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Nordfriesland (ohne Inseln)

Amt Nordsee-Treene

Der Rote Haubarg
Der Rote Haubarg

Der Rote Haubarg | © weites.land

Ein Besuch des Roten Haubargs ist ein guter Einstieg, die Halbinsel Eiderstedt zu entdecken. Südlich von Husum, fast schon in Witzwort, steht der historische Bauernhof. Er stammt aus dem 17. Jahrhundert und ist dann doch nicht rot, sondern strahlt unter seinem riesigen Reetdach in leuchtendem Weiß. Liebe geht durch den Magen, deswegen besuchen wir als erstes das urige und gemütliche Café. In verschiedenen Stuben haben bis zu 95 Gäste Platz und wir fühlen uns gleich wohl bei diesen niedrigen Decken und den kleinen Sprossenfenstern. Im Sommer gibt es sogar eine schöne Terrasse mit 80 Sitzplätzen. Aber am schönsten ist es, hier drinnen zu sitzen, wenn es draußen so richtig ungemütlich ist und der Wind pfeift.

Dann bestellt man den Pharisäer oder die Tote Tante, beides typische Getränke für diese Region. In einem eigenen Artikel haben wir diese Spezialitäten beschrieben. Wenn man auf die Idee kommt, sein Familienfest oder seine Weihnachtsfeier im Roten Haubarg auszurichten, sollte man schnell sein, die Nachfrage ist groß. Aber der Saal, ein ehemaliger Stall, bietet nochmals Platz für 70 Personen. Dabei war das alles mal ein Haubarg, also ein Bauernhof, so ein echter friesischer.

Die Inhaber sind sehr bemüht, die Geschichte am Leben zu erhalten und haben ein kleines Museum integriert. Es vermittelt ein Gefühl, wie es war, das Leben auf dem Lande, bei Ebbe und Flut, bei tobender Sturmflut. Hier sind die Maschinen und Geräte der letzten Jahrhunderte zu sehen, die man für die Bewirtschaftung eines Haubarges benötigte. Schautafeln und Modelle geben Einblick in diese einzigartig konzipierten Bauernhöfe. Auf Anfrage gibt es für Gruppen auch eine Führung. Wer hier schon einmal war, der wird wiederkommen und neue Gäste mitbringen. Und die werden bestätigen, dass es einmalig schön hier ist. Informationen gibt es unter roter haubarg

Nordstrand
Nordstrand

Nordstrand | © weites.land

Nordwestlich von Husum, bei Schobüll, führt ein vier Kilometer langer Damm zur Insel Nordstrand. Das umgebende Wattenmeer trägt viele Geheimnisse in sich und bringt sie stückweise immer mal wieder an die Oberfläche. Unvergessen ist die große Mandränke vom 1362, bei der mit dem Ort Rungholt auch 50.000 Menschen in den Fluten versanken. So werden noch heute Brunnenringe, Porzellanstücke oder auch mal Schädelteile an die Oberfläche gespült.

Auch bei der schweren Flut von 1634 versanken etliche Kirchspiele in der Nordsee, viele Tausend Menschen verloren ihr Hab und Gut und auch ihr Leben. Land versank und die Reste der untergegangenen Region bilden heute die Insel Nordstrand.

Im 16. Jahrhundert begannen die ersten Eindeichungen und damit einhergehend wurde verlorenes Land vom Meer abgerungen. Die Menschen dieser Region sind seit jeher sehr verwurzelt und lassen sich von keiner Flut schrecken. Sie folgen der Weisung „Wer nicht will weichen, der muss deichen“.

So konnten über die Jahrhunderte 50 Quadratkilometer Land gerettet werden. 2.300 Menschen sind hier zu Hause, aber genau so viele Gäste finden hier gleichzeitig ein Bett. Nordstrand ist ein grünes Land, hat sehr viel Dörfliches und bietet neben der einzigartigen Nordseeluft Entspannung, Weite und die nordfriesische Gelassenheit.

Die umgebenden Deiche mit ihren Wegen sorgen für Orientierung und animieren zu ausgiebiger Bewegung mit Skatern, zu Fuß oder mit dem Fahrrad. Große Sandstrände sucht man vergebens, aber die Deiche bieten mehr als genug ungestörte und lauschige Plätze, um einfach zu sein. Man legt sich ins Gras, atmet die gute Seeluft, hört das Blöken der Schafe und lässt über sich die weißen Wolken am blauen Himmel ziehen.

