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Treene – Flüsse in Schleswig-Holstein

Treene in Friedrichstadt | © weites.land
Treene in Friedrichstadt | © weites.land

Sie gehört zu den schönsten Flusslandschaften in Norddeutschland und ist Teil des größten zusammenhängenden Flussgebietes in Schleswig-Holstein. Auf ihrem Weg zur Eider durchfliest sie eine atemberaubende und vielfältige grüne Landschaft: die Treene.

Quelle

Im Natuschutzgebiet „Obere Treenelandschaft“ gibt es einen etwa fünf Hektar großen See, den Treßsee. Gerade einmal 15 Kilometer ist die Ostsee entfernt und auch Flensburg liegt in erreichbarer Nähe.

In der sanft hügeligen Geestlandschaft wechseln sich Wälder, Felder, Moore und sogar eine kleine Dünenlandschaft ab. Diese Binnendünen liegen südlich des Treßsees und sind immer wieder eine Besonderheit. Der Treßsse ist mit seiner Umgebung noch ein echter Geheimtipp für Radfahrer und Wanderer, aber auch für Sonnenanbeter, die bei hochsommerlichen Temperaturen die Abkühlung in diesem klaren See genießen.

Der Treßsee ist zugleich die Quelle für einen der schönsten Flüsse Schleswig-Holsteins: hier entspringt die Treene. Der obere Flussluf ist bis Tarp naturbelassen, Bäume liegen quer und die Ufer bieten ungestörten Schutz für Pflanze und Tier.

Hier oben, nahe der dänischen Grenze, beginnt eine Binnenlandschaft, wie sie vielfältiger und schöner kaum sein kann. Ob mit Fahrrad oder zu Fuß, wir können es kaum abwarten, loszulegen, einzutauchen und zu entdecken, dieses schöne, weite Land. Von der Quelle bis zu seiner Mündung legt die Treene nun 73 Kilometer zurück.

Großsolt

Ob Urlaub auf dem Bauernhof oder die Suche nach einem Reiterhof, beides findet man idylisch hier im Bauerndorf Großsolt. Über 20 landwirtschaftliche Betriebe sind hier zuhause in dieser Wald- und Auenreichen Umgebung und der direkten Anbindung an das Naturschutzgebiet „Obere Treene“. Steinzeitgräber und kleine Binnenseen prägen auf ganz besondere Weise diesen Landstrich.

Auf einer kleinen Anhöhe erzählt die mehr als 800 Jahre alte Kirche von der Beständigkeit dieses Ortes. Ursprünglich lag die Kirche am Treßsee, doch hat sich der See durch Trockenlegung um mindestens die Hälfte seiner Fläche verkleinert und hat auch nur noch einen Teil seiner ursprünglichen Tiefe. Im Inneren der Kirche ist der Nachbau eines Schiffsmodells aus dem Jahr 1690 zu bewundern, das Original wurde ins Museum ausgelagert. Die Kirche verfügte früher über eine Waffenkammer. Da die Kirche nur unbewaffnet betreten werden durfte, musste man hier die Waffen abgeben.

Tarp

In Tarp verzaubert uns die Holländergaleriemühle „Antje“. Im Jahr 1882 erbaut, hat sie so vorbildlich dem Ort die Treue gehalten, dass sie ein guter Ausgangspunkt ist, hier auch zu heiraten. Das dachten sich jedenfalls die Tarper so und richteten hier ihr Trauzimmer ein.

Der Findlingsgarten ist eine Entdeckung ganz anderer Art. Gnaze 72 Findlinge sind parkähnlich zusammen getragen und erzählen an Hand der aufgestellten Schilder, was es so mit ihnen auf sich hat. Auch ein nachgebauter Steinkreis mit Steinpackung und ein rekonstruiertes Hügelgrab mit Baumsarg finden sich in dieser Sammlung. Hier kann man verweilen, staunen, sein.

Ganz in der Nähe befinden sich die Fröruper Berge mit ihrem Hochmoor als Naturschutzgebiet. Es ist ein Traum, hier Rad zu fahren oder zu wandern.

Treia

Der Heilige St. Nikolaus, der ist auch in Treia nicht vergessen. Dem Schutzpatron der Schiffer widmete man diese schöne Kirche, die um 1400 entstanden sein soll. Drei wolhhabende Jungfrauen sollen das Geld für diesen Kirchbau gespendet haben, um an Stelle der hölzernen Kapelle eine Feldsteinkirche zu errichten.

