Ausflugsziele

Seehundstation Friedrichskoog

Die Seehundstation in Friedrichskoog gehört sicherlich zu den Hauptattraktionen Schleswig-Holsteins, denn wer kann schon diesen niedlichen Kulleraugen und dem kleinen Schnauzbart widerstehen? Wir haben die Aufzuchtstation besucht mit durchaus gemischten Gefühlen.

Nun kann sich Friedrichtskoog freuen, eine solche Einrichtung zu haben, touristisch gesehen zieht es eine Menge Menschen an und gleicht damit aus, was das Land durch die Schließung des malerischen Kutterhafens dem Ort angetan hat. Dazu an anderer Stelle mehr.

Davon abgesehen freuen wir uns auch, dass es genau solch eine Einrichtung gibt, denn wir sollten lernen, das Meer mit seinen spannenden und tollen Lebewesen zu schätzen. Nicht ohne Grund beten die Inuit (Eskimo) das Vater unser mit den Worten: „…unser täglich Fisch gib uns heute…“

Glücklicherweise haben Seehunde einfach ungleich mehr Scham als das gewöhnliche Hausschwein und das zieht. Denn die Seehundstation kümmert sich, spendenbasiert, liebevoll und kompetent um diese süßen Meeresbewohner, hat aber mittlerweile auch eine bunte Landschaft rundherum aufgebaut, die sich äußerlich nur in der Größe von einem Zoo unterscheidet.

Enttäuscht waren wir, dass man, wenn man schon recht offensiv das Publikum ins Haus holt, recht unbeholfen mit dem Angebot für Kinder ist. Es beginnt mit den Eintrittspreisen. In Dänemark habe ich es erlebt, dass ich als Erwachsener mehr Eintritt bezahle als  zusammen mit einem Kind. Hier allerdings zahlt man für ein zweijähriges Kind fast so viel wie für einen Erwachsenen. Dann gibt es im Bereich der Seehundfütterung eine sehr fragile Absicherung zu einem Tunnelgang, bei dem wir uns fragen, warum bisher noch kein Kleinkind sich von Mama und Papa losgerissen hat und dort abgestürzt ist. 

Eine schöne Idee ist das Modell eines Seehundes, dessen innere Organe Kinder entdecken können, wenn sie in dies Modell hinein krabbeln. Allerdings sind die Treppenstufen dorthin abfallend, der Bodenbelag hart. Ich hoffe, es hat sich noch kein Kind dort verletzt und hoffe umso mehr, dass es auch so bleibt.

In großen Schautafeln wird sehr viel Wissen vermittelt, unter anderem auch die erschreckende Vergiftung der Seehunde, des Fisches und letztendlich ja auch als Endverbraucher des Menschen mit Plastikrückständen im Meer hingewiesen. Zum Schluss geht es dann zum Ausgang nur durch den Shop. Eltern, zieht Euch warm an. Die Kasse muss klingeln. Auf einmal spielt die Meeresverschmutzung keine Rolle mehr. Wohlstandsmüll wird als Schlüsselanhänger, Kugelschreiber oder kleines Kuscheltier verkauft, Wohlstandsmüll, der containerweise aus Asien zu uns kommt, oftmals auch containerweise unterwegs über Bord geht und die Meere verschmutzt, abgesehen von den Emissionen, die durch den Transport eine weitere Belastung der Meere bedeuten. Sicherlich, es gibt auch gute Produkte dort, aber in einer solchen Aufzuchtstation, wie wir sie unbedingt befürworten, würden wir uns auch konsequente und regionale Nachhaltigkeit als Vorbild für unsere Kinder wünschen.

Nun soll Friedrichskoog finanzielle Förderungen bekommen, um dem argen Verlust der vielen Krabbenkutter zu verschmerzen, ein Teil soll in die Seehundstation fließen, aber ich habe Sorge, dass aus dem Leid einiger Tiere ein Event gemacht wird, in dem der Seehund mehr als niedliches Kuscheltier denn als ein toller und spannender Bewohner unserer Meere gesehen wird.

Ich wünsche mir, dass die Seehundstation Friedrichskoog weiter erfolgreich arbeiten kann, es dabei schafft, uns ins Bewusstsein zu bringen, dass der Lebensraum dieser einzigartigen Tiere für uns tabu ist und wir mit unseren schnellen Motorbooten, dem exzessiven Plastikverbrauch,  der Vermüllung unserer Natur, dem umgezügelten Konsumverhalten, der Überfischung und Energiehunger umdenken müssen und unseren Kleinen beibringen, dass dieser Klöterkram, im hiesigen Shop angeboten, nicht zum Wohl der Tiere beiträgt.

Natürlich verlinken wir gerne auf die Seite der Seehundestation.

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