Bulligraphie

WEITES LAND fährt VW T6 California Beach 110 KW TDI 4Motion

Unser Bulli ist vor allem eines: überall zuhause. Und selten daheim. | © weites.land
Unser Bulli ist vor allem eines: überall zuhause. Und selten daheim. | © weites.land
Was für ein Fahrzeug könnte besser zu WEITES.LAND passen als ein Bulli? Unterwegs zuhause sein, übernachten und frühstücken können, sich bei Wind und Wetter umziehen und für unsere geplante Dokumentation der Käsestraße Tisch und Stuhl dabei zu haben.

Lange haben wir uns Gedanken gemacht, denn unser 25 Jahre alter Bulli nimmt sich eine Auszeit, um seinen Rost abzuschütteln, seine Blessuren zu heilen und seine Pumpe wieder in Gang zu bringen. Irgendwann will er wieder ganz der Alte sein: Jung und frisch. Doch welcher Bulli wäre ein würdiger Nachfolger unseres T3, wer hätte die Chance, irgendwann einmal das Charisma zu erreichen wie sein (unserer) Vorgänger? Die Wahl fiel auf den VW T6 California Beach und wir erzählen, warum er so geworden ist wie er ist. Da wir täglich unterwegs sind,folgt auch noch ein ausführlicher und unabhängiger Testbericht aus der echten Praxis.

T3 LLE in Norwegen auf dem Weg zum Nordkap | © weites.land

Wehmut: Unser T3 LLE in Norwegen auf dem Weg zum Nordkap | © weites.land

Wer hat das Zeug zum Bulli

Unser VW T3 Multivan LLE ist aus der letzten Serie, die im Jahr 1992 vom Band gerollt ist. Und damit ist er der letzte Bulli, bei dem moderne Schrauber vergeblich vorne nach der Motorhaube suchen. Auch einen Katalysator hat er nicht, genauso wenig wie eine Schummelsoftware. Er ist von Natur aus dreckig und jeder verzeiht ihm das. Sagenumwobene 70 PS bringen die einen zum Strahlen, die anderen wie den ADAC zur Kategorisierung als Verkehrshindernis.

Im VW T3, da winkt man sich gegenseitig zu, spricht sich auf den Fähren und Campingplätzen an, liebt die mit ihm verbundene Bescheidenheit und erntet oftmals bis hoch in den Norden Norwegens einladende und fröhliche Blicke. Kein ABS, kein Navi, keine Assistenz, keine Klimaanlage, dafür eine etwas lautere und schwerere Schiebetüre, eine schlechte Heizung, einen riesigen Innenraum und eine ganz dünne Bedienungsanleitung, die man eigentlich nur dann braucht, wen es eine Sicherung zu wechseln gilt.

Genau so ein Auto wollten wir wieder. Nur mit zwei Schlafplätzen mehr, denn unser kleiner Nachwuchs wird größer und weiß schon jetzt, seinen Platz zu beanspruchen. Und weil wir Sommer wie Winter auch im nördlichsten Skandinavien unterwegs sind (Artikel sind in Vorbereitung), wollten wir auf einen Allrad nicht verzichten.

Leider wird solch ein Auto nicht mehr gebaut. Heute braucht es Klimaanlage, elektronische Hilfen zum Einparken, Multimedia, utopische Höchstgeschwindigkeiten, Friedhofsruhe, Reifendimensionen einer Straßenwalze und Wolken, die das Fahrzeug über den Asphalt schweben lassen. Nur wir wollen das alles nicht. Wir wollen keine Daten über unsere Positionen sammeln lassen, wir wollen uns nicht erklären lassen, wann wir müde sind, wir wollen noch hören, dass das Auto lebt und wir wollen das Unterwegs sein genießen statt uns multimedial wie zuhause beschallen zu lassen. 