Damals nahm die Zahl der Kirchbesucher noch zu, so wurde sie im Jahr 1757 erweitert. Bis vor knapp mehr als 100 Jahren gab es einen hölzernen Glockenturm. Doch auch an ihm nagte der Zahn der Zeit, so wurde er im Jahr 1923 – 1913 durch den heutigen Turm ersetzt. Der älteste Teil dieser Kirche ist das Kruzifix, es stammt wohl aus dem 13. Jahrhundert und somit aus der hölzernen Kapelle. Ach, wäre das schön, wenn auch heute wieder der Platz in diesen Kirchen ausgefüllt wäre. Einen Besuch ist diese Kirche und ihr Gottesdienst allemal wert.

Das kleine Dorf Treia liegt idylisch an der Treene, mitten im schönsten zusammenhängenden Flussgebiet Norddeutschlands. Eine Paddeltour mit Kanu oder Kajak bietet sich von Treia förmlich an. Gästebetten in sehr reizvoller Umgebung von typischen Nordfriesen, die so erfrischend und herb sind wie in alten Zeiten, geben fühlbaren Einblick in die Lebensart dieses Ortes und seiner bezaubernden Umgebung.

Hollingstedt

Hollingstedt hatte vor langer Zeit einen ganz bedeutenden Hafen. Zur Zeit, wo es weder Autos noch befestigste Wege gab, waren die Flüsse die effektivsten Transportwege. So auch im Mittelalter. Heute glänzt Hollingstedt mit einem Kanuanleger und ist auf den Storch gekommen. Denn die Störche fanden  seit jeher das Dorf so schön, dass sie gerne hier bleiben und nisten. Hoch oben sieht man das ein oder andere Storchennest. Ob Hollingstedt deswegen nun besonders kinderreich ist, weiss ich nicht, aber die Hollingstedter sind so aufgeklärt, dass sie wissen, im schönsten Dorf an der Treene zu leben.

Und sie machen was daraus.

Viele neue Wanderwege laden ein, den Ort und seine schöne Umgebung zu Fuß, mit dem Rad oder von der Flussseite zu erkunden. Zwei Museum erzählen von früher. Das eine, das Hollinghus, berichtete aus der Zeit des Hafentreibens.  Gleich gegenüber steht das Schulmuseum. Der heutige Museumsleiter hat selbst bis vor wenigen Jahren hier unterrichtet. Dann ging er in Pension un dkurz darauf auch diese kleine Dorfschule. Kurzum holte er die als Einrichtung von 1900 vom Dachboden und richtete Lehrerwohnung und Klassenzimmer so ein, wie es damals war. Der älteste Rohrstock Schleswig-Holsteins soll hier liegen, die alten Schulranzen, der Rechenschieber, das sind nur wenige Beispiele für den Unterricht, wie er damals statt fand.

Hollingstedt ist ein abseits von bekannten Pfaden liegendes Dorf, doch wer es einmal besucht hat, rückt die Erinnerungen an diesen schönen Ort in sein eigenes Zentrum.

Wildes Moor bei Schwabstedt

Moore haben schon immer etwas schaurig mystisches an sich. Unzählige Horrofilme, Kriminalromane und Gruselgeschichten thematisieren das Moor. Doch in der realen Welt ist es sensibel, faszinierend. geheimnisvoll und schön. Es gibt kaum einen Menschen, der sich wirklich der Magie des Moores entziehen kann. Eines der schönsten Moore findet sich auch zugleich in einer der schönsten Flussregionen Norddeutschlands, das Wilde Moor bei Schwabstedt. Etwa 15 Kilometer östlich von Husum gelegen lädt es ein zu einer ganz besonderen Entdeckungstour.

Wirkt die von der Treene durchzogenen Landschaft duch das dominierende schlichte Pfeifengras recht monoton, lehrt ein Rundgang über den Moorpfad besseres. Unzählige und seltene Pflanzen, eine Vielzahl von nützlichen Insekten, tiefschwarzes Wasser und der torfig weiche Untergrund dämüfen den Lärm des Alltags und lässt die Seele zur Ruhe kommen. Alles scheint sich hier zu verlangsamen. Wie wichtig diese Rückzugsgebiete für uns Menschen sind, zeigt die Bindung des umweltschädlichen CO2 durch die Moore, aber auch das Leben der Bienen, die immer mehr, auch durch unsere Zivilisation, zurück gedrängt werden und hier einen geschützten Rückzugsraum finden. Albert Einstein wird das Zitat zugesprochen:„Stirbt die Biene- stirbt der Mensch“.

Die Biene ist in der Tat verantwortlich für alles, was wächst und somit ihr Erhalt elementar für unsere Ernährung. Hier, in den Mooren, können sie ungestört sein. Um es sich bewusst zu machen, besuchen Sie einmal eine Tankstelle, die durchgehend geöffnet und erleuchtet ist. Sie werden im Umfeld dieser Tankstellen so gut wie keine blühenden Blumen mehr finden, da die auch so wichtigen Insekten durch das Neonlicht gestört und getötet werden. So kommen sie nicht mehr zum Bestäuben. Nun vergleichen Sie die Blütenpracht im Moor.

