Grenzlandprojekte

Stacheldraht im Kopf – Der dänische Grenzzaun kommt

Der Grenzzaun kommt. Wird die Grenze zwischen Dänemark und Deutschland abgeriegelt? | © weites.land
Der Grenzzaun kommt. Wird die Grenze zwischen Dänemark und Deutschland abgeriegelt? | © weites.land
Unter dem Vorwand, die Schweinepest in Dänemark zu verhindern, entsteht entlang der dänisch-deutschen Grenze ab Herbst ein durchgehender Grenzzaun. Entscheidend für den Beschluss dürfte wohl in nicht unerheblichem Maße auch der Einfluss der Rechtspopulisten sein.

Über 70 Kilometer lang soll er werden, anderthalb Meter über die Erde und einen halben Meter unter die Erde gehen. An nötigen Öffnungen wie den kleinen Grenzübergängen sollen Tore installiert werden. Bis weit ins Wattenmeer auf der westlichen Seite und 40 Meter in die Flensburger Förde hinein auf der östlichen Seite soll die Abtrennung reichen.

Dabei gibt es derzeit keinen einzigen Fall der afrikanischen Schweinepest in Deutschland. Auch war es der dänischen Regierung offenbar nicht gelegen, gemeinsam mit Schleswig-Holstein eine Lösung zur Gefahrenabwehr bei einem Krankheitsausbruch zu verhindern.

Richtig ist, dass die Gefahr einer Ausbreitung der Schweinepest nach Deutschland real ist. Dabei sollte man aber beachten, dass das geringste Risiko als Überträger von den Wildschweinen direkt ausgeht. Als hohe Infektionsrisiken bewertet das auch von dänischen Politikern gerne zitierte Friedrich-Loeffler-Institut die Übertragung durch mangelnde Hygiene an entsprechenden Fahrzeugen, durch unachtsam entsorgte Lebensmittel und das vor allem entlang der Fernstraßen. 

So ist es schon lange untersagt, rohes Fleisch nach Dänemark einzubringen, schon gar nicht sollte man seine Wurstbrote in die Landschaft werfen oder in offene Mülleimer. Denn Wildtiere holen sich hier ihre Nahrung und verbreiten die Erreger.

Wenn es der dänischen Regierung also wirklich ernst ist mit der Verhinderung der afrikanischen Schweinepest, so hilft nur eine komplette Abschottung, eine Desinfektion jedes Fahrzeuges und Durchsuchung jedes Lastwagens nach nicht verzehrten Wurstbroten oder geschmuggeltem Fleisch.

Der Zaun wird als absurdum geführt, wenn eines Tages vielleicht die afrikanische Schweinepest in Dänemark landet, ohne in Deutschland aufgetreten zu sein. Das ist allerdings genauso unwahrscheinlich, wie der Zaun die Infektion durch Wildschweine nach Dänemark hin verhindert.

Für die Menschen beidseits der Grenze wird dieses Politikum jedenfalls eine enorme Herausforderung, auch weiterhin ein offenes Miteinander und einen ungehinderten Austausch zu leben. Immerhin leben viele Dänen auf der deutschen Seite und viele Deutsche auf dänischer Seite.

Und genauso wie der soziale Austausch behindert wird, so schadet der Zaun auch dem Austausch des Wildes, dass von nun an Deutsches Wild und Dänisches Wild sein wird.

Logische Schlussfolgerung währe demnach allerdings auch ein Stopp des Fehmarnbelttunnels, da der hier verstärkt auftretende Transit gar die Schweinepest bis nach Kopenhagen bringen könnte.

Im Herbst jedenfalls soll es losgehen mit dem Bau, etwa zehn Millionen EUR ist den dänischen Populisten ihr Angstwerk wert. Gerne hätten die den Zaun noch deutlich höher gebaut. Traurig für die Gemeinden dies- und jenseits der Grenze, die ich bisher als weites Land erlebt und geliebt habe.

Und da frage ich mich, wie das glücklichste Volk der Erde so ängstlich sein kann. Oder vielleicht doch nicht so glücklich?

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