gewaltmonopol zurück.Das Internierungs- und Straflager wurde nun nach dem Nachbardorf benannt und hieß hinfort Fårhus-Lager. Zum Teil wurden etwa 5.500 Menschen auf diesem Areal eingesperrt. Um eine angemessene Strafe zu ermöglichen, wurden Gesetze mit rückwirkender Wirkung beschlossen. Zu dieser Situation entstand der Begriff „Rechtabrechnung“. Die Strafe richtete sich jedoch gegen konkrete Taten, nicht aber gegen die nationalsozialistische Gesinnung. Doch kamen auch Inhaftierte ohne Anklage schon nach Wochen oder Monaten wieder frei.

Das dänische Rote Kreuz war verantwortlich für die Versorgung. Doch die gestaltete sich mit der zunehmenden Anzahl von Insassen sehr schwierig. So kam es während der Lagerzeit auch hier zu einigen Todesfällen.

Im Jahr 1949 kamen die letzten Insassen frei.

Museum und Begegnungsstätte

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