Was uns blieb, war ein Kompromiss. Von seinem kantigen Äußeren zeigt sich der T6 durchaus verwandt mit dem T3 und zum Bulli fahren braucht es nicht viel. Dass der Allradantrieb nur noch mit mindestens 150 PS zu haben ist, verstehen wir nicht, wir hätten auch Allrad mit 114 PS geordert. Dass der T6 nun 1000 kg mehr wiegt, dafür aber 300 kg weniger zuladen darf als unser T3, ist uns ebenso unerklärlich. Aber wir verlassen uns auch ein wenig auf den Hersteller, weil uns der Bulli 450.000 km treu in die entfernten Gegenden Nordeuropas gebracht hat und wir es schafften, schon den 1992 zum letzten Mal gebauten weit unter 7 Liter auf 100 km zu fahren. Eine Probefahrt würden wir nicht machen. Nach unzähligen VW-Bussen, die ich in meinem Leben gefahren bin, nach bislang sechs eigenen, vertraue ich ganz ursächlich auf meinen Instinkt. Mit Denken hat ein Autokauf eh wenig gemeinsam, sonst würde man sicherlich zu Fuß gehen.

Was wirklich fehlt

Die Preisliste ist lang und wer mag, kann gerne mehr als 80.000 EUR ausgeben wofür auch immer. Die erste Erkenntnis ist, dass sieben Sitze in diesem Auto nur in der Langversion wirklich Sinn machen, will man sich denn gegenüber sitzen. Denn dafür lassen sich die vorderen Sitze standardmäßig drehen. Die zweite ist, dass das angebotene H4 Licht aus dem Kleinwagenbereich alles andere als zeitgemäß ist und nicht ohne Grund H7 Doppelscheinwerfer und LED Licht in der Zubehörliste zu finden sind. Denn schon im T3 durfte ich den Unterschied kennen lernen und der ist drastisch.

Enttäuschend ist, dass ein 80 Liter Tank für höhere Reichweite bei einem Auto, welches prädestiniert ist zum Reisen, nur gegen Aufpreis erhältlich ist, obwohl VW im Einkauf nicht mehr dafür zahlen müsste. Und auch das Reserverad will extra bestellt werden, denn was nützt bei einem geplatzten Reifen der Schaum aus der Tube? 

Worauf wir aber gar nicht gekommen sind, beinahe jedenfalls nicht, dass VW auf einmal die Rundanzeigen für Motortemperatur und Tankinhalt wegrationalisiert. Der Aufpreis dafür war ärgerlich teuer. Und waren wir aus unserem T 3 Multivan gewohnt, dass man in ihm auch anstandslos schlafen kann, wird empfohlen, die Matratze für den unteren Bereich lieber gleich zusätzlich mit zu bestellen. Wir wollten das nicht wirklich wahr haben, doch bei der Lieferung wurden wir eines besseren belehrt.

Nun haben wir uns für den California Beach entschieden. Er hat fünf Sitze. Auf eine Küchenzeile haben wir zugunsten des Innenraumes verzichtet. Und mit dieser Entscheidung sind wir nicht allein. Die Mehrheit der California-Interessenten entscheidet sich für den Beach.

Ein Benziner macht für uns auch in der aktuellen Schadstoffausstoß -Diskussion keinen Sinn, denn wir sind sehr um sparsame Fahrweise und große Reichweiten bemüht. Da wir auf einen Allradantrieb nicht verzichten wollten und konnten, mussten wir auf die damit verbundene kleinste Motorisierung mit 150PS (110KW) zurück greifen. Weniger hätte es für uns auch getan.

Nun bestand die Qual der Wahl bei der Farbe: Während VW bei den T6 Transportern und Caravelle eine große Palette von Unifarben anbietet, kommt beim California nur die Farbe weiß und rot in Betracht. Alle anderen Farben kosten Aufpreis. Gerne hätten wir einen Blauton gewählt, ohne auf Metallic zurück greifen zu müssen. Aber so sind wir bei rot geblieben.

Rund-um-Sicht

Da wir bisher immer zwei Schiebefenster im Fahrgastraum zu schätzen wussten, wollten wir auch in Zukunft nicht darauf verzichten. Denn was kann schöner sein, als irgendwo am Nordatlantik zu stehen und selbst bei Regen bei einem Glas Wein das Fenster aufzumachen und den Ausblick nicht nur zu sehen, sondern auch das Rauschen und den Duft der Umgebung zu hören und einzuatmen. Zudem bietet es sich auch bei der Fotografie an, ein Stativ aufzustellen und eben aus dem Fenster heraus zu fotografieren oder zu filmen.

