Historische Schiffe

Raddampfer Kaiser Wilhelm

Von weitem naht die Rauchwolke am Horizont und je näher sie kommt, um so mehr hört man das Stampfen und das Zischen. 150 Kilogramm Kohle gehen pro Stunde durch den Schornstein, wenn die ehrenamtlichen Heizer den Kessel der „Kaiser Wilhelm“ unter Dampf halten.

Die „Kaiser Wilhelm“ gehört zu den letzten kohlebefeuerten Raddampfern der Welt. Zwischen Mai und September ist sie auf der Elbe der Star, wenn sie an jedem zweiten Wochenende zwischen Lauenburg, Bleckede und Hitzacker die Fahrgäste wie in alten Zeiten an Bord nimmt und ihnen damit diese einzigartige Kulisse auf die kleinen Elbstädtchen freigibt.

In den Jahren 1899 – 1900 entsteht dieser Raddampfer bei der Dresdner Maschinenfabrik und Schiffswerft AG und läuft am 20. Mai 1900 dort vom Stapel. Ihr zukünftiges Revier ist die Weser, aber zu der Zeit gibt es noch keine Verbindung von der Elbe aus. So tritt sie die erste Fahrt über die Elbe in die Nordsee an und nimmt von dort aus Kurs auf die Weser.

Die Nordsee stellt die Überfahrt vor eine besondere Herausforderung für dieses Flussschiff. Zum einen ist der Kessel nur für Süßwasser konzipiert, so muss sie etwa 10 000 Liter Süßwasser für die Nordseepassage mitnehmen. Zum anderen kann die Nordsee sehr unangenehm werden, wenn bei Sturm hohe Wellen auflaufen. So werden die Scheiben wie bei einem Hochseeschiff gesichert, um möglichem Wassereinbruch vorzubeugen. Neun Jahre verrichtet die „Kaiser Wilhelm“ zuverlässig für die Oberweserdampfschifffahrt ihren Dienst, doch sie ist zu klein für den Bedarf. So tritt sie 1910 wieder eine Fahrt über die Nordsee auf die Elbe an, um in Dresden um 10 Meter verlängert und aufwendig umgebaut zu werden. Dann tritt sie ihre dritte Fahrt durch die Nordsee an.

Nach insgesamt 90 Betriebsjahren wird sie ausgemustert. Aber der alte Raddampfer hat in seinem Leben viele Freunde gewonnen. So übernimmt umgehend  das Lauenburger Elbschifffahrtsmuseum e.V. die Grand Dame der Flüsse und setzt sie bereits ein Jahr später auf der Elbe ein. Heute ist sie nicht mehr wegzudenken und hat sich damit ihren Rang als dienstältestes Museumsfahrgastschiff hart erarbeitet. So verwundert es wenig, dass die „Kaiser Wilhelm“ seit langer Zeit unter Denkmalschutz steht.

Ein paar Daten:

  • Länge: 57,20 Meter
  • Breite auf Spant: 4,48 Meter
  • Breite über Radkästen: 8,38 Meter
  • Tiefgang: 0,92 Meter
  • Maschine: schrägliegende Zweifach-Expansions-Dampfmaschine Bj. 1900
  • Leistung: 168 PS

Informationen gibt es unter raddampfer kaiser wilhelm.

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