Historische Schiffe

Rickmer Rickmers

Rickmer Rickmers in Hamburg | © www.rickmer-rickmers.de
Rickmer Rickmers | © www.rickmer-rickmers.de>

Im Jahr 1896 läuft das Vollschiff RICKMER RICKMERS in Bremerhaven vom Stapel. Mit kleiner Besatzung kann der Frachtensegler verhältnismäßig viel Ladung nehmen – bis zu 3.000 Tonnen. Rundreisen führen nach Indochina, Australien, die USA, Südamerika und rund um Kap Horn.
Im August 1904 gerät sie vor dem Kap der Guten Hoffnung in einen Taifun. Die Ladung verrutscht, die RICKMER RICKMERS droht zu kentern. Kapstadt wird als Nothafen angelaufen und das Schiff zur Bark umgetakelt.
Die Besatzung der MAX, wie sie im Sommer 1914 heißt, wird auf der Heimreise aus Chile vom Ausbruch des 1. Weltkriegs überrascht und sucht auf den Azoren Zuflucht; kurze Zeit später beschlagnahmen die Portugiesen das Schiff und setzen es bis 1922 als FLORES ein.
Die portugiesische Marine übernimmt den Segler als Schulschiff SAGRES, installiert zwei Antriebsmaschinen und bildet bis 1962 an Bord Kadetten aus.
Abgetakelt dümpelt sie später als Depotschiff SANTO ANDRE unweit von Lissabon vor sich hin, bis 1983 der Verein „Windjammer für Hamburg“ zugreift, die Hulk nach Hamburg holt, sie liebevoll restauriert und zum Museumsschiff ausbaut.
1987 wird die RICKMER RICKMERS in eine Stiftung überführt und liegt seitdem als Museumsschiff an den St. Pauli Landungsbrücken.

RICKMER RICKMERS – Das schwimmende Wahrzeichen Hamburgs

Wie sah das Seemannsleben an Bord eines Frachtenseglers auf dem Weg nach Hongkong oder Südamerika aus? Die einfachen Mannschaftsräume und die überraschend luxuriösen Offiziersquartiere sowie eine ausführliche Dokumentation im Innern des Museumsschiffes geben darüber sehr anschaulich Auskunft.

Kartenraum | © www.rickmer-rickmers.de

Kartenraum | © www.rickmer-rickmers.de

Der Großsegler, 1896 in Bremerhaven als Vollschiff aus Stahl gebaut, erlebte eine wechselvolle Geschichte. Portugiesische Behörden beschlagnahmten den Frachtensegler im 1. Weltkrieg, überstellten ihn an die englische Marine, die den Windjammer (von englisch „jam“ = „zusammendrücken“) als Transportschiff einsetzte. Nach Kriegsende wurde das Schiff an die portugiesische Marine zurückgegeben und als Schulschiff eingesetzt. 1962 wurde der Segler ausgemustert, dümpelte in einem Hafen bei Lissabon vor sich hin, bevor es 1983 vor dem Abwracken gerettet und nach Hamburg überführt wurde. Dort wurde es liebevoll restauriert, in die gleichnamige Stiftung überführt und ist seitdem als Privatmuseum der Öffentlichkeit zugänglich.

Die RICKMER RICKMERS ist seit 2006 offizielle Schiffspoststelle der Deutschen Post mit einem eigenen Sonderstempel. Nur die Besatzung und eingeschiffte Gäste dürfen diese Poststelle benutzen, die Besucher gehören allerdings dazu! Post aus Hamburg unbedingt hier einwerfen.

Historie

Die SS RICKMER RICKMERS wurde im Jahre 1896 als Vollschiff aus Stahl auf Querspanten auf der firmeneigenen Werft in Bremerhaven gebaut und nach dem Enkel des Firmengründers benannt. Der Rumpf, der schon aus Stahl gefertigt wurde, zeigt die Schiffbaukunst damaliger Zeit im Spantenbiegen, in der Spantverbindung, Nietung und Spanten-Deckverbindung und die Zusammenführung der Spanten im Heckbereich. An dieser Stelle ist die Fähigkeit der Schiffbauer besonders deutlich zu erkennen.

Rickmer Rickmers in Hamburg | © www.rickmer-rickmers.de

Rickmer Rickmers in Hamburg | © www.rickmer-rickmers.de

Der Rumpf ist 97 m lang, 12,20 m breit, der Tiefgang betrug 6 m. Das Schiff war zu der Zeit mit 1.980 BRT und 3.067 TDW vermessen, die mittlere Raumtiefe betrug 7,70 m. Als Vollschiff hatte der Segler eine Segelfläche von 3.500 m2. Die Indienststellung erfolgte im August 1896.

Unter dem Kommando von Kapitän Hermann-Hinrich Ahlers verließ der Segler mit einer Besatzung, die aus dem Kapitän, zwei Steuerleuten, je einem Koch, Zimmermann, Segelmacher und Donkeyman, elf Voll- und drei Leichtmatrosen sowie vier Schiffsjungen bestand, Bremerhaven und versegelte nach Hongkong. Von dort kehrte die SS RICKMER RICKMERS beladen mit Reis und Bambus zurück an die Weser.

Der Segler hat viele glückliche Reisen für die Reederei gemacht, aber es waren auch einige sehr unglücklich verlaufende Reisen darunter. So die Reise, die im August 1903 begann und mit dem Abreiten eines Taifuns 1904 und dem Anlaufen von Kapstadt in Südafrika als Nothafen endete. Dort wurde der havarierte dritte Mast ersetzt und das Vollschiff zur Bark umgetakelt. Als solche kehrte sie im Dezember 1904 – zwei Monate zu spät – nach Bremerhaven zurück.

