Geschichte

Theodor Mommsen – Geschichte

Garding | © weites.land
Theodor Mommsen-Denkmal in Garding | © weites.land
An vielen Orten oder Schulen in Schleswig-Holstein begegnet uns sein Name. Vor 200 Jahren geboren, spaltet er im Laufe seines Lebens die Gemüter. Des einen Freund, des anderen Gegner, läßt er sich eines nicht nehmen: eigenständig und offen zu denken. Und so passt er doch genau in unsere aktuelle Zeit und man wünscht sich, ihn in das jetzt zu klonen.

Auf der Insel Eiderstedt, in der kleinen Stadt Garding, kommt er am 30. November 1817 zur Welt. Er ist das älteste von sechs Kindern des strengen Pastors Jens Mommsen und seiner Frau. In Oldesloe im Kreis Stormarn wird er mit seiner Familie aufwachsen. Die Kinder entziehen sich vorsichtig dem streng protestantischem Regiment des Vaters, Theodor wird seinen Glauben ernsthaft und liberal leben.

Zunächst besucht er ab 1834 das altsprachliche Gymnasium in Altona, bevor der im Mai 1838 an der Christian-Albrecht-Universität in Kiel mit dem Jura-Studium beginnt. Ein Jahr später begegnet er im gleichen Semester einer weiteren heute berühmten Persönlichkeit: dem Dichter und Schriftsteller Theodor Storm.

Die beiden freunden sich an, teilen sich eine Wohnung und entdecken ihre gemeinsame Kreativität. Zusammen mit Mommsens Bruder Tycho verfassen sie im Jahr 1843 einen kleinen Gedichteband, das „Liederbuch dreier Freunde“. Bereits ein Jahr später beendet Theodor Mommsen sein Studium mit einer Doktorarbeit über das römische Recht.

Man erkennt seine Leistungen und fördert ihn mit einem dänischen Reisestipendium, um in dem jungen Wissenschaftsbereich Altertum zu forschen. Altona und das Herzogtum Schleswig gehören zu der Zeit zum dänischen Einflussbereich. Zunächst geht es nach Frankreich, dann aber zügig nach Italien. In Rom angekommen, beschäftigt er sich mit alten Inschriften. Er kommt in Kontakt mit dem in Rom ansässigen Deutschen Archäologischen Institut. Es entstehen die Grundlagen für seine Sammlung an Inschriften des Römischen Reiches, welche später unter dem Titel „Corpus Inscriptionum Latinarum“ veröffentlicht werden.

Theodor Mommsen (Stich von Louis Jacoby, 1863)

Theodor Mommsen (Stich von Louis Jacoby, 1863), © gemeinfrei

In der Zeit der Deutschen Revolution, auch bekannt als Märzrevolution, kommt er zurück ins heutige Schleswig-Holstein und arbeitet zunächst als Journalist für die Schleswig-Holsteinischen-Zeitung. Es vergeht aber kaum Zeit, da bietet ihm die Universität Leipzig eine Professur für römisches Recht. Das Angebot nimmt Mommsen im Herbst des selben Jahres an. Seine Veröffentlichungen zur Römischen Geschichte gehören zu den wissenschaftlichem Meisterwerken und genau dafür wird ihm im Jahr 1902 der Literaturnobelpreis verliehen.

Wissenschaft ist für ihn allerdings nur eine Sache. Einigkeit und Recht und Freiheit, das sind die Begriffe, die sein Herz lenken. Und das, was er denkt und fühlt, spricht er auch aus. Ihn widert der zu dieser Zeit offensichtliche Antisemitismus an, den er aus tiefer christlicher Überzeugung zutiefst ablehnt. Offen äußert er auch seine Kritik an dem damaligen Reichskanzler Otto von Bismarck. Sein Traum ist eine echte Demokratie.