Das Meer kommt und geht, es gibt kleine und vor den vierhufigen Rasenähern geschützte Badestellen  und in die Landschaft gestellte Duschen.

Nordstrand, das ist so eine Insel für das ganze Jahr. Hier bläst einem Nordfriesland so richtig ins Gesicht und wer sich in den kälteren Monaten erwärmen möchte, besucht Nordstrands Kurmittelhaus in Norderhafen oder das kleine Schwimmbad mit Sauna. Naturschlickbäder oder Behandlungen mit Ziegenbutter machen den Aufenthalt noch unvergesslicher.

Wattenmeer

Nordsee Wattenmeer

Den Naturschlick kann man aber auch draußen, im Watt, erleben. Am besten barfuß und vor allem mit einem erfahrenen Führer. So faszinierend das Watt ist, so hat es seine Tücken. Geht man bei einsetzender Ebbe ins Wasser, wird man weit hinaus gezogen. Ist man bei einsetzender Flut im Watt, steht einem das Wasser innerhalb von Minuten bis zum Hals. Breitet sich Nebel aus, verliert man die Orientierung und das Rufen wird gedämpft. Das alles soll keine Angst machen, aber zu respektvollem Umgang mit unserer bezaubernden Wattlandschaft einladen. Erfahrene Führer, die jeden Priel kennen und vor allem den Gezeitenkalender, wissen genau, zu welcher Uhrzeit es wie weit hinausgeht. Dann bleibt eine Wattwanderung unvergesslich und ein schönes Erlebnis.

Spannend sind vor allem in den Sommermonaten die ausgiebigeren Wattwanderungen der Schutzstation Wattenmeer, die unter anderem zu den Halligen Südfall und Nordstrandischmoor führen.

Vom Hafen Strucklahnungshörn werden Fahrten zu den Seehundbänken angeboten, aber auch zur Insel Pellworm oder zu den Halligen gibt es eine regelmäßige Verbindung. Ein ganz besonderes Erlebnis ist eine Planwagenfahrt bei Ebbe durch das Watt von Fuhlehörn zur Hallig Südfall.

Vogelbeobachtungen

Immer wieder trifft man auf Menschen in olivfarbener Bekleidung mit ihren Spektiven. Sie beobachten bevorzugt die vielen Vögel. Im Beltringharder Koog befindet sich eine wichtige Rast- und Brutstätte für das gefederte Tier. Eine Beobachtungshütte bietet Unterschlupf, aber auch der Deich ist aufgrund seiner Erhöhung ein guter Platz, auf dieses Gebiet zu schauen.

Pharisäer und Tote Tante

Irgendwann gab es mal eine Taufe auf Nordstrand. Und wie es sich in  Nordfriesland schon immer gehörte, wurde auch der Pfarrer zur anschließenden Feier eingeladen. Doch Alkohol war tabu. Nun wollten es sich die Gäste mit dem Pfarrer nicht verscherzen und überlegten, Alkohol zu trinken, ohne, dass er es bemerken würde. So kippten Sie heimlich Rum in den Kaffee. Und damit es nicht roch, kam Sahne oben auf. Dem Pfarrer soll der Kaffee vorzüglich geschmeckt haben. Nur an den letzten, an den konnte er sich nicht mehr erinnern.

Heute ist der Pharisäer eine typisch nordfriesische Spezialität. Er besteht aus Kaffee, Zucker, vier Zentilitern Rum und natürlich zur Tarnung bekommt er immer noch eine Sahnehaube.

Die Tote Tante tut es ihm gleich, nur, dass hier Kaffee gegen heißen Kakao getauscht wird.

Auch Lammfleisch gehört auf die Speisekarte dieser Insel. Man bekommt es in den Inselrestaurants Nordstrands oder auch direkt vom Züchter.

Jeder Artikel wird weiter entwickelt, angepasst, ergänzt. Wenn Sie Anregungen oder Erlebnisse, historische und aktuelle Bilder haben, gerne mit uns zusammenarbeiten oder sich an dieser Stelle präsentieren möchten, dann schreiben Sie an redaktion@weites.land.

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