Historische Schiffe

Gorch Fock

Wir Norddeutschen bekommen schnell feuchte Augen, sobald wir am Hafen sitzen und auf den Horizont schauen. Dann sinnieren wir über die weltberühmten Segelschiffe, die regelmäßig unsere Häfen ansteuern. An den Masten können wir sie so unterscheiden, wie einen Wal an seiner Flosse.Und irgendwo da draußen in der weiten Welt, da sitzen Menschen am Hafen, schwärmen von den schönsten Segelschiffen der Welt und nennen mit den beliebtesten 10 Schiffen ganz schnell die deutsche „Gorch Fock.“

Seit 1959 segelt das Marineschulschiff „Gorch Fock“ über alle sieben Weltmeere, trainiert die jungen Marinesoldatinnen und -soldaten und bringt, ganz in Weiß vor allem eine Botschaft: „Wir kommen in Frieden“. Was kann mehr den Wunsch nach Frieden transportieren wie ein unbewaffnetes Kriegsschiff?

Mit ihren 23 Segeln bringt es das über 300 Tonnen schwere Schiff auf bis zu 18,2 Knoten. Das entspricht etwa 24 Kilometern in der Stunde. Dazu müssen die Matrosen auf die 45 Meter hohen Masten steigen und im Team von Hand die 2000 Quadratmeter Segel setzen. Disziplin und Teamgeist, das ist es, was die Gorch Fock bewegt. Und wenn das nicht funktioniert, dann steht sie. So sorgten zwei tragische Vorkommnisse dafür, dass sie zwei Jahre lang stillstand. In dieser Zeit sammelte sich die neue Mannschaft, während das Schiff in der Werft gründlich renoviert wurde.

Zu D-Mark-Zeiten gelang das Segelschulschiff der Marine zu besonderen Ehren, als es den 10 DM-Schein zierte. Seit ihrer Indienststellung bekamen über 14.500 Offiziere und Offiziersanwärter das seemännische Rüstzeug, um bei ruhiger See, aber auch in schwerem Sturm sicher zu überstehen. Bei der Entwicklung des Schiffstyps hat man vor allem aus dem traurigen Untergang der Pamir gelernt, einem Segelschulschiff der Handelsmarine, welches 1957 in schwerer See kenterte und 80 Seeleute in den Tod riss. So ist die Gorch Fock so konzipiert, dass sie selbst bei 90 Grad Neigung nicht sinken sollte. Wir hoffen dennoch, niemals einen Beweis für diese Berechnung erfahren  zu müssen.

Um einmal auf dieser Bark mitzusegeln, haben sich die Kadetten voller Sehnsucht beworben. Wer hier mitdarf, muss aber auch bereit sein, alles zu geben. In den 12 Quadratmeter großen Schlafsälen liegen die Seeleute neben- und übereinander in Hängematten, sie haben alles andere als Privatsphäre. Auch schwere Wetter und lange Nachtwachen erfordern eine hervorragende Kondition. Eine Ausbildung auf diesem Schiff, sie prägt fürs Leben.

Regelmäßig ist die Gorch Fock zu Gast im Heimathafen Kiel, aber auch zu Hafenfesten wie beispielsweise dem Hamburger Hafengeburtstag. Sie war das erste Schiff der Deutschen Marine, die nach dem Zweiten Weltkrieg im Jahr 1974 nach Polen reiste und sie war umjubelter Star im Jahr 1976 zur amerikanischen Unabhängigkeitsfeier in New York.

In den Gasthäfen lädt sie die Menschen ein, ein Stück Deutschland kennzulernen und dieses Schiff zu besichtigen. Immer wieder kommen auch Politiker der Gastländer auf das Schiff, um ihre freundschaftliche Verbundenheit mit unserem Land zum Ausdruck zu bringen.


Zwei Menschen ist dieser Artikel gewidmet, die auf den Stolz der Marine ihre ganze Hoffnung setzten, die sich gefreut haben, dabei zu sein auf der Fahrt in die große, weite Welt.

Kadettin Jenny Böken, 18 Jahre alt, ging am 03.September 2008 über Bord und verstarb.

Kadettin Sarah Lena Seele, 25 Jahre alt, stürzte im November 2010 von der Takelage und verstarb.


Schiffstyp: Bark

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