Stadt

Wesselburen

Wesselburen | © weites.land
Wesselburen | © weites.land

Wesselburen stand nicht gerade auf unserer Agenda, aber wir fuhren über das Eidersperrwerk in den Süden. Ein Schild zeigte nach Wesselburen und so planten wir einen kurzen Abstecher. Dieser hat uns dann mehr als angenehm überrascht.

Wesselburen, das hat man mal gehört, aber kann kaum sagen, wo genau es liegt. Es liegt im nordwestlichen Dithmarschen, ein wenig im Schatten vom sehr beliebten Tourismuszentrum Büsum. Bei unseren Recherchen nutzen wir auch gelegentlich Wikipedia, wo uns die Aufzählung der Söhne und Töchter der Stadt Wesselburen schon ein wenig merkwürdig vorkommt.  Werden in solchen Bereichen echte Berühmtheiten aufgeführt, so hat der Schreiber wohl versucht, so viele Namen wie möglich anzusammeln, die  sich kaum in einem anderen Lexikon der Welt wieder finden würden. Da liegt der Verdacht der Selbstdarstellung einzelner recht nahe.

Zu den wirklich wichtigen und nennenswerten Persönlichkeiten der Stadt Wesselburen würden wir die Modeschöpferin Jil Sander zählen wie auch den Dichter und Dramatiker Friedrich Hebbel und die Malerin Ottilie Reylaender. Und dann ist da noch Eduard Lass, der mit dem flächenmäßigen Kohlanbau in Dithmarschen begann und damit Dithmarschen für seinen Kohl- und Gemüseanbau berühmt machte. Im übrigen geht es aber um die Stadt. Und die widerum ist fast unbeschreiblich, man muss sie entdecken und fühlen.

Wesselburen ist schön. Und gemütlich. Fast unvorstellbar, dass hier eine der modernsten Schulen mit IT-Ausrichtung entsteht. Denn so ein wenig scheint die Zeit stehen geblieben zu sein.  Oder die Uhren ticken hier einfach nach Dithmarscher Art ein wenig langsamer und dafür stetig. Der Internetauftritt der Stadt fordert schon nachhaltiges Interesse, hier hat Wesselburen noch sehr viel Potential.

St. Bartholomäus-Kirche

Wesselburen | © weites.land

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Wesselburen ist Stadt. Eine wirklich hübsche, kleine Stadt. In der Mitte die Kirche. So etwas lieben wir ja und wir freuen uns, wenn sie dann auch noch besucht wird. Denn sie ist schön und sehr imposant. Aber den eigentlichen Sinn erfüllen Kirchen nun einmal mit einem lebendigen Gemeindeleben. So bietet sich ein Besuch außerhalb der Gottesdienste zur Stille, zur Einkehr. Aber auch außerhalb kann die Teilnahme an den Gottesdiensten, am Gemeindeleben oder der Besuch der Konzerte eine tolle Bereicherung sein.

Die für die Region schon sehr eigenwillig anmutende Architektur ist von weitem zu sehen. Vermutlich im 12. Jahrhundert entstand die St. Bartholomäuskirche auf dem höchsten Punkt der kleinen Stadt, auf einer Wurft. Nachdem sie im Jahr 1736 bei einem veheerenden Stadtbrand völlig zerstört wurde und nur noch die im romanisch-gotischen Stil errichteten Außenmauern das Feuer überstanden, wurde sie bereits in den folgenden zwei Jahren komplett umgestaltet und zählt heute zu den braocken Kirchen im Lande. Eines der besonderen Merkmale ist der auffällige Zwiebelturm.

Er ist einzigartig in Schleswig-Holstein und zeigt die Verbundenheit zu Russland, dessen Zar Peter III den Wiederaufbau finanziell erhelblich unterstützte. Eigentlich eine tolle Geschichte für eine Partnerschaft mit einer Gemeinde in St. Petersburg. Wer einmal in einer russisch orthodoxen Kirche war, wird berührt sein von der anderen Art der Gottesdienste.

Informationen zum Gemeindeleben gibt es unter kirchengemeinde wesselburen.

Hebbelmuseum

Museen haben ja schnell den Ruf des Angestaubten. Wie sehr das Hebbelmuseum die Menschen hinter dem Ofen hervorlockt, weiß ich nicht. Hebbel war immerhin sehr lebendig, war eben Dichter und Dramaturge.  Am 18. März 1813 kam er in Wesselburen zur Welt und begann seine Laufbahn bei Kirchspielvogt Mohr. In dessem Haus befindet sich heute das Hebbelmuseum. Nun wird vorzugsweise in Museen meist geflüstert und ganz andächtig auf die Exponate geschaut. Kinder, wenn sie dabei sind, tapern meist gelangweilt hinterher. Vielleicht wäre es ein toller Ort, zu leben, sich auszulassen, sich mitzuteilen, rum zu spinnen, Dramen zu entwerfen und einen Hebbel der neuen Zeit zur Welt zu bringen. Wesselburen, Du kannst das. Mach das. Dann kommen noch mehr und ganz andere Menschen nach Wesselburen.