Auf tief getönte Scheiben haben wir von Anfang an verzichtet. Irgendwie mag das nicht so recht zum Bulli passen, vor allem aber hat das auch noch ganz andere praktische Gründe, wenn man unmittelbar im Grenzgebiet wohnt und oft über Grenzen unterwegs ist. Denn: Die Zöllner und Polizisten können das Fahrzeug von außen einsehen und die Chance, zur Kontrolle angehalten zu werden, sinkt auf ein Minimum. Zudem möchten wir aber auch die Umgebung aus dem Inneren des Bullis so realistisch wie möglich anschauen können, ganz ungetönt eben.

Radio & Co

Wir finden die Verarbeitung top und können das Lamentieren über billige Qualität und Spaltmaße nich verstehen | © weites.land

VW T 6 California Beach Standardausstattung © weites.land

Für gute Unterhaltung und für die digitale Zielfindung kann man ordentlich Geld ausgeben und wir waren mutig. Wir haben uns entschieden, uns mit dem serienmäßigen Radio zu begnügen. Leider hat es keinen CD-Spieler. Aber immerhin einen USB-Anschluss. Nur vorne befinden sich die Boxen. Doch im Nachhinein sind wir, bis auf den fehlenden CD-Spieler, nicht enttäuscht. Der Klang ist sogar besser als die vier im gesamten T3 LLE verteilten Boxen und die Bedienung ist angenehm übersichtlich. Ganz ohne Bedienungsanleitung kann man es bedienen. Vor allem mag ich Schalter und Tasten und verzichte gerne auf diese Wischtechnik. Genau hiermit begnügt sich das Radio. Übrigens sucht man eine Antenne vergeblich. Die befindet sich im Außenspiegel. Damit verbunden sollte man auf verchromte Abdeckungen für das Spiegelgehäuse aus dem Zubehör unbedingt verzichten, der Empfang währe sonst dahin.

Räder und Reifen

VW T6 California Beach 4 Motion auf der Insel Als in Dänemark | © weites.land

VW T6 California Beach 4 Motion auf der Insel Als in Dänemark | © weites.land

Nun können wir mit dem Begriff „Rollwiderstandsoptimierte Reifen“ herzlich wenig anfangen, da wir einfach mal davon ausgehen, dass die Markenhersteller auf der Höhe der Zeit sind. Es ist zwar Mode, dass die Reifen zudem immer breiter werden, die Frage aber ist, wie sich dies auf einen immer höheren Verbrauch von Resssourcen auswirkt.  Ich selbst sehe die Reifen nicht, weil ich nicht hinter mir her fahre und habe genug Selbstbewusstsein, dass ich die anderen Verkehrsteilnehmer damit für einen Bruchteil von Sekunden nicht beeindrucken muss. Wir haben uns in Bezug auf den bevorstehenden Winter somit für die kleinstmögliche Reifengröße entschieden und diese auch gleich als Winterreifen geordert. Die Stahlfelgen für das beim 4Motion serienmäßige 17″ Fahrwerk gefallen uns gut genug, um der Versuchung nach der großen Auswahl von Alufelgen zu widerstehen. Für das damit eingesparte Geld unternehmen wir lieber eine Tour mehr. Wir geben aber gerne zu, dass uns die ein oder andere Felge ganz gut gefallen hat, zum Teil aber nur mit 18″ und 255er Reifen realisierbar ist. Und das wollen wir mit Sicherheit nicht. Auf jeden Fall ist Aluminium aber auch sehr umweltschädigend in der Gewinnung und gehört ökologisch gesehen zu den aufwendigsten Herstellungsverfahren. Fahreigenschaften und Gewicht werden heute durch Alufelgen nicht mehr positiv beeinflusst- es geht also nur um Optik.

Wie bereits erwähnt, wird serienmäßig ein Pannenset mitgeliefert, wir haben uns aber für einen vollwertiges Ersatzrad entschieden, welches hinten unter dem Fahrzeug angebracht ist.

