Der alte Güterbahnhof Flensburg – echte Hofkultur und kreativer Raum für Gewerbe

In einer Eisenbahnerfamilie aufgewachsen faszinieren mich vor allem alte Bahnhofsanlagen  seit demich denken kann. Um so höher schlägt mein Herz, wenn Bahnhofsgebäude oder auch der alte Güterbahnhof von Flensburg erhalten bleiben.  Auch, wenn ich im Innenhof einen echten Waggon vermisse- schon mit dem ersten Besuch im alten Güterbahnhof und neuen Gewerbepark von Flensburg bin ich ziemlich beeindruckt. Nicht ohne Grund hat die Flensburger 

Eigentlich ist ein Bahnhof wie auch ein Güterbahnhof prädestiniert für das Zusammentreffen von unterschiedlichen Kulturen. Sei es in Bezug auf die Architektur , sei es im Zusammentreffen von Menschen aus allen Regionen der Welt mit unterschiedlichen Sozialisationen und finanziellen Hintergründen. In den letzten 40 Jahren haben sich die Bahnhofsanlagen masiv gewandelt. Wie sie aber zu neuem Leben erweckt werden, zeigt Elektro Muttersbach mit dem alten Güterbahnhof in Flensburg.

Als der alte Güterbahnhof in Flensburg noch der neue Güterbahnhof war

Die Planungen, den Flensburger Bahnhof an seinen jetzigen Ort zu verlegen,  begannen bereits im Jahr 1903. Bisher verliefen die Gleise ins Stadtzentrum. Der Bahnhof befand sich im Bereich des heutigen ZOB. Wie man es kennt, waren die Bürger von Flensburg massiv gegen die Verlegung des Bahnhofs mit seinem gesamten Anlagen. Abgesehen davon, dass die Erreichbarkeit für die Menschen vom Hafen und Stadtzentrum sich deutlich verschlechtern würde, hatte dieses Konzept auch massive Auswirkungen auf die grüne Umgebung. Und doch begann man im Jahr 1914 nach elf Jahren Planung mit der Umsetzung. Von Vornherein wurde auf ein Gesamtkonzept in mehreren Bauabschnitten gedacht. Das war zu jener Zeit schon sehr besonders in Deutschland.

Im Jahr 1927 wurde der Bahnhof Flensburg eröffnet. Die Erweiterung durch den Güterbahnhof folgte erst 1933. Bis dahin hat man den kompletten großen Mühlenteich mit 287.000 m³ Erdreich zugeschüttet.

Der Flensburger Güterbahnhof entstand aus einem eingeschossigen Kopfbau und einem zweigeschossigen Mittelteil. Rechts und links verband man den Kopfbau mit zwei lang gezogenen Güterschuppen zu einem U-förmigen Gesamtgebildet.

Die Güterschuppen bekamen ein über die inneren und äußeren  Verladerampen überstehendes leicht geneigtes Satteldach. Die Baumaterialien konnten aus der Umgebung der Flensburger Förde bezogen werden. Hier gab es zahlreiche Ziegeleien. Zur Verwendung kam roter Ziegelstein, den man häufig bei solchen Bahngebäuden aus der Epoche antrifft.

Im Jahr 1934 konnte der Flensburger Güterbahnhof am heutigen Mühlendamm seiner Bestimmung übergeben werden. Bis heute hat er seine Form erhalten. Bis 1993 war der Güterbahnhof in Flensburg in Betrieb. Im Folgejahr wurde er nach 60 Betriebsjahren endgültig still gelegt.

Es kam, was kommen musste. Die sich selbst überlassenen Gebäude verfielen und wurden Opfer von Vandalismus.  Zum Glück und leider erst 2010 lag für zwei Menschen mit Herz und Fantasie ein von ihnen beauftragtes neues Nutzungskonzept vor. Denkmalschutz und Funktionalität wirtschaftlich zu verbinden wurde innerhalb weniger als zwei Jahre erfolgreich umgesetzt. Die gesamte Dachkonstruktion aus Holz wurde aufgearbeitet. Es entstanden neue Büros, Lagerräume und Lofts. Das Kopfgebäude wurde zu einem kleinen modernen Empfangsaal.

Wo einst Gleise lagen ( und ja, ich träume davon, dass zumindest wieder ein kleines Stück Gleis mit einem Wagen, vielleicht als Bistro oder Flachwagen mit Tischen und Bänken integriert wird), bedindet sich heute ein kleiner parkähnlicher stilisierter Garten. Rostende Elemente sollen an Gleise und Waggons erinnern. Eine kleines Wasserspiel mit angesetzter Bühne macht die ehemaligen Gleisanlagen heute zu einem potentialen kulturellen Treffpunkt.

Im Sommer 2023 feierte die Flensburger Hofkultur mit einem Auftritt der Ausnahmekünstlerin LELÈKA Premiere im Flensburger Güterbahnhof. Sind früher hier Güter angekommen und weiterverteilt worden, ist es heute ein besonderes Gut, was damit an die Menschen weitergegeben wird. Bei allen Besuchern sah man überraschte und faszinierte Blicke, was die Familie um die Traditionsfirma Elektro Muttersbach aus dem alten Güterbahnhof geschaffen hat. Eine Firma, die einmal mehr gezeigt hat, wie sie sich ihrer eigenen Tradition verpflichtet fühlt.

Facebook
Twitter
LinkedIn
Pinterest
Reddit
Telegram
WhatsApp
Print
Flensburger Förde, Flensburg, Leica SL APO f2 75mm asph

Schleswig-Holstein

WIRKLICH – die neue Wochenzeitung aus Flensburg – Interview mit Simone Lange, Herausgeberin Wir haben die ehemalige Flensburger Oberbürgermeisterin getroffen und nach ihren Beweggründen gefragt,

Weiterlesen »

Schreibe uns Deine Meinung