Vestlandet

Egersund – die historische Kleinstadt am Nordsjøvegen

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Egernsund-Kodak-Ektar-Leica-Elmarit-2.8-28-asph. | © mare.photo

Die kleine Stadt Egersund in Südnorwegen hat eine der schönsten und best erhaltenen Holzbauviertel in ganz Norwegen. Zahlreiche Gebäude stehen unter Denkmalschutz. Wer dieses kleine Juwel entdecken will, wird kaum verstehen, wie wenige Touristen sich hier selbst zur Hauptsaison einfinden. Für uns ein Grund mehr, hier zu sein.

Egersund, Du schöne Unbeachtete

Es ist irgendwie immer das Gleiche. Wer sich schon auf die kleine Traumstraße Nordsjøvegen macht, um von Kristiansand aus über das Südkap Norwegen in Lindesnes doch zügig nach Stavanger zu kommen, wird auf der Jagd nach den touristischen Höhepunkten schnell den kleinen Küstenort Egersund durchfahren. Pech gehabt, denn damit verpasst er eine kleine Besonderheit.

Egersund ist so etwas wie eine stille Flucht, eine Stadt für Landeier, ein Ort, entspannt zu bummeln und frei von zeit und Druck zu sein. Verschlungen zieht sich der Fjord bis in die kleine Stadt, eingerahmt von mittelhohen Bergen. Etwa 7.500 Menschen sind hier zuhause und ihnen kann man fast wünschen, dass sich der Touristenstrom nicht steigert.

Die Beschaulichkeit der kleinen Stadt zeigt sich in der Architektur und wer genau dafür ein Auge hat, wird aus dem Träumen kaum heraus kommen. In erster Linie kann man natürlich sagen, dass sich die Städte entlang der Nordseeküste in Norwegen sehr ähneln. Und doch, wenn man sich Zeit nimmt, durch Egersund zu bummeln, spürt man eine ganz besondere Atmosphäre.

Touristische Unterhaltung steht hier eher im Hintergrund, in Egersund erleben wir den ganz normalen Alltag, ein Stück ehrliche norwegische Lebenskultur.

Egersund hat gute Aussichten

In Egersund lohnt sich auf jeden Fall ein Spaziergang auf den Stadtberg Varberg. Mitten drauf steht der Fernsehturm, also muss man seine Anhöhe gar nicht lange suchen. Vom Zentrum aus benötigt man etwa 15 Minuten zu Fuß.  Der Ausblick ist genial, von hier aus hat man einen tollen Panoramablick auf die verschlungene Küstenlandschaft mit der vorgelagerten Insel Eigerøy und den zahllosen Schären.

Dabei zeigt sich die Umgebung ein wenig wie eine Modellbahnlandschaft. Felsen ziehen sich bis ins Tal, zum Teil blank und unbewachsen, an anderer Stelle wieder dicht bewaldet oder mit kargen Grünflächen bedeckt, im Tal der kurvige Fjord mit seinem aqua-blauen Wasser und den geschotterten romantischen Wegen für die Radfahrer und Wanderer. Sofort fühlen wir uns in dieser Landschaft heimisch und geraten schweigend ins Träumen.

Egersund mit einzigartigem Naturhafen

Segler und Handelsschiffer kennen Egersund schon seit langer Zeit. Schon vor über 1000 Jahren wusste man um den geschützten Naturhafen. Selbst in den isländischen Sagen hat man den Hafen von Egersund beschrieben und ihn mit der Fischerei in Verbindung gebracht. Heute allerdings von Freizeitkapitänen mit Vorliebe genutzt.

Schuld ist die bereits genannte vorgelagerten Insel Eigerøy, welche den Eindruck vermittelt, Egersund läge im Inland an einem Strom. Weit gefehlt, denn die Nordsee fließt auf etwa 13 Kilometer Länge  in einer fast 90 Grad Kurve des Fjordes zwischen Eigerøy und Egersund. Dieser namensgebende Sund ist etwa 200 bis 300 Meter breit. Und so bleibt Egersund auf natürliche Art geschützt vor dem durchaus rauen Meer, auch Ebbe und Flut haben hier wenig Auswirkung.

So konnte schon früh diese kleine Hafenstadt entstehen.

Egersund hat Geschichte

Die ältesten Hinweise einer Besiedelung dieser Umgebung geht bis in die Steinzeit zurück, unmittelbar nach Abtauen der Gletscher. bis etwa 400 oder 500 Jahre nach Christi Geburt lassen sich Höfe nachweisen, die heute noch teilweise  nahe Egersund existieren.

Der Name Egersund hat sich aus Eigersund entwickelt udn zählt zu den ältesten Orts- und Städtenamen in Norwegen. Von der Bedeutung her beschreibt der Name die Eichen an der Meerenge.

Schon Olaf der Heilige nutzte Egersund mit seiner geschützten Lage, um hier seine große Wikingerflotte zu verstecken und von hier aus in den Einsatz zu ziehen.  Entsprechend war Egersund schon im frühen Mittelalter reger und lebendiger Handelsplatz und zugleich so etwas wie ein Marinestützpunkt.

Olaf der Heilige zog allerdings auch von hier aus, um im skandinavischen Raum das Christentum zu verbreiten. So finden sich selbst auf Gotland und Åland Reste einer Kapelle bzw. eine restaurierte Kapelle aus jener Zeit. Selbst Papst Nicolaus IV nannte den Hafen von egersund in einem Ablassbrief vom 5.Februar 1292 als enorm wichtig für die Christianisierung.

Die begehrten Stadtrechte bekam Egersund im Jahr 1798, das bedeutete eine gewisse Eigenständigkeit und Handelsprivilegien. Eine schlimme Katastrophe ereignete sich 1843, als das passierte, was gefühlt wohl jeder historischen Stadt einmal passiert ist, es kam zu einem Brand, der so gut wie alles in Egersund zerstörte. Beim Wiederaufbau wurde die Stadt komplett neu geplant, die Straßen in einem Schachbrettmuster angelegt und die Quartiere entsprechend den wirtschaftlichen Gruppen der Stadt zugeordnet. Hier entstand das heute unter Denkmalschutz stehende Stadtbild mit den vielfältigen Holzfassaden.

Im Jahr 1847 startete die A/S Egersunds Fayancefabriks Co und wurde zu einer international angesehenen Porzellanmanufaktur. Doch 1979 konnte der Betrieb nicht mehr aufrecht erhalten werden und der wichtigste Industriezweig dieser Kleinstadt war Geschichte.

Gemessen am Umschlag mit dem Fischfang galt Egersund einst als größter Fischereihafen Norwegens.

Die Insel Eigerøy

Leuchttürme in Norwegen | Leuchtturm Eigerøy fyr

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