Und so beteiligt er sich im Jahr 1849 am Maiaufstand in Dresden, dessen Ziel die Abschaffung des sächsischen Königreiches zugunsten eine Republik ist. Der Aufstand scheitert und Mommsen wird vor Gericht gestellt. Das Urteil, für mehrere Monate in Haft zu gehen, wird allerdings ist vollzogen. Doch verliert er im Jahr 1851 aufgrund seiner demokratischen Überzeugungen seinen Hochschuldienst.

Damit hat er aktuell auch keine Chance mehr, im Deutschen Reich zu lehren. So geht er 1852 nach Zürich. Glücklich ist er hier nicht, so gern möchte er wieder zurück in seine Heimat. Er versucht sich, in Arbeit zu ertränken und verfasst das mehrbändige Band „Römische Geschichte“. Das ist zum einen eine penibel niedergeschriebene Arbeit, zum anderen aber liest sich dieses Werk wie ein spannender Roman. Und genau das verschafft Theodor Mommsen und damit auch seinem Werk einen herausragenden Erfolg. In acht Sprachen wird die Abhandlung übersetzt und ist somit eine Art Weckruf für die Begeisterung zu alter Geschichte.

Auch, wenn sein Leben kaum Zeit für Privates lässt, so heiratet er 1854 seine Frau Marie, der er zeitlebens Liebesbriefe verfasst. Die beiden spüren eine tiefe Liebe zueinander. Insgesamt bekommen sie 16 Kinder.

Im Jahr 1858 kann er endlich nach Berlin an die Preußische Akademie der Wissenschaften. Drei Jahre später wechselt er an die Berliner Universität und lehrt dort „Römische Alterskunde“. Mit sich selbst oft überkritisch duldet er allerdings von seinen Studenten keine Widersprüche. Darauf reagiert er oft sehr schroff und verschafft sich dadurch bei diesen den Spitznamen „Rasiermesser“. Seinen Lehrstuhl nutzt er bis ins Jahr 1885.

Sein Gewissen läßt ihm keine Ruhe, sich für ein gleichberechtigtes und demokratisches Bürgertum einzusetzen. So schafft er es, zwischen 1863 und 1866 sowie zwischen 1873 und 1879 als Abgeordneter in den preußischen Landtag. Im Anschluss wird er in den Jahren 1881 bis 1884 Mitglied des Reichtages für die Liberale Vereinigung. In dieser Zeit gerät er mit Bismarck derart aneinander, dass er Bismarcks Politik als „nichtswürdig“ und in Bezug auf die so vielgelobte Sozialpolitik von einer „Politik des Schwindels“ spricht, worauf Bismarck mit einem Strafantrag reagiert.

Aussagen wie die des Historikers Heinrich von Treitschke „Die Juden sind unser Unglück“ verabscheut Mommsen und unterzeichnet im Jahr 1890 mit 535 weiteren Persönlichkeiten den Aufruf zur Gründung des „Vereins zur Abwehr des Antisemitismus“. Diesem Verein gehören beispielsweise neben dem Schriftsteller Heinrich Mann bis zu 20.000 Mitglieder an.

Ein ausgefülltes Leben hat er, insgesamt 1500 Abhandlungen und wissenschaftliche Werke stammen aus seiner Feder, als er mit 84 Jahren im Jahr 1902 den Literaturpreis für seine „Römische Geschichte“ erhält.  Damit ist er der erste Deutsche und bis heute der einzige Historiker mit einer solchen Auszeichnung. Im Alter von 85 Jahren stirbt der zuletzt von starker Selbstkritik in Bezug auf seine Lebensleistung und depressiven Verstimmungen geplagte Historiker in Charlottenburg. Seine letzte Ruhe findet er dort auf dem Dreifaltigkeitsfriedhof.

Jeder Artikel wird weiter entwickelt, angepasst, ergänzt. Wenn Sie Anregungen oder Erlebnisse, historische und aktuelle Bilder haben, gerne mit uns zusammenarbeiten oder sich an dieser Stelle präsentieren möchten, dann schreiben Sie an redaktion@weites.land.

Schreibe uns Deine Meinung