Dänemark

Novembertage in Vejers Strand

Wohin wollen wir dieses Mal? Idealerweise liegt es in drei bis vier Stunden erreichbarer Nähe, ist ein wenig abgelegen, hat weite Strände und Dünen, Vejers ist die erste Wahl. Irgendwie kommen wir immer wieder auf Vejers und Vejersstrand zurück, dem kleinen Badeort wenige Kilometer nördlich von Blåvand. Im Sommer sieht es hier anders aus, aber jetzt sind die Ferien vorbei, ebenso das Wetter für die Sonnenanbeter. Genau richtig für uns.

Gleich am Ortseingang wartet der hyggelige Däne auf uns, unsere Ferienhausvermietung. In wenigen Minuten haben wir den Schlüssel, fahren an einer kleinen Tankstelle mit Selbstbedienung und zwei Campingplätzen vorbei. Kaum ein Fahrzeug, was uns begegnet, in Seitenstraßen versteckt liegende Ferienhäuser, in denen abends vereinzelt Licht brennt und schon sind wir im Zentrum des Ortes.

Die Straße endet hier, genauer gesagt, sie endet auf dem Strand. Wir biegen vorher ab, unser kleines Domizil liegt mitten in den Dünen. Ein typisches Sommerhaus mit Elektroheizung und Kamin, auf Sauna und Pool konnten wir gut verzichten. Wir haben Glück mit diesem Häusschen, das Holz im Inneren ist weiss gestrichen und auch das Mobilar ist in neuem Zustand, dänische Klarheit zeigt sich in der Inneneinrichtung. Also zuerst den Zählerstand ablesen, die Elektroheizungen, den Boiler hochdrehen und für ein wohliges Feuer im Kamin sorgen. Doch hier trügt jedes Angebot. Eh man sich versieht, liegt der Stromverbrauch bei täglich 10-15 €, ein Sack Holz reicht für einen Abend am Kamin, Kosten, die es mit sich bringt, möchte man in der kühleren Jahreszeit hier her.

Dann kommt der abendliche Spaziergang, sternenklarer Himmel, das nahe Rauschen des Meeres und die gute frische Luft… Doch es stinkt. Nach verbranntem Holz, Rauch zieht unangenehm aus allen Ecken der Dünen durch die Nase, denn wir sind nicht dieEinzigen, die mittlerweile die günstige Nebensaison nutzen. In vielen Ferienhäusern sind billige Kamine mit erschreckender Feinstaub- und Geruchsbelästigung, nicht anders als bei uns zuhause. So gut es geht, suche ich mir im Halbdunkel den Weg zum Meer, der Wind bläst kräftig ins Gesicht und das Salz klebt förmlich auf der Haut. Die steile Düne geht es hinab und dann den breiten Strand bis zum Ort, um auf normalen Wege unser Häuschen wieder zu finden. Von Strandseite währe das bei Dämmerung ein sinnloses Unterfangen.

Irgendwelche Volldeppen brauchen auf ihren SUV´s nicht nur die breitesten Reifen, sondern auch an ihrer Stirn die hellsten Scheinwerfer. Die Hunde werden ausgeführt, munter die Umgebung ausgeleuchtet ohne Rücksicht, ob man in andere Ferienwohnungen strahlt oder Spaziergängern wie mir mitten ins Gesicht. Liebe Touristen, investiert in eine ordentliche kleine Maglite und strahlt damit auf den Boden, wenn Ihr zu blind seid, das Restlicht von Mond und Sternen zu nutzen, ihr müsst keinen Fußballplatz ausleuchten. Es nervt!

Morgens scheinen die ersten Sonnenstrahlen durch das Fenster, schnell zieht es uns hinaus, warum sollte man nicht vor dem Frühstück mal so richtig ausstinken, wie meine Frau meint, so verbinden wir den Brötcheneinkauf mit einem ausgiebigen Spaziergang. Kind kommt in den Wagen, der Hund an die Leine, eine warme Jacke und schon gehts los.

Wunderschöne Pfade durch die weitläufigen Dünen, belegt mit gehäxeltem Holz, führen alle irgendwann zur letzten Düne vor dem Meer, immer wieder gibt es steile und sandweiche Abgänge, schnell sind wir auf dem breiten und festen Strand. In diesem Abschnitt dürfen keine Autos fahren, auf dem gegenüberliegenden Bereich dagegen schon. Wir genießen die Weite, die Ruhe, lassen den Hund rennen und Möwen jagen, werfen ein Stück Treibholz in die Brandung, die der Hund bis zur Erschöpfung wieder heraus holt. Der Kopf verabschiedet sich vom Alltag, wir breiten die Arme aus und fühlen uns leicht und frei, frei, frei….. Strand, so weit das Auge reicht, Meer bis an den Horizont, lebendige Wellen, genau das, was wir an der Westküste in Dänemark so lieben.

Etwas weiter, über den Autostrand, beginnt das Übungsgebiet des Militärs. Rote Kugeln und Blinklichter warnen bei Schießübungen, dann ist auch der in Richtugn Blåvand liegende, hintere Strand gesperrt. Etwas unheimlich, vor allem bei nächtlichen Übungen, ist das Gegroll schon, auch, wenn die Leuchtraketen uns in der Nacht gefühlt verfolgen. Doch ansonsten ist das Gebiet frei zugänglich, aus den Dünenanhöhen heraus bietet sich immer wieder eine ganz neue verträumte Perspektive über den kleinen Ort.

Und in diesen geht es jetzt wieder zurück. Eine Galerie, ein Modegeschäft, der kleine Lebensmittelladen, die familiären Gastronomien, all das wirkt ein wenig verschlafen, Saison war gestern. Vereinzelt haben sie nur noch geöffnet, uns stört es nicht. An der Ecke gibt es immerhin noch dänisches Softeis, also ich meine, das originale dänische Softeis. Große Portion und lecker, man kann es gar nicht beschreiben. Es kann uns nicht kalt genug sein, die in Schoko gehüllte und mit Krokant verzierte kühle Masse in der Waffel zu probieren. Bis zum Errichen unseres Hauses wird von unserer kulinarischen Entdeckeung Dänemarks in diesem Falle nichts mehr übrig sein.

Zuhause angekommen, fallen uns die Augen zu, Nordseeluft strengt an. Die ersten Tage fühlen wir uns nach unseren Aktivitäten wohlig schwer und können es sogar genießen, wenn dann der Regen gegen die Scheiben prasselt. Dann warten wir auf den nächsten Tag und lassen den Strand Strand sein. Heute geht es durch die Dünen ins nahe gelegene Naturschutzgebiet. Weiche Wege, gut mit dem Kinderwagen zu fahren und darauf zu joggen, ausgewiesene Reitwege, lichte kleine Wälder in der dezenten hügeligen Landschaft, ein kleicher Tümpel mit moorigen Wasser und immer mal wieder in der Ferne das ein oder andere reetgedeckte rote Häusschen auf dem Gipfel einer Düne…

Vejers, das ist jedes Mal eine neue Entdeckung. Bisher haben wir keine Jahreszeit ausgelassen, schon einige Male Weihnachten und Sylvester mit Freunden hier verbracht und nun geht es zurück, zum hyggeligen Dänen, um den Schlüssel wieder abzugeben und den Prospekt für den nächsten Besuch gleich mitzunehmen. Vejers, Du kennst uns ja schon, so oft wir hier waren. Aber wir kennen Dich immer noch nicht. Aber lieben Dich. Bis bald.

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