Der echte Norden

Südlich von Der echte Echte Norden

Der echte Echte Norden
Der echte Echte Norden | © weites.land

Wem Gastfreundschaft am Herzen liegt, dem stößt der Slogan unseres Wirtschaftsministeriums übel auf. Der Echte Norden – südlich von Nordeuropa. Einigen Personen ist nichts zu peinlich. Uns umso mehr.

Oft fahren wir nach Dänemark, Schweden oder Norwegen, also in den echten Echten Norden. Und dann kommen wir über Dänemark, also vom Norden aus, zurück – und was begegnet uns dann? Ein großes, nach Süden gerichtetes Schild einer 200.000 EUR-Aktion mit dem Slogan „Der Echte Norden“.

Ich habe versucht, mir diesen Slogan langsam auf der Zunge zergehen zu lassen, aber, und das versucht gerne einmal selbst, beim ersten Buchstaben von „echte“ bleibt mir selbiger förmlich im Halse stecken.

Der Slogan ist Sinnbild für die mangelnde Begeisterung der entsprechenden Minister für dieses Land, die sie dann mit haltlosen Behauptungen wettzumachen versuchen.

Ein weiterer Selbstversuch blieb bei mir natürlich nicht aus und ich ließ mir „weites Land“ auf der Zunge zergehen. Herrlich. Mein Gesicht strahlt dabei, die Muskeln entspannen. Weites Land, dass ist alles andere als eine stumpfe und gelogene Behauptung, es ist ein Empfinden, ein ganz tiefes Empfinden und ein Gefühl von Zuneigung und Sympathie für dieses Land.

Unseren Ministern, den geht es nicht um die Herzen dieser Menschen, ihnen geht es um Geld. Tourismus ist nicht Gastfreundschaft für sie, sondern Geld.

Schleswig-Holstein, das ist nicht der echte Norden, es ist das Land zwischen den Meeren, das Land der Horizonte und es ist ein weites Land, mit Menschen, die diese Weite im Herzen spüren und als Gastgeber gerne an ihre Gäste weitergeben. Denn Schleswig-Holstein, das Land südlich vom wirklich echten Norden, das ist es allemal wert, entdeckt zu werden anstatt verkauft.

Der wirtschaftliche Erfolg des Tourismus ist ein dankbares Geschenk für unsere Gastfreundschaft und nicht Voraussetzung für ebensolche. Unser Land, das ist ein Geschenk an uns, das wir gerne teilen dürfen. Dann kommt das nötige Geld von ganz alleine. Wenn Schleswig-Holstein erst einmal durchbetoniert ist, der Erfolg keinen Platz und kein Land mehr hat, dann zieht die Karawane weiter. Und lässt uns zurück, die ihr Land so lieben.

Nur im Ministerium, da hat man das noch nicht verstanden.

Liebe Nicht-Schleswig-Holsteiner, liebe Nordeuropäer, bitte verzeiht uns diesen Ausrutscher, diesen peinlichen Slogan. Ja, er hat für einen hohen Bekanntheitsgrad gesorgt, allerdings nicht für hohe Identität. Negativwerbung eben. Ihr kennt sie ja, die Politiker. Weit weg von unseren Seelen. Weit weg von der Seele des Landes. Aber die vermieten Euch auch zum Glück kein Appartement. Wenn doch, dann wäre es zwar nicht schön, aber echt.

WEITES LAND | © weites.land

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Kommentar

  • Hallo!

    Auch ich fahre seit vielen, vielen Jahren nach Dänemark und Schweden, spreche mittlerweile beiden Sprachen und fühle mich im Sommer in Schweden wohler als irgendwo sonst.

    Ihre Kritik kann ich als Kreativer, der in großen Hamburger Netzwerk-Werbeagenturen gearbeitet hat und seit Jahren seine eigene Agentur betreibt, nicht nachvollziehen. Dieser Claim ist nicht aus Fahrtrichtung Dänemark und Schweden zu lesen, sondern aus Fahrtrichtung „Rest-Deutschland“. Alle Bundesländer haben, wie Sie wissen, an der Autobahn „Bundesland-Begrüßungsschilder“, die seit einiger Zeit auch den Bundesland-Claim enthalten. Unerreicht ist „Baden Würrtemberg. Wir können alles. Außer Hochdeutsch.“ Oder auch „McPomm tut gut“. Oder Schleswig-Holstein / Das Land der Horizonte / Das Land zwischen den Meeren / In Deutschland ganz oben usw.

    Der neue Claim „Der wahre Norden“ soll den Reisenden und Touristen die Landkarte vor Augen führen und (sprachlich hintersinnig – und zudem fachlich richtig) darauf hinweisen, dass S-H eben von der Landmasse her am nördlichsten von den nördlichen Bundesländern McPomm, HH, HB und Niedersachsen liegt. Dass wir dadurch leider die schöne Bädearchiektur in McPomm nicht einholen oder überholen können, ist leider so. Dafür haben wir zB mit St. Peter Ording eine einmalige Landschaft. Sie haben sich ja auch nicht aufgeregt als der Claim hieß „in Deutschland ganz oben“, dass das gemessen am BSP, BIP und vielen anderen Faktoren eben leider nicht stimmte.

    In Schweden wird einemn zwar angezeigt, wenn man in eine andere Landschaft (län) einfährt – aber nur mit einem Schild, auf dem maximal ein paar stilisierte Lachs-Illustrationen springen und ohne touristischen Claim.

    Wenn sich „Der wahre Norden“ an unsere Besucher, Touristen etc. aus Skandinavien richten würde, wäre er ja auf dänisch oder schwedisch geschrieben. im Übrigen würden Skandinavier den Spruch auch dann sicher gut finden, weil sie sich nach wie vor „nördlich“ also „heimatlich“ fühlen dürfen / können – was ihnen übrigens auch ein Blick aus dem Autofenster in die Landschaft verrät, dass wir Nordlichter mehr mit Skandinavien gemeinsam haben als mit Bayern-Horst und seiner Autobahnmaut.

    Der Claim „Niedersachsen. Klar.“ ist hingegen wirklich fragwürdig. Vor allem für das Geld, was er in der Entwicklung und Umesetzung gekostet hat.

    Der Claim „Schleswig-Holstein. Der wahre Norden.“ ist ein perfekter Claim.

    Stefan Kirchner, geboren in Bad Segeberg, wohnhaft in Hamburg

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