Inseln

Pellworm

Pellworm fällt uns wohl zuletzt ein, werden wir nach den Inseln Nordfrieslands gefragt. Pellworm kommt ohne Sandstrand aus und hat auch wenig von Party und Shopping. Aber genau das war es, was mich bewog, außerhalb der Saison ein paar Tage diese Insel zu erfahren und einfach mal abzuschalten.

Pellworm besuchte ich das erste Mal zu Zeiten des typischen norddeutschen Schietwetters, es war kalt, stürmisch und nass. Eine kleine Pension war mein Zuhause. Jeden Tag zog es mich einmal die 28 Kilometer über den Deich um die Insel, auf der ersten Hälfte gegen den Wind, auf der zweiten dann mit ihm. Meine Erkältung und meine überschüssigen Pfunde ließ ich auf der Insel.

Grün, so weit das Auge reicht, Schafe, die auf dem umlaufenden Deich grasen, Pferde als Ersatz für die fehlenden Autos, Rad- und Wanderwege, die sich wie ein Netz über diese Insel legen.

Landwirtschaft und ein sanfter Tourismus, das sind Gründe genug, Pellworm zu besuchen. Pellworm ist immerhin die drittgrößte Insel Nordfrieslands und als reine Marschinsel eine Besonderheit unter ihren Geschwistern.

Zu Lande, zu Wasser, zu Watt

Auf die Insel geht es zunächst ab Nordstrand mit dem Schiff. Nach 35 Minuten Fahrt durch das Wattenmeer erricht man den kleinen Inselhafen und ist schon wenige Minuten vor der Ankunft in Pellworm verliebt. Bei Ebbe liegt hier die kleine Flotte der sechs Krabbenkutter und kommen diese zurück vom nächsten Fang, gibt es hier die frisch gefangenen und gekochten Nordseetierchen.

 

Alles läuft gemächlich ab mit der stoischen Ruhe der Nordfriesen und so haben unmotorisierte Fahrzeuge und Pferde auch Vorrang. Das Auto sollte man zusammen mit iPad und Telefon in Nordstrand lassen, denn auf der gerade einmal sechs mal sieben Kilometer großen Insel erreicht man auch so alle Ziele in kurzer Zeit.

Dafür leiht man sich eines der geduldigen Inselpferde oder ein Fahrrad. Süße kleine Hotels, Ferienwohnungen und familiär geprägte Pensionen bieten etwa 2000 Gästebetten. Erstaunlich für Pellworm, was doch so zierlich wirkt. Mehr als 160.000 Übernachtungen werden hier jährlich gebucht und wenn ich auf dem Festland Pellworm-Besucher getroffen habe, sah man deren Begeisterugn in ihren Augen.

Ein ganz besonderes Erlebnis ist ein Ausritt ins Watt, natürlich in Begleitung von kundigen Wattführern. Denn, so faszinierend das Watt ist, so fordert es auch Respekt. So sollten auch Spaziergänge ins Watt nur nach dem Gezeitenkalender unternommen werden, nachdem man sich mindesten ausgiebig mit Ebbe und Flut beschäftigt hat.

Leuchtturm

 

Die umlaufenden, acht Meter hohen Deiche sind ja schon ein toller Aussichtspunkt, aber es geht noch besser. Ein Besuch auf dem Leuchtturm mit seiner Höhe von 41,50 Metern ermöglicht ein atemberaubendes Panorama über Insel und umliegendes Wattenmeer. Seit 1907 hilft dieses Seezeichen bei der Orientierung durch ruhige und auch schwere See. So ist es ein tolles Symbol auch für den Start in die Ehe. Denn hier befindet sich das Trauzimmer auf Pellworm. Termine und Tickets für den Besuch gibt es beim Tourismus-Service. Kinder unter acht Jahre dürfen so lange mit den Schafen auf dem Deich knuddeln, sie müssen einfach noch ein bisschen wachsen, um den Turm betreten zu können.

St. Salvador-Kirche

Ein weiteres Seezeichen steht an der Westseite. Die beeindruckende Kirche mit ihrer Turmruine. Ursprünlich war der Turm stolze 50 Meter hoch und weithin sichtbar. Doch stürzte er zu Beginn des 17. Jahrhunderts ein, heute misst er noch 26 Meter.

