Amt

Amt Südtondern

Der Deutsch–Dänische Deich
Der Deutsch–Dänische Deich | © weites.land

Eigentlich verirrt man sich ja eher nicht in diese Region. Wer es doch tut, wird hier ein Stück Deutschland, ein Stück Landschaft entdecken, wie er es sich nicht hat vorstellen können. Kleine, weit auseinander liegende Siedlungen, imposante Kirchen, Schafe, Kühe und der alte Traktor, Menschen, von Wind und Meer geprägt und eine zauberhafte Landschaft, in der der Deich die höchste Erhebung zu sein scheint.

Hier, auf dem nordwestlichen Festland der Bundesrepublik haben sich 29 Gemeinden zusammengeschlossen und bilden das Amt Südtondern. Wie stark die geografische und persönliche Nähe zum dänischen Nachbarn ist, wird spürbar, wenn man gerade nicht weiß, ob man dänischen oder deutschen Boden betritt. Die Menschen in dieser Region, sie kennen nur eines: Wir!

Etwa 40.000 Menschen fühlen sich in diesem Amt zu Hause und sie zeigen es in ihren liebevoll geschmückten Dörfern, Gärten und Häusern. In ihren strahlenden und zufriedenen Gesichtern.

Herzlich willkommen im Amt Südtondern.

Achtrup

Das wunderschöne Dorf Achtrup liegt ganz hoch im Norden, genauer gesagt im Nordwesten Nordfrieslands. Gerade einmal fast 20 Kilometer sind es bis zum Deich und nur wenige Kilometer bis nach Dänemark. Flach und grün ist es hier, immerhin bildete diese Region einmal die Küste. Doch durch Eindeichung hat sich die Küstenlinie nach Westen verschoben.

Wer in dieses Dorf kommt, der weiß um seinen besonderen Reiz. Fast 1500 Menschen leben hier und es geht mit der friesischen Genügsamkeit zu. Für etliche Familien ist der Ort ein neues Zuhause geworden. Menschen, die dem Trubel und der Alltagshetze entfliehen wollen und eine intakte und offene Dorfgemeinschaft suchen,  sich mit der dänischen Region verbunden fühlen, die Nähe zum Meer, aber auch zu Flensburg, Leck oder Tondern schätzen.

Der Ort bietet eine Infrastruktur, die man gar nicht erwarten würde. Ganz gleich, ob Autowerkstatt, Arzt, Schule oder Kindergarten, die Kirche oder der Friseur, hier findet sich mehr als man unbedingt benötigt.

Die Holländermühle „Jenny“ auf dem Mühlenberg prägt die Silhouette, im Dorf ergänzen sich neue Häuser mit den alten und historischen Gebäuden.

Zur Gemeinde Achtrup gehören die Ortsteile Lütjenhorn, Tettwang, Büllsbüll, Schruplund, Kalleshave, Seewang und Seewangacker. Einige Ferienwohnungen sind toller Ausgangspunkt für einen Urlaub abseits des Hindenburgdammes.

Aventoft

Wo kann man noch für nur einen Euro eine Tageskarte für das Freibad erwerben? Wohlgemerkt als Erwachsener. In Aventoft, direkt an der dänischen Grenze, beweisen die Nord-Norddeutschen ihre Liebe zu Familien und Kindern auch in diesem Punkt. Ganz dänisch duzt man sich hier, das liegt mir. Und wenn ich dann mit einem Bein in Dänemark und mit dem anderen in Deutschland stehe, ist das ein weiterer Hinweis, wie Aventofter ihr weites Land verstehen. Offen und herzlich, ohne viel Worte allein mit einem knappen „moin“ ihr Lebensgefühl ausdrücken.

In der Tat, wir wussten nicht, ob wir gerade in Dänemark standen oder in Deutschland, aber das war uns in dem Moment egal. Wir haben den Ort in traumhafter Erinnerung, haben diese tiefe Ruhe und Gelassenheit in uns aufgesogen und fühlten, wie die Zeit stehen blieb. In diesem Moment war klar, wir kommen wieder, zu Weihnachten, Ostern, wann auch immer. Denn unvorstellbar ist der Gedanke, dass es hier mal nicht schön sein könnte.

Für die einen ist Aventoft mit seinem weiteren Ortsteil Rosenkranz der abgelegenste Ort Deutschlands, für Kenner einer der zentralsten Orte in Nordfriesland. Von hier aus sind die Wege gleich lang zur beliebten dänischen Insel Rømø oder an die Flensburger Förde, zu den nordfriesischen Halligen oder Inseln.

Ein besonderes Spektakel ereignet sich jährlich in den Monaten September und Oktober. Dann wird die Sonne schwarz, wenn ballettartig Abertausende Stare kunstvoll ihre Flugformationen am Himmel zeigen. Dann kommen die Vogelbeobachter und Schaulustige, um diesem einzigartigen Ereignis beizuwohnen.

Aventoft hat eine wunderschöne Kirche, die von dänischen wie von deutschen Gläubigen besucht wird. Wie toll ist das, im Glauben über Grenzen verbunden zu sein. Hier wird es spürbar. Wir freuen uns, bald wieder hier zu sein, in einer der nordwestlichsten Gemeinden auf deutschem Festland.

Bosbüll

Ich mochte es nicht für möglich halten, von Bosbüll gibt es kein einziges Foto im Internet? Das wird sich ändern, wir arbeiten daran. Denn knapp 200 Menschen, die in diesem Ort leben, fühlen sich in dieser landwirtschaftlich geprägten Grenzregion sehr wohl. Westlich der ehemaligen Ferienstraße, der grünen Küstenstraße gelegen, verläuft auch hier der Übergang von der Geest zur Marsch.

