Grenzlandgeschichten Slesvigland Geschichte

Nordschleswig nach der deutschen Kapitulation 1945

Dänemark wurde am 09. April 1940 überfallartig durch das deutsche NS-Regime besetzt. Zunächst ließ man den Institutionen wie Polizei, Militär und Regierung freien Lauf. Doch durch den verstärkten Widerstand der Dänen, die sich gegen die Besatzung vermehrt auflehnten, löste die Besatzungsmacht die Strukturen von Polizei und Militär vollständig auf und ging hart gegen den Widerstand der Dänen vor.

Insgesamt starben etwa 850 dänische Widerstandskämpfer, 600 in deutsche Konzentrationslager deportierte Dänen und u.a durch U-Boot-Beschuss 1800 dänische Seeleute. 

Grund genug also, fünf Jahre nach der Besetzung mit der deutschen Kapitulation am 05. Mai 1945 mit den Deutschen abzurechnen. egal, ob sie aktiv oder passiv oder völlig unbeteiligt waren. Blinder Hass auf alles Deutsche sollte sich ab jetzt in den nächsten Wochen und Monaten entladen und der machte selbst vor kleinen Kindern nicht halt, die ihre Eltern verloren hatten.

Die dänische Widerstandsbewegung kam nun aus ihrer Deckung hervor, trug Stahlhelme und eine Armbinde und beteiligte sich in ihrer ungezügelten Art der Abrechnung. Doch nicht alles passierte öffentlich, vielmehr versuchte man, die Deutschen aus dem Land zu vertreiben, in dem man ihnen jede Grundlage des alltäglichen Lebens nehmen wollte.

Zudem hatte sich das NS-Regime großzügig aus der dänischen Staatskasse bedient und so war man motiviert und bemüht, sich das Geld in irgendeiner Form zurück zu holen. Ideales Kapital dazu boten die 45 privaten deutschen Schulen und die 31 deutschen Kommunalschulen. Sie wurden geschlossen. Bereits am 23. August versteigerte man fünf ihrer Gebäude auf der Insel Als (Alsen).

Das deutsche Unterrichtsmaterial wurde beschlagnahmt und auf dessen ideologische Einflüsse hin überprüft.  Zum Teil wahllos, zum Teil durch nachgewiesene Teilnahme und Unterstützung des fremden Regimes wurden auch die meisten Lehrer interniert oder inhaftiert. An Unterricht also war gar nicht mehr zu denken. Jedenfalls nicht an deutschen Schulen.  So mussten etwa 3.000 Kinder von nun an die dänischen Schulen besuchen. Die konfiszierten Gebäude sollten erst wieder nach Bezahlung der entsprechenden Forderungen durch die dänischen Behörden zurück gegeben werden.

Die bürgerliche Gesellschaft und ihnen voran der dänische Widerstand war nun bemüht, alles Deutsche wegzuekeln. Dazu war jedes Mittel recht. Anfangs geschah das noch heimlich, weil man ja auch weiterhin als guter Däne dastehen wollte. So wurden Schaufenster deutscher Geschäfte zugeklebt mit einem Verbotshinweis für die Alliierten, diesen Laden zu betreten. Und wo schon keine Soldaten hingingen, da mieden auch die Dänen solche Läden. Die seit der Kapitulation der Deutschen waren nun die Engländer als Ordnungsmacht in Dänemark eingerückt wussten von einem solchen Verbot allerdings nichts und entfernten mühsam solche Boykotte.

Doch darüber hinaus (der Widerstand hatte noch Unmengen an Waffen und Munition) begann man nun mit subtileren Methoden der Angst, die Deutschen zu vertreiben. Den Auftakt bildete sicherlich die verständliche Sprengung des deutschen Siegerdenkmales auf den Düppeler Schanzen am am 13. August 1945. Auch der Bismarckturm auf dem Knivsberg wurde, wie viele andere Denkmäler, weggesprengt.

Es war aber auch der Beginn eines Progromes gegen diese Minderheit. In Sonderborg traf es eine Bäckerei und eine Fleischerei, die durch Bombenanschläge stark beschädigt. Im Apenrade brannte man den deutschen Ruderclub nieder. Im deutsch dominierten Tondern folgten gleich sechs Sprengstoffanschläge auf deutsche Läden. Die Druckerei der Nordschleswiger Zeitung wurde komplett zerstört, ihr Papier wurde nach Flensburg zur dänischen Zeitung „Flensborg Avis“ gebracht.

Auch auf die nun in provisorischen Unterkünften neu startenden deutschen Schulen wurden Anschläge mit Bomben verübt, einhergehend mit klaren Morddrohungen an die Organisatoren. ebenso schlossen zahlreiche Vereine und sogar manche Feuerwehr kategorisch jeden Deutschen aus.

Bei einer Weihnachtsfeier mit 350 deutschen Gästen in der Nacht vom 27. auf den 28. Dezember 1948 schoss ein dänischer Veteran blindlings von außen auf das Versammlungshaus. Dabei wurde eine Deutsche durch einen Kopfschuss getötet. Wie tief der Hass gegen diese Volksgruppe sich aber durch die ganze dänische Gesellschaft zog, zeigt das Urteil gegen den Schützen. Er bekam zunächst nur fünf Monate Gefängnis, musste aber nach einer Revision immerhin doch 18 Monate ins Gefängnis.

Aber auch anonym bestellte Beerdigungskränze, Angebote für Grabsteine, Termine für Bestattungen  zerstörten auf lange Sicht ein gesellschaftliches Zusammenleben zwischen Dänen und Deutschen.

Insgesamt war die Polizei in ihrer Aufklärung der ganzen Taten und mit ihrem Schutz bedrohter Menschen sehr zurückhaltend. Ärzte weigerten sich, Deutsche zu behandeln und dabei war es ihnen egal, ob es sich im ein einsames zweijähriges Mädchen oder um eine alte Frau handelte. Das dänische Rote Kreuz, zur Neutralität verpflichtet, ließ die Flüchtlinge ebenfalls alleine, weil man sich nicht gegen die Gefühle der dänischen Bevölkerung stellen wolle.

Dänemark 1945 und die 7000 toten Kinder

Jeder Artikel wird weiter entwickelt, angepasst, ergänzt. Wenn Sie Anregungen oder Erlebnisse, historische und aktuelle Bilder haben, gerne mit uns zusammenarbeiten oder sich an dieser Stelle präsentieren möchten, dann schreiben Sie an redaktion@weites.land.

Schreibe uns Deine Meinung