Licht und Sicht

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VW T6 H7 Fahrlicht ohne Nebelscheinwerfer

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VW T6 H7 Licht mit Nebelscheinwerfern

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VW T6 H7 Fernlicht ohne Nebelscheinwerfer

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VW T6 H7 Fahrlicht mit Nebelscheinwerfer

Serienmäßig ist der VW T6 California Beach mit dem H4 Licht ausgestattet. Das heißt, dass der gleiche Scheinwerfer für normales Fahrlicht wie auch für Fernlicht zuständig ist. Die Alternativen sind das H7 Licht mit seinen Doppelscheinwerfern, die man als solche aber nicht direkt sehen kann, und das moderne LED-Licht. Es ist sicherlich Geschmacksache, ob man das LED-Licht mag. Wir mögen es nicht. Vielmehr empfinden wir das Design der LED-Lampen bei den meisten Fahrzeugfabrikaten sehr aggressiv. Ein Bulli ist aber nicht aggressiv. Auch ist der Blauanteil im LED-Licht sicherlich toll für den Fahrer, weniger aber für die entgegenkommenden Fahrzeuge. LED-Technik ist extrem aufwendig und dadurch teuer. Die Einheit muss gekühlt werden, Scheinwerferreinigung und automatische Niveauregulierung der Scheinwerfer sind Pflicht. Das hat seinen Preis. Die Energieeinsparung ist darüber hinaus völlig zu vernachlässigen.

Wir haben uns für das H7-Licht entschieden. Und sind damit sehr zufrieden. Aber die Fahrzeughersteller lieben Pakete. So gibt es das sogenannte Exterieur-Paket nur zusammen mit Nebelscheinwerfern und Abbiegelicht und mit durchlackierten Türgriffen. Diesen Sinn muss man mir einmal erklären. Was bitte schön haben durchlackierte Griffe mit besserer Sicht zu tun? Nun sind wir nicht böse um die Nebelscheinwerfer, aber hätten sehr gerne auf das Abbiegelicht verzichtet, weil es in unseren Augen nur deswegen verkauft wird, weil es heute jeder haben will. Einen nennenswerten Vorteil der Ausleuchtung beim Abbiegen können wir nicht feststellen. Wenn uns die Sicht nach vorne nicht genügt, schalten wir eben die Nebellampen ein. Diese werden übrigens automatisch eingeschaltet, wenn man rückwärts fährt. Auch dieses Schmankerl ist nicht so ganz verständlich für uns, wir könnten gerne darauf verzichten.

Aber vielleicht braucht es heute Dinge, die die Welt nicht braucht aber unbedingt haben muss, wir werden prüfen, ob man diesen Unsinn nicht abschalten kann. Auf Lichtsensoren haben wir ohne Schmerz verzichtet wie auch auf Regensensoren, wir wollen uns noch gerne trainieren. Zudem ist die Schaltung für Licht so geregelt, dass das Hauptlicht ausgeht, wenn man den Schlüssel zieht. Stellt man den Lichtschalter aus „AUS“, wird beim Starten das Tagfahrlicht eingeschaltet. Standlicht liegt dazwischen. Was will man mehr. Auf die Living Home Geschichte haben wir gerne verzichtet, wir müssen nicht der Welt anzeigen, wenn wir  ins Auto steigen, im Notfall tut es die kleine Taschenlampe für den Zigarettenanzünder auch.

Innenlichtpaket

VW T6 California Beach 4 Motion mit Standard Innenlichtpaket | © weites.land

VW T6 California Beach 4 Motion mit Standard Innenlichtpaket | © weites.land

Nun kann man sich für mehr als 300 Euro ein kleines Lämpchen in die Kofferraumklappe und ins Dachzelt bauen lassen. Zwar haben wir im Vorfeld nicht so richtig verstanden, welche Innenbeleuchtung denn Serie ist, aber wir haben beschlossen, lieber unsere bereits bezahlte Mini-Maglite zu nutzen als so viel  Geld für dieses Camper-Leuchten-Paket auszugeben. Überrascht waren wir dann bei der Auslieferung über die sehr umfangreiche serienmäßige und helle Innenbeleuchtung.