Braderup

Nein, wir meinen nicht das Braderup auf der Insel Sylt. Dieses liegt auf dem Festland, gerade einmal acht Kilometer südlich von Dänemark. Durch die Bundesstraße B 5 liegt Braderup an der Grünen Küstenstraße.

Beeindruckend und schön ist die barocke Kirche in ihrem strahlenden Weiß. Sie zeigt sich mehr im dänischen als im deutschen Stil, aber die Grenzregion ist für die Menschen hier seit jeher mehr verbindend als trennend.

Was man kaum in Bildern und Worten ausdrücken kann, ist das WIR-Gefühl der Braderuper. Für Neugeborene gibt es ein Willkommensgeld, Arbeiten im Ort werden gemeinschaftlich erledigt und die „Dienstwege“ im Ort sehr kurz gehalten. Was die 650 Einwohner durch ihr Zugehörigkeitsgefühl vollbringen, ist beeindruckend. Selbst der Neubau ihres Feuerwehr- und Gemeindehauses ist mehr Herausforderung als Last. Die Vielfalt der Gewerbetreibenden ist ein Beispiel für die Aufgeschlossenheit und Innovation dieser kleinen Gemeinde.

Süderlügum ist gleich nebenan und auch nach Leck ist es nur einen Sprung.

Bramstedtlund

Es sollte die Einzigartigkeit dieser Region und dieses Ortes unterstreichen und so gab es die Überlegung, wie eine Verwechslung zum weit im Süden gelegenen Bad Bramstedt verhindert werden könnte. Kurzum, er sollte Bramstedtlund heißen, ihn gibt es also kein zweites Mal – weder als Name noch als vergleichbaren Ort. Torf und daraus gewonnene Torfkohle, das waren früher die Arbeitsfelder der Menschen und darüber gibt es eine spannende Chronik.

Etwa 200 Menschen leben in diesem beschaulichen Ort, der zugleich auch der nördlichste Standort der Bundeswehr ist. Doch die Abzugspläne sind beschlossene Sache, dann werden weniger als 15 Soldaten im Aufklärungs- und Fernmeldewesen verbleiben.

Branstedtlund liegt nur 24 Kilometer westlich von Flensburg, gleich an der dänischen Grenze. Wie die Nachbarorte spielt auch hier die Landwirtschaft eine bedeutende Rolle. Durch den nördlichen Teil von Bramstedtlund führt die berühmte Grenzstraße.

Dagebüll

Zum Abschluß meines Schulbesuches standen 14 Tage Wik auf Föhr auf dem Programm. Auf den Wagen der Eisenbahn stand das Schild: Köln–Dagebüll. Von dort sollte es weiter nach Föhr gehen. Und so wie mir geht es wohl vielen, sie verbinden Dagebüll mit der Fährverbindung zu den Inseln Amrum und Föhr.

Dabei ist es durchaus schön, Halt zu machen in Dagebüll, der ehemaligen Hallig, die heute mit den Ortsteilen Juliane Marienkoog, Fahretoft, Waygaard und Dagebüll eine Gemeinde bildet.

Dagebüll erfindet sich im Tourismus neu und so entstehen in Hafennähe zahlreiche Ferienhäuser und Unterkünfte, unweit davon befindet sich der alte Ortskern. Entlang des Deiches fallen auf der Wattseite die vielen bunten Holzbuden auf, hier machen die Menschen also Urlaub vom Alltag. Ein langer, grüner Badestrand mit installierten Duschen liegt vom Hafen nur zwei Minuten entfernt.

Ein alter Leuchtturm, kaum über den heutigen Deich reichend, ist zu einem ausgefallenen Hotel für zwei Personen geworden. An ihm führen die Gleise für die Lorenbahn vorbei, die über einen Damm zur Hallig Oland und Langeneß führt.

Im Hafenbereich liegt die Tourist-Information, aber auch kleine Läden und Lokale laden zum Verweilen ein. Etwas außerhalb und doch unübersehbar ist der Ortsteil Dagebüll–Kirche. Auf einer Warft steht sie, die schlichte, schieferbedeckte Backsteinkirche. Dagebüll war ja mal eine Hallig und die ehemalige Hallig zeigt sich genau hier. Auch die Kirchwarft ist umgeben von weiteren Warften, erst durch Landgewinnung und Eindeichungen entstand Dagebüll Hafen. Die St. Dionysius-Kirche wurde im Jahr 1731 errichtet, der Turm folgte erst 1909 an die Westmauer angesetzt. Hier kommt eine der ältesten Kirchglocken aus Schleswig-Holstein zum Klingen, die Glocke stammt aus dem Jahr 1584.

Ellhöft

Wie bringt man Naturschutz, Erholungsgebiete und Ferien auf dem Bauernhof mit einem Bürgerwindpark in Einklang? In Ellhöft hat man sich darüber viele Gedanken gemacht und einen guten Weg gefunden. In diesem kleinen Dorf mit nur etwa 100 Einwohnern entstanden durch einen innovativen Windpark neue Wegeführungen mit Bänken und Zonen zum Verweilen und ein richtiges Naherholungsgebiet. Nun ist die ganze Region ein unbeschreibliches Erholungsgebiet, aber dieser Ort vermittelt einen besonderen Reiz. Schon in der Steinzeit siedelten hier Menschen, also wusste man sehr früh, dass es sich hier gut leben lässt.

Ellhöft liegt direkt an der dänischen Grenze und die beliebte Grenzstraße führt durch diesen Ort.

Emmelsbüll-Horsbüll
Horsbuell

Horsbüll | © weites.land

Vom Norden kommend immer den Deich entlang, die schmale Straße durch die flachen Felder, bis der Kirchturm hinter dem Deich auftaucht, dann nur noch die schlängelnde Straße über den Deich und schon sind wir in Horsbüll.

