Alsen Grenzlandgeschichten

Torpedostation auf der Insel Als (Alsen) in Hörup Klint

Über die Versuchsstation und Torpedostation in Hörup Klint (Hørup Klint) auf der dänischen Insel Als (dt. Alsen) ranken sich einige Mythen und Geschichten. Heute erinnern nur noch einige Bunker an die einstige Militäranlage. Grund genug, uns auf Spurensuche zu begeben.

Deutschland hatte sich auf der Insel Alsen nach dem Krieg 1864 fest eingerichtet. Absichten, das besetzte Gebiet an Dänemark zurück zu geben, waren nicht im Ansatz erkennbar. So verwundert es auch nicht, dass die deutsche Marine schon 1906 eine Torpedostation errichtete. Hier wurden fortan Torpedos für den U-Boot-Einsatz entwickelt und getestet. Es gab vier Schießbahnen mit Reichweiten von 5000 – 11.000 Metern quer über die Flensburger Förde, u.a. in Richtung Langballigau.

Mit der neuen Grenzziehung im Jahr 1920 ging die Anlage wieder in dänische Hände über, doch wurde Dänemark während des zweiten Weltkrieges durch Deutschland erneut besetzt. Das deutsche Militär besann sich auf diese Anlage und beschlagnahmte sie. Hatte man vermutet, dass hier nun die neue Wunderwaffe entwickelt würde, ging es jedoch vornehmlich darum, Möglichkeiten zu finden, feindliche Radaranlagen zu stören und die Ortung der eigenen U-Boote zu verhindern. Entsprechend gab es hier zahlreiche Experimente mit Radar- und Infrarotgeräten.

Die Anlage selbst bestand u.a. aus einem etwa 280 Meter langen Betonsteg, der auf festen Fundamenten im Meeresboden stand. Am Ende des Steges gab es einen großen Kran. 

Zum Ende des Zweiten Weltkrieges befanden sich acht U-Boote der deutschen Kriegsmarine an diesen Stegen. Am 05. Mai 1945, also drei Tage vor der Kapitulation, liefen diese Boote aus zu ihrer letzten Fahrt. Die Soldaten versenkten zwei von ihnen südöstlich von Hørup Klint, die anderen sechs zwischen Kegnæs und Sønderskoven. Bis auf ein U-Boot wurden sie einige Jahre nach dem Krieg gehoben und abgewrackt.

Es sollte noch dauern, bis die Soldaten glaubhaft erfuhren, dass der Krieg nun vorüber sei. Viele hielten die Informationen, die ihnen die Dänen gaben, als Bluff, um sie los zu werden. Entsprechend brach das Chaos aus.

Als die Engländer nun nach Dänemark kamen, um die deutschen Besatzer aus dem Land zu bringen, inspizierten sie am 01. Juni 1945 auch diese Anlagen. Doch konnte ihnen kaum mehr jemand Details nennen, da die Verantwortlichen nicht mehr anwesend waren oder eben auch Teile der Anlagen fehlten.

Und doch wurde klar, dass hier technisch überlegene Konzepte entwickelt worden waren, die allerdings nicht mehr zum Einsatz kamen. Die englische Entwicklung lag im vergleich Jahre zurück. Vieles der deutschen Innovationen wurde von den Alliierten übernommen und floss in deren zukünftigen Entwicklungen ein.

Nach dem Krieg wurde Hørup Klint zum größten dänischen Flüchtlingslager für die Menschen, die über die Ostsee und das berüchtigte Haff nach Dänemark geflohen sind. Etwa 1.000 Menschen wurden hier aufgenommen und versorgt. Das Langer schloss am 01. Oktober 1947. Umgehend übernahm das dänische Militär die Einrichtung, gab sie aber bereits am 01.Mai 1948 auf. Ein Jahr später kam das Gelände zu seinem ursprünglichen Besitzer zurück, der zudem für die Besetzung seines Landes durch die Verwaltung entschädigt wurde.

In den folgenden Jahren wurde der Sprengstoff auf den Torpedos und den gehobenen U-Booten auf diesem Gebiet zerlegt und entsprechend seiner Eignung für zivile Einsätze wie innerhalb des Bergbaus verkauft.

Zunehmend wurden die Gebäude der Anlage abgerissen, auf deren Fläche entstanden im Jahr 1976 zehn Villen. Der Steg wurde gesprengt, die schweren Betonplatten sind heute ein kleines Eldorado für Taucher. Auch die Reste des Kranes sollen noch auf dem Grund liegen. Von der Anlage selbst sind noch einige Bunker, die vor 1945 entstanden, erhalten, ebenso einige Gebäude, die zur Sprengstoffbeseitigung nach dem Krieg erforderlich waren.

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