Im Notfall immer noch einsatzfähig – der Oldtimer Löschzug der Berufsfeuerwehr Flensburg

Immer wieder ist er der heimliche Star auf Oldtimerveranstaltungen wie dem dänischen Oldtimer Løbet in Gråsten oder Events im gesamten Norddeutschland. Und immer wieder begeistert er mich mit diesen alt ehrwürdigen und robusten Fahrzeugen. Unzählige Male wurden mit den Fahrzeugen des heutigen Oldtimer Löschzug Flensburg Menschen und deren Hab und Gut gerettet. Er war meine persönliche Hauptattraktion, als ich in diesem Jahr wieder die schönsten Motive historischer Fahrzeuge einfangen wollte. 

Der Oldtimer Löschzug befindet sich im Besitz der Berufsfeuerwehr Flensburg. Da die Löschfahrzeuge selbst klassische Magirus Deutz Rundhauber sind, spricht man in Insiderkreisen auch gerne vom Rundhauber-Löschzug. In Deutschland gibt es neben diesem übrigens lediglich noch zwei vergleichbare Oldtimer Löschzüge.

Angeführt wird der Oldtimer Löschzug Flensburg vom wohl einst beliebtesten „Rundhauber für Jedermann“, dem VW Käfer. Bei diesem handelt es sich um den Typ VW 1200 aus dem Jahr 1962. Der VW Käfer generell war in den 1950 und 1960er Jahren oft das Dienstfahrzeug des Amtsleiters bzw. des Dienststellenleiters. Später wurden diese in die einzelnen Löschzüge integriert und dienten dem leitenden Feuerwehrmann als Brandmeisterwagen, Vorrausfahrzeug, Alarmwagen, Vorfahrwagen, oder wie dieser Einsatzwagen des Oldtimer-Löschzug Flensburg auch immer genannt wird. Heute werden die Vorrausfahrer als Einsatzleiter bezechnet.

Gleich hinter dem VW Käfer 1200 befindet sich ein ehemaliges Motorrad der Landespolizei Schleswig-Holsteins aus dem Jahr 1954. Das BMW Krad (Abkürzung für Kraftrad) versah dort bis 1965 seinen Dienst. Dann wurde es der Stadt Flensburg für ihren Luftschutzhilfsdienst zur Verfügung gestellt. Hier verstärkte es die nächsten 25 Jahre dessen Fuhrpark und diente dem Katastrophenabwehrleiter als Erkundungs- und Meldefahrzeug. Es gehört heute ebenso zum Oldtimer Löschzug Flensburg.

Oldtimer-Löschzug Flensburg als komplette Einheit – aber was ist ein Löschzug?

Wenn wir von Löschzügen sprechen, sind in der Regel vier Einsatzfahrzeuge genannt. Da ist das bereits beschriebene Vorrausfahrzeug der Einsatzleitung, welche die Fahrzeuge am Ort des Geschehens einweist und dann die Führung des Einsatzes übernimmt. Dem folgen ein Löschgruppenfahrzeug mit seiner wahrscheinlich vielseitigsten Ausstattung, eine Drehleiter als Hubrettungsfahrzeug und ein Tanklöschfahrzeug. In der Regel gehören zu einem Löschzug 22 Einsatzkräfte. Das kann natürlich zwischen Berufs- und Stadtfeuerwehren auf der einen und freiwilligen Feuerwehren auf dem Land variieren. Der Oldtimerlöschzug Flensburg ist aber ein Paradebeispiel für einen kompletten Löschzug.

Das Löschgruppenfahrzeug LF 16

Bei diesem handelt es sich um einen Magirus Deutz F Merkur 125 mit einem zulässigen Gesamtgewicht von neun Tonnen. Im Jahr 1958 wurde es erstmals zugelassen und diente der Berufsfeuerwehr Flensburg bis 1962. Für Schnelleinsätze verfügte es über einen Löschwassertank von 800 Litern und hatte Pumpen mit einer Gesamtleistung von 1600 Litern/Minute ab Bord. Es löste das Mercedes Löschgruppenjahrzeug LF 25 ab, dessen Serie ab 1939 produziert wurde. Bereits 1962 wurde das hier gezeigte Löschgruppenfahrzeug der Freiwilligen Feuerwehr Flensburg Weiche zur Verfügung gestellt und an dessen Stelle das Nachfolgemodell, ein LF 16 F Merkur 125 mit Bachert Aufbau angeschafft. Bis ins Jahr 1991 war er zuverlässig im Dienst.

Löschgruppenfahrzeuge sind in der Lage, kleinere Brände zu bekämpfen und technische Hilfstellung insbesondere bei Unfällen zu leisten. Zu diesem Fahrzeug gehörte eine Besatzung von neun Feuerwehrmännern.