Na ja, von Weitem hatten wir den Kirchturm im Blick und vermuteten eine einsame und doch so große Kirche mitten in der Natur, abseits jeglicher Zivilisation. Doch dann fuhren wir über den Innendeich und dieses beschauliche Dorf breitete sich vor uns aus. Schön, einfach schön ist es hier, der Nationalpark Wattenmeer, also die Nordsee mit Ebbe und Flut, sie sind gleich nebenan. Lust macht es, anzuhalten und auszusteigen, den Geist des Dorfes um die Nase wehen zu lassen, die Augen zu schließen, innezuhalten und verstehen, warum es Menschen gibt, die gerade hier wohnen.

Man spürt den eigenen Puls, man fühlt die Langsamzeit und dann kommt die Sehnsucht nach genau so einem Ort wie diesem. Zwei wunderschöne und beeindruckende Kirchengebäude bilden das Ortsbild, da ist die Marienkirche in Horsbüll und die weiße Rimbertikirche mit ihrem hölzernen Turm in Emmelsbüll. Auch eine kleine katholische Gemeinde hat ihre Mitglieder in diesem Ort.

Am 01. Februar 1974 schlossen sich das Straßendorf Emmelsbüll und die Streusiedlung Alt-Horsbüll mit den Ortsteilen Neu-Horsbüll, Humwerthusum und Diedersbüll zusammen und sind heute das Zuhause für etwas mehr als 900 Einwohner.

Unweit am Deich befindet sich die kleine und schön angelegte Badestelle nahe des Schöpfwerkes Südwesthörn.

Enge-Sande

Enge-Sande hat ein Freibad. Das ist schon besonders in der Region. Mit fast 1.100 Einwohnern gehört Enge-Sande zu den größeren Orten im Amt. Enge-Sande befindet sich am beliebten westlichen Ochsenweg. Vier Kilometer dieses Fernwanderweges liegen am nördlichen Rand des Gemeindegebietes, die Petersburg im Langenberger Forst war früher Ort eines Gasthauses und heute ein gern angenommener Rastplatz und Treffpunkt für Wanderer und Radfahrer in dieser gewaltigen Natur.

Der Langenberger Forst ist der größte Wald in Schleswig-Holstein und umfasst eine Fläche von etwa 1000 Hektar. Er liegt zwischen den Gemeinden Leck, Stadum und Enge-Sande. Hier sind zahlreiche Wander- und Reitwege ausgewiesen. Und dann war da ja noch etwas mit den Bergen in unserem schönen Bundesland. Hier im Langenberger Forst ist die drittgrößte Erhebung Nordfrieslands mit echten 45 Metern zu finden.

Enge-Sande hat eine dieser typischen und schlichten Hallenkirchen, sie stammt aus dem 13. Jahrhundert. Geweiht ist sie Katharina von Alexandrien. Anfang des 17. Jahrhunderts wurde die Kirche umgebaut, die Decke mit Holz verkleidet. Auf ihr wurde der Ort Enge-Sande gemalt und ein Bild aus der biblischen Geschichte des vierfältigen Ackers.

Friedrich-Wilhelm-Lübke-Koog

Es war die letzte große Deichbaumaßnahme nach dem Zweiten Weltkrieg, als der 8.500 Meter lange Deich um den heutigen Friedrich-Wilhelm-Lübke-Koog gezogen wurde. Dies war auch die letzte große Aktion zur Landgewinnung. Normalerweise hat das Land man zum Deichbau lange Zeit zuvor vorbereitet, hier setzte man den Deich mitten ins Wattenmeer. Etwa 1000 Arbeiter versuchten, vor Einbruch der Sturmperiode den Deich zu schließen. Doch in einer Sturmflut vom 16. auf den 17. September 1954 wurde großer Schaden angerichtet und ein großer Teil der Baumaterialien wieder ins Meer gezogen. Mit vielem und unerbittlichem Einsatz der Menschen konnte der Deich dann am 21. Oktober geschlossen und das gewonnene Land in den nächsten Jahren entwässert werden.

Heute leben im Friedrich-Wilhelm-Lübke-Koog 177 Menschen, die die verbliebenen Höfe zum Teil in der dritten Generation führen und überwiegend von Landwirtschaft und den Windanlagen leben.

Ein technisches Denkmal, wie es nur an einer Küste zu finden ist, ist der Tassenpegel. In einer Vorrichtung sind Tassen gestapelt. Nach einer Sturmflut sieht man anhand der gefüllten Tassen den höchsten Wasserstand.

Galmsbüll

Viel Land und wenig Einwohner, so sieht eine nordfriesische Siedlung aus. Gleich hinter dem Deich leben etwa 625 Menschen auf 49 Quadratkilometern.

Zwischen Dagebüll und Niebüll gelegen, bildet der Ortsteil Neugalmsbüll den Kern der Streusiedlung. Hier steht sie, die imposante und gern genutzte Kirche. Groß ist sie für diesen kleinen Ort und zeigt, wie wichtig Gemeinschaft für die Bewohner ist.

Galmsbüll ist einer der Beispiele, wie sich die Küstenlandschaft entlang der Nordsee immer wieder auch in jüngster Zeit verändert hat. Denn: Galmsbüll war mal eine Hallig. Sie war größer als die Hallig Oland und diente bis 1782 als wichtgstes Abbaugebiet für das wertvolle Salz. Schon im 13. Jahrhundert wurde die Hallig Galmsbüll erwähnt.

Durch Eindeichung und Landgewinnung rückte Galmsbüll nun hinter den Deich und besteht heute aus fünf Kögen. Dazu gehört der Alte Christian-Albrechts-Koog, der Neue Christian Albrechts-Koog, der Kleiseer Koog, der Marienkoog und der Galmsbüllkoog. Auf dem Alten Christian-Albrechts-Koog befinden sich einige Höfe, auf dem dortigen Hof Magelmehl wurde im Jahr 1970 der Roman „Deutschstunde“ von Siegfried Lenz verfilmt.