Im Kofferraumbereich gibt es eine Innenleuchte, Im Fond auf der Fahrerseite zwei kleine und eine große, gegenüberliegend rechts und links der Schiebetür zwei kleine, an allen Trittstufen eine Beleuchtung mit „California“-Schriftzug, vorne zwei Leseleuchten und eine große Leuchte.  Mehr braucht es wirklich nicht. Und wenn wir im Sommer statt den lauen Abend doch noch ein Buch im Aufstelldach genießen wollen, dann haben wir immer noch unsere kleine Taschenlampe. Auch auf die im Zusatzpaket enthaltene 12 Volt Steckdose ist augenscheinlich Serie, wir haben sie entdeckt, ganz ohne Zusatzpaket.

Heizung – Klima

Nun bin ich kein unbedingter Freund von Klimaanlagen. Die Kältemittel sind entweder brandgefährlich oder sehr giftig. Oftmals reicht es im Sommer auch aus, einfach mal quer zu lüften und dann das Gebläse anzuschalten. Selten, dass wir die Klimaanlage nutzen.  Zumal wir oft im Norden unterwegs sind und die Tage zählen können, an denen es extrem heiß ist. So begnügen wir uns mit der serienmäßigen manuellen Klimaanlage und kommen damit bestens zurecht. Bei ausgeschalteter Klimaanlage spart man im Übrigen deutlich Treibstoff.

Wichtiger ist uns eine gute Beheizbarkeit, wenn wir bei 20 Grad unter dem Gefrierpunkt im skandinavischen Fjäll unterwegs sind oder einfach bei Temperaturen unter fünf Grad irgendwo stehen und Rast machen. Leider muss man sich bei VW entscheiden, entweder für die Umluftheizung oder eine Wasserzusatzheizung.

Nach 10 Kilometern in das Fahrzeug bei 0 Grad Außentemperatur warm. Optional gibt es Standheizungen | © weites.land

Nach 10 Kilometern in das Fahrzeug bei 0 Grad Außentemperatur warm. Optional gibt es Standheizungen | © weites.land

Die Umluftheizung erzeugt warme Luft für den Innenraum, sie hat keinen Kontakt zum Motor. Der Luftaustritt liegt im unteren Bereich der Säule zwischen Beifahrertür und Schiebetür. Sinn macht sie eigentlich solange, wie das Aufstelldach geschlossen ist. Ansonsten verpufft die Wärme gleich durch die dünne Zelthaut. Bei Null Grad Außentemperatur benötigt die Luftheizung etwa eine halbe Stunde, bis das Auto aufgewärmt ist. Dabei wird je nach Heizstufe bis zu einen halben Liter Treibstoff pro Stunde verbrannt. Bedauerlich ist, dass die Abgase während des Heizbetriebes ins Auto kommen, sobald man die Schiebetür öffnet. Mit der Umluftheizung kann man nicht die Scheiben abtauen. Selbst nach 30 Minuten sind sie noch zugefroren.

Anders bei der Wasserzusatzheizung. Sie erwärmt das Kühlwasser, ein Gebläse sorgt für eisfreie Frontscheiben. Denn hier geht die warme Luft durch die vordere Lüftung. Während der eingeschalteten Wasserzusatzheizung zirkuliert das Kühlwasser und erwärmt den Motorraum. Sie erwärmt aber nicht den Innenraum. Dieser wird allerdings dann über die direkte Warmluftverteilung sofort ab Fahrantritt möglich. Die Wasserzusatzheizung ist recht einfach nachzurüsten, denn der Zuheizer ist beim Diesel bereits vorhanden. Alleine das Steuergerät muss aktiviert werden. Die Kosten für eine Nachrüstung sollten eigentlich etwa 400 – 600 EUR nicht überschreiten.

VW T6 California Beach 4 Motion mit Umluftheizung und Frontbeleuchtung | © weites.land

VW T6 California Beach 4 Motion mit Umluftheizung und Frontbeleuchtung | © weites.land

Wer beide Heizsysteme möchte, sollte sich die Umluftheizung bestellen und die Wasserzusatzheizung nachrüsten. Eine Alternative bietet eine elektrische Zusatzheizung an, wie man sie aus nördlichen und damit kalten Regionen oder aus unseren Rettungsfahrzeugen kennt. Hier wird das Fahrzeug an eine Steckdose angeschlossen und das Kühlwasser elektrisch erwärmt. Über eine Zusatzfunktion kann man damit auch den Innenraum erwärmen. Die Kosten hierfür sollten bei etwa 400 EUR liegen. Eine solche Ausstattung wird leider nicht ab Werk angeboten, würde es doch gerade für einen Camper, der auf einem Campingplatz durchaus eine Steckdose vorfindet, Sinn machen.