So ist es auch gut für uns, auf den Wegen zu bleiben und die Blumen wachsen zu lassen. Zum anderen ist es auch lebensgefährlich, abseits der Wege zu laufen.  Zu all dem Bewusst sein aber bietet das Moor eine endlose Schönheit und Ruhe die unserer Seele gut tut. Für gewöhnlich kommen die Menschen wieder an diesen Ort, weil er so besonders, so unvergessen bleibt.

Schwabstedt

Schwabstedt ist ein Dorf. Ein richtig schönes Dorf. Nordfriesisch, ursprünglich, grün. Erholsam muss das sein, hier zu leben. Das war augenscheinlich schon immer so, denn bereits vor unvorstellbaren 7.000 Jahren haben Menschen hier am Fluss gelebt. Die erste geschlossene Siedlung gab es mutmaßlich schon 2000 Jahre vor Christi Geburt.

Im Jahr 1268 wurde Schwabstedt eine solche Bedeutung beigemessen, dass dieser Ort sogar Bischofssitz wurde. Dieses Jahr gilt als offizielle Gründung des heutigen Ortes. Wirklich sehenswert ist die wunderschöne Kirche, deren Enstehung bis ins Jahr 1160 zurrück geht. Geziert ist die Kirche durch das hochliegende Storchennest. Nun darf man die Kirche nicht nur äußerlich betrachten, sondern ist herzlich eingeladen, einzutreten und vielleicht einmal wieder einen Gottesdienst in diesen historischen Mauern zu besuchen.

Schwabstedt hat eine lange Geschichte, die durch Beständigkeit und Bodenstädnigkeit geprägt ist. Und so bodenständig und herzlich sind die Nordfriesen, die hier zuhause sind. Sie lieben ihr kleines Dorf an der Treene und zeigen es in jedem Winkel, den man hier besucht. Ob mit dem Auto, zu Fus oder per Rad in dieser malerischen Umgebung von Fluss, Wald und sanften Hügeln oder am eigenen Bootsanleger mit dem Kajak oder Kanu, Schwabstedt bietet allen Grund, hier herzukommen und ein wenig zu bleiben. An Gastfreundshaft und Ferienwohnungen soll es nicht scheitern.

Friedrichstadt

DSCF1910Die Niederlande haben eine Exklave in Schleswig-Holstein, so möchte man meinen. Eigentlich ist das gar nicht weit hergeholt, denn die Stadt wurde von Friedrich III. von Schleswig-Gottorf gegründet, um niederländische Remonstranten vor Glaubensverfolgung zu schützen.

Mit ihnen plante er, die Stadt zu einem bedeutenden Handelszentrum zu machen. Die Siedler bekamen wirtschaftliche Privilegien und Religionsfreiheit. Auch die Verfassung und die Stadtverwaltung waren niederländisch geprägt. Selbst die Ratsprotokolle waren bis in die erste Hälfte des 18. Jahrhundert niederländisch verfasst. Der ältere Teil der Stadt, im holländischen Stil der Renaissance erbaut, ist von einer Gracht mit dem Namen Mittelburggraben durchzogen. Die andere Gracht mit dem Namen Norderburggracht wurde im Jahr 1705 zugeschüttet.

Im Friedrichstadt gibt es die einzige Remonstranten-Kirchengemeinde außerhalb der Niederlande. Die Kirche dieser Glaubensrichtung entstand in den Jahren 1852-1854. Seit 1649 existiert die evangelisch-lutherische Kirche St. Christopherus am Mittelburgwall und seit dem Jahr 1854 die katholische St. Knuth-Kirche an Fürstenburgwall. Die Mennoniten haben ihren Beetsaal in der alten Münze, den sie auch der dänischen evangelisch-luhterischen Gemeinde zur Verfügung stellen.

Früher gab es eine jüdische Gemeinde, doch außer ihrer ehemaligen Synagoge exsitiert sie nicht mehr. Eine der schönsten Städte der Region ist zweifelsfrei Friedrichstadt. Und zugleich ist sie eine echte Zweiflüssestadt. Denn hier verbindet sich die Treene mit der Eider.

Jeder Artikel wird weiter entwickelt, angepasst, ergänzt. Wenn Sie Anregungen oder Erlebnisse, historische und aktuelle Bilder haben, gerne mit uns zusammenarbeiten oder sich an dieser Stelle präsentieren möchten, dann schreiben Sie an redaktion@weites.land.