Ansonsten, in diesem Museum wir din 10 Räumen das Leben und Wirken Hebbels zum ausdruck beracht und gibt Einblicke in die Lebensverhältnisse zu dieser Zeit. eine umfangreiche Bibliothek lockt jährlich Literaturwissenschaftler aus aller Welt nach Wesselburen.

Informationen gibt es unter hebbelmuseum wesselburen.

Kohlosseum

So einzigartig wie die kleine hübsche Stadt Wesselburen ist mit Sicherheit das Kohlossum. Dithmarschen zählt zu recht zu den größten Kohlanbaugebieten und gilt als das größte mindesten in Schleswig-Holstein. Wer bisher glaubte, Kohl sei langweiliges Gemüse, der sollte ganz dringend ins Kohlosseum. Natürlich sind alle anderen ebenfalls willkommen, um sich mit der Geschichte, der Verarbeitung und den spannenden Produkten rund um den Kohl überraschen und inspirieren zu lassen. Versprochen: man kommt aus dem Staunen nicht heraus. In unseren Augen ist das Kohlosseum eines der wichtigsten und einfallsreichsten Museen in Deutschland.

Informationen zum Angebot und Programm gibt es unter kohlosseum wesselburen.

Innenstadt

Rund um die Kirche baut sich die kleine Stadt auf. Fast kreisförmig angeordnet, bildet sich das Zentrum rund um die Bartolomäus-Kirche. Verkehrsberuhigte und gepflasterte Straßen und Gassen führen entlang an beschaulichen Lokalen und Cafés. Die Sonne genießen und den Terminkalender vergessen, einfach einmal nichts tun zu müssen, das Mobiltelefon zuhaus lassen, die nahe Nordseeluft atmen und die Langsamzeit entdecken, das ist Wesselburen. Die Alten gemütlich mit ihren Rolatoren neben den fröhlich spielenden Kindern zeigen, wie sehr Wesselburen bemüht ist, Generationen zu verbinden und damit die kleine Stadt lebendig und vielfältig zu halten.

Schattendasein

Alle wollen nach Büsum, das ist Fluch und Segen zugleich. Wesselburen biete sich genau für die Menschen an, die an die Nordsee wollen, entweder an die weitläufigen Deiche mit dem vorliegenden Wattenmeer oder ins Inland nach Eiderstedt. Von hier aus ist man schnell in die umliegenden Zentren, die gerade in der Saison ausgebucht sind und entdeckt Schleswig-Holstein und das oft zu Unrecht ein wenig verspottete Dithmarschen von einer ganz neuen Seite.

Ein bisschen Geschichte

In einem Vertrag über das Land Dithmarschen mit der Stadt Hamburg findet Wesselburen zum ersten Mal im Jahr 1281 eine beurkundete Erwähnung. Die ersten Märkte in der stadt entwickelten sich ab 1625. In den nächsten Jahren entstehen bereits die Straßenzüge des Zentrums, wie sie heute noch Bestand haben. Im Jahr 1860 entsteht die erste Zuckerrübenfabrik in Schleswig-Holstein hier, in Wesselburen.

Wenige Jahre später, im Jahr 1976, gründet sich die erste freiwillige Feuerwehr in Wesselburen. Wer sich für die geschichte der Feuerwehr in Schleswig-Holstein interessiert, dem empfehlen wir das feuerwehrmuseum schleswig-holstein.

Am 19. Oktober 1878 eröffnet die erste Bahnstrecke Heide–Wesselburen, die bis zum Jahr 1883 bis Büsum verlängert wird. Im Jahr 1915 beginnt in der 1911 geschlossenen Zuckerrübenfabrik die Sauerkrautproduktion. Dieses vitaminreiche Gemüse versorgt die oft wochen- und monatelang reisenden Schiffsbesatzungen und schützt sie so vor den damals gefürchteten Mangelerkrankungen wie Skorbut.

Im Jahr 1899 bekommt Wesselburen die begehrten Stadtrechte und erwirbt damit für den weiteren Aufstieg so wichtigen Privilegien. Im Jahr 2006 entsteht das Amt Büsum– Wesselburen.

Weitere Informationen zur Stadt und zum Tourismus gibt es unter wesselburen.

Jeder Artikel wird weiter entwickelt, angepasst, ergänzt. Wenn Sie Anregungen oder Erlebnisse, historische und aktuelle Bilder haben, gerne mit uns zusammenarbeiten oder sich an dieser Stelle präsentieren möchten, dann schreiben Sie an redaktion@weites.land.