Ebenso darf man sich nicht der Illusion hingeben, das zentrale Bedienelement, wie im Katalog abgebildet, zu bekommen. Denn der Drehschalter ist augenscheinlich nur für die Modelle Coast und  Ocean erhältlich, ohne daß dieses im Katalog auch entsprechend vermerkt ist. Im California Beach bekommt man das Bedienelement aus dem Multivan mit recht kleinen Tasten. 

Sinnvoll ist, dass die Stand- und Zusatzheizung nur funktioniert, wenn der Tankinhalt noch nicht die Reservemarke erreicht hat. Ebenso wird Rücksicht auf die Batteriekapazität genommen, bei abgezogenem Schlüssel wird die Zweitbatterie belastet. Dass man eine Zusatzheizung weder in Parkhäusern noch Garagen oder Tunnels laufen lässt, sollte jedem klar sein. Denn tödliche Kohlenmonoxyd-Vergiftungen können mit sehr hoher Wahrscheinlichkeit die Folge sein.

Anhängerkupplung

Der VW-Bus war schon immer ein beliebtes Zugfahrzeug. Und so steht man vor der Frage, ob und wann man den neuen selbst als Zugfahrzeug einsetzen möchte. Nun spielt bei der Fahrzeugzusammenstellung mit Sicherheit das Budget eine große Rolle und es steht im Raum, ob eine Anhängerkupplung wirklich sein muss. Unser Weg- wir lassen sie zunächst weg. Wir bestellen die Vorbereitung. Und damit bereits einen verstärkten Lüfter und eine bereits abgestimmte Steuerung für das elektronische Stabilitätsprogramm ESP. So kann man jederzeit aus dem Zubehör die gleiche Kupplung nachrüsten, die es ab Werk gibt, ohne dass es zu aufwendigen Umbaumaßnahmen kommen muss. Man kann sich jederzeit entscheiden, ob man dann noch eine abnehmbare oder starre Kupplung anbaut. Der Montageaufwand soll etwa zwei Stunden betragen.

Selbst, wenn man keine Anhängevorrichtung benötigt, ist die Vorbereitung für etwas mehr als 250 EUR ab Werk wirklich sinnvoll, gerade im Hinblick auf einen möglichen Wiederverkauf.

Multifunktionsanzeige Plus

Die Ganganzeige empfiehlt sehr frühe Gangwechsel und damit untertouriges Fahren | © weites.land

Selbstverständliche Instrumente wie Kühlwassertemperatur und Tankanzeige nur gegen ordentlichen Aufpreis | © weites.land

Fast währen wir davon ausgegangen, dass grundlegende Dinge in solch einem Fahrzeug Serie sind. Zumal, wenn im Katalog und in der Preisliste nicht klar mit Beschreibungen und Bildern gearbeitet wird. Nirgends wird beschrieben, was die verschiedenen Multifunktionsanzeigen wirklich leisten. Und, was ohne sie denn fehlt.  Fast also hätten wir nicht die so gewohnten Rundinstrumente für Tankinhalt und Kühlwassertemperatur bekommen. Dinge, die ich bisher im Alltag automatisch im Blick habe, wurden einfach gestrichen. Nicht nur das- sie werden in der Zubehörliste auch nicht als nicht serienmäßig vorhanden heraus gestellt. Ich muss zugeben, an dieser Stelle bei der Bestellung wirklich wütend geworden zu sein. Vor allem kennen viele Verkäufer augenscheinlich nicht die Unterschiede der verschiedenen Multifunktionsanzeigen. Für deutlich über 300 EUR sollte man also die Multifunktionsanzeige PLUS ordern. Dadurch findet man am Tacho und Drehzahlmesser die gewohnten (und für mich immer noch eigentlich selbstverständlichen) Instrumente, ferner wird Außentemperatur, aktueller und zurückliegender Durchschnittsverbrauch, aktuelle Wegstrecke, aktueller Verbrauch, aktuelle Geschwindigkeit, Öltemperatur angezeigt. Ebenso bekommt man eine Gratis Datensammelmaschine in Form einer Müdigkeitserkennung, die selbst nach kleinen Ausweichmanövern schon dringend zur Pause rät. Abschalten lässt sich diese Spielerei nicht. Was angezeigt wird ohne eine zusätzliche Multifunktionsanzeige, entzieht sich meiner Kenntnis.