Auch im Inneren beherbergt diese Kirche Besonderes. Eine kostbare Orgel, gebaut von Arp Schnitger, dem berühmten Orgelbaumeister. In den Sommermonaten findet jeden Mittwoch ein kleines Orgelkonzert statt und der Besuch eines dieser Konzerte gehört eigentlich dazu, will man das unerwartet vielfältige Inselleben in sich aufnehmen.

Spannendes und Interessantes über die Kirche und ihrem Programm gibt es unter alte kirche pellworm.

Nordermühle

Im Jahr 1652 wurde der Bau der Nordermühle vollendet. Der Zwickstllholländer sollte die landwirtschaftlichen Erzeugnisse gleich auf der Insel verarbeiten. Heute behergt die wunderbar erhaltene Kornmühle richtig schöne Ferienwohnungen.

Kur- und Badeurlaub

Auch, wenn der längste Sandkasten der Welt auf der Insel fehlt, die bis ans Wasser grünen, acht Meter hohen Deiche geben Gelegenheit genug, einen schönen Platz an der Sonne und am Wasser zu finden. In der Saison bieten die für den Norden so typischen Strandkörbe ein kleines geschütztes Refugium.

Wer es wärmer mag, den lädt das Freizeitbad „Pelle“ ein, bei 29 Grad Wassertemperatur seine Runden zu ziehen oder sich ordentlich auszutoben. Ein gepflegter Saunagang, vielleicht nach einer Inselumrundung, macht die Erholung perfekt.

Pellworm ist anerkanntes Nordseeheilbad und so ist die Insel mit ihrem Angebot perfekt zum Kuren und Entspannen. Zahlreiche Bäder- und Wellnessangebote im fast familiären Rahmen richten sich auch an erholungssuchende Elternteile.

Milch von Pellworm und Energie, Energie, Energie

Auf der Insel leben 1.700 Menschen und jede Menge Rindviecher. Die Landwirte auf Pellworm haben sich der Milch- und Fleischproduktion verschrieben. Etwa 70 Prozent der landwirschaftlichen Flächen sind Weiden für diese Tiere. Das Nordseeklima und der fruchtbare Boden wirken sich entsprechend auf Geschmack und Qualität aus.

Und was vorne reinkommt, kommt hinten raus, so ist das mit dem Kreislauf. Ganz hinten kommt es aus der Steckdose, denn der Dung der Tiere wird als Biomasse zur Stromgewinnung genutzt. Windstrom und Solarenergie machen den Energiehaushalt komplett. Damit produziert Pellworm zweimal mehr Strom, als es selbst benötigt. Damit hat die Insel Modellcharakter für die grüne Stromgewinnung. Wie grün allerdings Windräder wirklich sind, wenn man an die Entsorgung der giftigen Rotoren und die vielen Tausend schwer verletzten und toten Vögel denkt, ist eine hoffentlich irgendwann einsetzende, andere Diskussion. Auf Pellworm sind die Windanlagen zum Glück noch sehr zurückhaltend.

Ein Kilo Watt sind zwei Pfund Schlick

Das Wattenmeer ist das Zuhause der Marschinsel Pellworm und es prägt Landschaft, Tier und Menschen seit Hunderten von Jahren. Große Sturmfluten haben ihre Spuren hinterlassen und diese werden im Watt auch immer noch sichtbar. Zweimal am Tag legt das Meer den Boden frei und zusammen mit dem Nationalparkranger kann man auf Tour gehen an den Ort, an dem einst der Ort Rungholt in den Fluten versank. Noch immer kommen aus jener Zeit Fundstücke an die Oberfläche.

Westlich der Insel liegen die beiden größten Sandbänke Europas, Norderoogsand und Süderoogsand. Hier aalen sich unzählige Seehunde in der Sonne, bevor sie wieder auf Fischfang gehen.

Von Pellworm aus starten während der Saison Ausflugsschiffe zu den benachbarten Halligen, unter Führung (Alleingänge im Watt sind lebensgefährlich!) kann man eine Wanderung nach Hallig Hooge unternehmen.

Pellworm wird mehrmals täglich von Nordstrand aus angefahren.

Jeder Artikel wird weiter entwickelt, angepasst, ergänzt. Wenn Sie Anregungen oder Erlebnisse, historische und aktuelle Bilder haben, gerne mit uns zusammenarbeiten oder sich an dieser Stelle präsentieren möchten, dann schreiben Sie an redaktion@weites.land.