Schon um 1462 soll es eine Kirche in dem Ort gegeben haben, doch schwere Sturmfluten zerstörten diese immer wieder oder beschädigten sie derart, dass sie abgetragen und wieder aufgebaut wurde. Wie wenig Mittel standen den Menschen damals für einen solchen Bau zur Verfügung und wie wichtig war es ihnen, eine Kirche im Ort zu haben. Beachtlich. Und heute?

Auf jeden Fall baute man die heutige St. Gallus-Kirche in den Jahren 1890–1891. Einmalig in ganz Nordeuropa ist ihr Sgraffito-Putz. Aus der alten Halligkirche wurde der Kronleuchter gerettet und integriert. Der Taufstein aus Granit entstammt der Kirche in Rickelsbüll. Ewald Dittmann tat als Pastor in dieser Kirche bis 1932 seinen Dienst und war Mitglied der Bekennenden Kirche. Durch die Nazis wurde er deswegen im Jahr  1945 ermordet.

Galmsbüll spiegelt das Leben und den Alltag der Menschen wie kein anderer Ort wider. Vom Leben mit Ebbe und Flut, von Verlust und Neubeginn, von einer Umgebung der Kreativität erzählt diese Landschaft mit ihren herzlichen Menschen, der Landwirtschaft und der Kunst. Einige Ferienwohnungen laden ein zu einem erlebnisreichen und erholsamen Urlaub hier, in Galmsbüll.

Holm

Holm steht übersetzt für „Insel“ und so stellt sich die Frage, wie dicht einmal die Nordsee in der Vergangenheit hier war. Nur fünf Kilometer sind es in westlicher Richtung nach Niebüll und, obwohl nur 77 Einwohner, ist Holm bisher eine eigenständige Gemeinde geblieben. Ja, die Nordfriesen, sie haben ein starkes Heimatgefühl und auch in diesem Ort wird viel in Eigenregie getan. Denn eines wollen die Holmer: eigenständig bleiben.

Humptrup

Gerade einmal drei Kilometer südlich der dänischen Grenze liegt dieser alte Ort mit seinen etwa 725 Einwohnern. Sogar eine dänische Schule gibt es hier, denn in der Grenzregion wird sich gerne mehrsprachig unterhalten. Die Menschen pflegen gute Kontakte dies- und jenseits der deutsch-dänischen Grenze, genauso selbstverständlich sind gemeinsame Feuerwehreinsätze.

Diese schöne Umgebung mit ihrem so erholsamen Nordseeklima bietet beste Voraussetzungen für einen tollen Urlaub, zum Beispiel auf dem Bauernhof. Denn näher kann man den Menschen dieser Region kaum kommen, die geprägt ist vom Wattenmeer, von den Winden und Stürmen, der flachen Landschaft und der dänisch-deutschen Kultur.

Humtrup liegt etwa auf einer Linie zwischen Süderlügum und Niebüll.

Karlum

Kommt man vom Norden nach Niebüll, könnte man das kleine Dorf mit seinen etwa 210 Einwohnern wörtlich genommen links liegen lassen, aber man würde etwas verpassen, deswegen biegen wir ab und entdecken: Karlum.

Von Niebüll sind es weniger als 10 Kilometer und der Ort ist ein Beispiel dafür, wie verstreut die Orte im nördlichen Nordfriesland im Amt Südtondern liegen. Möchte man Südtondern entdecken, dann sind es gerade diese kleinen Dörfer, die etwas von der Seele dieser Region erzählen.

Am Ortsrand dieser kleinen Gemeinde steht seit etwa 1200 die bezaubernde St.Laurentius-Kirche. In ihrem Turm schwingen die ältesten Glocken des Landes. Umgeben von der melancholischen Landschaft, die schon den in der Nachbarschaft geborenen und wirkenden Emil Nolde inspirierte, gehört Karlum zu der Region Deutschlands mit den glücklichsten Menschen.

Klanxbüll

Bombüll, Dreeckskoog, Osterklanxbüll, Westerklanxbüll– sie zusammen ergeben Klanxbüll. Der Ort ist Sylturlaubern ein Begriff, die ohne Auto auf die Insel wollen. Denn Banhhof Klanxbüll ist der letzte Halt vor der Insel Sylt.

Der Bahnhof entstand mit dem Anschluss an die Marschbahn im Jahr 1921. Nur wenige Jahre später im Jahr 1927 wurde der Hindenburgdamm fertiggestellt und damit der Anschluss nach Sylt. Um den Bahnhof entwickelte sich zunehmend ein neues Dorfzentrum.

Klanxbüll ist heute vor allem für Menschen ein neuer Wohnort, die auf Sylt arbeiten und dort die horrenden Mieten nicht mehr aufbringen können und wollen. Von Klanxbüll erreichen sie in wenigen Minuten grünes, flaches und weites Land, und, wie in allen Orte an der Westküste, genießen sie hier die längsten Sonnenuntergänge. Denn nur am Meer verschwindet die Sonne auch wirklich erst, wenn sie hinter dem Meer verschwindet.

Was auf den friesischen Inseln oft vorzufinden ist, ist auf dem Festland und damit in Klanxbüll einmalig, eine reetgedeckte Kirche. Aber auch die Innengestaltung ist einzigartig. Die Ursprünge des Gebäudes reichen bis in das 13. Jahrhundert zurück. Interessante Informationen gibt es unter reetgedeckte kirche klanxbüll.

