Hallands län

Fjärås Bräcka – ein Ausflug ins Naturum

Wir haben uns die Umgebung von Kungsbacka angeschaut und einen echten Höhepunkt entdeckt. Oben auf dem Fjärås Bräcka gibt es neben einen tollen Café und dem Naturum Informationszentrum einen traumhaften Blick über die Tiefebene zum Meer hin und wunderbare kleine Wanderwege.

Fjärås Bräcka – Abbiegen. Ankommen. Bleiben.

Es ist eine recht spontane Entscheidung, dem Hinweisschild für Sehenswürdigkeiten nach Fjärås Bräcka zu folgen. Wie oft sind wir schon in Kungsbacka gewesen, um Verwandte zu besuchen und wie oft haben wir diesen Bereich gar nicht wahrgenommen. Aber jetzt sind wir hier, entspannt, neugierig und fasziniert.

Es ist Anfang August, die Heide blüht über die sandigen Flächen, einige Pferde suchen dazwischen nach dem saftigen Gras. Wir parken unseren Bulli nahe des Naturum und sind beruhigt, dass hier das Campen schlicht verboten ist. Das erspart eine Division von weit sichtbaren weißen Wohnmobilen, die in ihrem Gigantismus von Jahr zu Jahr zuzunehmen scheinen.

Aber hier in diesem kleinen Stück zurückhaltender Natur ist Bescheidenheit angebrachter, der Bulli scheint hier fast das größte Fahrzeug zu sein. Wer also diesen Parkplatz nutzt, der wird auch aussteigen, die Umgebung zu Fuß entdecken und das Café im Naturum zu schätzen wissen.

In Fjärås Bräcka blüht die Heide…

Fjärås Bräcka ist eine beeindruckende Endmoräne mit einer beachtlichen Höhe von 60 Meter über der flachen Ebene an Hallands Küste. Ihre Entstehung lässt sich 14.500 Jahre zurück verfolgen, dort begann sie, sich auf dem Meeresboden zu bilden. Das Meer war zu jener Zeit deutlich höher als heute. Auf der gegenüberliegenden Seite dieser Endmoräne Fjärås Bräcka liegt der riesige Binnensee Lyngern. 

So bildete die Endmoräne Fjärås Bräckan einen idealen Landweg zwischen den Gewässern, der bis zum  Mittelalter Teil der wichtigsten Landverbindung entlang der Westküste Schwedens war. In dieser Zeit waren große Teile dieses Teils Schwedens mit Heide bewachsen, geblieben ist davon allerdings sehr wenig.

Die landwirtschaftliche Nutzung hat die Heide in unvorstellbarem Ausmaß zurück gedrängt. In Fjärås Bräcka ist die Heidelandschaft erhalten geblieben oder zum Teil auch wieder hergestellt worden.

Wer also dieses kleine Naturschutzgebiet besucht, wird überrascht sein von der besonderen Schönheit von Fjärås Bräcka und seiner doch vielfältigen und spannenden Geschichte.

Besucherzentrum Naturum Fjärås Bräcka

Ob man einen Café oder eine heiße Suppe genießen möchte oder Informationen Pflanzen und Tieren sucht, das Naturum ist eines der schönsten Besucherzentren, die wir kennen gelernt haben. Ein bisschen Berghütte in moderner Architektur, ein bisschen Galerie mit historischen und aktuellen Aufnahmen, ein bisschen Ort zum Verweilen, Vielfalt ist hier Programm.Die Mauern des Naturum bestehen aus dem Gneis, welcher an der Nordseite des Lyngern abgebaut wurde. Und so verwundert es wenig, dass sich hier im Naturum Fjärås Bräcka alle Altersgruppen treffen und irgendwie sogar unkompliziert in Kontakt miteinander kommen.

Ein besonderes Spektakel erleben Kinder gleich außerhalb des Naturum. Ein großzügiger Wasserspielplatz mit kleinen Stauwerken, Schleusen und unterschiedlichen Wasserbahnen sorgt für gute Laune, nasse Klamotten sind garantiert.

Während dessen können die Erwachsenen draußen auf eine der Bänke oder in der Hängeschaukel die Seele baumeln lassen.

Ebenfalls vor dem Naturum zeigt ein Hinweisschild auf die Schönheiten und gut markierten Wege der Umgebung, natürlich mit Entfernungsangaben.

Gute Aussichten auf Fjärås Bräcka

Unweit des Naturum liegt die Utsikt als wunderbarer Aussichtspunkt. Von hier aus bietet sich ein weiter Blick über Hallands größten Binnensee, den Lyngern, auf der einen und der Ostsee auf der anderen Seite. Der Blick reicht über die heute landwirtschaftlich genutzte Tiefebene, einst Meeresboden, bis hin zum Kungsbackafjord.

Der Lyngern

Der Lyngern am Fuße des Fjärås Bräcka ist nicht nur der größte Binnensee von Halland, er ist ebenso bekannt für sein sehr sauberes Wasser und seine lauschigen Badeplätze. Einer dieser Badeplätze lässt sich sehr gut von der Utsikt erreichen.

Die alte Anlegestelle des Dampfschiffes 

Zwischen den Jahren 1889 und 1921 sorgte das Dampfschiff Isa für die nötige Verkehrsanbindung an den Ufern des Lyngern. Isa legte täglich von Sätila kommend hier an. Sie ist ausgeschildert und liegt nur wenige hundert Meter vom Naturum entfernt.