Komfortschlafauflage

Wie bereits anfangs erwähnt, haben wir bei der Bestellung auf die Komfortschlafauflage ab Werk verzichtet. Wir wollten testen, ob wir ohne auskommen. Leider nein. Nun haben wir eine doch sehr platzintensive Schlafauflage bei California-Camping nachbestellt, sind aber von diesem Anbieter sichtlich enttäuscht. Dort ist sie in einem mittleren Grau abgebildet, aber in schwarz geliefert. Die Farbe war textlich nicht zu sehen. Auf eine Mail kam leider keine Reaktion. Die Verarbeitung ist maximal zufriedenstellend. Mittlerweile wird die Komfort-Schlafauflage bei VW wohl serienmäßig mitgeliefert. Wir werden sie bei VW nachordern müssen.

Bestuhlung

Aus unserem VW T3 sind wir sieben Sitze gewohnt und finden das toll. Allerdings ist ab dem VW T4 der Innenraum deutlich geschrumpft, dass es mit sieben Sitzen einfach zu eng wird. Wir haben uns entgegen der Serie für einen 5-Sitzer entschieden, also für eine Dreiersitzbank hinten. Die Zweier-Sitzbank ist aus unserer Sicht zu empfehlen, wenn man den California Beach selbst ausbauen möchte. Auf jeden Fall ist der Innenraum großzügig und man hat in jedem Fall ordentlich Bewegungsfreiheit. Wir haben uns zudem für eine graue Inneneinrichtung entschieden, sie macht den Innenraum auch optisch größer.

Ist der VW T6 California teuer?

Der VW T6, gleich welcher Ausführung ist teuer. DAs wird landauf, landab behauptet. Nun müsste man den Begriff „teuer“ definieren. Wir haben uns damit begnügt, zu schauen, was ein VW T3 Syncro Multivan mit Aufstelldach als 70 PS Turbodiesel im Jahr 1990 gekostet hat und was vergleichbar 27 Jahre später der California Beach mit 150 PS und Allradantrieb kostet. Dabei stellen wir beide Preise in EUR gegenüber, denn zu Zeiten der T3-Produktion wurde noch in DM gezahlt.

VW T3 Multivan Syncro m. Aufstelldach 70 PS TD 23927,– 
Drehzahlmesser 143,–
Kopfstützen hinten 145,–
Wärmeschutzverglasung 253,–
Schiebefenster rechts 95,–
Schiebefenster links 95,–
Anhängerkupplung starr 340,–
Differenzialsperre 600,–
Servolenkung 1012,–
ABS    1651,–
Umluftheizung 1933,–
Drehzahlmesser 143,–
Anzeige für angezogene Handbremse 38,–
Radia Alpha 216,–
Heckscheibenwischer 227,–
elektrische Fensterheber vorne 474,–
elektrische Außenspiegel 253,–
Make up Spiegel beleuchtet 29,–
Nebelschlussleuchte 36,–
Zentralverriegelung 356,–

Gesamt: 31.966,– inkl. 14 % Mehrwertsteuer (das entspräche bei 19 % Mehrwertsteuer 33.368,–)

Nach den offiziellen Inflationswerten würde der Preis heute bei 55.387 EUR liegen.

