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Kollund bei Nacht – Teil IV

Kollund an der Flensburger Förde – Vierter Nachtspaziergang

Unser fotografisches Experiment, Kollund in der Dunkelheit zu portraitieren, geht in die nächste Runde. Es hat den ganzen Tag geregnet. Und es ist Sonntag Abend, also kein Tag, an dem man lange aufbleibt. Entsprechend früh gehen die Lichter aus. Zudem bewegen wir uns heute in einem Gebiet, in dem die Menschen hohe Hecken lieben. Also alles andere als leichte Voraussetzungen für eine gelungene Bilderserie.

Nach der dritten nächtlichen Runde merke ich schon, wie man in einem doch kleinen Ort wie Kollund jetzt mehr nach Motvien suchen muss. Will man sich nicht in seinen Bildern wiederholen. Vor allem sind in Kollund zahlreiche Grundstücke kaum einsehbar. Die einen wollen nicht zeigen, was sie haben. Andere wollen gerne unter sich bleiben. Grundsätzlich hinterfrage ich die Gründe nicht sondern respektiere auch diese Art von Privatsphäre. 

Genauso bewegen wir uns ausschließlich im Rahmen der Panoramafreiheit. Grundstücke und auch Einfahrten werden nicht betreten. Es wird nicht durch und nicht über Hecken hinweg fotografiert. Das schafft Akzeptanz und Rechtssicherheit.

Es wird schon unheimlich genug sein, wenn Menschen auf solchen Bildern ihr Haus, ihre Einfahrt, entdecken. Da war jemand, ohne dass er bemerkt wurde. Wir wollen auch gar nicht bemerkt werden. Deswegen verschwindet die Kamera immer wieder schnell in die Tasche und wir nutzen ein Stativ erst nach Rücksprache mit den Betroffenen. 

Zudem schalten wir grundsätzlich das GPS der Kamera aus, bilden möglichst keine Kennzeichen ab und zeigen die Bilder so, dass sie zusammenhanglos keinen Hinweis auf die Örtlichkeit lassen.

Das schöne an Kollund ist, dass man sich im ganzen Ort zu Fuß oder mit dem Rad bewegen kann.Überall gibt es ruhige Straßen oder Verbindungswege. Allein der Ostsee-Radweg und der Gendarmstien verlaufen direkt durch Kollund. Haben wir bisher Straßen aufgenommen, bleiben uns heute einmal die für Autos unpassierbaren Wege.

So laufen wir kreuz und quer durch die schmalen Straßen und Sackgassen, durch neue und bekannte Wege und lichten immer wieder Banalitäten ab, die man bei Tageslicht durchaus ignorieren würde. Aber nachts, da kann man herrlich mit Licht malen. Da werden die Banalitäten des Tages gekonnt in Szene gesetzt. Vielleicht so, wie es gar nicht angedacht war.

Nun nutzen wir das aktuelle Zoom-Objektiv mit einer Brennweite von 24 bis 70mm. Wenn immer möglich, arbeiten wir mit der Offenblende 2.8. Die Scharfstellung nehmen wir manuell vor. Überwiegend entstehen letztlich die Aufnahmen mit der langen Brennweite von 70mm. Wobei ich wirklich Lust habe, diese Serie noch einmal ausschließlich mit 135mm Brennweite aufzunehmen. Immer bezogen auf Vollformat.

Das Wetter gibt dem heutigen Fotoausflug noch eine kleine und tolle Würze. Die Wege und Straßen sind nass, die Pfützen voll. Ein wunderbarer Reflektor und dezenter Spiegel, der safte Lichtflecken in die dunklen Bereiche bringt.

Wobei wir wieder bei der Wahl der Blende, aber auch bei der Belichtung sind. Auf zwei Dinge verzichten wir gerne. Erstens ist es heute scheinbar modern, Lichtsterne durch den Einsatz von kleinen Blenden zu erzeugen. In unseren Augen eine eher kitschige Variante, die die Stimmung nicht ansatzweise wiedergeben würde. 

Ein anderer Stimmungskiller wäre, derart überzubelichten, dass der Nachthimmel blau und alle Umrisse sichtbar werden. Zwar sind die Kameras heute in der Lage, wie Nachtsichtgeräte zu funktionieren. Aber die Dunkelheit schluckt Umrisse und bringt Ruhe in die Motive. Wollten wir etwas anderes, würden wir einfach früher losgehen.

Im Moment scheint es, als wären für diese Serie „Kollund by Night“ die Ideen erschöpft. Wenn aber nicht, wird es eine weitere Folge geben. Hier auf dem Kanal. Und ja, ich habe schon wieder das ein oder andere potentielle Motiv entdeckt…

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