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Die Kindheit von Emil Node und die Burkal Kirke

Die Geschichte von Emil Nolde ist sowohl eine der Geschichten in Nordfriesland, auf jeden Fall aber auch eine gemeinsame Deutsch-Dänische Geschichte. Denn im Grenzland hat Emil Nolde seine Kindheit verbracht und die Grenzziehung im Juni 1920 aktiv miterlebt. Unweit seines Elternhauses besuchte er die Burkal Kirke, die er immer wieder als seine Lieblingskirche bezeichnete. Wir haben die Burkal Kirke besucht und konnten fühlen, wie aufgenommen man sich in ihren Mauern fühlen darf. 

Heute habe ich meine beiden kleinen Kinder dabei. Mein zweijähriger Sohn entdeckt schnell den kleinen Spielzeug-Traktor, meine vierjährige Tochter die dänische Kinderbibel. Unbefangen und fröhlich entdecken die beiden für sich die Burkal Kirke. Aber wie hat sie sich für Emil Nolde in Kindertagen angefühlt?

Es war der 07. August 1867, da kommt Hans Emil Hansen in Burkal, genauer gesagt im Ortsteil Nolde zur Welt. Der Ortsteil Nolde / Burkal besteht aus einigen Bauernhöfen. Und einer dieser Bauernhöfe gehörte den Eltern von Hans Emil Hansen. Später wird dieser Junge aus Burkal den Namen seiner Heimat zu seinem Nachnamen machen und berühmt werden unter dem Namen Emil Nolde. Eng verbunden aber bleibt Emil Nolde von Beginn an mit der Burkal Kirke – anfangs durch die gemeinsamen Gottesdienstbesuche mit seinem Elternhaus.

Dass die Burkal Kirke am westlichen Ortsausgang des gleichnamigen Dorfes berühren kann, haben wir selbst erlebt und selbst gefühlt. In Vorbereitung unserer Artikelserie über das Grenzland sind wir dutzende Male die Straße parallel zur Grenze zwischen Dänemark und Deutschland entlang gefahren und waren immer wieder fasziniert bei Anblick dieser schlichten und bescheidenen Dorfkirche, der Burkal Kirke.  Schon eine gefühlte Ewigkeit an sie ihren Platz an diesem Ort, genauer gesagt seit dem Jahr 1025.

Aus großen Backsteinen hat man das mittlerweile weiß gestrichene Gotteshaus errichtet, versehen ist es mit einem gräulich schimmernden Bleidach. Ob es sich im JAhr 1025 um eine Vorgängerkirche oder bereit sum den ersten Bauabschnitt der heutigen Burkal Kirke handelte, kann nicht genau gesagt werden.

Aber immerhin lässt sich die Biografie der heutigen Burkal Kirke bis ins Jahr 1225 zurück verfolgen. Im Jahr 1622 wurde die Burkal Kirke grundlegend renoviert. Aus jenem Jahr stammen die Decke, die Kanzel, der Altaraufsatz und das Taufbecken. Die aufwendigen Schnitzarbeiten des Altars und das Taufbecken stammen aus der Ringerinck Werkstatt in Flensburg.

Die Deckenmalereien wurden um 1625 gestaltet, im Jahr 1715 folgten die Kanzel. Wann genau der Dachreiter als Variante eines Glockenturmes hinzugefügt wurde, konnten wir nicht in Erfahrung bringen. 

Durch den starken Einfluss der Pietisten und Herrenhuter wuchs die Gemeinde stark an, die Pietisten übernahmen die Kirche. Sie platze damit aus allen Nähten, sodass man im Jahr 1637 das Kirchenschiff nach Westen erweiterte.

Durch die Zugehörigkeit von Burkal zum Großherzogtum Schleswig gab es immer wieder Wechsel zwischen deutschem und dänischen Einflussbereich. Doch dann kam der blutige Krieg im Jahr 1864, in dem sich Schleswig von Dänemark trennte. Die deutschen Sieger vertrieben umgehend steinwerfend und verhöhnend den dänisch gesinnten Pastor aus der Pfarrei. 

Die Menschen im Ort mussten sich nun entscheiden, ob sie deutsch oder dänisch sein wollten. Durch den nun aufkeimenden Nationalismus wurde der Pietismus, dem es einzig um den Glauben ging, stark zurück gedrängt. Genau in dieser Zeit erlebte der spätere Maler Emil Nolde seine Kindheit in der kirchlichen Umgebung der Burkal Kirke.

Mit der neuen Grenzziehung im Juni 1920 kam die Gemeinde Burkal und damit auch die Burkal Kirke wieder in den Einflussbereich von Dänemark. Der nun hier lebenden deutschen Minderheit wurde aber die weitere Mitnutzung in deutscher Sprache gestattet.

Zwischen 1942 und 1945, also wieder in Zeiten deutscher Besatzung, wurde die Burkal Kirke aufwendig renoviert. Dabei legte man viele kunstvolle Verzierungen wieder frei und versetzte die Burkal Kirke optisch weitgehend in den Zustand von 1622.  Die Innengestaltung zeigt sich heute in einer unerwarteten Vereinigung von schlichtem Bauwerk und opulenter Kunst. Und genauso selbstverständlich stehen heute die deutschsprachigen Gesangbücher neben den dänischen Psalmen.

Die Burkal Kirke gehört zu den Wegkirchen in Dänemark und ist tagsüber zugänglich.

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