Die alte Kiesgrube am Fjärås Bräcka

Einst war die Endmoräne Fjäras Bräcka ein hoher breiter Landstreifen. Doch das hat sich auf unnatürliche Art bis ins Jahr 1967 geändert. Hier wurden mehr als eine Mio Tonnen Kies abgebaut, u.a. für den Trassenbau der im Hintergrund zu sehenden Eisenbahnverbindung entlang der Westküste. In den ersten 20 Jahren hat man den Kies mit Hacke und Schaufel abgetragen, dabei hatte jeder Arbeiter im Schnitt zwei Eisenbahnloren zu füllen. Später kam ein großer Dampfbagger zum Einsatz, entsprechend größer worden Dampflokomotiven und deren Waggons. Eindrucksvoll zeigt diese Epoche ein Kurfilm in Daerschleife im Naturum.

Die Treppe zur Kiesgrube

Heute führt in die stillgelegte Kiesgrube eine etwa 60 Meter hohe Holztreppe vom Aussichtspunkt hinunter. Auf der Fläche der alten Kiesgrube sind Trinkwasserteiche entstanden.

An einigen Treppenstufen ist der Meeresspiegel von vor 10.000 Jahren markiert. An Stelle der heutigen Treppe gab es bereits eine ähnliche zwischen den Jahren 1917 und 1921 als Zugang zum Dampfschiffanleger Isa. Da es in der Kiesgrube für den Abtransport ein Schienennetz gab, hat man dort auch zu jener Zeit einen kleinen Bahnhof installiert, an dem die Gäste vom Zug aus Richtung Göteborg kommend zum Dampfschiff umsteigen konnten.

Li Gravfält ( Gräberfeld Li)

Hallands größtes Gräberfeld aus der Eisenzeit befindet sich genau hier auf dem Fjärås Bräcka. Zu erkennen ist es an den fast mystisch wirkenden 100 hoch aufgestellten Steinen. Ebenso kann man hier etwa 40 vorgeschichtliche Funde entdecken. Leider ist im Zuge des Kiesabbaus etwa die Hälfte des Gräberfeldes verschwunden. Aber direkt an der Straße befindet sich der größte Grabstein, der des damaligen Königs. Dieser wird auch König Frodes Stein genannt.

Kolerakyrkogården (Cholerafriedhof)

Im Jahr 1834 kam es in der Umgebung von Fjärås Bräcka zu einer Choleraepedemie. Viele Menschen starben. Ich selbst musste aufgrund einer Reise mich vor einigen Jahren gegen Cholera impfen lassen und bekam allein dadurch ein Gefühl dafür, wie schrecklich der Ausbruch für die Menschen sein musste. Die Menschen dieses Ausbruchs wurden jedenfalls hier beerdigt, ihre Gräber bekamen einfache Steine. Im Jahr 1954 ergänzte man den Cholerafriedhof auf Fjärås Bräcka um einen würdigen Gedenkstein.

Das Heidegebiet Ljunghed am Fjärås Bräcka

Die Heide ist unübersehbar.Und sie hat immer etwas malerisches. Ihre besondere Magie zeigt das Heidegebiet Ljunghed am Fjärås Bräcka vor allem in der zweiten Juli- und der ersten Augusthälfte. Dann steht sie in voller Blüte und zeigt ihre leuchtend kräftige Farbe.

Früher wurden Heidelandschaften gerne als fruchtbares Weideland geschätzt und entstanden durch Brandrodung und wechselnden Ackerbau. In diesem Zusammenhang spricht man von Schwendewirtschaft.

Noch heute wird das Heidegebiet Ljunghed am Fjärås Bräcka traditionell gepflegt und dazu alle paar Jahre abgebrannt.

Limmahögana – die Limmahügel

Die Geschichte der Limmahügel geht bis in die Bronzezeit zurück. Dabei handelt es sich ebenso um ein markantes Gräberfeld, allerdings ausschließlich für wichtige Persönlichkeiten. Von den einst dreien ist heute nur noch der Limmahügel erhalten. Vermutlich hat ein Schatzsucher die Spitze des Limmahügel beschädigt, diese ist also nicht mehr in ihrem ursprünglichen Zustand. Die beiden anderen Grabhügel sind dem Kiesabbau zum Opfer gefallen.

Die Limmahügel befinden sich etwa zwei Kilometer vom Besucherzentrum Naturum entfernt.

Svalhögen

Der Svalhögen ist ein beweideter Sandhügel, der gerne betreten werden darf. Dabei sollte man aber Respekt ohne Angst den Weidetieren entgegen bringen. Berücksichtigen sollten Hundeliebhaber, dass Kühe und Kälber bei Hunden immer anders reagieren als wenn man ohne sie vorbei geht.

Wir persönlich meiden Weiden, wenn unser Hund dabei ist und wenn es sich nicht vermeiden lässt, machen wir den größtmöglichen Bogen um die Tiere, immer mit kurz gehaltener Leine. Fehlverhalten kann durchaus gefährlich werden.

In diesem Fall wird man mit einer großen Ansammlung besonderer Pflanzen und Insekten belohnt, die sich durch die Beweidung angesiedelt haben.

Herzlich willkommen am Fjärås Bräcka

Fjärås Bräcka ist nur ein kleines Naturschutzgebiet, welches man gerne links liegen lässt. So man es noch nicht kennen gelernt hat. Wer aber hier war, wird nicht davon unberührt wieder abreisen. Wir möchten zeigen, wie viel spannendes und schönes jenseits der normalen Touristenroute zu entdecken ist wie hier an der Endmoräne Fjärås Bräcka. Viel zu schade, um mal eben zu halten und dann schnell weiter zu hetzen, ideal zum Bleiben für einen Tag und die Seele baumeln zu lassen. Wir jedenfalls kommen wieder. Und unsere kleine Tochter wird wieder zeigen, wie schön auch sie das Naturum Fjärås Bräcka findet. Denn abfahren wollte sie bei unserem Besuch noch lange nicht. Währe nicht die Fähre nach Deutschland gewesen…

 

 

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