Die Drehleiter DL 30h der Feuerwehr Flensburg

Auch bei der Drehleiter, fachlich als Hubrettungsfahrzeug beschrieben, handelt es sich um einen Magirus Deutz F Merkur 125 aus dem Jahr 1959. Mit einem zulässigen Gesamtgewicht von 10 Tonnen transportiert er eine Motor-getriebene 30 Meter lange Leiter und erreicht damit eine Rettungshöhe von 23 Metern. Die Drehleiter verfügt ebenso über eine einfache Kranfunktion. Mit dem unteren Leiterteil kann eine Last von maximal einer Tonne gehoben werden. Dieses Fahrzeug diente inklusive einiger Jahre in Reserve bis 1986 der Berufsfeuerwehr Flensburg.

Die Drehleiter diente als zweiter Rettungsweg bei Häusern, die nicht über ein zweites Treppenhaus verfüg(t)en. Zwei bis drei speziell ausgebildete Feuerwehrleute bilden auf einem solchen Fahrzeug einen eigenständigen Trupp.

Das Tanklöschfahrzeug TLF 16

Beim Tanklöschfahrzeug des Oldtimer Löschzuges handelt es sich um einen Magirus Deutz Merkur 150 A mit einem zulässigen Gesamtgewicht von 10 Tonnen aus dem Jahr 1963. Es verfügt über einen Löschwassertank von 1.600 Litern und hatte bis 1965 einen Löschschaumtank von 750 Kilogramm.  Sechs Feuerwehrmänner bildeten in diesem Fahrzeug eine Staffel. 

Ein solches Fahrzeug diente ebenso der Berufsfeuerwehr Flensburg. Doch über dessen Verbleib gab es keine verfügbaren Informationen. Um den Oldtimer Löschzug Flensburg aber im Originalzustand zu zeigen, kauften die Feuerwehrfreunde ein baugleiches Modell der Berufsfeuerwehr München. Dort wurde es im Jahr 2001 ausgemustert.

Ein Sprung in 1970/80er Jahre – der ELW 2 der Berufsfeuerwehr Flensburg

Nicht Teil des urprünlichen Löschzuges der Berufsfeuerwehr Flensburg hat sich den Feuerwehrfreunden neben einem ungewöhnlichen Krankenwagen dieses Fahrzeug der Einsatzleitung dazu gesellt. Dabei handelt es sich um einen ELW 2 von Mercedes Benz aus dem Jahr 1979 mit einem zulässigen Gesamtgewicht von 5.590 Kilogramm der Düsseldorfer Serie. Gerade für komplexere Einsätze mit maßgeblich mehreren Feuerwehren wurde dieser eigentliche 14-Personenbus entsprechend umgebaut. 

Er verfügt über einen Funkraum mit zwei Arbeitsplätzen, Funk und Funktelefon und sogar Telefax. Für bis zu acht Personen gab es einen durch die Hecktüre zugänglichen Besprechungsraum. Im Jahr 2019 endete seine aktive Zeit.

Der Unimog als Rettungstransportwagen für alle Fälle

Ein RTW der extravaganten Art bildet der Unimog 4Tr KTW aus dem Jahr 1979.  Mit einem zulässigen Gesamtgewicht von 6,79 Tonnen hat er zudem eine kräftige Vorbau-Seilwinde mit einer Seillänge von 60 Metern. Im Inneren verfügt er über vier Klapptragen. Noch heute ist er gelegentlich auf Großveranstaltungen im Einsatz.

Grund der Anschaffung dieses außergewöhnlichen Krankenwagens war der Katastrophenwinter zum Jahreswechsel 1978/79.  Damals waren Fahrzeuge und Züge in tiefen Schneeverwehungen stecken geblieben. Polizei und Rettungskräfte kamen schnell an ihre Grenzen. Abgelegene Gebiete konnten nur noch mit Panzern der Bundeswehr und Hubschraubern erreicht werden. So beschloss die damalige Landesregierung umgehend die Anschaffung von 15  dieser geländetauglichen und robusten Krankenwagen. Sie wurden dem Roten Kreuz zur Verfügung gestellt. Jede Kreisfreie Stadt und jeder Kreis verfügten so über eines dieser Unimogs.

Jedes dieser Fahrzeuge ist zugleich Botschafter eines Systems, auch in Notfällen jederzeit füreinander da zu sein. Ehrenamtlich wie beruflich. Jedes dieser Fahrzeuge erinnert an Tragödien genauso wie an an ein zweites Leben.

Immer, wenn ich mit den Menschen hinter diesen Fahrzeugen ins Gespräch komme, spüre ich, wie sehr sie dem Thema SUCHEN. BERGEN. RETTEN. LÖSCHEN. tief verbunden sind. So berührend diese Fahrzeuge, wenn man den Sound der Sechs-Zylinder-Dieselmotoren hört und spürt, so berührend sind die Geschichten dahinter.

Website: Oldtimerfreunde Flensburg

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