Eine weitere und einzigartige Idee ist das Kulturzentrum Charlottenhof. Der historische Vierseitenhof dient heute als Treffpunkt für Lesungen, Konzerte, Ausstellungen oder Märkte. In diesen Räumen können beispielsweise auch Tagungen oder Seminare gebucht werden. Sowohl für Touristen als auch für die fast 1000 Einwohner des Ortes lohnt sich daher ein regelmäßiger Blick unter kulturzentrum charlottenhof klanxbüll.

Klixbüll

Klixbüll ist das zweitälteste Dorf in Nordfriesland. Etwa 1000 Einwohner wissen um den historischen Wert des Ortes, denn viele reetgedeckte Gebäude und auch die Kirche haben ihre Wurzeln im 12. Jahrhundert.

Die Klixbüller wissen auch, die gute Seeluft zu schätzen und sie haben, wie die Nordfriesen ja im Besonderen, Erfahrungen mit dem Klima und seinen unbändigen Auswüchsen über die lange Zeit sammeln können. Es war ihnen ein Anliegen, Vorreiter in Bezug auf Lösungsansätze zu sein. Klixbüll kann stolz darauf sein, heute durch den Energiemix CO2–neutral aufgestellt zu sein. Durch eigene Stromerzeugung werden 40 Megawatt mit den Windmühlen erzeugt.

So kann sich Klixbüll auch den Luxus eines beheizbaren Freibades leisten, das über die Sommermonate hinaus in Betrieb ist.

Mehr WIR als ICH, das haben sich die Klixbüller bewusst und offiziell auf die Fahnen geschrieben, da liegt es nicht fern, dass der Ort den Lebensqualitätscheck mit Bestnoten bestanden hat. Ein dichtes Radwegenetz bietet sich für die aktiven Naturliebhaber und CO2-neutralen Entdecker an, die Gastgeber haben die vielfältigsten Angebote für Ausflüge oder Übernachtungen parat. Schnell ist man von hier aus am wunderbaren Deich und für einen Tagesausflug unkompliziert mit der Bahn auf Sylt.

Ladelund

In Ladelund gibt es einen Ort, an dem wird es still. Ganz still. Es ist ein Ort der Erinnerung, ein Ort des Gedenkens und ein Ort der Versöhnung. Hier, in Ladelund, befand sich eines von 1000 Konzentrationslagern für politische Gefangene. Grausam ging es zu. Misshandlungen, Hunger, Kälte forderten mehr als 300 Opfer.

In Ladelund war es den Menschen sehr früh ein wichtiges Anliegen, ihnen zu gedenken und zukünftige Generationen wachzurütteln, damit so etwas nie wieder passiert. So wurde der Ort des Verbrechens schon kurz nach dem Krieg zur Gedenkstätte und ist damit die älteste in Deutschland. Es ist berührend, sich mit diesem Teil der Geschichte auch in Nordfriesland auseinanderzusetzen. Informationen zur Gedenkstätte gibt es unter kz-gedenkstätte ladelund.

Nun besteht Ladelund nicht ausschließlich aus der Gedenkstätte, aber so ein Ort hat es verdient, im Zentrum zu stehen statt hintenan.

So fröhlich wie die 1400 Einwohner Ladelunds sind, so ernsthaft sind sie eben auch. Ladelund befindet sich direkt an der dänischen Grenze, ist landwirtschaftlich geprägt und liegt fast zentral zwischen Nord-und Ostsee. Ein romantisches aus Quellen gespeistes Naturbad und eine waldreiche Umgebung machen den Reiz dieses Ortes aus.

Ein kleines Dorfmuseum in einer alten Stellmacherei bringt die Geschichte des Ortes mit ihrem Handwerk und der Landwirtschaft näher. Eine fünfteilige Chronik ergänzt das Museum. Das Dorfmuseum in der Westerstraße hat vom 01. Mai–31. Oktober jeden Mittwoch von 14.00 Uhr bis 18.00 Uhr geöffnet.

Leck

Die berühmten Harry-Potter-Bücher wurden hier gedruckt und zahlreiche Bände des RoRoRo-Verlages. Das ist ein Beispiel für Qualität aus Leck, der lebendigen Gemeinde zwischen Flensburg und Niebüll.

Doch leider versteht auch die Gemeinde nichts von Familienpolitik, wenn sie den Muttertag ganz stolz zum verkaufsoffenen Sonntag erklärt. Wie viele Mütter müssen an einem solchen Tag arbeiten, anstatt diese Zeit einmal ungestört mit ihrer Familie verbringen zu dürfen.

Schade, denn gerade solche Vorkommnisse machen auch die Seele und das Denken und Handeln eines Ortes sichtbar. So macht es wenig Lust auf diesen Ort.

Lexgaard

Ist Lexgaard ein Ort mit der größten Gemeindeversammlung oder ein Ort der vom Aussterben bedroht ist? Hier leben 57 Einwohner und so wurde beschlossen, dass es keine Gemeindevertretung mehr gibt, sondern Beschlüsse in einer Gemeindeversammlung gefasst werden, der alle Dorfbewohner angehören. Aber vielleicht ist es genau das, was diesen Ort an der grünen Küstenstraße ausmacht.

Doch leicht hat es der Ort nicht. Die Windpark-Lobby setzt ihnen zu, schürt Ängste und umzingelt das kleine Dorf mit riesigen Anlagen der Nachbargemeinden. Machtlos müssen sie mit ansehen, wie die Immobilien an Wert verlieren und der Naturschutz für die gefiederten Freunde aus Profitgier  ausgehebelt wird. Dabei mag man sich gar nicht vorstellen, dass eine grüne Partei an der Landesregierung beteiligt ist. Hier wirft die Windkraft lange Schatten auf unser weites Land.