VW T6 California Beach 4Motion 150 PS TDI 51.759,–
Schiebefenster rechts 333,–
Anhängekupplung starr 761,–
Differenzialsperre 963,–
Umluftheizung 1737,–
Zusatzsitz 565,–
Kühlschrank 446,–

Gesamt: 56.564,– inkl. 19 % Mehrwertsteuer

Somit ist das Fahrzeug im direkten Vergleich 1177,– EUR teurer, aber er hat zum Vergleich 

  • 80 PS mehr
  • Dieselkatalysator
  • ESP
  • 2 Campingstühle
  • lackierte Stoßfänger
  • 17″ Fahrwerk 

VW-Busse waren noch nie ein Schnäppchen, ihre Preise waren immer im oberen Bereich angesiedelt. Aber im direkten Vergleich zeigt sich, dass sich die Modellreihe laufend weiter entwickelt hat und dabei mindestens nicht teurer geworden ist.

Nun ist der Begriff „teuer“ natürlich sehr subjektiv von eigenen Standpunkt aus, eine zahlenmäßige Definition gibt es nicht. Anhand des VW T3 lässt sich aber auch sagen, dass dieser extrem wertbeständig ist, obwohl er in großen Stückzahlen gebaut wurde. Da auch der VW T6 der letzte einer Epoche ist, dürfte gleiches erwartet werden.

 

Fazit

VW T6 California Beach 4 Motion auf der Insel Als in Dänemark | © weites.land

VW T6 California Beach 4 Motion auf der Insel Als in Dänemark | © weites.land

Unser Fahrzeug hat also einen 110KW Diesel mit 4Motion und als Ergänzung zur Serienausstattung das Exterieurpaket mit den H7 Scheinwerfern und Nebellampen, Dreiersitzbank, zweites Schiebefenster, Umluftheizung, 80 L Tank, Reserverad, AHK-Vorbereitung und Multifunktionsanzeige Plus. 

Was uns somit fehlt, ist eine Anhängerkupplung, die Komfortschlafauflage, eine Wasserzusatzheizung. 

Angesichts der ausufernden Preisliste ist das sehr wenig Zubehör. Wie mir der Händler versicherte, wollen die meisten Kunden eine bescheidene Ausstattung beim California Beach. Denn viele dieser Kunden leben ein Stück der alten Bulli-Philosophie und halten wie wir, den ganzen Assistenz- und Sensorenkram eher für eine Belastung als für entspanntes Bulli-Feeling.

Nun gibt es tausend Wahrheiten und so hat jeder nach seinen Ansprüchen die Möglichkeit, unvoreingenommen seinen Bedürfnissen gerecht zu werden.

VW T6 California Beach 4 Motion auf der Insel Als in Dänemark | © weites.land

VW T6 California Beach 4 Motion auf der Insel Als in Dänemark | © weites.land

Was wir allerdings vermisst haben, sind sowohl beim Multivan wie auch beim California klare Abbildungen und Beschreibungen in Katalog und Preisliste. Oftmals ist es ein Stochern im Dunkeln mit dem Wissen, nicht zu wissen, was geliefert wird. Würden wir bei VW Nutzfahrzeuge mitentscheiden dürfen, was solch ein Fahrzeug serienmäßig haben soll, wäre eine Tank- und Kühlwasseranzeige, ein 80 Liter Tank und das H7 Licht. Denn solch ein Fahrzeug sollte sich nicht in seiner Ausstattung hinter den letztgebauten VW T3 verstecken. Eine elektrische Kühlwasservorwärmung gehört in die Zubehörliste. Schon aus Gründen der Schonung des Motors und der Umwelt. Immerhin sollen mutmaßliche T3-Multivan-Kunden von einst die heutigen California-Beach-Kunden sein. Die Farbauswahl in den Serienfarben ohne Aufpreis ist sehr dürftig, hier sollte das vorhandene Spektrum von Caravelle und Transporter Standard sein. Damit käme in den tristen weiss-grau-schwarzen Verkehrsalltag endlich mal wieder Farbe auf die Straße. Denn das Leben mit den California Beach ist vor allem eines: bunt.

Jeder Artikel wird weiter entwickelt, angepasst, ergänzt. Wenn Sie Anregungen oder Erlebnisse, historische und aktuelle Bilder haben, gerne mit uns zusammenarbeiten oder sich an dieser Stelle präsentieren möchten, dann schreiben Sie an redaktion@weites.land.

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