Norwegen

Levanger am Trondheimfjord – bescheiden glücklich

Levanger und Leikanger, das sind die beiden kleinen Städte nördlich von Trondheim an der E6, die man gerne links liegen lässt. Irgendwie zu Unrecht, das haben wir gedacht, als wir einfach mal abgebogen sind.

Levanger links abbiegen statt links liegen lassen

Es ist ja so mit den Reiseführern: Man hat mitunter den Eindruck, einige Orte sind gar nicht wirklich erfasst worden, schon gar nicht mit deren Seele. Wäre nicht meine Neugierde für das angeblich langweilige, ich wäre entsprechend weitergefahren. Aber das bin ich hier an Levanger schon oft und so lockt uns dieses Mal der Campingplatz.

Zunächst erwartet uns ein ganz persönlicher Schreck, denn wir mögen einfach keine Plätze, die von Dauercampern dominiert werden. Das viele feste und flatternde Plastik und die Enge überlassen wir gerne denjenigen, die sich solches Wohnen auf Zeit freiwillig aussuchen.

Entspannt campen nah am Zentrum und doch im Grünen in Levanger

Aber dieser sehr überschaubare Campingplatz in Levanger nimmt uns schnell ein, Die Dauercamper haben es sich hier wirklich schön gemacht. Abtrennungen sind aus Holz gestaltet, von Plastikplanen keine Spur. Dafür aber schöne Plätze für Zelte und Bullis, gleich am Wasser eines kleinen Ausläufers des Trondheimfjordes. Wie ein kleiner See prägt der Trondheimfjord an dieser Stelle die Umgebung von Levanger. Ein kleiner Strand mit modernem Badesteg, Grills und schönen Sitzmöglichkeiten und die neu gestaltete Uferpromenade fügen sich harmonisch ins kleinstadtliche Bild von Levanger ein.

In der Ferne tuckert gemütlich ein langer Güterzug, regelmäßig aber auch ein rot-weiß lackierter Triebwagen über Levanger nach Trondheim.

Levanger zu Fuß und mit dem Rad

Über den schön angelegten Uferweg geht es entlang des Wassers in wenigen Minuten bis ins Zentrum von Levanger. Ein Damm führt an der engsten Stelle des Gewässers auf die andere Seite, ins ländliche Wohngebiet, nur unterbrochen von einer architektonisch auffallenden Fußgängerbrücke.

Das kleine Stadtzentrum liegt schon in Sichtweite, mit seinen Speicherhäusern und seiner Molkerei, mit der kleinen Werft und dem ebenso kleinen Sportboothafen. Nur einen Straßenzug weiter befinden wir uns schon mittendrin, an der Hauptstraße mit dem Abzweig zum romantisch- schönen Bahnhof.

Leerstand hat sich auch in Levanger breit gemacht und so sind es gerade die erhaltenden historischen Häuser mit ihren so typisch norwegischen Fassaden und Türmchen, deren Schaufenster verwaist und verstaubt erscheinen. Aber auch das macht seinen Reiz aus. Dazwischen stehen sie, die Gebilde, welche wir so gern als Bausünden abtun, ohne uns über die Hintergründe solcher Bauten im Klaren zu sein. Aber das sollten wir tun, um Levanger so wie viele andere Städte Norwegens zu verstehen. 

Levanger und seine Geschichte

Levanger ist eine recht junge Handelsstadt, ihre Stadtrechte bekam sie erst im Jahr 1836. Vor allem blühte Levanger durch den Warenaustausch mit den Händlern aus dem schwedischen Jämtland und den nördlichen Provinzen Norwegens. Während die schwedischen Händler mit Häuten und Fellen, Getreide oder Eisenerz lieferten, versorgten die norwegischen Kollegen sie im Gegenzug mit dem berühmten getrockneten Kabeljau, dem Trockenfisch oder in Salz haltbar gemachten Heringen. Händler aus Trondheim brachten vor allem Kolonialwaren ins Spiel, die sie von ihren Reisen aus Übersee mitbrachten.

Als Stadt war Levanger nun 10 Jahre alt, als sie von seiner ersten Brandkatastrophe heimgesucht wurde. Wenn erst einmal ein Haus brennt, Wind und Trockenheit dazukommt, dann nehmen auch heute solche Katastrophen ihren Lauf. Doch im Gegensatz zu heute gab es damals keine Feuerwehr und so sprang der Brand von einem auf das andere Haus über. So wurden bei der Feuersbrunst 1846 insgesamt 110 von 133 Häusern Opfer der Flammen. Das gleiche passierte in ähnlichen Ausmaßen in den Jahren 1877 und 1897.
Im Jahr 1877 wurden 113 von 136 Häusern zerstört, im Jahr 1897 waren es 104 von 133 Gebäuden. Mit dem Aufbau nach dem letzten verheerenden Feuer entstand auch die Struktur des heutigen Stadtbildes.

In Levanger lässt es sich ganz gut leben

Stück für Stück wird Levanger verschönert und modernisiert, dabei aber auf den Erhalt historischer Substanz geachtet. Übergewichtige Menschen fallen uns kaum auf, fast jeder Einwohner scheint sich irgendwie sportlich zu betätigen. Große und moderne Sportanlagen und die riesigen Flutlichtanlagen gleich neben dem Campingplatz zeugen davon. Ob Tennis, Fußball, Joggen, irgendwie schein hier jeder in welcher Sportart auch immer sich gern zu bewegen.

Genauso werden Traditionen gelebt, egal in welcher Generation. Zum einen haben auch junge Menschen in Norwegen einen viel natürlicheren Umgang mit Traditionen, Trachten, Bräuchen und Volksliedern, zum anderen sind die meisten Norweger eh bei jedem halben Sonnenstrahl draußen anzutreffen.

In Levanger machen sie sogar im März am Tag des Jahrmarktes am Abend alle Lichter aus. Dann sammeln sich alle zu einem festlichen Fackelzug auf dem Marktplatz. Dieser Fackelumzug besteht übrigens seit mindestens 1530, denn mit diesem Datum ist er erstmalig erwähnt.

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