Neukirchen

In Neukirchen ist es so schön, dass die traumhafte Landschaft zwei Künstler derart inspirierte, dass sie zu Weltruhm gelangten. Die Familie des ersten deutschen Nobelpreisträgers für Literatur, Theodor Mommsen, bewirtschaftete  300 Jahre lang den Hof Nordhülltoft mit dem heutigen Namen Seebüll. Sie verkaufte ihr Anwesen an den Künstler Emil Nolde im Jahr 1925, der auf dem Hof seine Lebensmitte fand und sich leidenschaftlich der Malerei widmen konnte. Seine Bilder sind geprägt von der hiesigen Landschaft. Auf dem Anwesen befindet sich heute das Noldemuseum und der Garten des Künstlers.

Die Marschlandschaft mit der landschaftlich geprägten Umgebung ist Heimat für 1.300 Menschen. Siele und Kanäle ziehen durch die Landschaft, über ihr ein Himmel, der immer wieder Emil Nolde zu neuen Motiven inspirierte. In der Nähe zeigt sich von Natur umgeben fast melancholisch der Gotteskoogsee. Spiegelglatt kann er sein und dann reflektiert er die immer wechselnden Farben und Strukturen der Weite des Himmels.

Über ihr Leben, ihre Entwicklung, ihre Gemeinschat berichtet ein kleines Freilichtmuseum. Hier wird auch die für die Region so elemantare Deichbaugeschichte greifbar, die bis tief ins Landesinnere Einfluss nimmt.

Niebüll

Niebüll ist das Sprungbett auf die Insel Sylt. Hier liegt der Bahnhof, die Autoverladeanlage und  so ist das erste Etappenziel für die Inselurlauber eben Niebüll. Was die Menschen verpassen, wenn sie diese Stadt links liegen lassen, würde ihnen bewusst werden, wenn sie einen Tag an diesem Ort verweilen würden.

Niebüll war einst Heimat der realen Figur von Klein Erna. Kennen Sie die „Klein-Erna-Witze“? Ein reales Missgeschick bei der Schiffstaufe, als die Erna die Sektflasche warf und diese sicht zerbrach, war Anlass für diesen Humor, der sich durch die ganze Republik gezogen hat.

Niebüll ist eine Stadt und sie ist Sitz des Amtes Südtondern. Niebüll ist auch Luftkurort. Die wachsende Kleinstadt hat etwa 10.000 Einwohner, die Nähe zu den Inseln, zu Dänemark und zur Nordsee, aber auch ihr Angebot, machen sie so begehrt. Kommt man von der Bundesstraße, so empfängt einen zunächst das große Industriegebiet. Das kann man links liegen lassen oder auch ruhig mal durchfahren. Hier gibt es zahlreiche Einkaufsmöglichkeiten, eine persönliche Empfehlung ist das Niebüller Backhaus.
Eine moderne Bäckerei mit eigener, typischer Gastronomie, wie es mit seinem Angebot kaum Vergleichbares gibt. Hier bekommt man noch echte Butterbrote und unzähligen Varianten.

Im ehemaligen und mittlerweile denkmalgeschützten Rathaus befindet sich das Richard Haizmann Museum. Der gleichnamige Tierplastiker, Maler und Bildhauer zog sich im dritten Reich von Hamburger Großstadtleben ins beschauliche Niebüll zurück und blieb hier bis zu seinem Tod. Neben der Ausstellung seiner Werke laden regelmäßig Ausstellungen zeitgenössischer Kunst in diese Räume ein.

Das Friesenmuseum im Osterweg erzählt vom Leben auf dem Hof in dieser Umgebung. Im restaurierten Hofgebäude, einem typischen Langhaus, befinden sich zahlreiche bäuerliche Einrichtungen, aber auch regelmäßige Ausstellungen und eine Kerzenzieherei.
Informationen gibt es unter friesenmuseum niebüll.

In der Hauptstraße informiert das Naturkundemuseum über die Flora und Fauna der Umgebung. Steilküse, Marsch oder Köge, Heide, Moor oder Wald – auf spannende Art wird der Zusammenhang von Tieren im Wasser, auf dem Land und in der Luft nähergebracht. Die Informationen sind selbstverständlich in Dänisch und Deutsch, vielleicht macht es ja Lust, ein paar Worte der anderen Sprache für den nächsten Dänemark-Urlaub zu üben. Auch, wenn die Dänen der Region meist deutsch sprechen- das mach Spaß und kommt gut an – aus eigener Erfahrung. Informationen zum Thema gibt es unter naturkundemuseum niebüll.

Niebüll sorgt mit seinem Hallenbad, dem Naturfreibad und mehr als 20 Bolz- und Spielplätzen für ausreichend Bewegung in seinem Luftkurort. Weitere Informationen gibt es unter niebüll.

Risum-Lindholm

Risum-Lindholm muss man nicht, sollte man aber kennen. Ein kleiner Ort, der schnell durchfahren wird, möchte man von Husum über die B 5 nach Niebüll. Denn die Straße führt durch den Ort. Immerhin, hier leben mehr als 3.500 Menschen, nur bekommt man sie selten zu Gesicht. Denn Risum-Lindholm besteht aus den Ortsteilen Maasbüll, Risum, Lindholm, Klockries, Wegacker, Kremperhaus, Legerade und Herrenkoog. Da sich Risum-Lindholm über einige Kilometer Länge erstreckt, werden dann auch die Namen der Ortsteile genannt, um sich zu orientieren.

Die Umgebung ist flach und von vielen Entwässerungsgräben durchzogen und durchweg landwirtschaftlich geprägt. Der Ortskern selbst ist ein schöner, von historischen und malerischen Gebäuden gestaltet. Viele Handwerksbetriebe haben sich in diesem hübschen Ort niedergelassen, weil er in günstiger Lage nach Husum, Niebüll und auch Flensburg liegt.