Die Reisen verliefen wechselvoll; schnellen folgten langwierige Reisen und so wurde 1912 das im Hafen von Delfzyl liegende Schiff von der verdrossenen Reederei sang- und klanglos an die Hamburger Reederei Carl Christian Krabbenhöft verkauft und versegelte unter dem neuen Namen MAX nach Chile in die Salpeterfahrt.

Im Jahre 1916 auf der Heimreise wurden die Azoren angelaufen. Im neutralen Portugal wurde das Schiff beschlagnahmt, den Engländern zur Verfügung gestellt und transportierte von nun an als FLORES Kriegsmaterial. Nach Beendigung des Krieges wurde der Segler von den Engländern an die Portugiesen zurückgeliefert und damit war das Leben als Fracht-Großsegler zu Ende.

Die portugiesische Marine begann mit dem Umbau und setzte das Schiff als Schulschiff für den Nachwuchs der Marine wieder in Fahrt. Wo früher wertvolles Frachtgut gestaut war, wohnten jetzt Kadetten, die mit der See vertraut gemacht werden sollten. Um 1930 herum wurden zwei 350 PS KRUPP Diesel-Motoren als Hilfsantrieb mit den dazugehörenden Hilfsmaschinen eingebaut. Damit stieg der Komfort des Schulschiffes gewaltig.

Der letzte große Auftritt des Schiffes, das unter den Portugiesen den Namen SAGRES erhalten hatte, war 1958, als es die Regatta der Segelschulschiffe vor der norwegischen CHRISTIAN RADICH gewann. Da die Portugiesen 1962 die ehemalige ALBERT SCIILAGETER als SAGRES II in Besitz nahmen, wurde die SAGRES ausgemustert, abgetakelt und unter dem Namen SANTO ANDRE als Hulk an die Marinewerft gelegt. Dort gammelte das Schiff bis 1983 still als Depotschiff vor sich hin.

Der Verein ,,Windjammer für Hamburg“ e. V. wurde 1974 von Wilhelm ,,Fiete“ Schmidt und einigen Hamburger Bürgern gegründet mit dem Ziel, einen Tiefwasser-Segler als Seefahrts-Denkmal und Museum nach Hamburg zu holen. Der Verein hatte 1975 die ersten losen Gespräche mit den Portugiesen geführt, um über einen eventuellen Verkauf der SANTO ANDRE zu verhandeln. Die 1975/76 geführten Gespräche bezüglich der SANTO ANDRE verliefen mit der Zeit im Sande, Einigkeit über das Projekt blieb aber bestehen.

Ganz plötzlich, mit Beginn des Jahres 1983, stellte die portugiesische Marine einige Bedingungen, von denen der Kauf der SANTO ANDRE abhängig gemacht wurde. Der Verein war in der Lage, diese Bedingungen in kürzester Zeit zu erfüllen. In absoluter Rekordzeit, von Ende Februar 1983 bis April 1983, wurden alle Schwierigkeiten aus dem Wege geräumt und dank einiger großzügiger Spender konnte der Segler von der Firma Bugsier nach Hamburg geschleppt und am 7. Mai 1983 anläßlich des Hafengeburtstages dem Verein übergeben werden. Der 7. Mai 1983 war der Tag, an dem die wenig schön aussehende Hulk SANTO ANDRE als RICKMER RICKMERS den Gästen des Hafengeburtstages vorgestellt wurde. Einige Tage konnte die Bevölkerung das Schiff an den Landungsbrücken besichtigen.

Danach wurde das Schiff an den Europakai HDW verholt und die eigentliche Arbeit begann. Von der Werft und einigen Hafen-Dienstleistungsfirmen wurde mit dem Abräumen der großen Teile vom Oberdeck begonnen, um den Technikern die Möglichkeit zur Feststellung von eventuellen Schäden und Erstellung von Plänen zu geben. Nach vielen Diskussionen wurde dann zur freiwilligen Hilfe aufgerufen – und sie kam. Ein Stamm von ca. 50 Helfern hat an den Wochenenden, Sommer wie Winter, in einem Jahr das Schiff entsorgt, so daß eine Übersicht über den Gesamtzustand möglich war. Anfang 1984 wurden dem Verein ABM-Mittel zur Verfügung gestellt. So konnten u. a. arbeitslose Schiffbauer und Schweißer eingestellt werden. Von dem Zeitpunkt an gingen die Reparaturen zügig voran.

Das Schiff wurde gedockt, Ultraschall-Messungen wurden vorgenommen, die Stahlplatten gesandstrahlt und gestrichen und der Innenausbau vorangetrieben. Das Deck wurde mit Holz belegt, die Takelage vervollständigt, der Maschinenraum hergerichtet und Ballast an Bord genommen. Im Maschinenraum ist eine Dampfmaschine sowie einer der Krupp-Dieselmotoren zu sehen. Zusammen werden so die drei Antriebsarten der letzten 100 Jahre – Wind, Dampf, Diesel – dem Besucher veranschaulicht.

Seit September 1987 liegt die SS RICKMER RICKMERS nun am Fiete-Schmidt-Anleger und ist täglich zur Besichtigung freigegeben.

Jeder Artikel wird weiter entwickelt, angepasst, ergänzt. Wenn Sie Anregungen oder Erlebnisse, historische und aktuelle Bilder haben, gerne mit uns zusammenarbeiten oder sich an dieser Stelle präsentieren möchten, dann schreiben Sie an redaktion@weites.land.