Norwegen

Telemarkkanal

Telemarkkanal | © weites.land
Telemarkkanal | © weites.land

Über 120 Jahre fasziniert er Menschen und prägt Landschaft und Industrie. Ausgedient hat er noch lange nicht, auch, wenn sein Schwerpunkt heute eher touristischer Natur ist. Historische Schiffe bringen uns in die Zeit zurück, zumindest während der Sommermonate. Doch dieses Mal sehen wir kein Schiff und auch keine Schleuse ist in Betrieb. Dafür ist alles eingehüllt in winterliche Stille. Und die ist hier nicht minder faszinierend.

Telemarkkanal | © weites.land

Telemarkkanal | © weites.land

Norwegen ist ja eher für seine Fjorde als für seine Flüsse und Seen bekannt. Und doch gibt es da ein Kanalsystem, das es allemal lohnt, entdeckt zu werden. Wir haben für die ersten Entdeckung den norwegischen Wintermonat März gewählt, fernab einer Saison. Noch ist alles eingehüllt in eine weiße Schnee- und Eisdecke, der Telemarkkanal wartet nur darauf, aus seinem Winterschlaf zu erwachen.

Telemarkkanal | © weites.land

Telemarkkanal | © weites.land

Wer nun einen durchgehenden Kanal zwischen Skien und Bandak erwartet, wird hier eines besseren belehrt. Vielmehr handelt es sich um die Verbindung zahlreicher Seen, die unterschiedlich hoch liegen. Und genau das macht den Kanal so spannend. Achtzehn Schleusenstufen gleichen einen Höhenunterschied von 72 Metern aus, sie überbrücken manchen ehemaligen Wasserfall, der zusätzlich für die Stromerzeugung in den entsprechenden Kraftwerken genutzt wird.

Telemarkkanal | © weites.land

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Mitunter ist der Kanal schwer in dieser Winterlandschaft auszumachen, hin und wieder ist sein tiefschwarzes Wasser an den eisfreien Stellen zu sehen, ansonsten geben kleine und große Brücken oder plane Flächen einen Anhaltspunkt für seinen Verlauf. 

Ulefoss am Telemarkkanal | © weites.land

Ulefoss am Telemarkkanal | © weites.land

Neben dem Haldenkanal ist der Telemarkkanal das einzige System dieser Art in Norwegen, wurde er ursprünglich zum Flößen genutzt. Denn Norwegen war schon im 15. Jahrhundert einer der großen Holzlieferanten. So trug der Kanal von Anfang an auch zur industriellen Entwicklung der heutigen anliegenden Städte und Orte wie Ulefoss als älteste Industriestadt Norwegens oder Skien als einer der ganz alten Handelsplätze bei. Die Flößerei wurde erst vor gar nicht so langer Zeit auf diesem Gewässer aufgegeben, bis 1980 wurde im nördlichen Teil und bis 2006 im südlichen Bereich betrieben.

Telemarkkanal | © weites.land

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Lediglich zwischen Mitte Juni und Mitte August ist der Kanal mit seinen Schleusen für den privaten Verkehr geöffnet, ursprünglich wurde damit Rücksicht genommen auf die ursprüngliche Priorität als Wirtschaftsweg für die anliegende Industrie.

Heute spielt er in der Wirtschaft eine untergeordnete Rolle, im Tourismus dagegen hat er sich zum einem richtigen Magneten entwickelt. Natürlich ist die Fahrt mit einem der historischen Dampfer eine besondere Attraktion, denn der Wasserweg führt durch eine unvergessliche und atemberaubende Landschaft.

Telemarkkanal | © weites.land

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Nicht weniger wird sich aber eine Wanderung oder Radtour entlang dieser Verbindung einprägen, die oftmals direkt am Wasser entlang verläuft. Für diesen Artikel sind wir eben im Winter unterwegs gewesen, zu Fuß und mit unserem alten VW-Bus, genau das ist ein Erlebnis, wie man es wohl weniger vor Augen hat. Ein Indiz dafür ist übrigens, dass die Tourismusbüros vielerorts erst Mitte Juni öffnen.

Telemarkkanal | © weites.land

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Den Namen bekam der Kanal erst Anfang der 1990er Jahre und bezeichnet damit den Skien-Norsjø-Kanal und Norsjø-Bandak-Kanal. Das prägt sich für uns Urlauber eben besser ein. Eine Reise an diesen Kanal führt uns zurück in die ursprüngliche Zeit, so sind alle historischen und handgetriebenen Schleusen originalgetreu erhalten geblieben. Sie ziehen jedes Jahr Scharen von Besuchern an, wenn eines der schönen alten und schmalen Dampfer durch diese Wassertreppen nach oben oder unten befördert wird.

Telemarkkanal | © weites.land

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Zudem ist der Telemarkkanal aber auch ein beliebtes Kanurevier, der Blick aus Kajak und Kanu bietet eine ganz eigene Perspektive auf die steilen und grandiosen Felswände, die Kiefernwälder oder die schräg abfallenden Weiden, bei denen mit den ersten freien kargen Grasflächen die Tiere früh an die Luft kommen.

Wir sind so fasziniert von dieser Region, dass wir überlegen, den Kanal im Sommer zu besuchen und dann mit all den anliegenden Städten und Dörfern zu beschreiben und zu fotografieren. Infos gibt es dann in unserem Newsletter.

Jeder Artikel wird weiter entwickelt, angepasst, ergänzt. Wenn Sie Anregungen oder Erlebnisse, historische und aktuelle Bilder haben, gerne mit uns zusammenarbeiten oder sich an dieser Stelle präsentieren möchten, dann schreiben Sie an redaktion@weites.land.

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