Das großzügig angelegte Dorf lässt fast keine Wünsche offen. Schulen, zahlreiche Vereine, eine Reitsportanlage und ein romantisch gelegenes Freibad sind einige Beispiele für die Lebensqualität. Risum-Lindholm hat durch seine Art schon ein gewisses Alleinstellungsmerkmal im Amt Südtondern.

Rodenäs
Der Deutsch–Dänische Deich

Der Deutsch–Dänische Deich | © weites.land

Rodenäs hat sich einen Namen gemacht. Zum einen als das Duz-Dorf, denn hier duzen sich alle, die benachbarten Dänen sowieso. Mit dieser unverkrampften Fröhlichkeit und Offenheit ging Rodenäs durch die Medien und damit einhergehend konnte jeder erfahren, dass dieses Dorf auch zugleich die nordwestlichste Gemeinde auf deutschem Festland ist. Die Schlagbäume nach Dänemark stehen immer offen, doch, wie in solchen Gebieten ist man beidseits der Grenze sehr wachsam.

Das ändert aber nichts an dem nachbarschaftlichen und herzlichen Miteinander von Dänen und Deutschen. Denn wo gibt es schon eine Straße teilweise auf deutschen Boden mit dänischen Verkehrsschildern? Sie führt mitten durch das gemeinschaftliche Naturschutzgebiet, Rickelsbüller Koog heißt er auf deutscher, Margrethe Kog auf dänischer Seite.

Am Ende wartet der Deich, auch eines der gemeinsamen Projekte von Deutschen und Dänen und ein zweisprachiger Gedenkstein erinnert an diese Gemeinschaft beim Deichbau.

Dabei können die Rodenäser viel mehr als diese beiden Sprachen, was gar das Interesse von Sprachwissenschaftlern weckte. Die Universität Kopenhagen fand bei einer Untersuchung im Jahr 1970 heraus, dass 28 % der Einwohner hochdeutsch, plattdeutsch, friesisch, standarddänisch und südjütisch sprachen und somit fünfsprachig waren. Aber immer mehr setzt sich das Hochdeutsch durch, auch, wenn es Bestrebungen gibt, Dialekte und Verschiedensprachigkeit zu fördern.

Sprakebüll

In Sprakebüll, dem kleinen Dorf mit gerade einmal 235 Einwohnern, sieht man eigentlich donnerstags schon, wer sonntags zu Besuch kommt. So flach ist es hier. Der Wind geht über die Weiden und Felder, die Tiere sind zum Teil ganzjährig auf den Koppeln, denn die Menschen haben einen besonderen Bezug zu ihren Tieren. Wenn sie schon für unsere Ernährung herhalten müssen, sollen sie es eben so gut wie möglich haben.

In diesem Umfeld bietet sich ein Urlaub auf dem Bauernhof bei Familie Nissen oder auf dem Andresenhof förmlich an. Einmal so richtig mit auf dem Trekker fahren, beim Melken zuschauen und mit dem Fahrad die erholsame Umgebung anschauen, das bleibt bei einem Urlaub hier unvergesslich. Aber auch Ferienwohnungen stehen in diesem Ambiente zur Verfügung und sind ein toller Ausgangspunkt für Touren ins nahe gelegene Dänemark oder an die Nordsee.

Stadum

Im kleinen Ort Stadum träumte einer davon, König von Deutschland zu sein. Auf seinem Fresenhof, dem denkmalgeschützten und mehr als 250 Jahre alten Gebäude verkündete er die freie Republik Fresenhagen. Der Frontmann der Gruppe Ton–Steine–Scherben, Rio Reiser, war hier zu Hause und startete von Fresenhagen, dem Ortsteil von Ladelund, seine erfolgreiche Karriere. Selbst der berühmte Fotograf Jim Rakete besuchte ihn in dieser Umgebung für Portraitaufnahmen. Wo Rio Reisers  Karriere als Musiker, Autor und Schauspieler begann, endete sie auch, leider viel zu früh. Am 20. August 1996 starb er auf seinem Gut im Alter von nur 46 Jahren. Heute hat das Gebäude seinen Besitzer nach wechselvoller Geschichte gewechselt und sieht nun einer neuen Zukunft entgegen. Rio Reiser jedoch bleibt in Erinnerung daran, wie viel Spirit, Kreativität und Ausstrahlung vom nördlichsten Nordfriesland weit über alle Grenzen ausgeht.

Stadum mit seinen etwa 1000 Einwohnern ist ein östlich gelegener Nachbarort von Leck  und hat erstaunlich viel zu bieten. Mit seiner Nähe zum Ochsenweg treffen sich hier Wanderer und Radfahrer. Ein eigenes Freibad hat Stadum, auch das ist heute schon eine lobenswerte Ausnahme. Die Lage des Ortes ist toll, es liegt an der B 199 zwischen Handwitt bei Flensburg und Niebüll und ist ein idealer Ausgangspunkt zum Entdecken der Grenzregion.

Stedesand

Stedesand mit seinen weiteren Ortsteilen Wester-Schnatebüll und Störtewerkerkoog liegt direkt an der Bahnstrecke Hamburg–Westerland und an der Grünen Küstenstraße. Seit dem Jahr 1482 soll es den Ort schon geben.

Flach ist es hier und das Umland, überwiegend landwirtschaftlich geprägt, ist von geradlinigen Entwässerungsgräben und Sielen umgeben. Im Ort selbst mit seinen etwa 900 Einwohnern findet ein reges und vielfältiges Vereinsleben statt. Auch junge Menschen aus dem Flensburger Umland zieht es immer öfter ins ländliche und doch zentral gelegene Stedesand.

Eines der imposantesten und ältesten Gebäude ist die Kirche. Sie ist in der für diese Region typischen Hallenbauform aus Backstein gebaut und hat neben dem Gebäude ihren hölzernen Glockenturm. Der Taufstein stammt aus gotländischem Kalkstein und ist identisch mit dem Taufstein der Emmelsbüller Kirche.

Die Stedesander wissen, wie man feiert. Und so gibt es in diesem Ort alleine drei Lokale, die weit über ihre Grenzen bekannt sind und mit vielfältigen Programmen einladen.

Süderlügum

Süderlügum glaubten wir zu kennen. Wie oft sind wir schon durch diese Gemeinde gefahren. Gern nehmen wir die Grenzstraße, fahren durch die kleinen Orte und biegen dann in Süderlügum nach Dänemark ab. Vorbei geht es dann an den zahlreichen Geschäften des Grenzhandels, die sich mit ihren großen plakativen Werbeschildern einen regelrechten Wettbewerb liefern. Ja, wir kennen Süderlügum. Dachten wir. Bis wir einfach mal anhielten, ausstiegen und auf Entdeckertour gingen. Und genau das lohnt sich.

Drei Fernrad- und Wanderwege treffen sich hier, die Grenzroute, welche die historische Grenze zwischen Dänemark und Deutschland beschreibt, der Nordseeküstenradweg und der Nord- Ostsee-Radweg. Zudem führt die ehemalige Ferienstraße, die Grüne Küstenstraße, durch Süderlügum.

Im nordwestlichen Teil des Ortes liegt das schöne Naturschutzgebiet Poßberg mit seiner vielfältigen Landschaft und einer Besonderheit – den Binnendünen von Süderlügum. Als käme gleich hinter diesen Dünen das Meer, so bilden sie hier eine sandige und hügelige Heidelandschaft mit schmalen Wegen und Pfaden. Mittlerweile halten wir hier regelmäßig und vertreten uns in dieser Umgebung für einen Moment die Beine und halten inne.

Die Marienkirche in Süderlügum ist eine echte Schönheit, so, wie ein Gotteshaus eben sein soll. Sie entstand schon um 1200, wurde aber dann um 1500 in ihrer jetzigen Form umgebaut. Ihr Glockenturm steht gleich nebenan. Das findet man häufig in der Region. Jüngst hat ein wohlhabendes Ehepaar aus Dankbarkeit für ihr langes Leben dieser Kirche eine neue Orgel gespendet, aus der berühmten dänischen Manufaktur Marcussen & Son. Es ist ein ganz besonderer und unvergesslicher Moment, diese Orgel während der Gottesdienste oder während eines Konzertes zu hören.

Aber was hat es eigentlich mit diesem Ort auf sich, woher kommt der Name? Lügum lässt auf einem Zugang zu den Gewässern schließen und richtig, Süderlügum hatte bis ins 16. Jahrhhundert einen Zugang zur Nordsee. Auch der westliche Ochsenweg, von Jydland in den Süden nach Altona verlief durch die Gemeinde. Die Grüne Küstenstraße folgt diesem Weg. Mehr als 2.300 Einwohner wissen die Lage Süderlügums zu schätzen, der Weg ins dänische Tondern oder nach Esbjerg ist kurz, ebenso sind Niebüll, die Inseln und die Stadt Flensburg in gut erreichbarer Nähe. Das Angebot von Süderlügum gleicht durchaus einer Kleinstadt.

Es lohnt sich, abseits der Durchgangstraße Süderlügum zu entdecken mit seinen schönen Gebäuden, Gärten und Brunnen. Wer nach Dänemark möchte, bekommt hier schon mal ein Vorgefühl, denn im Herzen der Menschen ist ihnen die Grenze fremd und die Nachbarschaft des jeweils anderen Landes herzlich und offen.

Tinningstedt

In Tinningstedt spürt man die Power seiner knapp 260 Einwohner. Sie wissen um den Wert ihrer Gemeinde und engagieren sich als solche stark im Umwelt- und Naturschutz. Beispielhaft ist Tinningstedt vorangegangen, hat einen 25 Hektar großen Mischwald aufgeforstet, mehr als stolze 112.000 Bäume angepflanzt und nicht weniger als 64 Biotope angelegt. In diesem Umfeld lieben die Tinningstedter ihr Dorf mit den reetgedeckten Gebäuden und ihren typischen Friesenwällen. Die ehemalige Schule ist heute der Treffpunkt als umgebautes Dorfgemeinschaftshaus.

Uphusum

Uphusum ist ein weiterer Ort nahe der Grünen Küstenstraße. Sehr beschaulich, mit weniger als 400 Einwohnern, liegt das Dorf in erreichbarer Nähe zur dänischen Grenze. Seit 2007 hat die Bahn hier wieder einen Haltepunkt eingerichtet, zuvor war der bestehende Bahnhof geschlossen worden. Uphusum liegt an der Bahnstrecke Niebüll–Tondern.

Westre

Ein kleines Dorf mit weniger als 400 Einwohnern liegt gleich an der dänischen Grenze. Viel Land und wenige Menschen, so spürt man hier die landwirtschaftliche Prägung von Westre. Auf dem Gemeindegebiet stehen die zu den größten Windrädern gehörenden Anlagen als erfolgreiche Bürgerwindparks. Sie werden hier im Betrieb getestet und immer wieder modifiziert.

Durch Westre führt auch der Grenzweg als Rad- und Wanderstrecke durch die abwechslungreiche Landschaft. Eine weitere Besonderheit ist das 18 Hektar große Schwarzberger Moor, welches schon 1966 renaturiert wurde und heute ein einzigartiges Naturschutzgebiet darstellt. Es gehört zu den atlantischen Hochmooren mit Niedermoor- und Heideflächen. Imposant und faszinierend treten die Binnendünen hervor.

Von Westre sind es nach Niebüll gerade einmal 13 Kilometer, die Stadt Flensburg liegt nur 30 Kilometer entfernt.

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